Das Linksbündnis wird totgesagt, ehe es startet

Der „Aufstand“ von Sahra Wagenknecht startet als Rohrkrepierer

Die neue Sammlungsbewegung der Linken soll am 4. September offiziell starten. Am 4. August wurde schon mal eine Internetseite freigeschaltet, um die Bewegung vorzustellen. Nun trudeln die ersten Kommentare ein. Sie sind durchweg negativ.

Foto: xtranews.de/ flickr.com/ CC BY 2.0
Veröffentlicht: | Kategorien: Nachrichten, Nachrichten - Politik, Startseite - Empfohlen | Schlagworte: #Aufstehen, Bob Dylan, Bots, Johannes Kahrs, LINKE, Sahra Wagenknecht, Sammlungsbewegung, Willkommenskultur
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Die FAZ ist noch einigermaßen gnädig, »Ein bisschen retro«, lautet die Überschrift. Zunächst wird allen, die nicht wissen, was mit retro gemeint ist, der Name »#Aufstehen« erklärt. Da gab es nämlich in den achtziger Jahren eine niederländische Rockgruppe namens »Bots«, die im Rahmen der Friedensbewegung recht populär war und inzwischen (zurecht) in Vergessenheit geraten ist. Einer der Hits dieser Gruppe war ein Lied, das sich »an alle« richtete – an »alle Menschen, die ein besseres Leben wünschen«. Sie sollten, so der Titel des Liedes: »Aufstehen!« Das sollte symbolisch gemeint sein, hatte aber keine Bedeutung. Das Publikum stand sowieso schon. Klatschte und sang mit – das war’s.

Johannes Kahrs (SPD) äußert sich abfällig auf n-tv: »Dieses ‚Aufstehen‘ ist eine Totgeburt«. Er hält es für unnötige Selbstdarstellung: »"#Aufstehen" ist eine übliche PR-Nummer von Frau Wagenknecht, um in Film, Funk und Fernsehen überhaupt noch vorzukommen, nachdem sie auf ihrem letzten Parteitag eine solche Abfuhr erhalten hat«. Immerhin: Für das Sommerloch scheint es zu reichen. Er sieht die Karriere von Sahra Wagenknecht sowieso vor dem Ende. Kahrs hält das ganze »mehr für einen Abgesang«.

Auch die Zeit weiß mit der Startseite nichts so recht anzufangen. Zum Start der Seite heißt es: »Wo am Vortag noch der Hinweis auf eine Internetpräsenz im Aufbau prangte, ist am Morgen des 4. August eine weißgrundige Seite zu sehen. Im linken oberen Eck ist in roten Lettern #aufstehen – Die Sammlungsbewegung zu lesen. Im a von #aufstehen steht ein weißes Männchen mit ausgebreiteten Armen. Auf der Mitte der Seite kann man "Play" klicken und bekommt den Protestsong The Times They Are A Changing von Bob Dylan zu hören – eine Hymne der US-Bürgerrechtsbewegung der Sechzigerjahre. Zeitgleich ist der Text – ins Deutsche übersetzt – auf der Homepage zu lesen.« Das ist nicht nur ein bisschen retro, das ist sehr retro.

Was ist denn überhaupt auf der Seite zu sehen? Da äußert sich der Student Max, der bezahlbaren Wohnraum fordert. Eine Daniela meint: »Wir sollten nicht von Krisen und Kriegen der Welt profitieren«. Ein Pastor wendet sich dagegen, dass immer mehr »gegen den Islam« emotionalisiert wird. Ein Bürgermeister klagt, dass die jungen Leute keine Lust mehr auf die Kommunalpolitik haben.

