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Ein deutsches Trauma: Die Inflation von 1923

Die Inflation von 1923 gehört zu den zentralen Erfahrungen Deutschlands im XX. Jahrhundert. Was waren ihre Ursachen? Wie ihr Verlauf?

Bundesarchiv; CC BY-SA 3.0 de
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Würde heute versucht zu ergründen, welches Ereignis des vergangenen »kurzen Jahrhunderts« sich am tiefsten ins kollektive Gedächtnis der Deutschen eingegraben hat, hätte die Inflation von 1923 gute Chancen an erster Stelle genannt zu werden. Das mag politisch nicht ganz korrekt sein, denn üblich ist die Nennung der beiden Daten 1933 und 1945, also Machtergreifung und Niederlage im Zweiten Weltkrieg. Aber die Wirkung der heute kaum mehr vorstellbaren Geldentwertung auf die Bevölkerung lässt sich schnell ermessen, wenn man die Reaktionen auf das Symbol ›Inflation‹ betrachtet. Es kann noch immer Angstzustände auslösen.

Wie kam es dazu? Wieso rollte die Inflation, die besser ›Hyperinflation‹ genannt, über Deutschland hinweg? - Im wesentlichen legte der Erste Weltkrieg und seine Finanzierung durch die Deutsche Reichsregierung den Grund. Sicher, den Krieg schnell zu gewinnen, hatte sie sich mit Unterstützung durch die SPD entschieden, den Krieg durch Geld aus Kriegsanleihen zu bezahlen. Anders als etwa Frankreich und Großbritannien, die ihre Steuersätze erhöhten.

Die Idee dahinter war alt und ihre Umsetzung hatte nach dem Krieg 1870/71 nahezu perfekt funktioniert: Den Krieg bezahlt der Verlierer des Krieges. Wesentlich für den enormen Aufstieg Deutschlands um die Jahrhundertwende waren die Gelder aus dem besiegten Frankreich gewesen. Tatsächlich wurde die ›Gründerzeit‹ auf dem Schlachtfeld von Sedan begründet.

Indes verlief der Erste Weltkrieg für das Deutsche Kaiserreich nicht wie geplant. 1918 war er sogar verloren. Und das gleich doppelt. Denn in Versailles wurde Deutschland eben das aufgebrummt, was Deutschland anderen aufbrummen wollte: Reparationen. Wie gesagt: Der Verlierer hat die Zeche zu zahlen.

Erst in dieser Kombination führten die Kriegskredite das Deutsche Reich ab 1919 in eine extrem brisante finanzpolitischen Lage. Denn um die geforderten Zahlungen, die in Gold, einer Währung der Siegermächte oder Rohstoffen geleistet werden mussten, begleichen zu können, begann die Weimarer Republik mit dem Drucken von Geld. Geld, das anschließend dazu diente, harte Fremdwährung und Gold zu erstehen, um die Reparationen bezahlen zu können.

Der Kreis, Geld drucken, um Geld zu kaufen, funktionierte nur, wenn ein Wertverfall eingeplant war. Die folgende Inflation war also kein Zufallsprodukt. Im Gegenteil, sie war kalkuliert. Und sie lief immer schneller in einer Teufelsspirale. Hatte die Reichsmarkt bereits zu Kriegsende nur noch einen Bruchteil des Wertes von 1918, dann erklomm der Wertverfall ab 1922 immer höhere Höhen. Mit fatalen Folgen für Deutschland: 

Berlin konnte die Reparationen schließlich nicht mehr bedienen. Als Reaktion besetzte Frankreich das Ruhrgebiet. Ein neuer Krieg und die Besetzung ganz Deutschlands drohte, als die Reichsregierung die Arbeiter im den besetzten Gebieten zum Generalstreik aufforderte.

Doch zunächst zahlten die Besatzungsmächte den Streikenden einfach keinen Lohn. Eine simple Reaktion, die von der Reichsregierung mit Zahlungen aus dem Haushalt gekontert wurde. Das Geld stammte, wie konnte es anders sein, aus der Druckerpresse - und verlor nun immer rasanter an Wert.

Erst im November 1923 war Schluss mit dem exponentiellen  Werteverfall. Die Reichsregierung kapitulierte fünf Jahre nach Kriegsende ein weiteres Mal. Allerdings gaben auch die Alliierten ein klein wenig klein bei. Die Reparationen wurde etwas gemäßigt. Dafür zahlten die Deutschen. Eine neue Währung etablierte sich schnell. Die alte wurde recykelt.

Der Schock zweier Niederlagen frass sich tief in das kollektive Bewusstsein. Noch heute gehört eine stabile Währung zu den tiefsten Wünschen der Deutschen in West und Ost. Der Mythos D-Mark lebt davon und bleibt in den strahlenden Gesichtern der Ostdeutschen in Erinnerung, als sie ihre 100-Mark-Scheine 1989 in der Hand hielten und umgekehrt verschreckt das Symbol ›Inflation‹ die Deutschen, denn mit ihr verbinden sie die Erfahrung totaler Unsicherheit. Wie sehr wird deutlich, wenn man bedenkt, dass der November 1918 praktisch vergessen ist und kaum jemand viel mit der ›Ruhrbesetzung‹ verbindet. Der November 1923 ist weitaus prägender und präsenter.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Gerhard G.

