Auslandssender

USA und EU fürchten Erfolg von „Russia Today“

Wer täglich mit immergleicher Konsenspropaganda berieselt wird, sehnt sich nach Kontrastprogramm. In Europa und den USA werden „Russia Today“ und „Al Jazeera“ immer beliebter.

Foto: James Cridland/flickr.com/ CC BY 2.0
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Im Dritten Reich war es die BBC. In der DDR war es das Westfernsehen. Der „Feindsender“ war das Fenster zur Außenwelt, das Ventil, um sich vom Druck der Propaganda zu befreien, um andere Meinungen zu hören und um seine Neugier zu befriedigen: Was sagen die Anderen?

Heute sind es insbesondere die englischsprachigen Ausgaben von „Russia Today“, „CCTV“ (China) und „Al Jazeera“ (Katar), die den Blick hinter die Mauer des westlichen „Manufacturing Consent“ erlauben. In Deutschland ist die Sehnsucht so groß, dass es sogar eine Online-Petition mit der Aufforderung gibt, „Russia Today“ solle auch auf Deutsch auf Sendung gehen. Angeblich soll es noch Ende 2014 soweit sein. Eine offizielle Verkündung seitens des Senders gibt es jedoch noch nicht.

Während „RT“ („Russia Today“) in Europa noch ausbaufähig ist, feiert es in den USA große Erfolge. Selbst der ehemalige CNN-Talkshow-Star Larry King ist zu „RT-America“ gewechselt. Der wohl umstrittenste Journalist der Welt, Julian Assange, hat auf „RT“ eine wöchentliche Talkshow. Noam Chomsky, einer bekanntesten amerikanischen Intellektuellen überhaupt, der von den US-Medien gemieden wird wie das Weihwasser durch den Teufel, wurde von „RT“ mehrfach interviewt. Während 2011 die populäre Protestbewegung „Occupy Wall Street“ von den US-amerikanischen Mainstream-Medien totgeschwiegen oder in schlechtes Licht gerückt wurde, lieferte „RT-America“ eine umfangreiche Berichterstattung. Für viele junge Amerikaner ist es die Stimme der Opposition.

Propaganda – Gegenpropaganda

Die ehemalige US-Außenministerin Hillary Clinton stellte in einem öffentlichen Statement besorgt fest, dass sich die USA in einem Informationskrieg mit ausländischen Sendern wie „RT“, „Al Jazeera“ und „CCTV“ befänden: „We are in an information war. And we are loosing that war.”

Während noch im Golfkrieg von 1990/91 CNN mit seinen „embedded Journalists“ die Welt auf US-Kurs hielt und die Mär vom „sauberen Krieg“ verbreitete, war beim Angriff auf den Irak 2003 „Al Jazeera“ vor Ort. Schon bekam die Welt die dunkle Seite westlicher Kriegsführung zu sehen. Da half es auch nicht, dass das Bagdader Büro von „Al Jazeera“ durch amerikanische Flugzeuge bombardiert wurde – angeblich versehentlich.

Natürlich weiß man, dass „Al Jazeera“ das Sprachrohr Katars ist und niemals gegen den Scheich in Doha wettern oder dessen politische und wirtschaftliche Interessen gefährden würde. „Al Jazeera“ ist wie „Russia Today“ ein hochprofessioneller Propagandasender.

Doch welcher Fernsehsender ist es nicht? Wer seine Informationen via MSNBC, CNN und FOX News bezieht, wird auf die Interessen von „Corporate America“ eingeschworen. Wer ZDF und ARD schaut, bekommt den kleinsten gemeinsamen Nenner der deutschen Politbürokraten vorgesetzt. Alle öffentlichen Sender unterliegen staatlicher Aufsicht, alle privaten Sender spiegeln die Interessen der Investoren wider. Was für TV gilt, gilt auch für die Printmedien.

Der aufgeklärte, bewusste und kritische Bürger weiß deshalb seit langem: Wer sich ein „objektives“ Bild von der Lage machen will, muss unterschiedliche Medien miteinander vergleichen. Zwar weiß man dann immer noch nicht, wer näher an der Wahrheit liegt. Doch wird auf diese Weise wenigstens klar, wer welche Interessen vertritt.

