Bürgerkrieg im Irak und Syrien

Religionsverfolgung wie im Mittelalter

Ein dunkles Zeitalter hat für Christen und religiöse Minderheiten im Irak und in Syrien begonnen: Nach dem Zusammenbruch der säkularen Regime sind sie den radikalen Dschihadisten ausgeliefert.

Foto: Bertramz / Wikimedia Commons / CC BY 3.0
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Die schwarz verhüllten Terrormilizen des Islamischen Staates (IS) in Syrien und im Irak haben das finstere Mittelalter in die Gegenwart zurückgeholt. Mit einem archaischen Weltbild und martialischen Kampfgeist attackieren sie alle Bevölkerungsgruppen, die sich nicht freiwillig unterwerfen. Speerspitze ihrer Frontlinien sind die draufgängerischen Selbstmordkommandos. Die Dschihadisten, die Kämpfer des Heiligen Krieges, sind bereit, für ihren Glauben den Sprengstoffgürtel anzulegen.

Hauptangriffsziel der Dschihadisten des IS sind alle, die nicht ihrer Auslegung des sunnitischen Islam folgen. Da hilft es auch nicht, dass die Mehrheit der Syrer, Kurden und arabischen Nordiraker bereits Sunniten sind: Solange sie sich nicht den Regeln des IS und ihrer Interpretation der Scharia beugen, werden sie wie Glaubensfeinde behandelt.

Eigentlich waren die IS-Kämpfer, die sich zum Teil aus Al-Qaida-Terroristen rekrutieren, selbst gegen Unterdrückung angetreten. Denn die Mehrheit der sunnitischen Bevölkerung Syriens wird von einem alewitischen Präsidenten und seinem Clan regiert. Die Alewiten sind eine schiitische Abspaltung des Islam. Auch im Irak haben seit dem Sturz Saddam Husseins die Schiiten das Sagen. Doch dort sind sie in der Mehrheit, zumindest im südlichen Teil des Landes. Die IS-Milizen wollen nun einen panarabischen sunnitischen Gottesstaat schaffen, der die sunnitischen Teile des Irak und Syriens umfasst. Dem stellen sich allerdings nicht nur die schiitischen Araber des Süd- und Mittelirak entgegen. Auch die Kurden wollen ihre Bemühungen um die regionale Unabhängigkeit nicht durch die IS-Truppen gefährdet sehen.

Dem Eroberungs- und Rachefeldzug des IS fallen die schwächsten Gruppen zuerst zum Opfer. Besonders hart trifft es die nicht-muslimische Minderheiten wie Christen und Jesiden. Diese Minderheiten sind als »Ungläubige« Freiwild und Sündenböcke zugleich. Gegen die »Ungläubigen« scheint den radikalfundamentalistischen Dschihadisten jedes Mittel der Unterdrückung recht zu sein. Wer sich weigert zum »wahren Glauben« zu konvertieren oder eine Kopfsteuer zu bezahlen, muss damit rechnen, verfolgt und getötet zu werden. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob es sich um Individuen, Familienclans, Dörfer oder ganze Städte handelt.

Die Zahl der durch den IS verfolgten Religionsgruppen und Konfessionen in Syrien und im Irak ist groß: Christen wie die Assyrer, Maroniten, Melkiten, Orthodoxen Syrer und Armenier sowie andere Religionsgruppen wie die kurdischen Jesiden müssen vor den IS-Milizen fliehen, wenn sie nicht umgebracht werden wollen.

Die offizielle Rhetorik ist des Islamischen Staates und seines selbsternannten Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi ist dabei an Radikalität nicht zu überbieten. Es geht ums Ganze. Ein reiner sunnitischer Gottesstaat soll entstehen, in dem sich alle der Scharia-Gesetzgebung unterwerfen. Die Gotteskrieger sehen keinen Raum für Kompromisse. Gegner sollen »im Blut ertränkt« werden.

Zahl der Christen im Irak und in Syrien geht rapide zurück

Die Zahl der Christen im Irak hat seit Jahren erheblich abgenommen. Unter dem säkularen Regime von Saddam Hussein lebten noch mehr als 1,5 Millionen Christen im Irak. Doch im Verlauf der Golfkriege und nach den Unruhen und Verfolgungen im Anschluss an den Irakkrieg haben Hunderttausende das Land erlassen. Nun wird der noch verbliebene Rest durch die radikalfundamentalistischen IS-Milizen verfolgt. Wie viele genau betroffen sind, lässt sich nicht exakt beziffern. Man geht von etwa 200.000 bis 300.000 im Irak gebliebenen Christen aus, die nun auf der Flucht sind.

Auch in Syrien geht die Zahl der Christen kontinuierlich zurück. Bis vor wenigen Jahren lebten etwa 2 Millionen Christen in Syrien, rund 10 Prozent der Bevölkerung. Ein großer Teil ist außer Landes geflohen. Fast alle Christen innerhalb Syriens sind auf der Flucht. Dieses Schicksal teilen sie mit vielen Muslimen im Land. Rund die Hälfte aller Syrer musste ihren Heimatort aufgeben und in andere Städte fliehen. Mehr als zwei Millionen Syrer haben bereits das Land komplett verlassen. Dort, wo die IS-Milizen auftauchen, müssen nicht nur Christen, sondern auch schiitische Muslime, wie die Alewiten und Drusen, das Weite suchen.

