Eine gefährliche Entwicklung. Was sind Migtaus?

«Ich will nie wieder eine Frau in meinem Leben»

In Amerika kennt man sie schon lange. Hier sind sie noch weitgehend unbekannt. Gegen Ende des Jahres wurden sie in zwei Umfragen in der Schweiz vorgestellt: Es sind Männer, die in Zukunft ohne Frauen leben wollen. Kann das langfristig gut gehen? Ein Frontbericht aus dem Geschlechterkrieg.

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Es klingt, als handele es sich um einen seltenen Volksstamm: die Migtaus. So wird die Abkürzung (MGTOW – men go their own way) ausgesprochen. Auf WikiMANNia werden sie kurz vorgestellt. Männer gehen also ihrer eigenen Wege. Sie bilden keine Partei, sie haben keinen Verein, dem man beitreten kann. Sie sind Einzelgänger. Doch es ist eine bedeutende Bewegung geworden – wenn man es denn als Bewegung sehen will. Denn sie bewegen sich nicht. Sie machen nicht mehr mit. Sie streiken.

Es ist ein internationales Phänomen. In Japan nennt man sie Grasesser, Herbivore. Sie gelten als Japans größtes Problem. Viele folgen diesem Lebensstil, auch wenn sie noch nie etwas von MGTOW gehört haben. In Korea wird in Universitäten die Kontaktaufnahme mit dem anderen Geschlecht unterrichtet. Um so einen Kurs zu bestehen, muss man drei erfolgreiche Verabredungen vorweisen. Hier wird von den »verpflichtenden Anmachvorlesungen« berichtet.

Bei einer nicht repräsentativen Umfrage von 20 Minuten wurden Männer gefragt: »Im Zuge von #MeToo und Sexismus-Skandalen gibt es Männer, die sich entschließen, ohne Frau zu leben – gehören sie auch dazu?«

Über 40 Prozent der Männer haben sich dazu bekannt.

Das kommt dabei raus, wenn man sie fragt: »Ich spreche keine Frauen mehr an und interessiere mich seit zehn Jahren nicht mehr für sie. Ich lebe MGTOW und bin glücklich ohne ständige Forderungen der Frauen.« Oder: »Ein One-Night-Stand ist zu riskant, Frauen könnten aufwachen und behaupten, du hättest sie vergewaltigt ... Es ist einfach zu gefährlich.«

Die erste Frage, die sich in Zeiten wie diesen aufdrängt, lautet natürlich: Und was ist mit Sex? »Ich habe mich sterilisieren lassen und für eventuelle Damen einen Vertrag zum Unterschreiben bereit«, erklärt ein anonymer S. So will er sich vor Vergewaltigungsvorwürfen schützen. Wenn ihn die Hormone zwingen würden, gehe er ins Puff. »Sobald es annehmbare Sex-Roboter gibt, werde ich auch diese nutzen«, sagt er.

Doch die Migtau-Bewegung ist nicht nur eine Reaktion auf die jakobinische Phase der sexuellen Revolution, bei der nun Köpfe rollen und viktorianische Sittenstrenge wieder eingeführt wird. Es fing schon früher an. Es geht nicht nur um die spontane Reaktion auf etwas, das man als verrückte Mode abtun kann. Der Geschlechterkrieg, der sich inzwischen schon Jahrzehnte hinzieht, hat enorme Flurschäden angerichtet und Bitterkeit hinterlassen.

»Ich habe alles verloren: Frau, Kinder und Haus«, er klärt ein anonymer M. Er arbeite nun, sagt er, zwölf Stunden pro Tag in zwei Jobs als Mechaniker und Lagerist: »Ich esse beinahe jeden Tag Nudeln mit Aromat, um durchzukommen.« Er könne seinen Kindern, die bei seiner Ex lebten, nicht einmal zu Weihnachten etwas Schönes schenken.

Solche Schicksale gibt es millionenfach. Doch die Männer haben keine Stimme, die gehört würde. Auch die Berichte von 20 Minuten kratzen da nur an der Oberfläche. Man könnte glauben, dass es sich dabei um einen modischen Trend handelt. Es ist jedoch mehr.

»Drei Jahrzehnte medialer Männer-Schelte, väterfeindlicher Gerichtsurteile und feminisierter Lehrpläne haben Millionen von Männern zu Aussteigern gemacht. Sie wenden sich ab von der Bildung, Vaterschaft und sogar von der Arbeit«. So schreibt Helen Smith in ihrem Bestseller ‚Men on Strike’, das schon 2013 erschienen ist und nun aktuell auf Deutsch erschienen ist.

Die Migtaus sind umstritten. Manche sehen sie als Rebellen, die ein ungerechtes System zu Fall bringen werden. Andere sehen sie als Weicheier, die resigniert haben und nun genau das tun, was Feministen immer schon von den Männern gewollt haben: sie sollen aufgeben, sie sollen sich unterwerfen. Sie versüßen sich ihre Kapitulation, indem sie darin eine Art von Heldenmut sehen.

Der Psychologe und You-Tube-Star Jordan Peterson, dessen Stimme in der Szene der Männerrechtler großes Gewicht hat – ja, der geradezu verehrt wird –, hatte die Migtaus einst als »wehleidig« kritisiert. Wenig später hat er sich entschuldigt und gewünscht, er hätte es nicht so gesagt. Er hatte sich noch einmal vergegenwärtigt, was Männern heute für Ungeheuerlichkeiten angetan werden. Er hat viele Patienten, denen er nicht helfen kann.

Dabei möchte er das gerne. Er gehört zu denen, die gerne praktische Lebenshilfe geben. Das tut er auch in seinem neuen Buch: ‚12 Rules for Life’. Er kann die Migtaus durchaus verstehen, wünscht sich jedoch einen Weg zum Geschlechterfrieden. 

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: D.Eppendorfer

Welcher halbwegs vernunftbegabte Mann wird zukünftig denn das Risiko eingehen, nach einem zärtlichen Schäferstündchen ohne notarielles Zeugenprotokoll sogar 20 Jahre danach noch der sexuellen Belästigung oder gar Vergewaltigung bezichtigt, angeklagt und verurteilt zu werden, weil irgend so eine überkandidelte Ische ADHS-Probleme hat?

Sollen unsere längst psychisch gestörten Weiber es doch mit ihren zugleich massenweise importierten Goldprinzen versuchen! Pech nur, dass diese Exotik-Loverboys Differenzen in der erotischen Realitätswahrnehmung dann oft durch Abschlachten bereinigen.

Nun ja, jedem das seine!
Toleranz macht frei!

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