Übersetzung des Briefes von Fra‘ James-Michael von Stroebel

Brief an die Stellvertreter der verschiedenen Landesassoziationen des Malteserordens

In einem Brief an die Stellvertreter der verschiedenen Landesassoziationen des Malteserordens beklagte Fra‘ James-Michael, Senior-Mitglied aus den USA, wie der Orden durch den Eingriff des Vatikans unter Papst Franziskus ideologisch entkernt und zu einer reinen NGO degradiert werde.

Veröffentlicht: | Kategorien: Reportagen, Reportagen - Empfohlen | Schlagworte:
von

An die:

 

Delegationspräsidenten der Vollversammlung des Staates 2018

 

Meine lieben Mitbrüder in Christus,

 

Durch Gottes Gnade ist es mir geschenkt, viele von Ihnen persönlich zu kennen, aber bitte erlauben Sie mir, mich allen anderen Vorzustellen. Ich bin einer der älteren Professritter des Malteserordens. Nach einer Karriere im diplomatischen Außendienst der USA und sieben Jahren als ein Freiwilliger in einer Klinik für AIDS-Kranke in Washington DC bin ich 1992 dem Orden beigetreten.

 

1996 bin ich Professritter geworden und habe 1999 meine feierlichen Gelübde abgelegt.

 

Meine Erfahrungen im Orden bestanden unter anderem daraus, in Kroatien während der Auflösung Jugoslawiens medizinische Hilfe zu gewährleisten, fünf Jahre lang habe ich mehrere Monate des Jahres im Magistralpalast gedient und 1997 konnte ich der Revision der Konstitution und der Statuten beiwohnen. Einige Jahre habe ich in der Zeremonienkommission des Ordens gearbeitet und 20 Jahre lang als Zeremonienmeister und Protokolloffizial für die „Federal Association“ der USA gedient. Sechs Jahre lang war ich Mitglied des Verwaltungsrats der „Federal Association“, 12 Jahre Vizeregent des Unterpriorats Unserer Lieben Frau von Lourdes und habe an der Ordenspilgerfahrt nach Lourdes 26-mal teilgenommen.

 

Prinz Lobkowicz hat Ihnen vor kurzem (19. April 2018) einen weiteren Brief betreffend der kommenden Vollversammlung des Staates geschrieben. Seine offizielle Position den Statuen gemäß sollte zunächst geklärt werden (Art. 176, §4), die da ist: Die Versammlung der 15 Stellvertreter der Priorate hat den Vorsitz des Präsidenten des ältesten Großpriorats. Er ist nicht der „Präsidentenführer“, nicht einmal der erste unter gleichen, sondern der Koordinator der Präsidenten. Wenn er mehr Macht hat als diese, dann nur, weil sie ihm durch die anderen Präsidenten zugestanden wurde.

 

Er erwähnt richtigerweise, dass die meisten Delegaten weder Zeit noch Möglichkeit haben, tiefer in die komplizierten Fragen der Regierung des Ordens, seiner Disziplinen und Regeln einzutauchen. Darum ist seine erste Verantwortung den Präsidentendelegaten die notwendigen Informationen zu übermitteln und ihnen bei der richtigen Entscheidungsfindung zu helfen – Entscheidungen, die sie mit ihrem eigenen Gewissen machen müssen. Seine ernste Verantwortung ist, ihnen wahrheitsgemäße und unvoreingenommene Informationen zu geben, NICHT sie zu manipulieren und ihre Gewissen durch falsche „Fakten“ oder seine eigenen Meinungen als Tatsache getarnt in eine bestimmte Richtung zu steuern.

 

Es ist diese Verdrehung der Tatsachen, die mich dazu drängt, Klarstellung an den Tag zu legen, damit Sie, die Präsidentendelegaten, Ihre eigenen Gewissen in diesen Fragen bilden können und nicht auf die sehr voreingenommene und eigennützige Orientierungshilfe des Prinzen angewiesen seid.

 

  1. Völlig verdrehte Tatsachen bezüglich der Professritter

 

Der ganze Brief ist von einem Leitmotiv durchzogen, nämlich wie eigennützig und egoistisch die Professritter sich benehmen würden, wie religionslos sie seien und wie sehr sie sich der Revision der Ordensregeln widersetzen würden; wie ambitiös sie versuchen würden Großmeister zu werden oder hohe Ränge zu bekleiden und wie oberflächlich sie in ihrem Leben als Laienordensmitglieder seien. All diese Beschuldigungen sind vollkommen falsch, trotz der wiederholten Anklagen Prinz Lobkowicz.

