New World Order

Ringen um die neue Weltordnung

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war der US-amerikanische Traum von der „New World Order“ zum Greifen nah. Nun wird die neue Weltordnung durch die BRICS-Staaten herausgefordert.

Foto: Timo Kohlenberg/flickr.com/ CC BY-SA 2.0
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Mitte Juli trafen sich die Vertreter der BRICS-Staaten in Brasilien. Anwesend waren der russische Präsident Waldimir Putin, der chinesische Präsident Xi Jinping, der indische Premierminister Narendra Modi, der südafrikanische Präsident Jacob Zuma und die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff. Zusammen vertreten diese Staatchefs fast drei Milliarden Menschen.

Ebenfalls anwesend waren die Staatschefs der südamerikanischen Länder Argentinien, Bolivien, Chile, Ecuador, Guyana, Kolumbien, Paraguay, Peru, Surinam, Uruguay und Venezuela. Diese Nationen sind zusammen mit Brasilien in der „Union Südamerikanischer Staaten“ („Unión de Naciones Suramericanas“) organisiert.

Die Zeichen sind klar: Der einstige südamerikanische Hinterhof der USA hat sich emanzipiert und wendet sich einer neuen Konstellation mit Russland und China zu. Ziel ist die eigenständige Positionierung in einer von den USA und ihren westlichen Verbündeten dominierten Welt.

Auf der Agenda stand der Umgang mit den härtesten Finanzwaffen des von den USA dominierten Westens: die 1945 in Bretton Woods gegründete Weltbank („World Bank“) und der Internationaler Währungsfonds (IWF bzw. IMF: „International Monetary Fund“). Seit Jahren drängen die Schwellenländer auf Reformen dieser globalen Institutionen. Doch es ist der Westen, der die Regeln vorgibt. Für die Schwellen- und Entwicklungsländer hat insbesondere der IWF an Glaubwürdigkeit und Vertrauen verloren.

Nun wollen sie aktiv werden. Es soll eine neue internationale Bank entstehen. Die „New Development Bank (NDB)“ soll eine Alternative zu IWF und Weltbank sein. Die auch als „BRICS Development Bank“ bezeichnete Institution wird ihren Sitz in Shanghai haben.

Sowohl Xi Jinping als auch Wladimir Putin nutzten die Gelegenheit ihrer Südamerikavisite, um neben dem BRICS-Gipfel im brasilianischen Fortaleza noch weitere lateinamerikanische Staaten persönlich zu besuchen und den neuen Prozess mit bilateralen Vorhaben zu stützen.

Pax Americana – The New World Order

Für die USA sind diese Entwicklungen alles anderes als beruhigend. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion betrachteten sie sich als Sieger des Kalten Krieges. Es schien ein neues Zeitalter zu kommen – eine unipolare Welt mit den Vereinigten Staaten von Amerika als globale Hegemonial- und Schutzmacht. Georg Bush senior hatte 1990 in einer Rede vor dem Kongress von einer „neuen Weltordnung“ („New World Order“) gesprochen.

Nachdem unter Gorbatschow die UdSSR in ihre Einzelteile zerfallen war und unter Boris Jelzin die Russische Förderation ausverkauft wurde, schien den USA jeglicher ebenbürtiger Gegner abhanden gekommen zu sein. Doch anstatt die Rüstungsausgaben zu senken wurden sie erhöht, bis schließlich unter George W. Bush mehr amerikanisches Steuergeld für Rüstung ausgegeben wurde als jemals zuvor.

Wir gestalten uns die Welt, wie sie uns gefällt

Die als „Bush-Doktrin“ bekannte „National Security Strategy“ aus dem Jahre 2002, die George W. Bush verkündete und eigentlich aus der Feder von Paul Wolfowitz stammte, sah vor, die Welt nach Vorstellungen des Westens umgestalten zu können, den Freihandel voranzubringen (in der Realität nun verkörpert durch NAFTA, TPP, TTIP, TiSA) und angebliche Schurkenstaaten mittels Präventivkrieg oder militärische Präemtivschläge in die Schranken zu weisen. Frei nach Pippi Langstrumpf: Wir gestalten uns die Welt, wie sie uns gefällt.

Die Doktrin von Georg W. Bush erregte großes Medienaufsehen. Doch letztlich war sie nur ein Aufguss der Clinton-Doktrin von 1999, in welcher der damalige US-Präsident Bill Clinton erklärte, dass die USA nicht nur überall auf der Welt eingreifen dürfen, um die Menschenrechte zu schützen, sondern auch, um mit militärischen Mitteln ihre vitalen Wirtschaftsinteressen zu verteidigen. Das schließt den globalen Schutz wichtiger Absatzmärkte, Energieversorgungen und geostrategisch wichtige Ressourcenzugänge mit ein.