In der Zeit erschien noch ein weiterer Artikel, der noch unwilliger wirkt: »Alles, wirklich alles daran ist falsch«, heißt es da. »Auf der Seite selber erfährt man nichts. Außer einer sehr detaillierten Datenschutzerklärung und der Beschreibung, wie man Geld an die Bewegung abgeben kann, gibt es keinerlei Informationen.«

Ganz ohne ist die Seite allerdings auch nicht. Da gibt es noch ein paar Bemerkungen zum Thema »Flüchtlinge«. Darauf waren schließlich alle neugierig. Das Neue Deutschland ist gar nicht einverstanden: »Da wird gegen eine "allgemeine Moral einer grenzenlosen Willkommenskultur" polemisiert und dagegen, sich "von kriminellen Schlepperbanden vorschreiben" zu lassen, "welche Menschen auf illegalen Wegen nach Europa gelangen".«

»Was ist das für eine Sprache?«, fragt das Neue Deutschland. »Erwartet man so etwas von links? Welche Wut soll bedient werden? Mit solchen Äußerungen forciert Wagenknecht einen Streit, der zuletzt beinahe den LINKE-Parteitag gesprengt hätte.«

 

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Andreas Schulz

Was soll auch eine weitere "Linksbewegung"? im Grunde beackern alle diese " guten Menschen" die selbe Ackerfurche. Ob die nun Wagenknecht, Merkel oder sonstwie heißen. Ein genereller Kurswechsel ist angesagt, kein Gegreine ob des "schlechten politischen Klima. Deutschland hat ein Grundgesetz und Gesetze, eine kompetente Anwendung der selben reicht aus. Das " schlechte politische Klima" ist schlussendlich die Konsequenz einer schlechten, bürgerfernen, autokratischen Politik der letzten Jahrzehnte. Und das wiederum ist Demokratie, der Souverän hat das letzte, und für manche dieser " Politiker" hoffentlich das allerletzte Wort.Wir brauchen eine Alternative für Deutschland. Bayern Ihr dürft das erste Zeichen setzen. Lasst es ein gewaltiges werden.Lasst es krachen.

Gravatar: Marc Hofmann

Entweder Wagenknecht macht eine links-nationale Bewegung oder Sie lässt es gleich beim Alten.

Gravatar: Jürgen Kurt Wenzel

Der Aufstand endete 1945 in der verzweifelten Erkenntnis des Hessichen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer :,,Wenn ich mein Büro verlase ,bin ich lm feindlichem Ausland !"und der Erkenntnis des Kriminalkomissars Opferkuch ,die Nationalsozialisten haben ihre militäriche Niederlage in einen juristichen Sieg verwandelt !Er wusste wohl nichts vom Wirken des NS -Juristen Walter Hallstein (EU-Komissar derCDU ) 1989 ist das Volk hat das Volk wieder versagt und ist der LÜGE auf den Leim gekrochen ! Wie der Phönix aus der Asche auferstenden Mauerschutzen kumpanei.....

Gravatar: Klaus

Die Idee von Sahra Wagenknecht ist richtig aber w i e sie es angeht ist einfach taktisch falsch.

Gravatar: Peter S.

Rohrkrepierer? Da ist wohl der Wunsch der Vater des Gedanken.

In den NachDenkSeiten wurde schon ausführlich über die Bewegung berichtet. Treffend ist dabei der Slogan: "Sage mir, wer dich kritisiert und ich sage dir, was du richtig machst."

50.000 Registrierungen in 3 Tagen ist doch eine Ansage. Dass das "Neue Deutschland" als Sprachrohr des "Kipping-Flügels" Schnappatmung bekommt, ist nur verständlich.

Die offizielle Lesart ein "parteiübergreifende" Bewegung sein zu wollen, wird wahrscheinlich nicht ganz aufgehen, zumindest bei Parteimitgliedern. Das ist aber gar nicht so wichtig.

Entscheidend ist, dass das "Wahlvolk" angesprochen wird. Und die Chancen stehen nicht schlecht: Denn viele haben begriffen, dass der Sozialstaat eine Errungenschaft des Nationalstaates war. Und die Freiheit, die die EU meint, ist nur eine Freiheit für Konzerne auf Kaperfahrt, jedoch nicht für Bürger.

Also, warten wir mal den 04.09.2018 ab und schauen, wie sich das entwickelt.

