Zu Eltz gegen Tabartz-van Elst

Altes Interview wirft neues Licht auf Kritik an Limburger Bischof

Eine Äußerung des Frankfurter Stadtdekans Johannes zu Eltz im Jahr 2010 erhellt, warum der Kampf gegen den Limburger Bischof so erbittert geführt wird: Er will die katholische Kirche protestantisch machen.

Foto: Norbert Nagel / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 (Ausschnitt)
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Die Angriffe auf den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sind so heftig, dass früh die Frage aufgeworfen wurde, ob es tatsächlich nur – wie von seinen Feinden behauptet – um seinen vermeintlich autoritären Führungsstil und die gestiegenen Kosten beim Bau der Limburger Bischofsresidenz geht.

Jüngst hat einer, der die Limburger Verhältnisse gut kennt, ein Zitat von Johannes zu Eltz ausgegraben, das ein bezeichnendes Licht auf die Opposition gegen Tebartz-van Elst wirft. Zu Eltz ist der Stadtdekan von Frankfurt, einer der Wortführer des Aufstandes gegen den Limburger Bischof und gegen »Rom« und einer der Gewährsmänner der katholikenfeindlichen Presse.

Bereits 2010 druckte die FAZ in ihrem Lokalteil ein Interview mit zu Eltz und der evangelischen Pröpstin Gabriele Scherle ab, in dem zu Eltz sein Verständnis von Kirche erläutert. Diesen Ausführungen zufolge ist es sein Ziel, Ökumene zwischen den beiden Konfessionen herzustellen, indem die katholische Kirche so protestantisch wird, dass die Protestanten ihr Bekenntnis in ihr aufgehoben wissen.

Insbesondere die Stellung des Priesters will zu Eltz grundlegend verändern. Im katholischen Verständnis tritt der Priester als Heilsvermittler auf; die Protestanten lehnen diese Konzeption entschieden ab. Für sie ist der Pfarrer ein Gläubiger unter anderen und hat keine heilsrelevante Funktion. Für seine protestantische Gesprächspartnerin kommt diese Ansicht unerwartet: »Im Ernst?«, fragt Scherle verblüfft, nachdem zu Eltz ihren ironischer Einwurf »Ja, ja, wir sollen zurückkommen nach Rom« wegerklärt hat.

Für den Experten, der das Zitat zurück ans Tageslicht geholt hat, erschließt sich vor diesem Hintergrund die Schärfe des Limburger Konflikts: Es geht nicht um Verschwendung, sondern um den kirchenpolitischen Kurs. Tebartz-van Elsts Vorgänger im Bischofsamt haben jahrzehntelang ihre Distanz zum Papst und zur Weltkirche gepflegt und den deutschkatholischen Strömungen freie Bahn gelassen. Dass mit Tebartz-van Elst ein Bischof eingesetzt wurde, der die Verbindung zur Weltkirche, das heißt zum Papst, wiederherstellen will, stört diese Leute empfindlich.

Auf die letzte Bemerkung Scherles geht zu Eltz übrigens nicht mehr ein, weil die beiden Journalisten von der FAZ auf ein anderes Thema zu sprechen kommen. Was schade ist, denn es wäre interessant gewesen zu erfahren, was zu Eltz auf die Frage nach der Frauenordination und die Rolle des Papstes zu sagen gehabt hätte.

Nachfolgend ein Auszug aus dem Interview der FAZ mit dem Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz und Pröpstin Gabriele Scherle:

»Das Ziel, zu einer gemeinsamen Kirche zu kommen, verfolgen Sie nicht?

Scherle: Ich möchte eine Kirchengemeinschaft, in der sich Kirchen unterschiedlicher Traditionen gegenseitig anerkennen. Einfach ist das nicht. Wir haben aus theologischen Gründen nun einmal ein anderes Kirchenverständnis als die Katholiken, eine andere Vorstellung davon, wie der Mensch vor Gott steht, eine andere Individualethik.

Eltz: Und wenn wir von dort aus nach unseren Ursprüngen fragen, dann werden wir uns wieder treffen, aber eben nicht in versöhnten Kirchen, die institutionell voneinander unabhängig sind, sondern in einer gemeinsamen Kirche mit lebendigen Verschiedenheiten.

Scherle: Ja, ja, wir sollen zurückkommen nach Rom.

Eltz: (lacht) Mein Langzeitprojekt ist die theologisch begründete Delegitimierung evangelischer Kirchlichkeit durch die Integration reformatorischer Elemente in die katholische Kirche. Zum Beispiel ist das ›Priestertum aller Gläubigen‹ so katholisch wie es evangelisch ist.

Scherle: Im Ernst?

Eltz: Ja, sicher! Die zentrale Gestalt der Kirche ist der Laie, der zum Gebrauch seiner Gaben gekommen ist, nicht der geweihte Priester, der ihm dabei behilflich sein soll. Zu meinen, bei uns würden die Hierarchen auf dem Schild durchs Dorf getragen, ist ein Missverständnis, das überwunden werden muss.

Scherle: Aber es ist doch so, dass die Menschen nach katholischem Verständnis zum Heil die Priester brauchen. Wir brauchen sie nicht.

Eltz: Ihre Kirche braucht die priesterlichen Dienste auch – in der Verwaltung der Sakramente und der Verkündigung des Wortes Gottes.

Scherle: Sicher, die evangelische Kirche versteht sich als Geschöpf des Wortes. Wir kennen aber kein göttlich eingesetztes Weihepriestertum. Daher gilt die Kirche nicht als Sakrament. Die Gestalt der Kirche kann sich auch ändern. Deshalb kann sie auch irren, und deshalb können wir mit Fehlern auch anders umgehen als die katholische Kirche.

Eltz: Sie kann aber auch in einem anderen Sinn fehlen, nämlich einfach nicht mehr da sein. Und dann ist Christsein auch evangelisch nicht mehr möglich.

Scherle: Da mache ich mir keine Sorgen. Gott schafft sich durch Wort und Sakrament immer wieder Kirchen in unterschiedlichen Gestalten. Für evangelische Theologie ist es unmöglich, eine bestimmte Organisationsform für gottgegeben zu halten.

Eltz: Daher kommt ja mein Vorschlag, dass die katholische Kirche den Rahmen zur Verfügung stellt, damit Sie in Ruhe protestantisch sein können.

Scherle: (lacht) Dann müssten Sie aber meine Ordination als Frau anerkennen. Und Sie müssten Lehren wie die Unfehlbarkeit und den Jurisdiktionsprimat des Papsts revidieren.«

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Meier, Karl

Da kann ich nur sagen:
"Geh doch rüber!"

Gravatar: Ferdinand Reuter

Ich schließe mich ohne Abstriche der Meinung von Herrn Karl Meier an.
Ich bin sogar der Ansicht, dass das ganze Bistum, vor allem der gesamte Klerus, aus der römisch-katholischen Kirche entlassen werden sollte. Sollen sie doch alle in der protestantischen Gemeinschaft ihr Glück suchen. Wir brauchen sie nicht.

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