Zwei Welten treffen aufeinander

Facebook-Chef Zuckerberg kommt bei Anhörung durch US-Kongress ungeschoren davon

Der Skandal um die Weitergabe von Facebook-Daten an Cambridge Analytica hat nun dazu geführt, dass Zuckerberg zu einer Anhörung vor dem US-Kongress erscheinen musste. Dort trafen zwei Welten aufeinander.

Screenshot YouTube
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Anhörung vor dem US-Kongress, zwei Welten trafen aufeinander: Die Politiker des US-Kongresses und der Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Übersetzt: New Tech trift auf Old Washington. Lange Zeit konnte Mark Zuckerberg sein Geschäftsmodell durchziehen, ohne dass ihm irgendjemand gefährlich werden konnte.

Doch das änderte sich schlagartig mit der Krise um Cambridge Analytica. Denn die dort anderweitig genutzten Facebook-Daten sollen angeblich für die Brexit-Kampagnen und für den Trump-Wahlkampf missbraucht worden sein. Das ist für den US-Kongress ein rotes Tuch.

Die Anhörung von Mark Zuckerberg im US-Kongress hätte zur Aufklärung beitragen können. Doch das tat sie nicht. Zuckerberg kam mehr oder weniger ungeschoren davon. Warum? Weil die US-Abgeordneten, die ihn befragten, keine Ahnung von der Welt des Internets haben. Die Fragen waren hilflos und naiv.

Nur ein einziges Mal konnte Zuckerberg ein wenig entblößt werden: als ein Abgeorneter ihn fragte, ob er nennen wolle, in welchen Hotel er zuletzt genächtigt habe. Zuckerberg verweigerte die Antwort. Die Frage war eine rhetorische Falle. Denn von Millionen Facebook-Nutzern lässt sich kinderleicht feststellen, in welchem Hotel sie zuletzt genächtigt haben. So ist klar geworden, dass Zuckerberg selbst seine Privatsphäre nicht so leicht teilen möchte, wie es die Nutzer von Facebook tun. Und das übrigens nicht immer wissentlich. Denn auch wenn man von seinem Hotel-Aufenthalt nichts postet, kann Facebook trotzdem wissen, wo man war, wenn man mit dem Hotel via Facebook kommuniziert hat. Dementsprechend wird anschließend die passende Werbung eingeblendet.

Zuckerberg schaffte es, den Abgeordneten zu erklären, dass der Fall mit Cambridge Analytica ein Fehler war, der sich nicht wiederholen dürfe. Er zeigte Reue. Oder er spielte sie vor. Aber mehr Konsequenzen wird es wohl nicht geben. Vorerst.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Dirk S

@ D.Eppendorfer

Zitat:"Wer ist denn eigentlich so blöd und glaubte, er würde diese für den eigenen Narzismus und Egoismus supitolle Social Media umsonst serviert bekommen?"

Viele, weil viele eben den Unterschied zwischen "kostenlos" und "beitragsfrei" nicht kennen. Kostenlos wäre Fratzenbuch, wenn die keine über für die Zuordnung von Tweets, Bildern etc. notwendigen Daten erheben würden und auch keine Werbung schalten würden, also der Herr Zuckerberg alle Kosten selbst aus eigener Tasche bezahlt.
Da wir als Realisten davon ausgehen könnne, dass der das nicht tun wird, muüssen die Kosten eben anderweitig gedeckt werden und da hat sich Fratzenbuch für personaliserte Werbung und das Datenkrakenmodell
entschieden, um seinen Dienst beitragsfrei anbieten zu können.
Beitragspflichtige Anbieter, die auf Werbung und Datenkrakerei verzichten, sind auf dem Markt der Sozialen Netzwerke allenfalls Nischenanbieter.

Wobei man Facebook tatsächlich vorwerfen kann, dass die Daten, die ja auch das Firmenkapital sind, viel zu leicht abgezogen werden konnten. Das dürfte die Facebook-Aktionäre wenig begeistert haben. Da muss Zuckerberg noch nachlegen.

Fratzenbuchfreie Grüße,

Dirk S

Gravatar: D.Eppendorfer

Wer ist denn eigentlich so blöd und glaubte, er würde diese für den eigenen Narzismus und Egoismus supitolle Social Media umsonst serviert bekommen?

Das finanziert sich doch allein durch Datenverkauf und darauf basierende Werbeeinnahmen. Es ist also nur albern, nach jahrelangem freiwilligen bis suchtartigen Dateneintippen heute plötzlich den Empörten zu spielen, weil mit dem Wissen lukrative Geschäfte und politische Manipulationen generiert werden.

