Stimmenstärkste Partei hat NICHT die meisten Sitze im Parlament

Endgültiges offizielles Wahlergebnis aus Frankreich veröffentlicht

Es ist durchaus berechtigt, über das Wahlsystem in Deutschland mit seinen zwei Stimmen und den unterschiedlichen Sperrklauseln zu meckern. Aber dieses Verhältniswahlrecht ist um Längen weniger ungerecht als das Mehrheitswahlrecht in Frankreich. Denn da gewinnt nicht die Partei mit den meisten Stimmen die meisten Sitze im Parlament.

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In Frankreich und Großbritannien gilt bei Wahlen das Mehrheitswahlrecht. Einfach ausgedrückt: ein Wahlkreis wird von dem Kandidaten gewonnen, der dort die meisten Stimmen bekommt. Das klingt im ersten Moment durchaus gerecht, ist es aber um Längen nicht. Denn in letzter Konsequenz bedeutet das unter Umständen, dass nicht die Partei, die bei der Wahl die meisten Stimmen erhält, auch im Parlament die meisten Sitze erhalten wird. Denn jeder Wahlkreis ist eine Wahlauszählung für sich und der dortige Stimmenanteil der einzelnen Parteien hat keine Auswirkung auf die Anzahl der Sitze im Parlament.

Zur Verdeutlichung die Beispiele der beiden Wahlen, zunächst Großbritannien. Die Sozialisten erhielten auf britischer Ebene einen Stimmenanteil von 34 Prozent, bekamen aber 411 der 650 Sitze zugesprochen. Den Liberaldemokraten reichte ein Stimmenanteil von rund 12 Prozent, um 64 Sitze zu erhaschen. Die Öko-Sozialisten hingegen bekamen für ihre knapp 7 Prozent Stimmenanteil nur vier Sitze; noch ungerechter zeigte sich das Mehrheitswahlrecht beim Ergebnis der Reformer von Nigel Farage: sie holten zwar aus dem Stand heraus einen Stimmenanteil von 14,3 Prozent - also mehr als die Liberaldeokraten - und bekamen dennoch nur fünf Sitze im Parlament.

In Frankreich ist die Situation leicht verändert, aber im Grunde genommen gleich ungerecht. Denn nicht die Partei mit den meisten Stimmen hat auch die meisten Sitze im Parlament, was ja im Grunde genommen logisch wäre. Das wäre in diesem Fall Le Pen und ihre RN. Die erhielten in beiden Wahlgängen jeweils die meisten Stimmen (über 10,6 Millionen Stimmen im ersten Wahlgang, über 10,1 Millionen Stimmen im zweiten Wahlgang). Damit wurden alle anderen Parteien klar distanziert. Der angebliche »Wahlsieger«, das bekennend anti-semitische linke und linksextreme Bündnis lag abgeschlagen weit dahinter (9 Millionen Stimmen in Wahlgang 1, nur noch 7 Millionen Stimmen in Wahlgang 2). Noch einmal: die RN holte über drei Millionen(!!!) Stimmen mehr als die linke Volksfront - und erhält dennoch nur die drittmeisten Parlamentssitze.

Das Mehrheitswahlrecht ist durch und durch ungerecht und berücksichtigt nicht den Wählerwillen. Es gehört abgeschafft.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: harald44

Alle diejenigen Bundestagsabgeordneten, die quasi über die Landesliste dort hineingeschoben wurden, sitzen dort gemäß GG und Verfassung illegal im Bundestag.
Legal sitzen dort nur diejenigen, die in ihrem Wahlkreis ein Direktmandat aufgrund der Stimmenmehrheit bekommen hatten.

Gravatar: Fritz der Witz

ERGO: So ein Wahlrechtssystem ist doch - unter demokratischen Gesichtspunkten - reif für die Jauchegrube...

Gravatar: maasmaennchen

Dort können ja auch zwei linke Parteien ihren Kandidaten zurück ziehen um dann zusammen gegen den rechten Block zu stimmen.Wie krank ist das denn.

Gravatar: harald44

@ Konrad Zeilinger, 09.07.2024, 10:52 Uhr

Sie haben die Nachteile beider pervertierter Wahlsysteme in der BRD sowie in Frankreich korrekt auf den Punkt gebracht.
In der einzig gültigen Verfassung des Deutschen Reiches, also der sgenannten Republik von Weimar, steht ganz eindeutig, daß je Wahlkreis nur der Gewinner mit den meisten Stimmen in den Reichstag einziehen darf. Das bedeutet, daß die Anzahl der Wahlkreise identisch ist mit der Anzahl der Reichstagssitze und somit unveränderbar ist.
Und dasselbe steht auch im Grundgesetz für die BRD, woraus sich ergibt, daß das hierzulande angewandte Verhältniswahlrecht mit dem Unfug der sogenannten Überhangmandate ebenfalls einen Bruch der Verfassung/des Grundgesetzes bedeutet. Das aber scheint eigenartigerweise niemanden zu stören!
Man sieht, daß es den Regierenden immer nur darum geht unter Anwendung aller möglicher Tricks ihre Macht auf jeden Fall behalten zu können.

Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

... „Das Mehrheitswahlrecht ist durch und durch ungerecht und berücksichtigt nicht den Wählerwillen. Es gehört abgeschafft“!!!!

Da m. E. aber nicht nur die Politiker Frankreichs ihr Volk zu dessen Wohle(?) betrügen https://www.profil.at/oesterreich/politik-und-luegen-ist-es-nuetzlich-fuer-das-volk-betrogen-zu-werden/402211881
sondern auch in Deutschland und der EU insgesamt:

Wen wunderts da noch, dass nun sogar die ´Krauts` ihr Vertrauen in die von Korruption geprägten Vereine
https://www.youtube.com/watch?v=u41MQZzjadk

https://www.youtube.com/watch?v=vQwx6gkpJFk

immer weiter verlieren???
https://www.n-tv.de/ticker/Deutsche-empfinden-mehr-Nachteile-in-EU-Mitgliedschaft-article24974829.html

Gravatar: Erich Scherzer

Was erwarten die Menschen in Europa vom System?
Ehrlichkeit und Transparenz?

Wenn Wahlen Systeme ändern könnten wären sie verboten!

Es ändert sich wenn es nicht mehr geht nur der Schäfer, der Besitzer der Herde bleibt.

Gravatar: Konrad Zeilinger

"Denn in letzter Konsequenz bedeutet das unter Umständen, dass nicht die Partei, die bei der Wahl die meisten Stimmen erhält, auch im Parlament die meisten Sitze erhalten wird."

So kann man argumentieren, wenn man einen Parteienstaat prinzipiell gut findet.

Prinzipiell ist es besser, wenn die Abgeordneten direkt gewählt werden und nicht durch irgendwelche Listen ihrer Partei ins Parlament gemogelt werden. Denn dann sind sie ihren Wählern auch direkt verpflichtet und nicht den meist anonymen Großspendern ihrer Partei, die sie auf irgendeine Liste gehievt hat.

Was in Frankreich passiert ist, hat wenig mit dem Wahlsystem zu tun, sondern vielmehr mit der fehlenden Regelung, dass niemand seine Kandidatur im zweiten Wahlgang zurückziehen darf und dass Parteien nicht für parteifremde Kandidaten werben dürfen. DAS war nämlich der schmutzige Trick, mit dem Le Pen ausgehebelt wurde.

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