 

    1. Es ist wichtig sich vor Augen zu halten, dass das deutsche Priorat, das aus einer der größten Quellen der alten katholischen Familien schöpfen kann, seit 65 Jahren keine einzige Ordensberufung zugelassen hat. Seit Prinz Lobkowicz Bruder zum Prokurator Böhmens ist, wurden bestehende Berufungen beendet und keine neuen mehr zugelassen. Dies beweist eine konsistente und einheitliche Feindseligkeit gegenüber den Professrittern.

    2. Mit Ausnahme von zwei oder drei Personen stehen die Professritter in völligem Einverständnis mit der Revidierung der Ordensregel. Sie wollen auch die Fähigkeit des Ordens erhalten, Spätberufene in das Ordensleben der Professritter aufzunehmen.

    3. Ich kenne die Professritter viel besser als Prinz Lobkowicz. Sie sind ernsthafte, hingebungsvolle, gläubige Laienordensleute. Seit anderthalb Jahren waren sie die Opfer von Anschwärzungen, übler Nachrede und offenkundigen Lügen, die alle eine einzige Quelle hatten. Uns ihnen wurde wenig Möglichkeit gegeben, sie selbst zu verteidigen.

    4. Prinz Lobkowicz scheint den falschen Eindruck zu haben, dass er in irgendeiner weiße ein Ordensoberer ist. Die Ordensoberen der Professritter sind allerdings: 1) Der Papst, und 2) der Großmeister, und jene, die vom Großmeister zu dieser Aufgabe bestimmt werden. Prinz Lobkowicz ist weder durch die Ordensregel noch durch das Kanonische Recht dazu bevollmächtigt den Professrittern als Laienordensleuten vorzustehen oder sie zu beurteilen. Aus diesem Grund müssen die „religiösen“ Aspekte des Ordens bewahrt, und jede Änderung der Konstitution, die die Professritter betrifft mit einer 2/3 Mehrheit beschlossen werden.

    5. Prinz Lobkowicz hat von der Unwilligkeit vieler Professritter gesprochen, die ihr Leben nicht den Minimalanforderungen eines Ordenslebens anpassen wollen. Das ist unwahr. Die Professritter folgen den Bestimmungen für das religiöse Ordensleben, die der Orden seit neun Jahrhunderten lebt und die mehrmals durch den Heiligen Stuhl bestätigt wurden (letztes Mal 1997). Es ist nicht die gleiche Art des Ordenslebens wie in den meisten Orden der Kirche (die ihren jeweiligen unterschiedlichen Weg haben, die evangelischen Gelübde zu leben) und das war es auch nie. Zusätzlich ist der Orden der erste und ältesten Orden der Kirche und ist mehrere Jahrhunderte älter als die Sammlung und Formalisierung des Kanonischen Rechts.

    6. Prinz Lobkowicz erklärte richtigerweise die Leben der derzeitigen Professritter unbetroffen von den Veränderungen der Konstitutionen und Statuten, wobei er aber die jüngeren Professritter zur Anpassung mahnte. Das Problem ist, dass die vorgeschlagenen Änderungen eine Berufung im Orden unattraktiv machen würden, sei es für Spätberufenen alte Herren, die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil unsere sichtbare Stärke waren, sei es für junge Männer, die schlichtweg in Orden mit Laienbrüdern nicht mehr eintreten. Auswirkung wäre das Aussterben der derzeitigen Professritter, und das Fehlen jener, die ihren Platz einnehmen könnten, womit der Orden zu einer einfachen NGO werden würde.

    7. Ich finde es schwer verständlich, wie Prinz Lobkowicz eine so verallgemeinerte abwertende Aussage über die Professritter machen kann. Welche Erfahrungen hat er mit den Professen gemacht, die ihn zu solchen Urteilen führen? Es gibt keine Professritter in Deutschland, und zwar schon seit über 60 Jahren.

    8. Prinz Lobkowicz spricht von einer Gruppe von extrem konservativen Professrittern, die versuchen, den Orden zu ihrer Zuflucht zu machen. Wie in der Universalkirche gibt es Professritter, die sehr konservative Katholiken sind. Ihre Einstellung ist ihr Recht des Gewissens, wie es das Recht jedes Katholiken ist, und es gibt für viele Verständnisse von Liturgie und Zeremonie Platz im Lehramt. Sicherlich spiegelt diese Lage das Spektrum der Mitglieder des Ordens überhaupt wieder.