Das hat jeder, der nicht zu den 'schwarmintelligenten' Dummkopf- und Wichtigtuermassen gehört, seit Beginn gewusst und sich zurück gehalten.

Vermeiden lässt es sich aber nicht mehr vollständig, denn die Möglichkeiten eines komplett isolierten Asketenlebens sind bei uns rar geworden.

Und nicht jeder hat die Kraft dazu, dem Sog des Herdentriebes zu widerstehen.

Gravatar: Dirk S

@ Alfred

Vor allem ist dieses Datenkrakengeschäftsmodell auch allen schon von Google her bekannt, das war ja keine neue Erfindung von Facebook. Aber wenn es eine Anwendung für lau gibt, dann scheint bei vielen das Hirn auszusetzen und alle Vorsicht wird fahren gelassen. Es gibt auch werbefreie Netzwerke mit hohem Datenschutzniveau. Aber die kosten Beitrag und dann zahlen doch lieber alle mit ihren Daten. Und Ihrer Beurteilung der jammernden Facebook-Nutzer schließe ich mich an.

@ Werner

Das haben Nerds so an sich. Gibt einige, die sind so bleich, da denkt man, dass die, wenn die aus ihrem Keller kommen, zu Staub zerfallen.

Fegende Grüße,

Dirk S

Gravatar: Werner

Zuckerberg wirkt auf mich nicht wie ein Mensch, sondern wie ein hochintelligenter Roboter.

Gravatar: Alfred

Alle kritisier Facebook, alle nutzen es. Haben sie etwas dagegen, dann meiden sie es. Jeder wusste, dass es wie eine STASI-Dokumentation zu behandeln ist. Alle taten es freiwillig. Warum nun das Geschrei ?? Ich vermeide das Wort, Idioten.

Gravatar: Catilina

Ein Schauprozeß, geschickte Inszenierung, die Öffentlichkeit wird weiter hinters Licht geführt. Reines Theater von denen, die man nicht kritisieren darf.

Gravatar: lupo

Gut gelernt im Schauspielunterricht, war doch zu erwarten das er den Ahnungslosen vorgibt und da fein raus kommt, denn da hing doch die ganze Regierung von Bush bis Obama und Mutti natürlich auch sowie die Konsorten von Frankreich/GB und viele anderen Länder der EU mit drin - von den Geheimdiensten ganz zu schweigen. Der 11.09.war doch nur der Vorwand damit man so richtig schnüffeln kann und Kriege führen darf unter Missachtung jeglicher UN Resolutionen (gehört eh abgeschafft Zahnloser Papiertiger), denn alles was jetzt an Daten und Gesetzen verabschiedet wird bzw. an Daten verscheuert wird an andere Nachrichtendienste hat doch nur mit der totalen Überwachung der Völker zu tun und das alles unter dem Deckmantel des Terrorismus den man selber ins Leben gerufen hat - aber dieser Bumerang kommt irgendwann zurück.

Gravatar: Dirk S

Zitat:"Weil die US-Abgeordneten, die ihn befragten, keine Ahnung von der Welt des Internets haben."

Nicht nur die, eigentlich alle in der Politik. Selbst unsere deutsche Digitalstaatssekretärin hat keine Ahnung davon. Und die muss das wissen...

Zitat:"Aber mehr Konsequenzen wird es wohl nicht geben. Vorerst."

Und auch nicht später. Solange Zuckerberg genügend Steuern generiert, ist alles ok (oder hat irgendeine andere Datenkrake vorher mal Ärger bekommen?). Das einzige, worüber er stolpern könnte, wäre, wenn er nicht mit der Homeland Security und dem FBI zusammenarbeiten will. Aber so doof, da den Märtyrer zu machen, ist der Mark nicht.

Und zum Schluss noch etwas Gemeckere:

Zitat:"Denn die dort anderweitig genutzten Facebook-Daten sollen angeblich für die Brexit-Kampagnen und für den Trump-Wahlkampf missbraucht worden sein. Das ist für den US-Kongress ein rotes Tuch. "

Ähm, den Amis ist es immer ein rotes Tuch, wenn jemand von außen Einfluss auf ihre Wahlen nehmen will, egal, ob Briten, Franzosen, Russen, Mexikaner, Deutsche, Aliens oder Cambridge Analytica. Die (grammatikalisch durchaus korrekte) Formulierung zieht mir das rote Tuch aber etwas zu sehr in Richtung Trump. Das muss jetzt keine Absicht sein, aber eine (an sich korrekte) Aussage durch Satzstellung in eine bestimmte Richtung zu ziehen, gehört zum kleinen 1x1 der Manipulation. (Wer will, kann mal bei den Öffis darauf achten, die machen das gerne.)

Meckernde Grüße,

Dirk S

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