Studenten sind nicht mehr in der Lage, mit Literatur umzugehen

Warnung vor Dostojewski und Shakespeare

Nicht weil es ihnen zu anspruchsvoll wäre. Sondern weil Gewalt in den Texten vorkommt – und womöglich sexuelle Belästigung. Das halten Studenten heute nicht mehr aus. Deshalb fordern viele – besonders in den USA und in England –, dass die Werke der Weltliteratur mit Warnhinweisen, mit so genannten trigger warnings, versehen werden. Der Trend kommt nun auch nach Deutschland.

Hamlet, Pixabay
Veröffentlicht: | Kategorien: Nachrichten, Nachrichten - Lebenswelt, Startseite - Empfohlen, Startseite - Unterbühne | Schlagworte: Fjodor Dostojewski, Herman Melville, Ovid, safe spaces, snow flakes, trigger warnings
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»Vorsicht Dostojewski« titelt die Süddeutsche und berichtet davon, dass Aktivisten fordern, dass bei der Behandlung von Werken wie etwa Ovids Metamorphosen Rücksicht genommen wird auf Studenten, die möglicherweise von Gewaltdarstellungen traumatisiert sind, damit sie rechtzeitig vorgewarnt werden und die Möglichkeit haben, sich in Sicherheitszonen, in so genannte safe spaces, zurückzuziehen.

Aktuell hatte sich die Debatte um versteckte Mikroaggressionen, die post-traumatische Störungen auslösen können, an dem Shakespeare-Drama Titus Andronicus entzündet, worüber u.a. der Guardian berichtet hatte. Safe-Spaces, die wir uns gerne so vorstellen können wie das Kinderparadies bei Ikea, sind inzwischen an den Universitäten weit verbreitet. Es gibt sogar Heulschränke, in die man sich zurückziehen kann, um sich in Ruhe auszuweinen, um danach wieder gestärkt der ach-so-grausamen Welt gegenüberzutreten.

Wir sollten das nicht belächeln. In Deutschland ist es nicht besser: Auch bei uns ist die Empfindlichkeit – genauer gesagt: die Überempfindlichkeit – die Trumpfkarte, die alles sticht.

Deshalb brauchen wir Sprachregelungen. Deshalb dürfen wir bestimmte Ausdrücke, die selbstverständlich an dieser Stelle nicht zitiert werden, nicht mehr benutzen. Um solche Verbote durchzusetzen, muss von den empfindlichen Menschen, von den so genannten snow flakes, ein ständiger Druck erzeugt werden.

Wenn man sich dem erst einmal gefügt hat, gibt es kein Halten mehr. So wird berichtet, dass eine Studentin darum gebeten hat, auch das Wort »verletzen« nicht mehr zu benutzen, nicht einmal mehr in der Formulierung »das Gesetz verletzen«, weil allein schon das Wort »verletzen« traumatisch auf sie wirke. In letzter Konsequenz führt das dazu, dass man auch vor Trigger-Warnungen warnen muss, da diese Sicherheitshinweise selber zum Auslöser von Panikattacken – zum Trigger – werden können. Man kann dann nicht mehr darüber reden, dass man nicht darüber reden kann. Da fehlen einem die Worte.

Die Nützlichkeit von Sicherheitszonen und Trigger-Warnungen ist durchaus umstritten. Das ist jetzt extra vorsichtig formuliert, damit sich die Schneeflocken nicht allzu sehr erschrecken und langsam vorbereitet werden auf die bittere Wahrheit, die nun folgt: Trigger-Warnungen verschlimmern das Problem.

Ein Team von Psychologen von der Harvard University hat dazu eine Untersuchung veröffentlicht: Die Forscher ließen Probanden Passagen aus Werken von Fjodor Dostojewski, Herman Melville und anderen Autoren lesen, in denen teilweise blutige Schilderungen auftauchen.

Wenn die Teilnehmer zuvor eine Warnung gelesen hatten, dass sie nun möglicherweise auf »verstörende Inhalte, die Angstzustände auslösen könnten«, stoßen würden, wirkte das bei manchen wie eine sich selbsterfüllende Prophezeiung. So jemand spürte nach der Lektüre größere Angst, wenn er zuvor einen Warnhinweis gelesen hatte.

Wir sollten uns über die Schneeflocken nicht täuschen. Sie geben sich schutzbedürftig. Doch von ihnen geht eine bösartige Aggression aus, sie wollen uns die Unbefangenheit und Spontanität unseres Umgangs nehmen und uns zu behinderten Leisetretern machen (falls der Ausdruck »behindert« in dem Zusammenhang überhaupt gestattet ist). Jede Schutzzone ist für sie ein Geländegewinn; jedes Sprachverbot, gegen das wir nicht aufbegehrt haben, ist ein für sie ein Etappensieg und bringt sie dem Ziel, uns zum Schweigen zu bringen, näher.

 

 

 

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Unmensch

Sie können keine Gewaltdarstellungen vertragen, aber Literatur müssen sie studieren.
Was kommt als nächstes? Kein Blut sehen können, aber Medizin studieren?
Und alle anderen müssen sich an diese armen Opfer anpassen, oder sonst werden sie sehr böse!