„RT“ alias „Russia Today“ – der erfolgreichste Nachrichtensender des Internets

Der Erfolg von „Russia Today“ mit seiner Washingtoner Dependance „RT-America“ erregt im US-Polit-Establishment Besorgnis. CNN ist kein Nachrichtenleitmedium mehr. Denn insbesondere die jungen Menschen weichen zu ihrer Informationsbeschaffung auf alternative Medien oder das Internet aus. „FOX News“ gilt als Medium für konservative Südstaatler und ältere Leute. Die US-amerikanische Jugend zieht die „Huffington Post“ vor oder guckt im Internet die Videos von „RT-America“.

Im Internet ist der russische Sender mittlerweile eine Informationsgroßmacht. Mit mehr als einer Milliarde (!) Videoabrufen auf „YouTube“ lässt „RT“ die Konkurrenz weit hinter sich. Die Internetnutzer scheinen es zu schätzen, dass auf „RT“ auch jene politischen Ansichten zu Wort kommen, die in den Mainstream-Medien der Konsensmaschine zum Opfer fallen, auch wenn es sich manchmal um extreme oder verschwörungstheoretische Ansichten handelt.

Über TV-Satelliten ist „RT“ global auf dem Vormarsch. Gesendet wird auf Russisch, Englisch, Spanisch und Arabisch. In der arabischen Welt gehört „Rusiya Al-Yaum“ – wie „RT“ dort genannt wird“ neben „Al Jazeera“ und „Al Arabiya“ (Dubai) zu den wichtigsten Nachrichtensendern.

Das Erfolgsgeheimnis von „RT“: junge Frauen – frecher Auftritt

„RT-America“ hat TV-Stars hervorgebracht. Ein Beispiel ist Alyona Minkovski, eine überdurchschnittlich attraktive Politikshow-Moderatorin mit schlagfertiger Zunge. Mit ihrer frechen Art gewann sie Einschaltquoten und Sympathien. Die in Kalifornien aufgewachsene Tochter einer russischen Eiskunstläuferin und eines in den USA agierenden russischen Geschäftsmannes hatte ihre eigene Fernsehsendung: die „Alyona Minkowski-Show“. Sie gehört zu den ersten Journalisten, die im Fernsehen Julian Assange interviewten. 2011 wurde sie im Forbes Magazin zu den 30 einflussreichsten Medienpersönlichkeiten unter 30 Jahren gezählt. Schließlich wurde sie von der „Huffington Post“ abgeworben, wo sie in Los Angeles die Show „HuffPost Live“ moderiert.

Doch Alyona Minkowski ist nicht die einzige erfolgreiche RT-Journalistin. Es scheint ein Geheimrezept zu sein, smarte und attraktive Frauen vor die Kamera zu stellen, die möglichst provokativ die Weltpolitik hinterfragen. Selbst die 1980 in der armenischen SSR geborene RT-Chefredakteurin Margarita Simonyan passt in dieses Bild. Ihre ersten Meriten hatte sie als mutige Tschetschenienkrieg-Berichterstatterin erworben.

Ob man mit der RT-Berichterstattung konform geht oder nicht, ob man sie – wie US-Außenminister John Kerry es formuliert hat – sie als russisches „Propaganda Bullhorn“ ansieht oder nicht: Gegen „Russia Today“ wirken die unprovokativen Politsendungen auf „Euronews“ oder die deutschsprachigen Nachrichten auf „n-tv“ und „N24“ wie das Einschlafprogramm der „Aktuellen Kamera“, dem alten DDR-Nachrichtenformat.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: ThomasThoelke

Viel Wortgeklingel gegen einen noch nicht freigeschalteten Feindsender. Die "Freie Welt" wird gleich mit abgewatscht; weil so frei, einen derartigen Text zu veröffentlichen, ist Freiheit dann doch nicht gemeint. Könnte es sein, daß der sich informiert gebende Schreiber Teil jener meinungsbildenden Kaste ist, die er hier in Gefahr sieht. Wenn er denn mit den offiziellen Verlautbarungsorganen bis dato zufrieden ist, sei ihm seine intellektuelle Bescheidenheit gegönnt.

