Ich war dabei - Gastbeitrag eines Augenzeugen

18. November am Brandenburger Tor

Die Ereignisse vom 18. November, sowohl im Reichstagsgebäude wie auch rund um das Brandenburger Tor, haben das Zeug, in die deutsche Geschichte einzugehen. Einmal als staatlich organisierte Aushebelung des Grundgesetzes im Parlament und zum anderen als Protest der wirklichen Demokraten rund um das Brandenburger Tor.

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Nicht wirklich viel deutete am Morgen des 18. November 2020 daraufhin, dass es ein geschichtsträchtiger Tag werden sollte. Sicher, die Abstimmung im Bundestag über das ominöse Bevölkerungsschutzgesetz war seit Wochen bekannt und jedem, der sich auch nur etwas mit Politik auskannte, war klar, was im Reichstagsgebäude vor sich gehen würde. Das bundesdeutsche Parlament wollte und würde mit den Stimmen der Merkel-Regierung sich selbst entmächtigen. Nur, damit die illegal zustande gekommenen Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz im Nachlauf eine rechtliche Grundlage erhalten sollen.

Genau aus diesem Grund hatte ich beschlossen, an diesem Tag an der Demonstration rumd um das Brandenburger Tor teilzunehmen. Ich hatte vielleicht mit etwa 3.000 bis 4.000 Teilnehmern gerechnet, war aber über die Menge der Anwesenden bei meinem Eintreffen überrascht. Aus der Ich-Perspektive ist eine Teilnehmerzahl natürlich schwer zu schätzen, aber für meinen Teil waren es mehr als 10.000 Menschen, die sich dort friedlich versammelten. Ich sah vielerlei Flaggen und Fahnen, darunter Regenbogenflaggen und Fahnen mit der Friedenstaube. Auch einige AfD-Flaggen wurden geschwenkt, vor allem aber Deutschland-Flaggen. Was ich nicht sah, waren Reichsflaggen oder Reichskriegsflaggen. Nicht eine einzige. Dafür aber viele Plakate mit Söder, Merkel und den anderen Figuren im Sträflingsanzug. Der passt vor allem Merkel besser als jeder ihrer Hosenanzüge.

Vom Pariser Platz aus ging ich durchs Brandenburger Tor und wandte mich nach rechts Richtung Reichstag. Ganz vorne waren schon die blauen Uniformen der martialisch ausstaffierten Polizei zu erkennen. Sie hatten eine Straßensperre etwa auf halber Strecke zwischen Brandenburger Tor und Reichstag errichtet. Bis genau dahin waren wir Demonstranten gegangen und keinen Schritt weiter. Wollten wir auch nicht. Niemand von uns wollte der Polizei einen Vorwand für Gewaltmaßnahmen geben.

So standen wir da, skandierten ein paar Mal unsere bekannten Rufe in Richtung Merkel, sangen, unterhielten uns und hatten eine gute Zeit. Hier und da wurde den Polizisten zugerufen, sie mögen sich uns anschließen, aber es gab keinerlei Provokationen unsererseits. Es hätte ein schöner Tag werden können, ein Tag, an dem die Berliner Polizei die Möglichkeit gehabt hatte, ihr Demokratiebewusstsein unter Beweis stellen zu können und den Demonstranten das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit hätte einräumen können.

Das aber war politisch nicht gewollt, denn plötzlich, sozusagen aus dem Nichts, rückten die Polizisten in ihren Kampfuniformen und den gespiegelten Helmen gegen uns vor und drückten uns zusammen. Wir hatten es vorher durch die nachrückenden Massen schon schwer, in den vorderen Reihen Abstand zu halten. Als aber die Berliner Polizei von vorne auf uns drückte, uns schubste und immer weiter nach hinten schieben wollte, war jeglicher Versuch, Abstand zu halten, hinfällig.

