Die Merkel-Regierung und die Mär von der Vollbeschäftigung

Mainstream-Medien und Merkel-Fan-Presse jubeln über angebliche »Vollbeschäftigung«

Erst waren die Menschen ohne Arbeit arm. Jetzt sind sie mit Arbeit arm. Die Massenarbeitslosigkeit wurde durch das Massenprekariat ersetzt. Die Merkel-Fan-Presse jubelt über angebliche Vollbeschäftigung und streut dabei mit wenig aussagekräftigen Zahlen und Statistiken Sand in die Augen der Bürger.

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Veröffentlicht: | Kategorien: Reportagen, Reportagen - Empfohlen, Startseite - Empfohlen | Schlagworte: ALG II, Angela Merkel, Arbeitslosigkeit, Armut, Hartz IV, Gerhard Schröder, Statistiken
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Seit geraumer Zeit mehren sich die Meldungen über Deutschlands glückliche Arbeitsmarktsituation. Es heißt, in Deutschland herrsche »Vollbeschäftigung«. Es gebe zwar noch eine Arbeitslosenquote von 5,7 Prozent, aber in einigen Regionen liege sie unter 3 Prozent. Das sei per definitionem Vollbeschäftigung. Eine Vollbeschäftigung von Null gebe es praktisch nicht, da es immer Menschen gibt, die gerade auf der Suche nach einer passenden Stelle sind.


Wirkliche Vollbeschäftigung gab es in der Bundesrepublik zwischen 1960 und 1970


Das ist natürlich Unsinn. Eine annähernde Vollbeschäftigung sieht anders aus. Ein Blick auf die alten (und damals noch unverfälschten) Statistiken zeigt dies überdeutlich: Vollbeschäftigung gab es in der Bundesrepublik im Zeitraum von 1960 bis 1970. Da lag die Quote unter 2 Prozent, teilweise sogar unter 1 Prozent. Als dann in den 1970ern die Arbeitslosenquote auf über 4 Prozent anstieg, hat man bereits von Massenarbeitslosigkeit gesprochen. Heute wird bereits bei durchschnittlich 5-6 Prozent Arbeitslosigkeit von Vollbeschäftigung gesprochen. Das ist »Volksverdummung«.


Die heutigen Entwicklungen mit ihren positiven Trends gegen vor allem auf das Phänomen zurück, dass die geburtenstarken Jahrgänge, die in den 1960er bis 1980er Jahren die attraktiven Arbeitsplätze belegt hatten, nun in Pension und Rente gehen.


Mit geschönte Statistiken wird Sand in die Augen der Bürger gestreut


Trotz dieses demographischen Faktors und des partiellen Fachkräftemangels in bestimmten Gebieten ist die Arbeitsmarktsituation alles andere als rosig. Denn die Statistiken geben nur die halbe Wahrheit wieder.


Herausgerechnet sind die fast 1 Million Arbeitslosen, die in Ein-Euro-Jobs (»Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung«, kurz AGH-MAE genannt), »Fortbildungen« oder »Maßnahmen« versteckt sind und daher nicht mitgezählt werden. Auch Arbeitslose, die bereits über 58 Jahre alt sind, werden nicht mitgezählt. Arbeitslose über 63 sind zwangsweise in Frührente geschickt. Sie werden ebenfalls nicht mitgerechnet.


Dann gibt es noch die wachsende Zahl der Arbeitnehmer in prekären Verhältnissen. Mehr als eine Million Arbeitnehmer müssen mit Sozialleistungen nach ALG II aufstocken, weil das Einkommen zum Leben nicht reicht. Dann kommen noch mehr als eine Million Leiharbeiter dazu. Nicht zu vergessen sind die Millionen Menschen in Mini-, Midi- oder Teilzeit-Jobs, die mit ihrem Einkommen nicht über die Runden kommen können, aber ebenfalls aus der Statistik fallen.


Schließlich gibt es noch die Menschen, die als »stille Reserve« bezeichnet werden. Hierbei handelt es sich um Arbeitslose, die nicht gemeldet sind, die teilweise aufgegeben haben und außerhalb der Sozialsysteme über die Runden kommen. Dazu gehören viele ältere Bürger, aber auch junge Menschen, die nach einem erfolglosen Bewerbungsmarathon wieder bei ihren Eltern wohnen müssen, bis sie die Chance auf ein ausreichendes Einkommen haben, um wieder auf eigenen Beinen zu stehen. Die Sozialausgaben von »Mama und Papa« für ihre längst erwachsenen Kinder werden natürlich in keiner Statistik mitgerechnet, ebenso wenig die alten Kinderzimmer, die als »Sozialwohnungen« für längst Erwachsene genutzt werden.


