Ein Interview über die Familie mit Joseph Shaw

Gläubig, unwissend oder einer Gehirnwäsche unterzogen?

»Ohne die Grundlage des religiösen Glaubens oder der Moral hüpft die säkulare Welt von einer Dummheit zur nächsten... Auf dem Land zu leben löst diese Probleme leider nicht, ebenso wenig wie das totale Eintauchen in gute katholische Bücher, die vor 1950 geschrieben wurden. Wir müssen sorgfältig darüber nachdenken, wie wir die moderne Welt verstehen, wie wir mit ihr umgehen und wie wir unsere Kinder an sie heranführen...«

Joseph Shaw
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Julian Kwasniewski sprach kürzlich für den European Conservative mit dem unabhängigen Wissenschaftler und Autor Dr. Joseph Shaw über die Familie und ihren Platz in der modernen Welt. Dr. Shaw war 18 Jahre lang Mitglied der philosophischen Fakultät der Universität Oxford, wo er Moralphilosophie, Aristoteles, Aquin und Religionsphilosophie lehrte. Er ist mitwirkender Herausgeber von OnePeterFive, Vorsitzender der Latin Mass Society of England and Wales und Präsident der International Una Voce Federation. Zu seinen Veröffentlichungen gehören The Case for Liturgical Restoration: Una Voce Position Papers on the Extraordinary Form, und die beiden kürzlich erschienenen Bücher The Liturgy, the Family, and the Crisis of Modernity und Sacred and Great: A Brief Introduction to the Traditional Latin Mass. Dr. Shaw lebt mit seiner Frau und seinen neun Kindern in der Nähe von Oxford.

Über Elternschaft in großen katholischen Familien

»Eine große Familie drängt einen zu einer eher altmodischen Herangehensweise an die Kindererziehung und weg von einem der beiden Extreme, in die moderne Familien fallen... Man muss eine Gemeinschaft leiten und einen Rahmen für junge Menschen schaffen, die viele Freiheiten haben, diese aber auf eine Art und Weise ausüben müssen, die sich nicht negativ auf die anderen auswirkt.«

Über Homeschooling und Bildung im Vereinigten Königreich

»Der rechtliche Rahmen für Heimunterricht ist sehr günstig... Im Vereinigten Königreich sind wir jetzt an einem Punkt angelangt, an dem Genossenschaften für Heimunterricht, Unterstützung für Teilzeit-Heimunterricht und ähnliches an Orten entstehen, an denen es genügend traditionelle katholische Familien gibt... Traditionelle Katholiken neigen dazu, katholischen Regelschulen gegenüber misstrauisch zu sein... Katholische Schulen scheinen am meisten darauf bedacht zu sein, sich in das allgemeine Bildungssystem einzufügen.«

Über die Gender-Ideologie und ihre Auswirkungen auf Familien

»Ohne die Grundlage des religiösen Glaubens oder der Moral hüpft die säkulare Welt von einer Dummheit zur nächsten... Auf dem Land zu leben löst diese Probleme leider nicht, ebenso wenig wie das totale Eintauchen in gute katholische Bücher, die vor 1950 geschrieben wurden. Wir müssen sorgfältig darüber nachdenken, wie wir die moderne Welt verstehen, wie wir mit ihr umgehen und wie wir unsere Kinder an sie heranführen...«

Über die Nutzung sozialer Medien und ihre Gefahren

»Ich glaube, dass künftige Generationen... der Meinung sein werden, dass der freie Zugang zu einem unregulierten Internet über Smartphones für Kinder gleichbedeutend damit ist, ihnen freien Zugang zu einem Schrank voller Spirituosen und harter Drogen zu geben... Irgendwie müssen wir diese monströse Technologie nutzen und sie gleichzeitig mundtot machen und von den Kindern fernhalten.«

Über kirchliche Nachrichten auf dem Laufenden bleiben

»Ich fürchte, wenn man die Dinge nicht verfolgt, lässt man sich bis zu einem gewissen Grad leicht täuschen... Wir müssen der sehr starken Tendenz widerstehen - die in allen Medien zu finden ist -, dem Aufhetzerischen unverhältnismäßig viel Aufmerksamkeit zu schenken... Es ist nützlich, den Konsum von Nachrichten über die Kirche als eine Pflicht und nicht als eine Form der Unterhaltung zu betrachten.«

