Seit Juli dieses Jahres ist die Demokratie in der Türkei in Gefahr. Einen angeblichen Putschversuch einiger Militärs, wenn es denn wirklich so war, nutzt Präsident Erdogan, Merkel-Freund und nach Angaben zahlreicher Eurokraten und Altparteienpolitiker der stablisierende Faktor in der Flüchtlingspolitik, dazu aus, in seinem Land Jagd auf politisch Andersdenkende zu machen. Aktuell hat er eine neue Stufe erlangt.
Die Hatz auf die am »Putsch« beteiligten Militärs, sowohl Offiziere wie auch Mannschaften, begann noch in der Nacht des Aufstandes. Kaum war der am schlechtesten vorbereitete Umsturzversuch in der Geschichte der Menschheit niedergeworfen, begannen die Schergen Erdogans schon mit ihren Säuberungaktionen. Seit jener Nacht sitzen mehrere Tausend Armeeangehörige in Haft und sehen ihrer Verurteilung entgegen. Von einem fairen Gerichtsverfahren ist schon lange nicht mehr die Rede, weil es offfensichtlich ist, dass nicht Recht gesprochen werden soll, sondern dass Erdogan seine Rachegelüste befriedigen und seinen Machtapparat ausbauen will.
Nach dem Militär traf sein Bannstrahl die Justiz. Anwälte, Staatsanwälte, Richter und Justizbedienstete wurden von Erdogan und seiner Administration kaltgestellt, ihn Haft genommen und aus dem Land vertrieben. Ihr Vermögen wurde einkassiert, ihre Existenz vernichtet.
Ein paar wenige Medienvertreter gab es noch, die über dieses Unrecht und die Verwandlung der demokratischen Türkei in eine Alleinherrschaft berichten konnten. Doch nach dem Verbot einiger Zeitungen, dem Abschalten diverser TV- und Radiosender hat Erdogan mit der Verhaftung von 13 Journalisten der letzten oppositionellen Stimme im Land, »Cumhuriyet«, auch diese Kritiker mundtot gemacht.
Final stürzen sich nun Erdogans Häscher auf die oppositionellen Parteien und deren Vertreter. Die beiden Parteivorsitzenden Selahattin Demirtas und Figen Yüksekdag sowie mehrere Parlamentsabgeordnete der HDP wurden unter dem Deckmantel sogenannter »Anti-Terror-Ermittlungen« in der vergangenen Nacht festgenommen. Auch Fraktionschef Idris Baluken und der prominente Parlamentarier Sirri Sürreya Önder gehören zu den der Freiheit beraubten Personen. Mit 59 Abgeordneten hat respektive hatte die prokurdische HDP die drittmeisten Sitze im türkischen Parlament.
Mehr dazu auch hier: http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/tuerkei/tuerkische-polizei-nimmt-chefs-der-prokurdischen-partei-hdp-fest-14511737.html


Kommentare zum Artikel
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Tja, die FAZ verbreitet ohnehin immer Narrative, die den USA nutzen, und auf die sich auch dieser Artikel stützt.
Blicken wir mal anders auf die Lage:
Erdogans Schwenk zu Russland vor Monaten hat mehrere Gründe: Erdogan verdächtigte damals die Gülen-Bewegung (im faktischen Auftrag des CIA) den Putsch eingeleitet zu haben. Dass der Putsch nicht erfolgreich war, hat seine Ursache darin, indem er verraten wurde, wie russische Quellen aussagen. Dass Erdogan den Putsch selbst inszenierte, wie der Westen behauptete, macht keinen Sinn und ist unlogisch – denn seine Mitwisser hätte er ja jetzt verhaftet… Was Erdogan wohl eher machte: er hat den Putsch durchgelassen, um ihn nach seiner Zerschlagung für sich zu nutzen und den Teil des Militärs und den tiefen Staat, der nicht auf seiner Seite stand, zu entmachten.
So weit so gut: Die Türkei befindet sich seit Beginn des Syrienkrieges in einem Schlamassel. Denn die die Destabilisierung des gesamten Raumes geht weniger auf Erdogan zurück, sondern auf das Anliegen der USA mit den Golfstaaten, die Region in ein kontrolliertes Chaos zu stürzen, um Assad abzulösen. In diesem Konflikt fand sich die Türkei spätestens mit Beginn des syrischen Bürgerkrieges wieder, da auch die Kurden mit jedem Konflikt eigene Anliegen ihrer Unabhängigkeit verfolgen. Das kann kein Türke dulden, da sonst die Türkei als Vielvölkerstaat auseinander fällt. Also ist er heute auf Seiten Russlands, da die russische Haltung auf eine Konsolidierung der Region hinwirkt. Das macht ihn noch mehr zum Widersacher der USA, auch durch geplante Pipelineprojekte und Freihandelsabkommen mit Russland (siehe Berichte in den DWN).
Dass jetzt PKK-Kurden `betreut bomben´, um die Türkei ins wirtschaftliche Chaos zu stürzen, soll Erdogans Ablösung beschleunigen, indem die Nachfolger wieder eine außenpolitische Korrektur vornehmen. Auch hier ist immer zu fragen, wem nützt das Bomben!
Je mehr Herr Sauber Man auch säubert seine Finger werden immer schmutziger...bald kann er nur noch seinem Merkel Gefolge die Hand reichen.
SED-Kommunisten-Ulbricht bei der DDR-Staatsgründung: "Es muß alles demokratisch aussehen." - Erdogan ist ebenfalls ein Totalitarist, der gerade dabei ist - der 'Westen' schaut wg. des Merkel-Abkommens zu -, die Türkei in eine islamische Diktatur umzuwandeln: im Namen der Demokratie. Die Diktatur schützt die Demokratie und den Rechtsstaat - alles wie gehabt? Die ersten Erpressungen Europas werden auch schon ausgesprochen. Hoch lebe, bei Allah, dem Barmherzigen, die Merkelsche Türkei-Politik!