Wenn es tatsächlich so toll ist, wie die Regierung es darstellt: Warum braucht Deutschland dann einen so großen Sozialhaushalt?


Im Jahre 2007 lag der Sozialhaushalt bei rund 136 Milliarden Euro. 2014 lag er bei fast 149 Milliarden Euro. Warum steigt der Sozialhaushalt der Bundesrepublik an, wenn sich andererseits der Arbeitsmarkt angeblich so rosig entwickelt?


Angesichts der aktuellen Diskussion um die Essenstafeln, lässt sich auch folgende Frage stellen: Warum ist die Zahl der Tafeln von 260 im Jahre 2000 auf 917 im Jahre 2016 angestiegen? Müsste sich bei positiver Arbeitsmarktentwicklung die Zahl der Hilfebedürftigen nicht reduzieren?


Und was ist mit dem angeblichen Fachkräftemangel?


Tatsächlich suchen viele Branchen nach Nachwuchs. Mancherorts fehlen Lehrer, anderenorts fehlen Handwerker. Bedarf gibt es auch im medizinischen Bereich und in den Pflegeberufen. Hier sucht die Politik die Lücken durch Zuwanderung zu schließen. Anstatt Bundesbürger sinnvoll umzuschulen oder ihnen eine neue Ausbildung zu ermöglichen, will man lieber fertige Arbeitskräfte aus dem Ausland anwerben. Während in Deutschland so manche Abiturienten nicht Medizin studieren dürfen, weil ihre Abiturnote knapp den Numerus Clausus verfehlt, stellt man lieber syrische Ärzte ein, deren Ausbildung nicht mit der deutschen vergleichbar ist. Kein Wunder, dass der Frust groß ist.


Mittlerweile ist ein Phänomen in Deutschland angekommen, das sich bereits in den USA bemerkbar gemacht hat. Es werden Akademiker für den Niedriglohnsektor gesucht. Der Informatiker und Programmierer aus Indien ist billiger als der durchschnittliche deutsche oder amerikanische Informatiker. Überall in Amerika und Europa arbeiten immer mehr qualifizierte Arbeitskräfte in den Paketzentralen bei Amazon oder in einem »Call Center« – zu niedrigen Löhnen.


Hier zeigt sich der strukturelle Kern des Job-Problems: Der Anteil der qualifizierten und sogar studierten Arbeitskräfte hat in den letzten Jahrzehnten konsequent zugenommen. Immer mehr Jobs verlangen PC- und Englischkenntnisse. Gleichzeitig wollen viele Unternehmen die Lohnpyramide nach altem Modell aufrechterhalten. Das bedeutet: Immer mehr hochqualifizierte Arbeitnehmer arbeiten für geringe Löhne. Der qualifizierte Akademiker im Call Center von heute ist vergleichbar mit dem unqualifizierten Hafenarbeiter von damals.


Hinzu kommt die radikale Entschlackung der Produktion durch effizientere Arbeitsaufteilung. Arbeitsprozesse werden ausgelagert (Outsourcing), Dienstleistungen unter Wert verkauft (Niedriglohnsektor) und Kleinbetriebe durch Global Player verdrängt (z.B. Amazon gegen den Buch-Einzelhandel). Ein Großteil der Industrieproduktion wird in Billiglohnländer ausgelagert.


Vergessen darf man nicht die permanenten Sparmaßnahmen. Zwar rufen die Krankenhäuser nach mehr Pflegekräften, die Schulen nach mehr Lehrern und die Industrie nach mehr Facharbeitern, doch gleichzeitig wollen und sollen sie am Personal sparen, weil das Budget es so verlangt. Das Ergebnis ist die Förderung des Niedriglohnsektors in qualifizierten Bereichen. Das geht sogar soweit, dass Ingenieure zunehmend »projektbezogen« über Leiharbeiterfirmen beschäftigt werden, weil deren Festanstellung zu teuer ist.


Eine Ausnahme ist das Handwerk. Jahrelang wurde den jungen Menschen weisgemacht, dass Aufstieg nur durch »Bildung« erreichbar sei. Damit meinte man allerdings das Studium. Die Handwerkslehre wurde als berufliche Sackgasse dargestellt. Sie wurde nicht mit Werten wie »Erfolg«, »Karriere« oder »sozialem Aufstieg« in Verbindung gebracht. Gerade die Gewerkschaften und die Sozialdemokraten hatten lange Zeit alles daran gesetzt, die jungen Menschen durch zweiten Bildungsweg in den akademischen Bereich zu überführen. Heute zeigt sich: In vielen Handwerksbranchen lässt sich gutes Geld verdienen. Tragisch ist, dass das Image dieses Sektors über Jahre in schlechtes Licht gerückt wurde.


