Dutschke&Co. brachten den Begriff ins zivile Leben

»Lügenpresse« durch linke Studenten hoffähig gemacht

Das Schlagwort »Lügenpresse« wird seitens der »Qualitätsmedien« und der links-grünen »Politelite« dem »Pack« (Sigmar Gabriel), den »Rassisten im Schafspelz« (Ralf Stegner) und »Dunkeldeutschland« (Joachim Gauck) zugeordnet. Das ist soweit - falsch!

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Bei fast jeder Berichterstattung über eine Pegida-Demonstration oder einer AfD-Kundgebung sind sie klar zu vernehmen: die Rufe »Lügenpresse«. Gerichtet sind sie meist an die linksorientierten Vertreter der Qualitätsmedien und den Berichterstattern der per Zwangsabgabe finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Unisono erklären beide Empfangsgruppen, dass dieser Begriff seinen Ursprung bei den »bösen Populisten«, den »Rassisten« und dem »Pack« habe. Aber auch wenn man, bewusst oder fahrlässig, die Unwahrheit stets wiederholt, so bleibt sie doch die Unwahrheit.

Der Begriff »Lügenpresse« ist weit davon entfernt, seinen Ursprung im 21. Jahrhundert bei den Pegida-Demonstrationen zu haben.  Gebe es ein Urheberrecht auf politische Parolen, so dürften Bismarck&Co. dieses für sich in Anspruch nehmen. Sowohl im Ersten wie auch im Zweiten Weltkrieg wurden die Medien des Kriegsgegners als »Lügenpresse« tituliert. Nach dem Zusammenbruch des »Tausendjährigen Reichs« verschwand der Begriff in der Mottenkiste.

Rudi Dutschke und seine Genossen aus der 1968er-Studentenbewegung dürfen das Recht der erstmaligen und intensiven Verwendung dieses Begriffs in Friedenszeiten für sich reklamieren. Bei den Demonstrationen gegen den Axel-Springer-Verlag tauchte erstmals auf diversen Plakaten und in Kundgebungen der Begriff auf. Damit wurde die einseitige, tendenziöse Berichterstattung des Verlags und seiner Medien gegen die Studenten und deren Proteste (Vietnamkrieg, Schah und viele weitere Themen) kritisiert.

Nachdem sich viele 1968er im Laufe der Jahre dann mit dem System arrangiert haben und sich teilweise gut dotierte Posten in der bundesdeutschen Wirtschaft oder Politik (zum Beispiel Joschka Fischer) verschafft hatten, verloren sowohl der Protest wie auch die Bewegung insgesamt an Energie. Die Revolution fraß nicht ihre Kinder; die Kinder arrangierten sich mit dem System und verrieten dadurch ihre Ideale. So verschwand auch der Begriff der »Lügenpresse« für viele Jahre aus der öffentlichen Wahrnehmung.

Bis zu jenem Tag, als die Menschen im Land sich wieder gegen die von der Regierung begangenen Rechtsbrüche zur Wehr setzten und auf die Straße gingen. Sie verstanden sich, wie die Studenten der 1968er auch, als »außerparlamentarische Opposition« (APO) und kritisierten sowohl die Verletzung von Gesetzen, Rechtsvorschriften und multinationaler Abkommen durch die Merkel-Regierung wie auch die einseitig, tendenziöse Berichterstattung über ihre Proteste. Es wurde und wird, wie damals durch die Springer-Presse auch, nicht neutral berichtet, sondern durch die Medien und viele Politiker ein Zerrbild dieser Demonstranten dargestellt.

Sei es nun, dass die Berichterstatter und ihre Vorgesetzten es nicht besser wissen und die nötige Sorgfaltspflicht bei den Recherchen außer Acht lassen oder das sie bewusst ein falsches Bild von den Demonstranten und deren Ansinnen zu Papier bringen oder über den Äther senden: ihre Berichte entsprechen nicht dem, was die Menschen auf die Straße treibt. Genau so, wie ihre Berichte über die Quelle des Begriffs der »Lügenpresse« nicht der Realität entsprechen. Und weil sie immer wieder unter Beweis stellen, dass ihre Berichte mitunter knapp bis deutlich an den Fakten vorbei gehen, werden sie sich auch zukünftig den Ruf »Lügenpresse!« ausgesetzt sehen. Einer Wortkreation, die ihre Verwendung im zivilen Leben der am stärksten linksorientieren Personengruppe, die es je auf deutschem Boden gegeben hat, verdankt.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Stephan Achner

Nach meiner Kenntnis taucht der Begriff "Lügenpresse" im deutschen Sprachraum erstmalig Ende des 19.Jahrhunderts auf, als Bismarck die Katholische Kirche bekämpfte und sich Vertreter der katholischen Amtskirche gegen die vielen Lügen in der Presse - von Bismarck gesteuert - mit der öffentlichen Verwendung des Begriffes "Lügenpresse" wehrten.