Gravatar: Andreas Schulz

Es sind immer die "empfindlichen" Minderheiten, die erwarten, dass sich alles um Sie dreht und alle sich nach Ihnen richten. Für mich gehören solche Leute in eine Therapie. Wobei, einen Heulschrank kann ich, wenn es so weiter geht, bald zu Hause.

Gravatar: Schnully

Rücksicht , Jugendschutz , sowie Warnungen vor allem und jedem die selbst auferlegte Medienzensur , sorgen dafür das wir Filme nur noch Häppchenweise und mit entfernter ( Gewalt ) schauen dürfen . Spiele so entschärft sind das sie müde machen . Ballerspiele wie früher nicht mehr möglich sind . Täter werden nicht mehr gezeigt und deren Nationalität erst recht nicht wenn es sich wie so oft um Merkels Gäste handelt .
.Wer veranlasst diese Selbstkontrolle die keine ist sondern nur noch als Erziehungsmaßnahmen gegen Bürger zu verstehen ist . Wobei gleichzeitig die Gewalt in Deutschland drastisch zunimmt , deren Verhinderung ja eigentlich erreicht werden sollte . Nun können wir bei vielen Filmen die Handlungen erraten . Vielen Dank ihr Medienwächter , mit welchem Recht bestimmt Ihr was wir sehen oder lesen dürfen . Welche Rechte aus dem Grundgesetz haben wir eigentlich noch ? .Informationsfreiheit ebenfalls schon lange nicht mehr und müssen auch noch für Fehlinformationen bezahlen

Gravatar: Himmelsbürger

Es ist stark zu bezweifeln, dass die "Empfindlichkeit" der wirkliche Grund für Sprachregelungen ist. Vielmehr geht es um gezielte Unterdrückung Andersdenkender.

Doch es wird nicht lange dauern, bis die literarischen Bilder, vor denen gewarnt wird, all diejenigen, die sich davor verstecken wollten, in der Wirklichkeit einholen.

Gravatar: Duffy

Oh, dann lest doch mal die Märchen von Ludwig Bechstein oder der Brüder Grimm (Gesamtausgabe). Zitat aus "Der Fundevogel": Meine Mutter die mich schlacht', mein Vater der mich aß, mein Schwester das Marleneken sammelt alle meine Beneken, kiwitt, kiwitt, wat für'n schönen Vogel bin ick!"
Hat uns als Kindern nicht geschadet, im Gegenteil: wer mir blöd kommt, kriegt passend raus.

Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

... „Jede Schutzzone ist für sie ein Geländegewinn; jedes Sprachverbot, gegen das wir nicht aufbegehrt haben, ist ein für sie ein Etappensieg und bringt sie dem Ziel, uns zum Schweigen zu bringen, näher.“ ...

Stehen den Deutschstämmigen unter Merkel & Co. in Kürze etwa erneut Bücherverbrennungen - diesmal von Autoren wie Dostojewski, Shakespeare etc. pp. - auch wegen entarteter Kunst bevor???

Gravatar: kim

Verblödung und Verweichlichung mit System - EIN weiteres Symptom des Unterganges des Abendlandes. "Waschlappen an die Jammerfront" - und natürlich eine Menge Geld für ihre "Therapeuten".

Gravatar: Old Shatterhand

Was ich mich dann alerdings frage ist, wer sieht sich eigentlich die ganzen blutigen Krimis, Horrorfilme, Science fiction Filme und anderen gewaltttigen Schrott in der Glotze an? Man blättere nur mal in einer Programmzeitschrift, da kann einem wegen diesem Schrott regelrecht schlecht werden. Bei mir ist das etwas anderes, mich erzürnt diese verdammte Doppelmoral der Politik, welche jeden Mist durchgehen lässt ohne Rücksicht auf die normale Sensibilität "normaler" Seelen vor allem der Kinder und Jugendlichen zu nehmen. Allein der Schrott der seit 2000 in den Programmen angeboten wird, ist schon von den Titeln her unerträglich. Ja und unsere Propagandaministerien mit Ihren stereotypen Programmen (Brot und Spielen) und deren Manipulationssendungen ist keinen Deut besser als die Privaten.
Hier ein Beispiel der hervorragenden Programmvielfalt des "Zweiten Doofen Fernsehens" vom 9.8.2018

Die Sendungen vor 9:00 Uhr lasse ich mal außen vor dann gehts los:

9:45 bis 12:00 Sportsendung (Brot und Spiele)
12:00-12:05 Kurz Propagandasendung/Manipulation
12:05 - 15:10 Sportsendung
15:10 - 15:15 Kurz Propagandasendung/Manipulation
15:15 - 17:10 Sportsendung
17:10 - 17:15 Kurz Propagandassendung/Manipulation
17:15 - 19:00 Sportsendung
19:00 - 19:15 Hauptpropagandasendung/Manipulation
19:15 - 19:20 Sportsendung
19:20 - 22:00 Sportsendung
22:00 - 22:30 2. Hauptpropagandasendung/Manipulation
22:30 - 00:10 Tod auf Raten
00:10 - 00:25 Propagandasendung/Manipulation
00:25 - 03:45 Da schlafen normale Leute.