Aktuell sind besonders die Assyrer und Jesiden betroffen

Im Irak und Syrien gehören die Assyrer zu den Verfolgten und Opfern der IS-Milizen. Bei den Assyrern handelt es sich um christliche Anhänger alter syrischer Kirchentraditionen. Der Begriff »Assyrer« ist eine Anlehnung an das gleichnamige antike Volk. Aus demselben Grund werden sie auch als »Aramäer« oder »Chaldäer« bezeichnet. In der Tat ist das Altsyrische bzw. Aramäische noch heute ihre Liturgiesprache. Die Assyrer sind in der assyrischen Kirche des Ostens organisiert. Ihnen nahe stehen die chaldäisch-katholische Kirche und die syrisch-orthodoxe Kirche.

Eine nicht-christliche, aber ebenfalls alte und monotheistische Religionsgruppe im Nordirak sind die Jesiden. Die Jesiden sind mehrheitlich ethnische Kurden. Seit Jahrhunderten werden sie in regelmäßigen Abständen unterdrückt oder verfolgt. Unter den Muslimen wurden sie oft als »Teufelsanbeter« verunglimpft. Doch unter dem säkularen Regime des Irak konnte sich ihre Lage beruhigen. Gegenüber dem IS haben sie schlechte Karten. Da sie weder Muslime, Juden noch Christen sind, fallen sie nicht unter den Schutz der sogenannten Buchreligionen, die laut Koran vom Islam toleriert werden sollen. Für die IS-Milizen sind sie schlicht heidnische Götzenanbeter.

Christentum überall im Nahen und Mittleren Osten auf dem Rückzug

In Syrien und im Irak sind die christlichen Minderheiten in akuter Not. Doch auch in anderen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens nimmt ihre Zahl und Bedeutung ab. So stellten die Christen noch bis vor wenigen Jahrzehnten die Bevölkerungsmehrheit im Libanon. Die meisten waren Maroniten. Heute sind nur noch etwa ein Drittel der Libanesen Christen.

In Ägypten gehören rund 10 Prozent der Bevölkerung zu den christlichen Kopten. Ihre Situation ist seit Jahren prekär. Sie werden in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens benachteiligt. Oft kommt es zu Ausschreitungen oder zu regelrechten Hetzjagden auf Kopten. Dabei werden auch Kirchen und Klöster angezündet. Nach der ägyptischen Revolution von 2011, an der auch viele Kopten beteiligt waren, verschlechterte sich ihre Lage zusätzlich. Im Chaos der Revolutionsphase kam es immer wieder zu tödlichen Übergriffen, während die Polizei zusah und nicht eingriff. Unter der Regierung des Muslimbruders Muhammad Mursi sahen sie sich der Willkür radikaler Muslime ausgesetzt und mit islamisch-fundamentalistischen Gesetzgebungen konfrontiert. Deshalb demonstrierten die meisten Kopten 2013 gegen Mursi und schlossen sich Abd al-Fattah as-Sisi an. Ob sich unter dem neuen Präsidenten die Lage der Kopten langfristig wieder stabilisiert, bleibt abzuwarten.

Am sichersten ist die Lage der Christen in Israel. Mehr als hunderttausend arabische Christen leben dort. Viele haben die israelische Staatsbürgerschaft. Dagegen spielt in Saudi-Arabien, den kleinen Golfstaaten und im Jemen das Christentum keine Rolle.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Alexander Scheiner, Israel

In England, Frankreich und Dänemark gehört der islamischeTerror bereits zum Alltäglichen durch islamische Einwohner. In Frankreich und Belgien sind bereits Juden aus Judenhass ermordet worden, auch Kleinkinder. Ich rechne damit, dass der islamische Terror auch in weiteren Ländern Europas Fuss fassen wird, besonders deshalb, weil die EU nur Israel, jedoch kaum die islamischen und palästinensischen Terrororganisationen Hamas, PLO, Fatah und die PA kritisiert. Dies ist ein direktes Resultat der Politik von Lady Ashton und der Israelpolitik von Ländern wie Norwegen, Irland und Schweden.

Gravatar: keinUntertan

Der radikalisierte Islam ist eine Antwort auf den europäischen Kolonialismus und seit dem Zweiten Weltkrieg auf die Interventionspolitik der USA, da haben Sie recht.

Die Islamisierung Europas wurde jedoch schon mit Vertreibung der Mauren aus Spanien und Türken vom Balkan gestoppt. Ich denke eher, dass wir die Muslime in Europa stärker einbinden und an der Aufklärung teilhaben lassen müssen. Es gibt auch viele Türken und Araber, die ihre in Europa/Deutschland gelernten westlichen Werte in den Nahen Osten exportieren. Wir brauchen mehr davon.

Gravatar: Klartexter

Und wer hat die Ursachen für die Christenverfolgung gesetzt. Die USA - Bush-Regierung innerhalb von zwei Wahlperioden und die Obama-Regierung. Das sollten die Christen in der Welt niemals vergessen, wie auch der Mord an Christen durch Muslime, zwar radikale, aber Muslime. Den Deutschen wird ständig der Mord an den Juden während der Naziherrschaft vorgehalten und die Handvoll Nazis bei jeder Gelegenheit von der Mainstreampresse vorgeführt und Versammlungsorte von den Gutmenschen verwehrt. Den Muslimen werden hingegen mit der Genehmigung von Moscheebauten belohnt. Wann schlafen die europäischen Kirchen endlich aus und rufen zum Widerstand gegen die Islamisierung Europas auf. Jeder einigermaßen vernunnftbegabte Mensch kann sich ausrechnen, wo der nächste Kampfschauplatz gegen die Ungläubigen sein wird.

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