@ asisi1 24.04.2022 - 16:55

Ich bin davon überzeugt, das mindestens 90% der Micheln nicht wissen, was damals war?

Werden solche Ereignisse im Geschichtsunterricht noch gelehrt ...ich hege arge Zweifel. Ich bin schon froh das man den Überfall Hitlers auf Russland nicht leugnen kann.Aber das sollte man mal die Schüler von heute fragen....

Gravatar: asisi1

Ich bin davon überzeugt, das mindestens 90% der Micheln nicht wissen, was damals war?
Man schaue sich doch einmal an, was in den Schulen über die Zeit vor den beiden Kriegen erzählt wird. Da werden doch seit 100 Jahren nur Ammenmärchen verbreitet. Die verbrecherischen Amis incl. des englischen Kapitals sprich die des Königshauses zusammengeraubtes Vermögen, haben uns seit dieser Zeit an den Eiern. Und aus diesem Zwang werden sie uns nie entlassen. Siehe den Krieg den sie uns heute wieder auf das Auge drücken.
Mir darf kein Ami oder Engländer mehr über den Weg laufen!

Gravatar: Hans Meier

@Werter Herr Wolfgang Hebold,
es bleibt Ihnen überlassen, wie Sie was in welchen Zusammenhängen interpretieren, damit es in Ihrem Sinn, zu Ihren Vorstellungen, passt.
Ich gestehe Ihnen Ihre Ansichten zu, deshalb schreibe ich auch nie, was ich von den Beiträgen halte, die Sie in diesem Blog einstellen, die mir so sehr emotional verfasst vorkommen.
Als Realist weiß ich, die Logik, ist nicht jedermanns Sache.
MfG

Gravatar: <Frank>

Inflation ist eine Lüge!

Geld ist eine Lüge!

Die Tatsache das wir alle bei Androhung von Freiheitsentzug GEZWUNGEN werden unsere Arbeitskraft, Leistungen und Produkte für "GELD" auszutauschen ist das mit Abstand GRÖßTE und mörderichste Verbrechen der Neuzeit welches mehr Menschenleben kostete als irgendwer erahnt.

Eine Wertsache wie Arbeit, Leistung oder Produkt kann NUR gegen eine andere gleichwertige Wertsache getauscht werden. Ob das nun Gold, Platin oder Diamanten sind ist völlig egal. Aber "Geld" hat KEINERLEI garantierten Wert. Es ist bedrucktes Papier oder gestanztes Metall dessen mickriger Wert einzig durch Waffengewalt und Zwang aufrechterhalten wird.

Oftmals ist es nichteinmal das, weil wohl nur ca 20% allen Geldes überhaupt gedruckt werden. Der Rest existiert nur in der Digitalen Welt als Kontozahlen und Kredite. Fakt: Wir könnten NICHT ALLE gleichzeitig unser Geld vom Konto abheben.

Je mehr vom "GELD" erschaffen wird umso mehr muß dafür gearbeitet werden. Wird mehr "Geld" erschaffen als gearbeitet wird dann nennt man das schönmalerisch/Klugscheißerisch und hochtrabend "Inflation" doch genaugenommen ist es absichtlich herbeigeführte ENTEIGNUNG.

Was wird hier enteignet? Deine Lebenszeit in Form von Arbeitszeit und Schaffenskraft. Jeder wird enteignet der vorher gezwungen wurde seine Leistungen gegen Geld einzutauschen.

Fakt: Wir tauschen unsere Lebenszeit gegen einen undefinierten "Geldwert" der permanent beliebig von "Unbekannten" heruntergesetzt wird.

Anschließend lassen wir uns dann von "Pseudowissenschaftlern" einreden das dies "NÖTIG" wäre um die Wirtschaft am laufen zu halten obwohl das eine völlige Verdrehung der Wahrheit ist.

Wenn wir immer mehr arbeiten dann sollten wir entweder immer mehr Geld bekommen oder es sollte unser Geld immer mehr Wert sein! Deflation ist der Grundstein für jede Vorsorge und persönliche Zukunftssicherheit. Doch sie wird uns von Pseudowissenschaftlern als Teufel der Wirtschaft verkauft.

Mal wirklich blöd gefragt und für Jeden etwas zum nachdenken:

Wenn ALLE Staaten auf der Erde (und auch das ist FAKT) ihre Konten im Minus haben, also verschuldet sind,

WER ZUM GEIER IST DER GLÄUBIGER?

(Wem schulden sie das Geld? Wer hat allen Staaten der Erde Geld geliehen um ihnen danach zu erzählen sie wären "verschuldet"? Wer hat über die Einführung des Sozialismuses -der quasi eine Garantie für Neuverschuldung ist- dafür gesorgt das JEDER verschuldet ist? Ist es nicht so das wenn ALLE Schulden haben niemand jemals seine Schulden wird abzahlen können außer er führte Krieg gegen die anderen und gewinnt, womit er sie dann plündern kann? Ist Geld nicht quasi ein GARANT für Kriege solange es nicht an reale Werte geknüpft ist wie Gold etc.?)