Vordenker kamen aus verschiedenen Denkfabriken, wie beispielsweise dem neokonservativen PNAC („Project fort the New American Century“), das mittlerweile aufgelöst und von der „Foreign Policy Initiative“ abgelöst wurde. Bei PNAC gaben sich Hardliner wie Dick Cheney, Donald Rumsfeld und Paul Wolfowitz die Klinke in die Hand.

Unter Barack Obama wird dem Bereich der wirtschaftlichen und finanziellen Sanktionsmöglichkeiten ein besonderes Augenmerk geschenkt. Die USA können Sanktionen gegen einen Staat weltweit durchsetzen. Alle Länder und alle Wirtschaftsunternehmen, die mit einem sanktionierten Staat kooperieren, müssen in den USA mit rechtlichen oder wirtschaftlichen Konsequenzen rechnen. Da die USA der weltweit bedeutendste Finanzplatz sind, kann sich niemand eine solche Strafe erlauben. Wie hart diese Strafen ausfallen können, musste kürzlich die französische Bank BNP-Baribas erfahren.

Dagegen gilt die UNO für die USA schon lange nicht mehr als geeignetes Instrument, die Welt zu beeinflussen. Ihre Bedeutung wird in Amerika heruntergespielt. Damals, nach dem Zweiten Weltkrieg, war sie für die Durchsetzung amerikanischer Interessen noch interessant. Doch nachdem in den 1950er bis 1970er Jahren die meisten Kolonien in Afrika und Südasien unabhängig wurden, gibt es zu viele Mitgliedsländer der Dritten Welt, die alle ihr Stimmrecht bei den Vereinten Nationen haben. Amerika und seine Verbündeten werden in der UNO zu häufig überstimmt. Also ignoriert man in Washington die UNO lieber.

An der neuen Weltordnung wollen auch Andere mitstricken

Nun scheint das Traumgebäude der Pax Americana zu zerbröckeln. Der Nahe und Mittlere Osten ist aus den Fugen geraten. Die USA haben dort ihre Kontrolle verloren. Jetzt verfährt man nach dem Motto der „tolerable pain“ und versucht, aus der Situation das Beste zu machen, indem man sich auf die Seite des jeweils geringeren Übels stellt.

Zusätzlich schwinden die Finanzressourcen für das Verteidigungsetat, das zwar noch das höchste der Welt ist, aber nicht mehr aufgestockt wird – während China und Russland nach wie vor ihre Etats Jahr für Jahr erhöhen.

Russland und China sind die beiden Hauptakteure der „Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ)“, der noch die zentralasiatischen Staaten Kasachstan, Usbekistan, Kirgisien und Tadschikistan angehören. Indien, Pakistan, der Iran und die Mongolei haben Beobachterstatus. Dieses Bündnis hat auch einen militärischen Charakter. Die Mitgliedsländer unternehmen gemeinsame Militärmanöver.

Die Zahl der Staaten, die offen die unipolare Weltordnung der Amerikaner ablehnen, wächst zunehmend. Sie kritisieren den US-Petrodollar als Weltleitwährung und fordern, anderen Währungen mehr Bedeutung einzuräumen. Sie empören sich über die amerikanischen Rating-Agenturen, die als Instrumente missbraucht werden, um Staaten unter Druck zu setzen. Und sie empfinden Unbehangen bei den US-Bestrebungen, amerikanische Wirtschaftsgesetze weltweit durchzusetzen.

Die entscheidende Frage bleibt, ob die USA sich mit diesem Prozess abfinden können und bereit sind, ihre Macht zu teilen und andere Staaten auf gleicher Augenhöhe zu akzeptieren.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Benjamin Rösch

Im Grunde ist der neoliberale Institutionalismus, den die USA der Welt seit Ende des Kalten Krieges aufzwingen, eine tolle Sache. An Stelle des Rechts des Stärkeren treten Völkerrecht und internationale Institutionen als Schlichter und Rechtssprecher, Freihandel lässt die Welt zusammen- und die Volkswirtschaften durch Produktivitätsgewinn wachsen. Das einzige Problem bei der Sache: Die USA (oder vielmehr die, die sie steuern) sehen sich als letztinstanzliche Richter und Vollstrecker dieser Doktrin gleichermaßen und vergessen dabei, besoffen von ihrer militärischen und geheimdienstlichen Macht und ihrer Schlüsselposition im Weltfinanzsystem, sich selbst diesen Regeln zu unterwerfen. Stattdessen lügen, betrügen und erpressen sie, inszenieren Terroranschläge und Kalifate, bilden Mono- und Oligopole und gehen dabei, wenn es vermeintlich sein muss, auch über Leichenberge aus Kindern, Frauen und Männern. Sie zerstören mutwillig kulturelle Identitäten, um die Menschen zu ihrem Oligopol-Markt kompatibel zu machen und beuten Länder mit Rohstoffvorkommen gnadenlos aus. Und trotzdem haben sie soviel ihrer Wirtschaftskraft in ihr Militär gesteckt, dass sie unmittelbar vor der Staatsinsolvenz stehen und bei ihrem Untergang den Rest der Welt in Chaos und Krieg zu stürzen drohen. Ein Wunder wäre es also wohl vielmehr, wenn es bei diesem G20-Gipfel zu KEINEM Affront kommen würde. Eine Schlüsselrolle bei der Herstellung einer multipolaren Weltordnung könnte übrigens Deutschland spielen. Wenn wir uns aus der Nibelungentreue lösten, wäre das das stärkstmögliche Signal an den Rest der Welt.