Man sieht wieder einmal - Geschichte wiederholt sich. Damals war es Bismarck, der für seinen Kirchenkampf die damalige Presse instrumentalisierte und die Redakteure unterwürfigst mitmachten. Heutzutage ist es Merkel - und Welt, Spiegel, Focus & Co. schreiben untertänigst gegen das Gabriel-Pack und das Gauck´sche-Dunkel-Deutschland.

Wenn ich mal vergleiche, um welche politischen Inhalte damals bei Bismarck und heute bei Merkel gestritten wurde bzw. wird, dann ging es bei Bismarck geradezu sachlich zu.

Gravatar: Dirk S

@ Stephan Achner

Zitat:"Man sieht wieder einmal - Geschichte wiederholt sich. Damals war es Bismarck, der für seinen Kirchenkampf die damalige Presse instrumentalisierte und die Redakteure unterwürfigst mitmachten. Heutzutage ist es Merkel - und Welt, Spiegel, Focus & Co. schreiben untertänigst gegen das Gabriel-Pack und das Gauck´sche-Dunkel-Deutschland."

Auch wenn es nach einer Widerholung aussieht, es ist keine. Denn zu Bismarcks Zeiten war Zensur an der Tagesordnung und es gab keine freie Presse im Sinne des GG. Die Redaktionen lieferten ihre Artikel beim Zensor ab und der strich nach Lust und Laune in den Artikeln herum oder verbot die gleich ganz. Wenn Redaktionen aufmupften, dann gab es ein Eilticket in den Kerker.

Anders heute: Die deutsche Presse ist frei und kann schreiben, was sie will, sogar den allerletzten Blödsinn. Nur nutzt die freie Presse dieses Recht nicht und berichtet, so wie es in einer Demokratie ihre Aufgabe und Pflicht ist: Kritisch, umfassend und neutral. Statt dessen beschränken sich weite Kreise der deutschen Presse auf Hofberichterstattung und ideologische Propaganda. Aber dazu werden sie nicht durch Strafandrohung oder direkte Gewalt gezwungen. Das machen die von ganz alleine. Und das ist in diesem Umfang einzigartig in der deutschen Geschichte.

Geschichtsfreie Grüße,

Dirk S

Gravatar: Hans Dampf

Ist mir eigentlich egal, wer den Begriff aufgebracht hat.

Wenn eine Presse lügt, dann ist sie eine Lügenpresse.
Fertig.

"Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar."
Ingeborg Bachmann

Gilt auch für Journalisten.

Gravatar: Leonard Hennersdorf

Sehr geehrter Damen und Herren,
soeben hatte ich das Vergnügen, einen Artikel zu lesen, dessen Inhalt mich nicht sonderlich überrascht hat, unter Anbetracht des Umstandes, welches Klientel hier die Kommentarfunktion nutzt. "Die Presse" gibt es nämlich gar nicht. Es gibt den SPIEGEl, und es gibt die ARD, und, und, und. Das heißt aber nicht, dass man alle Medien über einen Kamm scheren kann, da sich zum Beispiel die gerade genannten oft vehement widersprechen und ständig Kritik aneinander üben. Denn es gibt freie Medien in Deutschland. Wir haben eine unglaublich breite Medienlandschaft. Ich selbst nutze 3 verschiedene Onlinemedien, und jedes Medium berichtet anders über die Vorkommnisse. Und nun ein echter Fakt: Ich lese auch Russia Today, einem Medium, das oft als "noch nicht verdorben vom Lügenkomplott" bezeichnet wird, zumindest sagen das meinen Freunde von der AfD. Und das einzige dieser drei Onlinemedien, das leider sehr oft ganz einfach falsche Informationen streut, ist ebendieses. Also wer lügt jetzt? Ihr oder wir?
Die Antwort ist, dass ich diese Frage gar nicht stellen kann, es gibt kein Ihr, und es gibt kein Wir. Wir sind ja alle keine Nationalsozialisten, die Juden pauschal als die Verursacher von allem verdammen. Oder?

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