Arroganz, Vermessenheit und Selbstüberschätzung

Medien und Journalisten - Ihre einseitige Darstellung von Trump im Wahlkampf ist nicht das einzige Beispiel – AfD und Klimaschutzpolitik gehören ebenfalls dazu - Wie sich ein Beruf abschafft

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Der Rückzug beginnt, schrieb die FAZ (hier), nachdem Donald Trump zum neuen amerikanischen Präsidenten gewählt war. Von einer Mauer zu Mexiko sei ebenso wenig die Rede wie von einem Einwanderungsstopp. Statt Millionen auszuweisen, solle künftig der Missbrauch bei Arbeitsvisa bekämpft werden. Wieviel von Trump als Wahlkämpfer wird also bleiben? Vieles klinge schon anders als im Wahlkampf, war ebenfalls in der FAZ zu lesen. Den Eindruck, dass Trump im Wahlkampf den Mund reichlich voll nahm, musste man in der Tat haben. Ob er in noch weiteren seiner Ankündigungen – darunter die Abschaffung des staatlichen Gesundheitsprogramms Obamacare, die Abkehr von der ruinösen Klimaschutzpolitik und die Aufkündigung des Nuklearabkommens mit Iran – nur ein Maulheld war, wird sich zeigen. Feinsinnig formulierte ein FAZ-Leser: Da die Schienen, auf denen Trumps Zug rolle, von anderen verlegt würden, sei das ein Grund zu hoffen.*)

Als Trump noch nicht gewählt war, haben Medien des politischen Mainstream aus ihrer Abneigung gegen ihn keinerlei Hehl gemacht, haben sich in einseitiger Darstellung hervorgetan und in elitärer Arroganz nicht erkennen wollen, dass ein Großteil der amerikanischen Wähler ganz anders dachte als sie.**) Das mitzubekommen, war auch diesseits des Atlantiks nicht sonderlich schwer. Immerhin jedoch haben einige Vertreter dieser Medien wenigstens ihren Irrtum über Trumps große Gefolgschaft eingestanden, darunter Martin Ganslmeier vom ARD-Studio in Washington (hier): „Ja, auch wir Journalisten müssen einräumen: Wir haben ganz offensichtlich die wahre Stimmungslage im Land bis zuletzt nicht richtig eingeschätzt.“ Und die FAZ ehrt es, obwohl im Hauptstrom gegen Trump mitschwimmend, einen Beitrag über „Die Hybris der Meinungsmacher“ gebracht zu haben. Allerdings im Feuilleton, nicht im politischen Teil des Blattes. Bitte hier weiterlesen

Kommentare zum Artikel

Gravatar: Van Kipferl

Und der Personenkreis, dessen Interessen Frau Clinton als Präsidentin vertreten würde, läßt nicht locker: jetzt wird in den Staaten, in denen das Wahlergebnis knapp ausfiel, nachgezählt. Hatte man nicht vor den Wahlen an Trump appelliert, ein guter Verlierer zu sein und den Wahlausgang zu akzeptieren? In den zwei vergangenen Wochen wäre ja genügend Zeit gewesen, die abgegebenen Stimmzetteln ein wenig zu "frisieren". Da es ja um viel Geld geht, dürften Kosten dabei keine Rolle spielen: bin wirklich gespannt, ob die Dems damit durchkommen.

Gravatar: Hans-Peter Klein

Bis auf das Einprügeln gegen die Energiewende eigentlich ein gut geschriebener Artikel, bei dem auch ich mich wieder finden kann. Sei es die Medienverzerrung, der undemokratische Umgang mit dem neuen Konkurrenten AfD, in den zitierten Lesermeinungen sehe auch ich mich in vielem bestätigt: Ein geschürter Riss und eine rationale Diskursverweigerung durchziehen lähmend die Gesellschaft.

Bleibt mal wieder das Phänomen: Energiewende.

Mir ist bis heute nicht klar welche eigentlichen Motive die Fundamentalkritiker der Energiewende da eigentlich antreibt. Es sind nur Vermutungen die ich anstelle, aber ich stelle sie einfach mal hypothetisch in den Raum:

* Es geht gar nicht um Technik, um Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit, usw, es geht um einen unausgesprochenen massiven Interessenkonflikt zwischen der 'Atom+Fossil Lobby' und einem, aus einer Bürgerbewegung von unten entstandenen uralten Protest aus den '80er Jahren, dessen Erfolg, erst national, nun auch international, eben jene Ex-Gewinner der old school-Energiepolitik als Verlierer dastehen lässt.

* Den oben beklagten Riss und die rationale Diskursverweigerung nehme ich umgekehrt ebenso bei den Energiewendegegnern wahr, ganz speziell bei den Vertretern von EIKE, warum: Das Verhaltens-Muster ist ähnlich, nur entgegen gesetzt: Der Gegner, diesmal die Energiewendebefürworter, werden verteufelt, deren Argumente nicht ernst genommen, ins Lächerliche gezogen (versucht wirds), es werden wahre Horrorszenarien als wahrscheinlich an die Wand gemalt (desaströs, ruinös, Mittelalter, usw.).
Die gesamte Fundamentalkritik gegen die Energiewende ist nicht konstruktiv lösungsorientiert, sie trägt aus meiner Sicht ebenso fundamentalistische Züge.

* Die Klimadebatte als Legitimationskriterium der Energiewende wird einseitig hoch gepuscht, allerdings von allen Seiten.
Gäbe es nicht die Klimadebatte, die Energiewende wäre genau so gut über die Ressourceneffizienz, über Autonomie und Nicht-Erpressbarkeit eines Industrielandes zu begründen, neben industriepolitischen, beschäftigungspolitischen und weiteren Argumenten.

Meine letzte Vermutung:
Könnte es sein, wäre es denkbar, dass auch dieser Riss gewollt und interessengesteuert ist ? In unterentwickelten Ländern lassen sich dadurch leicht einzelne Volksgruppen gegen einander aufhetzen bis hin zum Bürgerkrieg, in entwickelten Industrieländern führt es immerhin zu einer enormen Schwächung des nationalen Konsenses.

Cui bono

MfG, HPK

Gravatar: Klaus Peter Krause

@Hans-Peter Klein: Ihr "Bleibt mal wieder das Phänomen: Energiewende" animiert dazu, Ihre Motiv-Überlegungen der Reihe nach durchzugehen und kurz mein eigenes Motiv zu erläutern. Alle Ihre vier möglichen Motive gehören nicht dazu. Vielleicht schreibe ich einen Beitrag darüber. Im Augenblick aber fehlt mir dafür die Zeit. Klaus Peter Krause

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