Befreiungsschlag oder Rohrkrepierer ?

Facebook nennt sich jetzt »Meta«

Nach Monaten mit zahllosen technischen Pannen, hat Facebook nun seinen Namen geändert. Als würde das etwas ändern.

Anthony Quintano from Honolulu, HI, United States, CC BY 2.0
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Seit Monaten geht bei Facebook alles schief, was in einem technischen Unternehmen schief gehen kann. Gipfel der Pannen war ein kompletter Ausfall praktisch aller Dienste. Nur Spötter konnten das als einen erfolglosen Versuch deuten, den Kartellbehörden nach dem Motto zu entkommen: Wir können es eigentlich doch nicht.

Bei Lichte betrachtet läuft bei Facebook demnächst aber wieder alles ganz glatt. Nicht weil alles glatt läuft. Das tut es sicherlich nicht Aber Facebook hat seinen Firmennamen geändert. In Zukunft heißt die Quasselbude, die täglich Milliarden Menschen kostbare Lebenszeit raubt, nicht mehr Facebook sondern »Meta«.

Die Meta Inc., von alt-griechisch μετά, »dahinter« rückt sich damit in die Nähe von Zauberworten wie Metaphysik. Und genau da sieht sich Mark Zuckerberg, der wie sein Kollege Bill Gates das ewige Kind repräsentiert, dessen Spielzeug ihm aber alle Träume erfüllt. Zuckerberg übersetzt den neuen Namen daher mit »darüber«, was zwar falsch, aber auch nicht neu ist, und erläutert wie ein Germanist »der Name beschreibt die Entwicklung von sozialen Technologien, die über dem liegen, was mit digitalen Netzwerken heute möglich ist«. Der Konzern solle als »Metaversum« gelten und nicht mehr als ordinäres soziales Netzwerk, also die Quasselbude, von der wie sprachen.

Doch nicht nur der Name ist neu. Auch beim Logo haben die Mitarbeiter der Marketing-Abteilung tief in die Trickkiste greifen müssen, damit ihr Chef Tiefsinn verbreiten kann. Eine blaue schlafende Acht, könnten die einen sagen. Doch Zuckerberg will damit an »unendlich« erinnern und es bleibt bestenfalls fraglich, ob die potentielle Unendlichkeit meint oder doch die aktuelle. Das wäre zumindest im Geist von Aristoteles und ließe sich zwanglos an dessen »Metaphysik« anbinden, die einen ganzen Zweig philosophischen Denkens beherrschte und noch heute zumindest als Schimpfwort Wirkung verbreitet.

Die blaue schlafende Acht, erläutern die Deuter von Meta Inc., ist eigentlich ein Doppelkreis, etwa unregelmäßig und leicht geschwungen, was ihn flott machen soll. Man kann ihn ins Dreidimensionale ergänzen. So erfüllt er einen Raum. – Vorsicht Tiefsinn! Und wo jeder Erstsemestler Studiengang Marketing weiter herum spinnen würde, höhnt das Internet: In 2D erinnert die blaue Acht an den Abdruck eines Hinterns. Aber das wird auf Facebook alias Meta sicher zensiert.

Richtig hausbacken wird es dann, wenn man hört, was Zuckerberg plant. Der ewige Junge will physische und digitale Welten vereinen zu einer VR, einer virtuellen Realität, VR, in die die Nutzer von Meta eintauchen können. Das Outfit liefert die VR-Firma Oculus, lateinisch für Auge, in Form von Brillen und der dazu gehörenden Software. »Die bestimmende Qualität des Metaversums«, erläutert Zuckerberg, »wird ein Gefühl der Präsenz sein – als ob Sie direkt bei einer anderen Person oder an einem anderen Ort wären«. Weiß der Junge nicht einmal, dass das schon bei Gummipuppen nicht wirklich klappt ?

Real wird Zuckerbergs Meta Inc beim Geschäft. 10 Milliarden US-Dollar investiert Ex-Facebook für sein Face-Lifting. Soviel wie VW für den Umstieg in die Elektromobilität. Um das Spielzeug aus dem digitalen Spielzeugladen unter die Leute zu bringen, wird Meta Inc zunächst die Konkurrenz auszustechen versuchen. Das Kapital dafür steht zu Verfügung. Und der neue Name lässt alte Vergehen vergessen. Jedenfalls glauben das die Strategen von Meta Inc.

»Ein neuer Inhalt wie etwa das Metaverse-Projekt«, erläutert ein Professor für Markenmanagement an der Universität Bremen, »startet mit der neuen Dachmarke kommunikativ unbelastet von Facebooks Problemen«. Das Produkt wird »aus der Schusslinie genommen«, weil es nicht mehr mit Facebook assoziiert wird.

Hier beginnt jedoch wieder die Traumwelt. Denn falls Zuckerberg wirklich glaubt, die Nutzer würden den Namen Facebook vergessen, dürfte er sich böse vertun. Schlimmer: Er muss sich vertun. Denn der Name »Facebook« ist so präsent auf dem Markt der Sozialen Medien, dass Zuckerberg ihn nicht weggeben kann. Und so erinnert das ganze Manöver an den derben Ausspruch eines Produktmanagers: »Es ist uns gelungen aus Scheiße Butter zu machen. Wir arbeiten nur noch am Geschmack.« Und der hat sich, ob mit oder ohne schlafende Acht, nicht geändert. Weder für die Nutzer, noch für die Kartellbehörden in Washington DC.

 

 

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Ganimed

Keiner braucht Fuckbook

Gravatar: Susanne B

Und Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix.
Lebe seit Jahren gut ohne Fratzebuk, gleiches wird für Meta gelten.

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