Gravatar: Erbschuldiger

Frau Wagenknecht sollte diesem Grünenverschnitt, genannt "Die Linke", den Rücken kehren und sich politischen Akteuren zuwenden, die mit ihrem Intellekt und ihrem Sachwissen echte politische Partner für sie sein könnten. Bei den "Linken" ist sie der Edelstein im postkommunistischen Kehricht; man könnte auch sagen: Da werden Perlen vor die Säue geworfen! Ihr hilfloser Versuch mit der linken Sammlungsbewegung wird in diffuser Bedeutungslosigkeit enden und den vorgenannten Spruch bestätigen. Die fatale Assoziation von "Aufstehen" zu "Deutschland erwache" ist ihr aber wohl nicht bewußt geworden.

Gravatar: Eberhardt Breitling

Liebe Sahra, wir brauchen keine Sammelbewegung, wir brauchen dringend die AFD an der Regierung!

Gravatar: Walter

Das den sogenannten "Linken Parteien" diese neue Bewegung ein Dorn im Auge ist kann man verstehen.
Sie haben große Angst davor, Mitglieder und Wähler zu verlieren, welche mit den Handlungen ihrer Parteien nicht mehr einverstanden sind. In so einer Bewegung kann man seine Meinung sagen und ist nicht an eine Parteidisziplin gebunden.
Frankreich hat es doch vorgemacht, allerdings mit falschen Vorstellungen eines Macron.

Bei der Bewegung "Aufstehen" von Sahra Wagenknecht sehe ich keine Probleme. Diese Politikerin besitzt, für ihre klaren, ehrlichen, realistischen und vor allem kompetenten Aussagen, große Sympathie in der Bevölkerung. Was der Vorteil einer solchen Bewegung ist, man kann sich einbringen ohne in eine Partei eintreten zu müssen und wenn diese Bewegung stark genug ist, kann man auch Veränderungen herbeiführen.

Das könnte den Parteienfilz in den sogenannten "Linken" Parteien ganz schön durcheinander bringen..

Gravatar: OTTO Nagel

Ein bischen gegen Immigranten sein ! Das könnte ein paar Wähler aus dem Bürgertum vo der AfD abziehen.
Ein bischen gegen Ausländerkriminalität sein ! Das könnte ein paar Wähler aus den kriminalitätsgeplagten innerstädtischen Vierteln von der AfD abziehen.
Ein bischen gegen die undemokratische EU wettern, das könnte ein paar Hausfrauen mit Abitur davon abhalten die AfD zu wählen.
Ein bischen mehr Netto vom Brutto ! Das konnte ein paar Malocher davon abhalten die AfD zu wählen.
Ein bischen mehr Knete für die Verlierer des Verdrängungswettbewerbes au dem Arbeitsmarkt. Das könnte ein paar Stimmen der AfD vom unteren Rand, den Zukurzgekommenen, kosten.
Nachtigall, ick hör dir trapsen !

Gravatar: NewDeal

Das die AfD angst vor dieser linken migrationskritischen Sammlungsbewegung hat, ist verständlich. Auch weil die AfD erst diese kritische Strömung innerhalb der Linken 'ermöglicht' hat -im ganz positiven Sinne.

Aber man sollte hier nichts verwechseln. Diese Sammlungsbewegung ist potentiell kein Konkurrent, sondern ein künftiger Bündnispartner, im Hinblick darauf erneut die richtigen und wirklich wesentlichen Fragen in den Mittelpunkt der demokratischen Auseinandersetzung zu stellen.

Was hier unnatürlich ist, ist die berechtigte Angst die 5%-Hürde in einigen westlichen Bundesländern wegen dieser noch 'Bewegung', nicht mehr überspringen zu können.

Der Feind ist die 5% Hürde, die heute eher wie ein Bollwerk v o r einer lebendigen Demokratie wirkt und dringend herabgesetzt werden muss -nicht die Wagenknecht-Bewegung.

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