Antisemitismus und Deutschenfeindlichkeit

Ist das die Zukunft Europas?

Alexis Tsipras und Panos Kammenos sind Antipoden und bilden dennoch eine Regierung. Über Kammenos' Nationalismus und Antisemitismus sieht Tsipras hinweg. Auch für die Linkspartei ist das kein Problem.

Foto: dupontaignan (Kammenos), DIE LINKE (Tsipras) / flickr.com / CC BY-SA 2.0 (Ausschnitte)
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Alexis Tsipras hat aus seinen Ansichten vor der Wahl nie einen Hehl gemacht. Insofern kann es nicht verwundern, dass er jetzt, da er sie gewonnen hat und Ministerpräsident geworden ist, sein Programm in die Wirklichkeit umzusetzen versucht. Womit niemand gerechnet hat, ist, wen er sich zum Partner in der Regierung auserkoren hat: die als rechtspopulistisch apostrophierte Partei »Unabhängige Griechen« (ANEL). Dass sie in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise eine prominente Rolle einnehmen und Einfluss ausüben wird, verspricht nichts Gutes, auch wenn sie wohl auf einem anderen Feld noch mehr Unheil stiften wird.

Die Unabhängigen Griechen existieren erst seit 2012. Mitgegründet wurden sie von ihrem jetzigen Chef, dem frischgebackenen Verteidigungsminister Panos Kammenos, der vorher lange Jahre auf dem Ticket der konservativen Neo Dimokratia Karriere gemacht hat. Nachdem sich der seinerzeitige Ministerpräsident Antonis Samaras mit den Financiers der griechischen Schulden auf ein Agreement geeinigt hatte, verließ Kammenos seine alte Partei und hob die neue aus der Taufe – in Distomo, einem Ort, an dem die Wehrmacht 1944 ein Massaker verübt hatte. Die Wahl des Ortes zeigte unmissverständlich an, wie Kammenos denkt: Die neuen Feinde Griechenlands sind die alten, also die Deutschen, und Schuld an der griechischen Misere haben nicht die Griechen, sondern Angela Merkel.

Doch Kammenos hat eine zweite unangenehme Seite: Er ist nationalistisch, fremdenfeindlich und antisemitisch. Scharfe Töne spuckt er gegen den nördlichen Nachbarn Mazedonien, das er nicht so nennen will, weil er die griechische Provinz Mazedonien dadurch in Gefahr wähnt, und gegen den östlichen Türkei. Und im Dezember erst erklärte er, dass Juden, Buddhisten und Muslime in Griechenland geringere Steuern zahlen müssten als Nicht-Juden. Ein Regierungssprecher fühlte sich daraufhin bemüßigt, diese Behauptung richtigzustellen: »Griechische Bürger jüdischen Glaubens zahlen ganz normal ihre Steuern wie alle Griechen und genießen wegen ihrer Religion keine Ausnahmen oder Extraauflagen«, teilte er mit. Der Hinweis war offensichtlich nötig. Antisemitische Stereotypen sind nach Angaben der Anti-Defamation League in Griechenland so weit verbreitet wie in keinem anderen europäischen Land.

Indem Tsipras Kammenos in seine Regierung geholt hat, hat er also nicht nur einen formidablen Deutschenhasser an die Macht gebracht, sondern auch einen waschechten Antisemiten. Die Reaktion bei den Freunden des neuen Kurses in Athen auf diese Tat ist allerdings erstaunlich. Dieser Umstand, der keine Petitesse ist, wird von Politikern der Linkspartei kleingeredet. Deren Co-Chef Bernd Riexinger sagte großzügig: »Die haben dort andere Maßstäbe, die haben aber auch andere Probleme.« Insofern sei alles in Ordnung, schließlich gehe es um ein gemeinsames Ziel, versicherte er: »Nein, es schmälert die Freude über den historischen Sieg und die Chance auf ein Ende der Sparpolitik nicht.«

Andere Führungsfiguren der Linkspartei pflichteten Riexinger eiligst bei. Die Vize-Fraktionschefin der Linkspartei im Bundestag Sahra Wagenknecht: »Die Unabhängigen Griechen sind ganz sicher kein Front National, und deshalb sollte man hier auch nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.« Und Linken-Co-Chefin Katja Kippinger erklärte: »Die Unabhängigen Griechen sind eine rechte Abspaltung von den griechischen Konservativen, also so eine Art CSU.« Gysi gab immerhin zu, dass er mit Tsipras‘ Entscheidung »beachtliche Schwierigkeiten« habe, aber er wolle hier »nicht den Lehrmeister spielen«. Er halte ANEL für eine Art »rechte Abspaltung von der CSU« und betonte: »Mein Maßstab ist, was sie tun.«

Kammenos hat bis vor kurzem immer gegen die Linke gewütet. Dann entdeckte er Angela Merkel als seinen Hauptgegner. Damit qualifizierte er sich für ein Bündnis mit SYRIZA. Tsipras hat offenbar kein Problem damit, wahrscheinlich weil der Feind seines Feindes sein Freund ist. Auch dass Kammenos ein Mann des Systems ist, ist ihm, der sich doch den so genannten kleinen Leuten verpflichtet fühlt, offenkundig gleich: Kammenos ist 49 Jahre alt, mit 27 Jahren wurde er zum ersten Mal ins Parlament gewählt und hat in dieser Zeit, in der er immer wieder ein Mandat errang, verschiedene Funktionen innegehabt. Der Vorwurf, er sei in dieser Zeit auch nicht ganz einwandfreien Geschäften nachgegangen, ist nicht widerlegt worden. Und so haben in der neuen Koalition zwei Partner zusammengefunden, die sich eigentlich spinnefeind sind, aber vereint wissen in ihrem Antisemitismus und ihrer Deutschfeindlichkeit. Ob das ein Vorgeschmack auf die Zukunft Europas ist?