Es ist nicht alles Gold, was glänzt


Folgende Schlüsse sind zu ziehen: Erstens sind die Statistiken geschönt. Zweitens hat Merkel nichts mit der aktuellen positiven Entwicklung zu tun, weil die entsprechenden Reformen unter Gerhard Schröder umgesetzte wurden; vor allen Dingen gibt der demographische Faktor den ursächlichen Ausschlag für die Trends. Drittens lässt sich feststellen, dass die Arbeitslosigkeit durch einen prekären Arbeitssektor ersetzt wurde. Erst waren die Menschen ohne Arbeit arm. Jetzt sind sie mit Arbeit arm.


Es ist nicht alles Gold, was glänzt in Merkel-Deutschland.

 

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Gerstenmeyer

@Christian Dirk Bähr
Ich warne nur vor sozialistischen Träumereien. Jeder Patriot hat sich zu FREIHEIT und MARKTWIRTSCHAFT zu bekenn.
Und es hat EHRENSACHE zu sein, arbeiten zu gehen. Und zwar auch für ein Vergelt's Gott, als Dienst am Vaterland. Patriot zu sein, heißt bereit zu sein, Opfer zu bringen. Und sei es, daß man anderen nicht auf der Tasche liegt.

Gravatar: H.M.

Ich würde es verstehen, wenn die Bundesregierung und die Medien uns reinen Wein einschenkten und sagten, dass es eine hohe verdeckte Arbeitslosigkeit mit Niedriglohnsektor und Leiharbeit gibt. Man könnte, zum Teil gerechtfertigter Weise, darauf hinweisen, dass dies nicht die alleinige Schuld der Regierung ist, sondern auf die Globalisierung, die Digitalisierung, die Automatisierung und die Modernisierung zurückzuführen ist und es sich dabei um die unerwünschten Nebeneffekte dieser Entwicklung handelt. Handlungsbedarf läge bei der Regierung, dem irgendwie entgegen zu wirken und nicht mit aufgehübschten Zahlen zu arbeiten und Wirtschaft und Sozialstaat nicht durch Zuzug eines neuen Prekariats noch weiter zu belasten. Mut, Fleiß, Bescheidenheit und Ehrlichkeit sind schließlich christliche und preußische Tugenden. Täuschung und Größenwahn verbindet man eigentlich mit denjenigen totalitären Regimen, von denen man sich ja so gerne distanziert.

Der britische Premierminister Winston Churchill (1874-1965), der sicherlich eine streitbare Person und beileibe kein Held war, versprach seinem Volk bei einer kurzen Ansprache am 13. Mai 1940 drei Tage nach Beginn seiner Amtszeit ehrlicherweise „Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß“ (engl.: „Blood, toil, tears and sweat“). Er verschwieg nicht, dass es ein langer und harter Weg bis zum siegreichen Ende des Krieges sein würde. Wobei im 2. Weltkrieg sowohl auf Seite der Achsenmächte als auch auf Seiten der Alliierten mit Propaganda nicht gespart wurde.

Die Globalisierung und die damit verbundenen Verwerfungen gibt es nicht erst seit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Aber viele Leute sehen, dass es sozial ungerechter zugeht und eine Politiker-Elite von paradiesischen Zuständen faselt und sich eine Diätenerhöhung nach der anderen gönnt, während deutsche Rentner Pfandflaschen sammeln müssen und ihre Enkel von sogenannten Flüchtlingen belästigt werden.

Die Politiker sollten sich vor Augen führen, dass es über jedem hohen (ihnen) noch einen höheren (Gott) gibt, vor dem sie sich einmal für diese Schandtat verantworten müssen, in freier Anlehnung an Prediger 5,7-8:

„[7] Wenn du Unterdrückung des Armen im Land siehst und Beraubung im Namen von Recht und Gerechtigkeit, so wundere dich nicht darüber. Denn über dem Hohen lauert noch ein Höherer und über ihnen noch Höhere; [8] doch ein Vorteil für ein Land ist bei alledem ein König, der dem Ackerbau dient.“

Gott schütze und bewahre Deutschland und schenke uns einen starken und weisen Regenten! Er möge wahrmachen, was schon Maria, die Mutter unseres Herrn Jesus, sang: „[51] Er tut Mächtiges mit seinem Arm; er zerstreut, die hochmütig sind in der Gesinnung ihres Herzens.
[52] Er stößt die Mächtigen von ihren Thronen und erhöht die Niedrigen.“

Bis dahin bleibt nur ein Gebet aus Psalm 109,8 für beratungsresistente Tyrannen: „Seine Tage seien wenige, und sein Amt empfange ein anderer!“

Gravatar: Shirley

Online Kauf vernichtet den örtlichen Einzelhandel.