    9. Schlussfolgernd ist festzustellen, dass die perfide und langwierige Kampagne gegen die Professritter von Prinz Lobkowicz seine Strategie ist, die Präsidenten und andere Delegaten davon abzulenken, was die wirklichen Probleme der Revision sind: Prinz Lobkowicz kämpft darum, die Kontrolle des Ordens in die Hände einer kleinen Clique des Hochadels zu legen, wie es seit Jahren schon der Fall war.

  1. Der Reformprozess ist NICHT in Arbeit

Prinz Lobkowicz thematisierte den Reformprozess, der in Arbeit sei. Die zehn Arbeitsgruppen haben viel Zeit und Arbeit in die Revision der Konstitutionen und der Statuten investiert und eine große Zahl an vorsichtig formulierten Empfehlungen vorbereitet. Diese wurden nach Rom gesandt und scheinen von einem schwarzen Loch verschluckt worden zu sein. Jene von uns, die am Februarseminar in Rom teilgenommen hatten – darunter viele von Ihnen – erwarteten eine Möglichkeiten diese Empfehlungen der zehn Arbeitsgruppen zu revidieren und vielleicht mit der Diskussion über sie zu beginnen, um die gemeinsamen Grundlagen für einen endgültigen Entwurf der vorgeschlagenen Änderungen zu entwerfen. Wie sie wohl wissen, fand nichts desgleichen statt. Wir sind mit einer ernsten Reform genau dort, wo wir vor einem Jahr waren. Und der Heilige Vater drückte seinen Wunsch aus, dass wir das Adelskriterium entfernen, um die Gruppe der möglichen Kandidaten zu erweitern, bevor der Großmeister gewählt werden kann; etwas, das auch nicht gelungen ist.

 

Wir waren alle sehr enttäuscht über die verlorene Zeit und das Geld das in ein Seminar eingeflossen waren, und scheinbar nutzlos war. Der Eindruck von vielen war hingegen, dass der Großkanzler und Prinz Lobkowicz bereits eine Revision der Konstitution und der Statuten vorbereitet hatten, der ihrer Vorstellung des Ordens entspricht, und ie keinen „religiösen Orden“ vorsehen.

 

  1. Adelsvoraussetzung

Prinz Lobkowicz erklärte, dass die Professritter die Adelsvoraussetzungen der hohen Ämter gerne abschaffen würden, weil sie diese Positionen für sich selbst öffnen wollen. Ich war in der Arbeitsgruppe acht, die sich mit der Regierung und der Leitung des Ordens beschäftigt hatte. Es wurde anerkannt, dass die Adelsvoraussetzungen der hohen Ämter eine Art war, die Macht bei den Europäern zu belassen, wobei das große Potential der „Neuen Welt“ (Afrika, Amerika, Asien, Ozeanien) keinen Zugang zu den hohen Ämtern haben würde.

 

In der Zusammenkunft fast aller Professritter in Rom im Dezember wählten die Professritter fast einstimmig (mit Ausnahme von einer Stimme) dafür, die Adelsvoraussetzungen im Orden abzuschaffen, und die Ämter für alle zu öffnen, um Zugang zu einer größeren Auswahl an qualifizierten Mitgliedern zu schaffen.

 

Prinz Lobkowicz erklärte, dass das Beibehalten der Adelsvoraussetzungen das derzeitige unangebrachte Ringen einiger Professritter ein Ende setzen würde, die sich selber positionieren, um Großmeister zu werden. Während der vergangenen Monate habe ich mich bei mehreren Anlässen mit den Professrittern getroffen. Ich habe kein „Ringen“ oder selbst nur Diskussionen bezeugen können, wenn es darum ging, wer Großmeister werden könne. Der Konsens aller Professritter, mit denen ich über dieses Thema gesprochen habe, war dass der erste Grund zur Disqualifikation der Wunsch wäre, Großmeister werden zu wollen.

 

  1. Eine Mehrheit wünsche sich, zum jetzigen Zeitpunkt einen Großmeister wählen zu wollen??

    1. Prinz Lobkowicz gab an, dass die überwiegende Mehrheit der Mitglieder sich wünsche, anstelle eines Lieutenant für ein weiteres Jahr einen Großmeister zu wählen. Und was genau ist die Grundlage für eine solche Aussage? Sie ist sicherlich nicht auf Tatsachen gründend, sondern eher auf Wunschvorstellungen. Niemand hat eine Umfrage unter allen Mitgliedern veranstaltet. Auch würde es nicht mit dem Kanonischen Recht übereinstimmen, eine solche zu unternehmen, oder eine politische Kampagne zu führen, wie sie Prinz Lobkowicz in seinen Briefen an die Präsidenten anvisiert.