Also von dieser Vielfalst, was meistens die ARD am anderen Tag in ähnlicher Weise auch so bringt, bin ich richtig begeistert zumal mir dieser ewige Sport am Allerwertesten vorbeigeht. Vor allem dass ich für diesen Schrott auch noch zwangsweise abgezockt werde, macht mich richtig an; ich bin restlos begeistert von der Kreativität dieser so "schlecht bezahlten" Fernsehfuzzis.

Gravatar: Ein unbequemer Geist

In Hamburg, bei dem G20 Gipfel, waren da Linke auch Traumatisiert oder waren gerade sie ursächlich an den dort stattfindenden Gewaltexzessen beteiligt?

Die Realitätsverweigerung kennt offensichtlich bei Linken keine Grenzen und genau aus diesem Grund werden sie scheitern.

Das Ausblenden des realen Faktums "Gewalt" in der Literatur wird Gewalt nicht verhindern, sondern eher fördern.
Hiernach ist natürlich linke Gewalt, keine Gewalt und ein aufgebauschtes Problem.
Wo aber gerade Linke um die Macht ringen, stoßen wir dann ganz real auf dieses Phänomen der politischen Gewalt durch Linke!

Der Krieg und damit die Gewalt gehören untrennbar zu den grundlegenden Eigenschaften in einem konkurrierenden System des Daseins, wie im Mikrokosmos so auch im Makrokosmus unseres Universums.
Wegschauen macht es dadurch nicht besser.

Nur die illusionäre Blindheit wird hierdurch größer, vergleichbar mit der in Deutschland wuchernden Technik- und Wissenschaftsfeindlichkeit, begünstigt durch realitsvergessene Ideologien.

Die Gleichmacherei ist auch hier kein Ausweg, sondern lediglich ein gefährlicher Realitätsverlust.
Die hierbei so gerne angeführte "Traumatisierung" ist nichts anderes als eine Flucht aus einer verweigerten Wirklichkeit und ein Kampf gegen die Natur.

Anstatt sich tatsächlich mit dieser unvermeidbaren Gegebenheit unseres Lebens auseinanderzusetzen, dafür ist Literatur doch gerade da, wollen Ideologen sie aus dem Bewusstsein dervMenschen verbannen und erzielen damit genau das Gegenteil:
Die Wehrlosigkeit und damit die Unfähigkeit sich zu widersetzen steigt und die Gewalt wird zu einem noch wirksameren Mittel der Macht als bisher.

"Weicheier" lassen sich sehr viel leichter versklaven als Kämpfer!
Mit Angst lässt sich das Leid und der Tod nicht aufhalten!
Mit der Erfahrung um eine Gefahr dagegen schon sehr viel eher. Erfahrung anzunehmen bedeutet jedoch nichts anderes als sich mit einem bestehenden Problem auseinandersetzen zu wollen.

Deshalb muss niemand Gewalt lieben und sie verherrlichen, sie zu leugnen ist jedoch schlicht und einfach dumm!

Gravatar: Barbara

Man kann oft Artikel über die "jungen Alten" mit mehr oder minderen Neid ihnen gegenüber lesen. Aber wie sieht es mit der Jugend aus? Sind es die Jugendlichen, die der uns Alten nachfolgenden Generation die Existenz sichern werden? Die heute angesichts der gesellschaftlichen Strömungen von Gegendemo zu Gegendemo gekarrt werden? Die vor jeden Satz jedes Wort auf die Goldwaage legen? Die jedem und allen mit ihrem Gendergeschlecht - der die das * - auf den Keks gehen?
Nicht umsonst gibt es im TV primitivsten Mist zu sehen. Selbst die Dokus wollen uns mehr oder minder vermitteln, dass es ganz normal ist, dass hin und wieder ganze Völker plotzlich verschwinden.
Schickt die Jugend in die Betriebe, in die Landwirtschaft, damit diese Zartbesaitenen begreifen, dass die Smartphones, die Jeans, das Steak (oh Gott, da muß ja ein Tier geschlachtet werden), die Currywurst und alles, was man zum Leben benötigt, weder auf dem Feld wachsen noch einfach so von den Bäumen geerntet werden können. Alles muss mit harter Arbeit produziert werden - und das sogar manchmal durch Kinder(sklaven)arbeit in Indien, Pakistan und so weiter! Die 68er, solche wie dieser Steinewerfer Fischer, kamen den NWO-Förderern gerade recht und wie es in einem Clinton-Schreiben heißt: "...wir brauchen nur eine blöde Kuh mit Wiedergutmachungskomplex ..." haben die auch die blöde Kuh gefunden. Oh, oh, sofort mit der Inthronisierung der Königin warnte ich im SPON vor ihr, warnte davor, dass sie angetreten ist, unser schönes Deutschland zu verderben. Aber dass sie ganz Europa, so wie wir es kennen, vernichten wird zugunsten von ungebildeten, bildungsunwilligen und sehr primitiven Horden - das ist unfassbar.

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