Auch Bücher die es in der Buchhandlung am Ort nicht
gibt können in der Buchhandlung gekauft werden.
Was ist eine Stadt ohne Buchhandlung?

Der reichste Mann der Welt ist Bezoz von Amazon.
Da kaufe ich nicht!

Gravatar: Dietmar Fürste

@gerstenmeyer

Kleine Korrektur Ihrer Sichtweise:
Die Ihnen als AG angeblich aufgebürdeten Sozialabgaben sind unzweifelhaft Lohnbestandteile, die der AN erarbeitet hat!
Das wurde so im Rechtsstreit eines Grenzgängers mit seinem AG über eine ausstehende Lohnzahlung eindeutig festgestellt, als der AG den geschuldeten Lohn um die Sozialabgaben kürzen wollte.

Dass der AG diese Lohnbestandteile direkt an den Staat abzuführen hat, wurde nur aus einem einzigen Grund per Gesetz eingerichtet:

Müßte der AN nämlich dieselben aus seinem - ihm dann vollständig ausgezahlten Lohn - entrichten, läge seine Abgabenlast zusammen mit der Lohnsteuer weit über 60%, was als sittenwidrig und daher rechtlich nicht haltbar angesehen wurde.

Aber mit diesem Trick konnte den Lohnempfängern bis heute erfolgreich eingeredet werden, dass sein AG ja die Hälfte seiner Sozialabgaben quasi aus eigener Tasche bezahlen würde.

Gravatar: Northbull

Vergessen wurde im Artikel, dass ebenso alle krank gemeldeten Arbeitslosen ebenfalls aus der Statistik herausgenommen werden, da sie ja nicht arbeitsfähig sind und von der Krankenkasse bezahlt werden. Ebenso auch alle Teilnehmer an Fortbildungsmaßnahmen, etc.

Gravatar: Christian Dirk Bähr

@Gerstenmeyer
"Und es hat EHRENSACHE zu sein, arbeiten zu gehen. Und zwar auch für ein Vergelt's Gott, als Dienst am Vaterland."
Dieser offen dargestellte Zynismus verschleiert, dass Vaterland und Staat zwei unterschiedliche Paar' Schuhe sind.
Es ist wie bei Bertold Brecht mit dem Zitat über Bankengründung. Als Analogie könnte hier passen: Die Aufhebung/ das Einreissen der aktuellen Eigentumssituation geschieht aus Liebe zum Privateigentum.

Gravatar: Voß Werner

einen Aspekt, der diesen Bericht nicht abdeckt ist das Arbeitslosengeld II, auch als Hartz IV bekannt. Es ist keine Sozialleistung, sondern dient der Eingliederung in den Arbeitsmarkt. Hier sprechen wir nämlich von rd. 6 Millionen Menschen, die neben Aufstockern, Minijobern, 1 Euro Jobber, in Maßnahmen steckende Arbeitnehmer usw. definitiv arbeitslos sind. Hinzu kommen noch solche Personenkreise, die aus ALG I herausfallen, erst ihr Privatvermögen verbrauchen, um in Hartz IV letztendlich zu gelangen, summa summarum haben wir somit deutlich über 10 Millionen Arbeitslose in Deutschland, sprich, das sind im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung 12%, und im Verhältnis zu den Erwerbsfähigen wäre der Prozentsatz noch höher. Das ist definitiv Massenarbeitslosigkeit!!!

Gravatar: Thomas Waibel

Hat nicht vor vielen Jahren ein US-Amerikaner, ein gewisse Henry Morgenthau gesagt (sinngemäß): "Irgendwie muß Deutschland kaputt zu kriegen sein!"?

Gravatar: Tom

Der allgemeine Trend geht aber auch zu den sogenannten " Praktikanten" also meist junge oder jugendliche Leute die mit allen möglichen Versprechungen zur Arbeit gelockt werden. Lohn bekommen sie kaum, aber dafür ein gutes Zeugnis und damit können sie dann ihren Lebensunterhalt bestreiten. Wenn die Arbeit beendet ist fliegen sie auf Nimmerwiedersehen raus und die nächsten kommen. Da diese Unart leider auch in einigen unserer kleineren Geschäfte überhand genommen hat, werden diese Läden gemieden.

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