Es dauerte dann auch nicht mehr all zu lange, bis eine Frauenstimme uns wissen ließ, dass die Demonstration aufgelöst sei. Wir schauten einander an und wussten, ohne es extra verabreden zu müssen, dass die Polizei erklären könne, was sie wolle. Wir waren hier und wir bleiben hier. Das gefiel den Polizeiführern und den politisch Verantwortlichen noch weniger, denn auf einmal fing das große Geschubse an. Immer wieder wurden wir in die hinter uns stehenden Menschen geschubst, die uns auffingen. Einige von uns hakten sich ein, sodass die Schubsversuche der Polizisten keine Wirkung zeigten. Etwas rechts von mir setzten sich einige Teilnehmer einfach auf den Boden und blockierten so den Weg. Und dann wurden sie aufgefahren, die beiden riesigen Wasserwerfer, die schon die ganze Zeit drohend im Hintergrund gewartet hatten.

Die Wasserturbinen dröhnten auf und aus beiden Wasserwerfern ergossen sich gleich mehrere Strahle über uns. Die Kanonen schwenkten von rechts nach links und wieder zurück, wieder und wieder. Dazu dann noch das immer währende Geschubse der Fußpolizisten. Aber wir hielten stand, wir rückten noch enger zusammen. Der einzige Effekt, den diese Einsatzverschärfung der Polizei hatte, war, dass wir noch weniger bereit waren, den Platz zu räumen.

Mir fiel vor allem auf, dass es einen Unterschied bei der Gewaltbereitschaft der unterschiedlichen Landespolizisten gab. Gelegentlich drehten sich die Polizisten um und man konnte die Schriftzüge auf ihren Rücken sehen. In dem Bereich, in dem ich mich aufhielt, konnte ich die Buchstaben "ST" bei einigen von ihnen erkennen. Das waren also keine Berliner, sondern die kamen aus Sachsen-Anhalt, wie ich in der Zwischenzeit weiß. Die fühlten sich nicht wirklich wohl in ihrer Haut. Nicht, dass sie Angst vor uns hatten. Ich vermute eher, dass ihnen die Eskapaden ihrer Berliner Kollegen nicht so ganz zusagten. Denn die BE-Polizisten fanden es toll, Leute zu schubsen. Vor allem suchten sie sich Frauen und eher schmächtige Demonstranten aus. Ich konnte sehen, wie einer jener Berliner Helden immer wieder auf eine junge Frau zuging und sie gezielt mit beiden Händen vor die Brust stieß, genau auf Höhe der gut zu erkennenden Oberweite. Die Frau beschwerte sich wohl auch lautstark wegen der Behandlung, was dann dazu führte, dass sie aus der Gruppe herausgezogen und weggeführt wurde.

Das war wohl nun die neue Vorgabe: einzelne Personen aus dem Kreis der Teilnehmer herauszuziehen und wegzuführen. Rings um mich herum standen einige Männer, die so wie ich auch nicht gerade zur Kategorie Schmalhans gehören. An uns trauten sich die Fänger nicht so recht heran, weswegen wir uns weiter ins Zentrum orientierten. Dort war das Geschubse zwar noch intensiver wie auch die Dauerbenässung durch die Wasserwerfer, aber die Greiferaktionen endeten an der Stelle genauso plötzlich wie sie begonnen hatten.

Nach und nach drückten und schubsten uns die Polizisten immer weiter Richtung Brandenburger Tor zurück. Einige Demonstranten hatten dann auch irgendwann die Nase von dem ganzen Geschubse und der massiven Polizeigewalt voll oder waren bis auf die Knochen durchnässt, sodass sie gingen. Ich selbst hatte zum Glück eine regenfeste Jacke angezogen gehabt. Das änderte aber nichts daran, dass meine Mütze pitschnass war und mir das Wasser über den Kragen ins Hemd gelaufen war und auch meine Hose und meine Schuhe pitschnass waren. Noch aber wollte ich nicht gehen und mich der Polizeigewalt beugen.

Irgendwann schaute ich auf die Uhr und stellte fest, dass der Nachmittag schon weit fortgeschritten war (unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht, wenn man gut unterhalten wird). Wir hatten meiner Meinung nach unser Ziel erreicht und kundgetan, dass wir nicht Willens sind, unsere verbrieften Grundrechte durch eine Regierung wegnehmen zu lassen. Die Mission war erfüllt. Ich machte mich also mit quietschenden Schuhen auf den Nachhauseweg, wie viele andere auch, ohne noch ein einziges Mal von einem Polizisten belästigt zu werden. Daheim angekommen pellte ich mich aus meinen nassen Klamotten und gönnte mir erst einmal ein heißes Bad.

