Tag der Freiheit 2012

Von Alexander Bagus

In diesem Jahr soll erneut am 17. Juni ein Tag der Freiheit gefeiert werden, eine Initiative, die im letzten Jahr von verschiedenen Organisationen gestartet wurde. Auch wenn die Zahl der Gedenk- und Feiertage fast schon unzählbar ist, besteht hier eine Lücke, die es zu füllen gilt – die Freiheit, die so leicht gefährdet ist, soll ins Bewusstsein gerufen werden und gefeiert werden. Im Jahr 2011 beteiligten sich bereits 17 Organisationen in Deutschland und anderen Ländern am Tag der Freiheit. Wir wollen diesen Kreis wachsen sehen, so wie wir die Freiheit wachsen sehen wollen. Denn Freiheit ist nicht irgendeine Idee, und der 17. Juni ist nicht irgendein Tag.

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Für uns Deutsche, aber auch für den gesamten mittel- und osteuropäischen Raum ist es ein besonderer Tag. Denn am 17. Juni 1953 wagten die Bürger in der DDR einen Aufstand gegen das SED-Regime, der als Initial für viele weitere Aufstände im sowjetischen Machtbereich zu werten ist. Auf deutschem Boden wagten es tausende Menschen, gegen die kommunistischen Machthaber Widerstand zu leisten – mit schlimmen Folgen: 75 Menschen starben, 6.000 wurden von Polizei, MfS und der Sowjetarmee verhaftet. In fragwürdigen Rechtsverfahren wurden etwa 1.500 dann zu teilweise langjährigen Haftstrafen, zwei sogar zum Tode verurteilt.

Wie in Ost-Berlin und vielen weiteren Kommunen der DDR wurden die anderen Aufstände auf Druck, mit Hilfe oder gar völlig allein von den Sowjets niedergeschlagen, so 1956 der Posener Aufstand und der ungarische Volksaufstand, 1968 der Prager Frühling, 1970 der polnische Dezember-Aufstand und die Streiks in Danzig 1980. Doch am Ende setzte sich schließlich in den »friedlichen Revolutionen« in Mittel- und Osteuropa die Liebe zur Freiheit durch.

So steht der Aufstand des 17. Junis an erster Stelle einer ganzen Reihe tapferer Versuche, sich gegen das System von Unfreiheit und Unterdrückung zu Wehr zu setzen. Auch wenn es für die Bürger der DDR sowie der mittel- und osteuropäischen Staaten noch 36 Jahre dauerte, bis sie ihre Freiheit erhielten, so war doch der Wille dazu und die Sehnsucht danach unauslöschbar.

Vom 3. Juli 1953 bis zum Jahr 1990 war der 17. Juni nach Entscheidung des Deutschen Bundestag »Tag der deutschen Einheit« und gesetzlicher Feiertag. Erst mit dem Vertrag zur deutschen Wiedervereinigung wurde 1990 der Tag der Deutschen Einheit auf den 3. Oktober gelegt – der Tag des Beitritts der DDR zur Bundesrepublik Deutschland. Damit wurde auch der 17. Juni als gesetzlicher Feiertag abgelöst.

Jedoch auch über Europa hinaus ist der 17. Juni nicht ohne Bedeutung. Am 17. Juni 1885 nämlich erreicht die Freiheitsstatue den Hafen von New York. Das französisch-amerikanische Gemeinschaftsprojekt versinnbildlicht die Freiheit, die beide Völker in ihren Revolutionen 1775 und 1789 gefordert und errungen hatten. Und genau in diesem ersten Jahr des Anfangs der amerikanischen Revolution fand am 17. Juni die Schlacht von Bunker Hill in der Nähe von Boston statt. Auch wenn die Amerikaner verloren, so bezeugten die Amerikaner damals zum ersten ihren Kampfeswillen, ihren Mut und ihre Entschlossenheit.

Doch auch für Frankreich, Estland, Lettland und Litauen ist der 17. Juni ein geschichtsträchtiger Tag im Zeichen der Freiheit, und in vielen anderen Ländern ist der 17. Juni ein Datum, das mit einem Tag für die Freiheit gefüllt werden kann.

Gründe gibt es damit viele für den 17. Juni als Tag der Freiheit. Wir wollen ihn daher wie im Jahr zuvor feiern, ihn würdig begehen und dabei derjenigen gedenken, die sich unermüdlich für die Freiheit einsetzten, denen wir die vorhandene Freiheit zu verdanken haben. Auch derjenigen, denen die Freiheit noch nicht zuteil wurde, die aber oft unter Einsatz ihres Lebens für diese kämpfen, soll gedacht werden. Und gleichzeitig und vor allem ist jeder Einzelne dazu aufgerufen, seine eigene Freiheit jeden Augenblick zu leben und so eine freiere Welt zu schaffen!

Weitere Informationen stehen auf der Seite tag-der-freiheit.org bereit, auf der man auch seine Unterstützung signalisieren, Veranstaltungen eintragen oder Beiträge einreichen kann.

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