Gravatar: Helen

Was Religion und Homosexualität miteinander zu tun hat?
Die Kirche hat Ängste geschürt, damit die Leute in die KIRCHEN gehen!
Angst vor dem Teufel, damit die Kirche "funktionieren" kann und alle
hin rennen, weil sie ANGST haben und Schutz suchen.
Ich möchte nicht wissen, was dort, wo der Männerüberschuss am höchsten ist,
so alles in den vielen Jahrhundert geschehen ist.
Und wer Angst vor Homos hat, hat SELBST ein Thema damit!
MIR ist es EGAL, ob mein Nachbar mit Männern rum macht, solange
ich nicht gestört werde. Kaum einer stört sich, wenn Heteros rummachen.
Am Besten noch öffentlich, damit alle was davon haben.
ABER mich stört es, wenn jemand mit erhobenem Finger spricht und auf dem
Rücken die Finger über Kreuz macht, weil er das Gegenteil meint.
IMMER bei sich schauen und hier einfach auch WEITER schauen!

Auch zum Thema USA: die haben NULL und NICHTS zu melden, die Weltherrschaft haben die, auf die nicht böse gezeigt wird, die rumballern dürfen, OHNE Sanktionen und OHNE
Gegenwehr.
Im Irak fliegen die USA rum und "helfen".
Putin wird mit Sanktionen belegt und ihm wird unterstellt, Kindergarten zu spielen, weil er die Einfuhren stoppt. DIE behaupten das, die den Kindergarten eröffnet haben und bald Krief spielen wollen (oder müssen)!
Und sonst?
Da gibt es noch einen Streifen, der ungeschützt ausgesetzt ist und
NIEMAND schreitet ein, NIEMAND zeigt mit dem Finger drauf. Alle KUSCHEN und
halten STILL. Niemand regt sich auf und verhängt Sanktionen!
Das sind DIE, die uns seit Jahrhunderten REGIEREN und die Macht haben zu sagen, wann sie GELD abschöpfen wollen!
KEINER regt sich darüber auf und NIEMAND hinterfragt das!
Besonders nicht die Leute, die nur Tagesschau und den Spiegel konsumieren!
Allerdings haben die ja eh keine Bedeutung, außer, dass sie arbeiten sollen und viele Steuern zahlen sollen.
WACHT AUF und schaut hin und was euch aufregt, noch genauer hinsehen.

Gravatar: keinUntertan

Sie halten die USA tatsächlich für ein "linksliberales" Land ...???

In den USA ist das Christentum in der Gesellschaft doch viel stärker verankert als in Europa. Denken Sie an all die Evangelikalen, Baptisten, Mormomen und sonstigen religösen Fanatiker, die immer noch glauben, die Welt sei in sechs Tagen erschaffen worden. Ich halte die USA für ein neoliberal + neokonservativ regiertes Land.

Der sich ausbreitende globale angelsächsische Finanzradikalismus ist doch viel bedrohlicher als die bunte Regenbogenfahne einer kleinen tanzenden Minderheit. Die Gegner der Humanität sind "New York Wall Street" und "London City", "Hedge Funds" und "Schattenbanken", nicht der kleine Guido und seine Spielkamraden.

Zum Thema Religion empfehle ich Ihnen das Buch "The God Delusion" von Richard Dawkins.

Gravatar: Martin Baltus

Die Antwort auf die am Ende gestellte Frage lautet ganz klar Nein.

Sollte Russland in die Knie gezwungen werden, dann gnade uns Gott. Dann geht es nicht mehr nur um die USA als wirtschaftliche und militärische Vormacht. Denn die USA werden auch kulturell ihr linksliberales, entchristlichendes Modell durchsetzen. Was wir bisher an politischer Korrektheit und Genderismus erlebt haben, wird nur ein kleiner Vorgeschmack davon sein, was uns in dieser Welt bevorstehen wird. Guido Westerwelle etwa hat davon gesprochen, homosexuell zu sein, würde zur Selbstverständlichkeit werden. Genau so wird es kommen. Wir werden wie Tiere leben.

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