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Gerd Müller

Das muß man mal so laufen lassen, dort in Griechenland .........
es könnte gut möglich sein, daß dann einige Leute in Merkeldeutschland merken, wie dämlich sie eigentlich gewesen sind und wenn das Volk dabei auch noch mit wach wird, werden wir vielleicht sogar von diesem Übel erlöst (um mit Gabriel zu sprechen) !

Gravatar: Karin Weber

Ich weise bereits seit Jahren darauf hin, dass die Politik des Merkel-Regimes für uns Bürger in Europa eines Tages gefährlich werden könnte. Wir deutsche Bürger können für diese Politik, die über unsere Köpfe hinweg gemacht wird, genauso wenig, wie der kleine griechische Bürger.

Gravatar: Peter

Antisemiten auch bei Syriza!

https://www.youtube.com/watch?v=4KaXU0QIfeI

E.Andriopoulou Syriza:“Hitler, Du Schwuchtel, nicht nur dass Du ein verdammter Faschist warst, Du hast auch Deinen Job nicht zu ende gebracht…”

Th.Karypidis,Syriza official:Das Staatsfernsehen wird von Juden kontrolliert...

ps:Mit Mazedonien hat er allerdings recht.Bekanntlich hatten die Mazedonier nichts mit Slaven zu tun.Genau so gut hätte sich das Land dort Frankreich nennen können und Napoleon Denkmäler hinstellen können wie sie es jetzt mit Alexander dem Grossen machen.Und viele Mazedonier glauben den Mist auch noch...aber das zeigt wohl das man den Leuten alles erzählen kann....

Gravatar: Joachim Datko

Zitat: "[...] daß dann einige Leute in Merkeldeutschland merken, wie dämlich sie eigentlich gewesen sind [....]"

Um "Merkeldeutschland" brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Sie brauchen nur die Lebensumstände in Deutschland und Griechenland zu vergleichen! "Merkeldeutschland" ist mit allen Wassern gewaschen.

Joachim Datko - Physiker, Philosoph
Forum für eine faire, soziale Marktwirtschaft
http://www.monopole.de

Gravatar: Vardarovic

Irgendwie scheint der Autor des Artikels schon stark einseitig denkend auf diese Welt geboren worden zu sein, oder er verteidigt vielleicht lediglich seine Abstammung oder Lobby. Doch möge er zur Kenntnis nehmen, was die Begründer der unabhängigen Gerichtsbarkeit und des Schöffengerichtes, also die Griechen, bereits vor ca. 2600 Jahren, als Grundlage ihres Denkens lebten, als Polytheisten und damit schon demokratisch denkend, da nicht allein auf eine Denke manifestiert, wie es andere arabische Völker noch heute tun: "Wer die andere Seite nicht gehört hat, aber trotzdem ein Urteil trifft, der ist kann nicht gerecht sein".

Gut, ich akzeptiere, dass er damals nicht gelebt hat. Damit kann er es nicht wissen.
Nur bringen solche Autoren mehr Verwirrung denn Aufklärung. So haben die Griechen in ihrer sehr langen Geschichte keine Gaskammern und keinen Massenmord an den Juden (Semiten) begangen, das waren die Deutschen. Insoweit denken hinsichtlich gewisser Themate die Deutschen anders und die Griechen als Kulturträger anders.

Mich würde interessieren, ob es aus der jüdischen Seite UND mit Blick auf die Historie (!) einen Antihellenismus gegeben habe und diesen ggf. weiterhin gebe (Wer sich in der Geschichte auskennt ist hier klar im Vorteil).

Gravatar: Vardarovic

Die Devise zur Rettung Europas, so Merkel, kann nur lauten:
"Lieber tot denn die Vorgaben aus Berlin und der Troika nicht eingehalten zu haben".
Tote sind eh schon glücklich, also helfen wir den Griechen zu ihrem Glück.

(siehe hierzu die Nachrichten vor vorausgegangenen Zeit).

Gravatar: Vardarovic

Als Ergänzung:

Der klare hellenische Geist der unabhängigen Gerichtsbarkeit wurde übrigens auch im Grundgesetz (GG) übernommen, es ist der Artikel 103 Abs. 1 GG).

Griechen sind eben die einzigen auf dieser Welt, die im Wort Demokratie KEIN Fremdwort sehen.
Ein beneidenswertes Volk, bietet lt. UNESCO ca. 50% des Weltkulturerbes an.
Die restlichen 50% teilen sich, je nach Lesart, ca. 195 Staaten.

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