Ja, ich war an diesem 18. November 2020 dabei, als am Brandenburger Tor Menschen für ihre Grundrechte in diesem Land demonstrierten. Und ich bin stolz darauf.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Markus

wie gewählt so geliefert
bei der Demonstration waren bestimmt keine Altparteien Wähler denn die hätten ja Beifall klatschen müssen

Gravatar: Rita Kubier

Wer jetzt noch glaubt, in Deutschland "herrsche" noch immer DEMOKRATIE, der liegt im tiefen Schlaf mit wunderbaren Wunschträumen.
Wer aber hell wach oder endlich aufgewacht ist weiß, dass sich die Demokratie in Deutschland spätestens gestern, am 18.11.2020, am Brandenburger Tor endgültig verabschiedet und gleichzeitig am gleichen Tag mit der Beschlussfassung dieses "Infektionsschutzgesetzes" - und damit der Zunichtemachung des Grundgesetzes durch den Bundestag - die DIKTATUR definitiv in Deutschland EINZUG gehalten hat - und zwar zum dritten Mal auf deutschem Boden seit 1933!!
Es gibt zwar diesmal keinen Führer, dafür aber eine FÜHRERIN - und die heißt MERKEL!!
Der nächste Schritt dieser Diktatorin wird der Schritt in die FASCHISTISCHE Diktatur sein, sofern wir nicht auch schon im Faschismus angekommen sind?!

Gravatar: Markus

Sehr sauber geschriebener Bericht, ganz ohne Sensations-Gehasche, geht dafür aber unter die Haut! Man verspürt nur noch Wut gegen die, die man einmal gewählt hat.

Gravatar: erdö Rablok

Da waren ja noch die 1600 Polizisten von der Klanverhaftung da..

Gravatar: <Frank>

Heute bin ich froh das ich kein Polizist wurde!

Ich habe die Videos der sinnlosen und völlig unprovozierten Polizeigewalt gesehen und schäme mich zutiefst für diese Mitmenschen und das was sie getan haben.

Mein Vertrauen in den Rechtsstaat und die Polizei ist in den letzten Wochen gegen Null gesunken. Er ist für mich de facto tot.

Ich lebe in einem rechtsfreien Raum genannt BRD. Genauso fühlt es sich an. Von allen Seiten (Schule, Einkauf, Polizei etc) bekomme ich die Diktatur mit immer größerer Gewalt zu spüren und warte nur noch darauf das irgendwann jemand unvermittelt unsere Wohnung stürmt weil wir es wagten unsere Meinung offen zu sagen.

Immer wieder kommen Überlegungen auf ob es sinnvoll sei irgendwo Asyl zu beantragen und wenn ja, dann wo.

Ist meine Familie noch sicher vor Asylterror, Polizeigewalt und staatlicher Willkür? Wie lange kann ich diese Zustände noch verantworten und ab wann muß ich mir selbst die Schuld geben weil ich zu lange gewartet habe?

Wie totalitär wird das Merkelregime noch und bis wohin tragen es die Menschen mit? Ein bischen Nass, eine Verordnung, eine dauerhafte Verordnung, ein Gesetz, eine Nötigung, eine Straftat, ein Grundrechte entzug, eingriff in´s Privatleben, Polizeigewalt, Körperverletzung, Freiheitsberaubung.

Wie weit wird es gehen und wann sollte man lieber abhauen wenn keiner aufsteht? Wenn man so an die wnad gedrückt wird vom Regime, wann wird der erste erschossen weil er keine Maske trägt? Wie lange werden alle drum herumstehen und "nur" rufen statt körperlich einzugreifen wenn Polizisten Straftaten begehen?

Und wenn sich nichts ändert, wann bin ich dran und wann sollte ich flüchten?

Reale Fragen eines realen Restdeutschen 2020.

Gravatar: Roland Brehm

Meinen großen Respekt ! Eigentlich gehört jedem der da war eine Medallie. Sicher konnte nicht jeder kommen der wollte, sonst wären es sicherlich mehr gewesen.

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