Gravatar: jonas

Leider hat sich die Süddeutsche Zeitung vor einem Jahr in einem Artikel direkt für den Einsatz von ausländischen Leihmüttern für Homosexuelle samt standesamtlichen Schutz ausgesprochen. Unseren Leserbrief, "dass die dazu nötige Hormonbehandlung den armen Frauen in der Dritten Welt schade" wurde lapidar mit "kann leider nicht veröffentlicht werden" beantwortet.
Ich hätte nie gedacht, dass Russland die einzige Weltmacht ist, die die "Vater-Mutter-Kind-Familie" hochhält. Unsere Leitmedien halten alles für "rechtsradikal", was nicht die "sexuellen Vielfalt" befürwortet. Als Lehrer habe ich einen Amtseid abgelegt - wohin soll ich mich wenden?

Gravatar: keinUntertan

"Neue deutsche Rechte" ist ein Schlagwort, dass Andere bestimmten Gruppen von außen übergestülpt haben. Denn "rechts" hört sich immer "böse" an. Wenn man Bürger in die "rechte" Ecke drängt, dann ist das ein Versuch, ihre Meinung zu diskreditieren. Und was Russia Today anbelangt, so gilt RT-America in den USA als linksliberaler Sender. Jedenfalls kommt dort die linke Opposition zu Wort, die auf FOX, ABC, CNN, MSNBC usw. verschwiegen wird.

Gravatar: Klaus Wohlfahrt

Die selbst ernannte "Neue deutsche Rechte" nutzt doch das autoritär geführte Russland bloß als Vehikel, um ihren Verdruss gegen den westlichen Pluralismus auszukotzen. Diese alte Leier kommt wellenhaft alle zehn Jahre wieder: Da gab es mal die Sozialistische Reichspartei, dann kam die NPD auf, dann die DVU, dann die Republikaner, dann die Schill-Partei, STATT-Partei, heute die AfD - man hört und sieht aber auch wellenhaft dann irgendwann nichts mehr von diesen "Bewegungen". Und das ist auch gut so.

Gravatar: Karin Weber

Da gebe ich Ihnen zweifelsfrei Recht: Es ist Ihre Privatsache!

Dann sollten Sie aber auch andere Menschen mit Ihrem Unfug nicht behelligen.

(Anm. d. Red.: gekürzt)

Gravatar: FDominicus

Sinnvoll ist es auch und speziell Blogs zu lesen. Es gibt das durchaus eine Meinungsviel- statt -einfalt....

Gravatar: Thomas Rießler

Halten Sie in Bezug auf die Dinge, die ich tun und lassen sollte einfach mal die Klappe. Das ist meine Privatsache und geht Sie gar nichts an. Sie brauchen sich hier nicht als die Oberlehrerin aufspielen, der anderen sagt, was sie zu tun haben. Von einer, die den Umgang der DDR-Diktatur mit ihren Häftlingen gelobt hat, braucht man sich eh nichts sagen zu lassen. Und obwohl ja die Zustände hierzulande angeblich so schlimm sind, hat man noch keinen von Euch bei der Republikflucht gesehen – leider.

Gravatar: Karin Weber

Aus der DDR konnte man damals noch abhauen. Wohin soll man heute noch? Die Möglichkeit zum Exil auf einem anderen Planeten gibt's noch nicht. Dort könnte man warten, bis der Irrsinn hier wieder vorbei ist.

Gravatar: keinUntertan

Selbst CDU-Poliker Willy Wimmer hat zugegeben, dass er auch Russia Today, Al Jazeera und CCTV anschaut, um ein objektiveres Bild von der außenpolitischen Lage zu erhalten. Die westlichen Medien sind heutzutage wie gleichgeschaltet. Ob DW, CNN International, Euronews, n-tv oder N24.

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