Wenn irgendjemand glaubt zu wissen was Reichtum und Macht ist, soll er das getrost vergessen, nur der weiß es der ALLE Staaten der Erde verschuldet hat!

Wenn irgendwer glaubt seine Stimme hätte in der Politik irgendein Gewicht soll er das getrost vergessen, denn es gibt nur SEINE Stimme und sie ist das einzige Gewicht Weltweit.

Und ER gehört an den Galgen!

Also hört auf über Geld zu reden. Geld ist eine LÜGE!

Geld in seiner heutigen ist Blut und Tod!

Es erschafft SKLAVEN, aber keine freien Männer und Frauen!

Gravatar: Manni

Germany soll weg,Inflation,Pleiten Pech und Pannen sind die Aufgabe unserer Deutschlandvernichter.Rote von ganz oben bezahlte Volksverräter die ganze Arbeit leisten.Der Deutsche Steuerzahler sieht das,er zahlt das,er nimmt das hin ohne die Folgen seines Handelns zu begreiffen.Ich schrieb schon:Der Michel braucht das volle Paket des Elends um zu merken was hier vor sich geht.Nun sind wir da angekommen.Drohender Weltkrieg,Teuerungen,Steuern,Pleiten,Arbeitslosigkeit,Kriminalität,Erpressung,Mord usw.Was bitteschön braucht dieses bekloppte Volk noch?Ne private Selbstschussanlage zur eigenen Hinrichtung?Inflation?War diese nicht schon 2002 absehbar?Der Dreckseuro?Der Währungsausgleich?Die verlogene EU?Das bescheissen des deutschen Steuerzahlers?--------Alles war vorhanden und real,aber der Deutsche mit seiner vollgefressenen Kultur hatte nur eines im Sinn,gut leben und nich über den Tellerand schauen.Bloß nich.Und nu die Quittung.

Gravatar: karlheinz gampe

Da die BRD von kriminellen ungebildeten Idioten regiert wird, welche fremden Herren als dem deutschen Volke dienen werden auch wir hier eine extreme Inflation mit Hunger Not und Elend bekommen. Die Altparteien(kriminelle Vereinigungen?) sind von Bilderbergern, Freimaurern und young leaders des Klaus Schwab unterwandert. Sie wirtschaften in die eigene Tasche und die ihrer Herren. Sie verbraten die Steuergelder und selbst der große Friedrich bezeichnete schon solche Amtsdiener als kriminell und lies sie hängen. Er war extrem sparsam und trug sogar alte Sachen auf.

Gravatar: Zentrale Erfahrungen

@ Harald Klomme 22.04.2022 - 17:40

"Das Inflation nur die Reichen trifft, ist total falsch und unsachlich. Denn die Reichen haben immer genug Rest für sich. Die Inflation betrifft meistens nur Armen, die an der Kasse das nicht mehr leisten können und hungern werden. Und frieren werden auch nur die Armen.

Da wir noch über 30 % in Luxus lebenden haben und nur um die 14 Mio. Armen, wird hungern nicht so schnell kommen. Für eine Umverteilung reicht das noch nicht.
Die Minderheit ist zu klein."



Sie haben vollkommen Recht. Die Minderheit ist zu klein ...

https://youtu.be/BtInXIHfxeM?t=618

... und zu kriminell ...

https://www.youtube.com/watch?v=heFH_knWTAw ,

.... die in Deutschland die Mehrheit regiert.


Damit das Jahr 1923 nicht so schnell in Vergessenheit gerät, hier ein paar Geldscheine aus dem Geburtsjahr meines Vaters ...

https://menschundrecht.de/1923.jpg .

Gravatar: Wolfgang Hebold

Werter Hans Meier,

Sie verwechseln die Inflation von 1923 mit der Wirtschaftskrise von 1929. 1923 gab es keinen Bank-run. Ferner übersehen Sie, dass Deutschland die USA 1917 praktisch in den Ersten Weltkrieg gedrängt hat, siehe Zimmermann-Depesche und unbeschränkter U-Boot-Krieg. Wer in diesem Zusammenhang von einem friedenswilligen Kaiserreich spricht, weiß nicht, wovon er redet; siehe Frühjahrsoffensive 1918.

Grüße,

WH

Gravatar: Harald Klomme

Das Inflation nur die Reichen trifft, ist total falsch und unsachlich.
Denn die Reichen haben immer genug Rest für sich.
Die Inflation betrifft meistens nur Armen, die an der Kasse das nicht mehr leisten können und hungern werden.
Und frieren werden auch nur die Armen.

Da wir noch über 30 % in Luxus lebenden haben und nur um die 14 Mio. Armen, wird hungern nicht so schnell kommen. Für eine Umverteilung reicht das noch nicht.
Die Minderheit ist zu klein.

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