Über den sakramentalen Charakter der Familie

»Die Wirkung des Sakraments besteht darin, die natürlichen Bande der Ehe unzerstörbar zu machen, die natürliche Liebe der Eheleute zu heiligen und ihre natürlichen Anstrengungen bei der Erziehung ihrer Kinder mit göttlichem Beistand zu verstärken... Diese sakramentalen Gaben ... werden nicht 'an Laienvereinigungen, Zeitschriften oder gar Pfarreien' verliehen.«

Über die Bewältigung der heutigen Übel in der Familie

»Die Herausforderungen an das Familienleben sind heute sicherlich größer als zu irgendeinem Zeitpunkt in der Geschichte, abgesehen von Zeiten des Krieges, der Pest und der Hungersnot... Die Gnade wird im Verhältnis zu den Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen, gegeben... Gottes Gnade wird in dieser gottlosen Generation in besonderer Weise in uns wirksam sein, wenn wir dafür offen sind.«

Über die Komplexität von Brautwerbung und Beziehungen

»Eine weniger extreme Version [der arrangierten Ehe] wäre ein sehr formalisiertes Werben, bei dem der Kontakt eher begrenzt ist. Dieser Ansatz ist heute viel schwieriger, weil selbst traditionelle Katholiken diese Art von dichter Kultur nicht teilen... Das bedeutet, dass Paare, die eine Heirat in Erwägung ziehen, gut beraten sind, sich so gut wie möglich kennen zu lernen.«

Über die Wiederentdeckung der intellektuellen Tradition im Katholizismus

»Die katholische Tradition gibt uns ein schönes Beispiel dafür, wie ein tiefer Glaube mit der Achtung vor der menschlichen Vernunft und künstlerischen und intellektuellen Spitzenleistungen verbunden werden kann... Die Berufung eines katholischen Intellektuellen ist eine doppelte: unsere eigene Tradition in dem von uns gewählten Bereich zu verstehen und zu verstehen, was außerhalb der Kirche in diesem Bereich vor sich geht.«

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Wahrheitsfinder

Wie eine biblische Brautwerbung aussieht, lesen wir in 1. Mose 24.
Da geht es um die Rebekka für den Isaak (Sohn von Abraham).
Sehr interessante exemplarische Geschichte, wie ich meine.
Grundprinzip das ich da herauslese ist: Beziehung durch Beziehung.
Also - Beziehung entsteht durch/aus Beziehung !

Ja und wie diese Beziehung dann im Wesentlichen gelebt werden sollte, lesen wir in 1. Korinther 7; 3-5.

Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

… „Wir müssen sorgfältig darüber nachdenken, wie wir die moderne Welt verstehen, wie wir mit ihr umgehen und wie wir unsere Kinder an sie heranführen...« ...

Wobei sich die Altpolitiker des Westens auch m. E. dringend beachten sollten, dass die Rechnung für ihre bisherige Politik noch immer aussteht!!!
https://www.hintergrund.de/politik/welt/der-westen-muss-sich-auf-eine-laengst-ueberfaellige-abrechnung-vorbereiten/

So sind die Worte der Christine Anderson natürlich auch deshalb Musik auch in ´meinen` Ohren
https://uncutnews.ch/nehmen-sie-sich-einen-moment-zeit-und-hoeren-sie-sich-diese-atemberaubende-rede-der-europaabgeordneten-christine-anderson-an/,
weil das wegen Korruption bereits schon einmal verurteilte Lagarde längst ´auch´ bemerkelt haben dürfte, was nun auch offiziell bekannt wurde:
https://www.msn.com/de-de/finanzen/other/zentralbank-verzockt-sich-gewaltig-euro-vor-dem-endg%C3%BCltigen-aus/ar-AA1fJ3dp

Oder: Geschah das in göttlicher(?) Unterstützung etwa ebenfalls per US-Anweisung sehr bewusst zur Rettung des Dollars???

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