    2. Sie sollten darüber Bescheid wissen, dass die Wahl auf dem Gebet und nicht auf politischen „Machenschaften“ und dem Streben nach Macht aufgebaut werden darf. Das ist die wahrste Aussage von Prinz Lobkowicz. Aber derjenige, der am meisten „Machenschaften“ in dieser Affäre fördert, ist Prinz Lobkowicz selbst. Es soll bei diesem Prozess keinen Wahlkampf geben, aber genau das ist es, was er seit Monaten veranstaltet. Einige Spezialisten des Kanonischen Rechts glauben, dass solche offensichtlichen Wahlkampagnen mit einer Disqualifikation enden sollten.

    3. Es wurde behauptet, dass die Wahl des Großmeisters die Teilung im Orden beenden und Einheit wiederherstellen würde. Nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt. Die manipulierte Wahl eines Großmeisters bei der Vollversammlung des Staates würde einen tiefen Riss im Orden verursachen. Der Großteil der Führungspersönlichkeiten erkennt dies an und bestätigt, dass kein Großmeister bei der derzeitigen Regulierung der Konstitutionen gewählt werden sollte, sondern nur, wenn die Konstitutionen revidiert würde, um eine größere Auswahl an möglichen Kandidaten zur Verfügung zu haben.

    4. Der Grund für die Wahl des Großmeisters zu diesem Zeitpunkt war, die Last der Delegaten zu lindern, die kommendes Jahr zu einer weiteren Wahl des Großmeisters anreisen müssten. Dieses Argument ist so offensichtlich fadenscheinig, dass es keine erste Antwort benötigt.

  2. Welchen Rat gab es vom Heiligen Stuhl?

Seine Heiligkeit machte es unzweideutig klar, dass er für die Wahl eines Lieutenant sei. Er gab deutlich seinem Wunsch an die Regierung des Ordens in Rom Ausdruck, die Wahl eines Großmeisters 1) aus einer größeren Gruppe an Kandidaten und 2) ohne Adels- oder Erbqualifikation geschehen sollte. Dies wurde persönlich Mitgliedern des Hoherats gesagt, in Anwesenheit des Großkanzlers und des Lieutenants.

 

Und die gleiche Botschaft wurde von Erzbischof Becciu überbracht, seinem persönlichen Delegaten im Orden. Beim Treffen am 5. März 2017 erklärte Msgr. Becciu dem Großkanzler: „Dass der Heilige Vater Fra‘ Ludwig Hoffmann vertraute und ihn für ein Jahr zum Lieutenant ad interim ernennen würde“ und Becciu hob hervor, dass der Papst klare Anweisungen gegeben habe, einen Großmeister zu wählen. Zusätzlich ist mir klar, dass Erzbischof Becciu erst vor kurzem seine Heiligkeit beraten hat, eher einen Lieutenant zu wählen, als einen Großmeister.

 

Es scheint so, als ob der Großkanzler diese Informationen nicht mit den örtlichen Führungsämtern und Mitgliedern geteilt hat, und Prinz Lobkowicz sie den Präsidenten vorenthalten hat.

 

Meine lieben Mitbrüder und Freunde, ich bin nun 90 Jahre alt und habe die letzten 22 Jahre meines Lebens als Profess- und Justizritter verlebt. Es trifft mich schmerzlich, diesen Brief schreiben zu müssen, aber noch schmerzlicher wäre es, wenn die Lügen und die Verleumdungen der Professritter unbeantwortet blieben. In dieser Sache muss ich mich daran erinnern, dass wahre Hoffnung nicht die Überzeugung ist, dass alles gut werden wird, sondern die Sicherheit, dass, wie auch immer es werden wird, der Heilige Geist Sinn aus all dem machen und einen Weg finden wird, die Lage zum Guten zu wenden. Die Professritter beten um die Gnade der Führung Ihrer Gewissen durch den Heiligen Geist bei der kommenden Versammlung des vollständigen Staates.

 

Mitbrüderlich
Fra‘ James-Michael

 

Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte
unterstützen Sie mit einer Spende unsere
unabhängige Berichterstattung.

Kommentare zum Artikel

Bitte beachten Sie beim Verfassen eines Kommentars die Regeln höflicher Kommunikation.

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar


(erforderlich)

Zum Anfang