Interview mit Steve Mosher / Teil 3

Xi Jingping in China: Eiserne Faust gehüllt in kommunistische Zukunftsidylle

Die Staatsideologie des Legalismus ist tiefer Bestandteil der chinesischen Seele – gepaart mit dem Konfuzianismus ergibt sich die perfekte totalitäre Staatsideologie mit marxistisch-leninistischen Zügen, meint der China-Experte.

Foto: Don Elvir Tabaković, Can.Reg
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Steve Mosher ist Autor zahlreicher Bücher (auf Englisch), darunter: »Reise ins verbotene China«, »Hegemon: Chinas Plan Asien und die Welt zu regieren« und »der Tyrann Asiens«. Er war bei zahlreichen Fernsehsendungen zu Gast.

»Bully of Asia: Why China’s Dream is the new threat to world order« ist der jüngste Bestseller von China-Experten Steven Mosher. Als Präsident des Population Research Institutes ist er wegen seiner einmaligen Einblicke in die chinesische Kultur und Chinas politische Struktur in der angelsächsischen Welt führender Spezialist.

Freie Welt hatte zu dieser Gelegenheit die Chance, ein Interview mit ihm zu führen.

 

[Teil 1 und Teil 2 des Interviews verlinkt]

 

Freie Welt: Wie sieht es mit der Missionstätigkeit der Christen in China derzeit aus?

Steve Mosher: Die Evangelisierung ist in vollem Gang. Es gibt in China über 100 Millionen Christen; das Christentum wird von Protestanten und Katholiken verbreitet. Ich besuchte einmal ein Dorf in China, wo es jeden Samstag eine Messe gab und jeden Sonntag 50 Missionare aus dem Dorf jeweils zu zweit die benachbarten Dörfer besuchten – manchmal 10, 20 oder 30 Meilen entfernt – um das Evangelium zu predigen. Wenn ein Dorf genug Christen hat, dann wird eine kleine Kirche gebaut. Natürlich würde das Gebäude nicht Kirche genannt – da die Parteigenossen es sonst einreißen würden – man nennt es beispielsweise Gemeindezentrum. Aber ein Untergrundpriester würde dann eines Nachts kommen, und es einweihen, sodass das Gebäude zu einer Kirche wird. Wir müssen diese Art der Evangelisierung fördern.

Man muss sich nicht von der existierenden Machtstruktur in China abhängig machen, wie es das Vatikan-China Abkommen vorsieht. Die Kirche sollte nicht auf einer Seite mit dieser politischen Partei sein oder wahrgenommen werden. Selbst wenn der Vatikan einen Nuntius [Vatikandiplomaten] entsenden will, dann wird dieser sicherlich nicht die Macht haben, mit Xi Jingping zu sprechen, und ihn bezüglich der Christenverfolgungen im Land zurechtzuweisen. Vielleicht schwingt da die alte jesuitische Idee mit: »man bekehrt den Herrscher und das Volk wird folgen«. Aber Xi Jingping meint selbst, Gott-Kaiser zu sein, er wird sich sicherlich nicht bekehren.

Freie Welt: »Gott-Kaiser« ist das nicht etwas übertrieben?

Steve Mosher: Nein, keines Falls. Bekannter Weise haben die Chinesen viele Dinge erfunden: sie haben Schießpulver erfunden und den Kompass. Sie haben aber auch eine totalitäre Regierungsform namens »Legalismus« erfunden. Auch eine säkulare Religion namens »Konfuzianismus« haben sie erfunden. Verbinden sie einmal diese beiden Dinge: Legalismus ist alles, was wir mit dem modernen Marxismus-Leninismus verbinden, mit allem was dazu gehört: Geheimpolizei, Kommissaren, einer militärischen Staatsideologie, dem Verbrennen von Büchern, der Inhaftierung von Gelehrten, die die Ideologie hinterfragen, Konzentrationslagern und all dies. Das ist Legalismus: die Konzentration der Macht in der Hand des Staates. Die Chinese sagen: »Wie es nicht zwei Sonnen im Himmel geben kann, so kann es nicht zwei Kaiser geben«. Diese Idee der Machtkonzentration in der Hand eines Mannes vermittelt durch Bürokratie ist etwas, was tief in der chinesischen Mentalität verwurzelt ist.

Konfuzianismus ist von daher interessant, als es sich um eine säkulare Religion handelt. Es hat allen Anschein einer Religion mit seinem Ritual, mit den Riten, mit Pomp und Getue. Es gibt konfuzianische Rituale. Aber es handelt sich im Grunde um eine säkulare Religion, die dazu geformt wurde, soziale Ordnung aufrecht zu erhalten. Wie geht das? Alles ist gegründet auf den fünf Beziehungen: Vater-Sohn, Mann-Frau, Kaiser-Kinder. Immer geht es bei diesen um die Beziehung von Übergeordnetem und Untergeordnetem. Die Kinder sollen dem Kaiser gehorchen, wie die Söhne dem Vater und die Frau dem Mann. Ein jüngerer Bruder muss dem älteren Bruder gehorchen und so weiter. Der Kaiser wird darin zur Vater-Figur und das Volk sind die Kinder. Legalismus ist ein Regierungssystem, das die Menschen zum Gehorsam zwingen will. Aber man verdeckt dieses stählerne Gerüst mit seidenen Vorhängen und den Kostümen des Konfuzianismus, damit die Menschen davon überzeugt werden, dass sie sich aus eigenem Willen unterwerfen. In der konfuzianischen Gesellschaft gehorcht man dem Kaiser, weil er eine göttliche Gestalt war. Sinnbildlich hat er beispielsweise ein Feld gepflügt, um sicher zu stellen, dass Regen kommen und die Ernte ertragreich wird. Er hatte die Macht einer kleinen Gottheit und er war in den Augen des Volkes ein minderer Gott. Das Volk muss ihm gehorchen und das wurde vom Konfuzianismus gefördert.

Kommunismus ist die perfekte Parallele. Es fördert dieselben Elemente der chinesischen Mentalität in der chinesischen Politik. Man hat den legalistischen Rahmen, die eiserne Faust. Aber dann hat man die Kommunisten, die Parteigenossen, die das Volk in die herrliche Zukunft führen, eine Zukunft in der alle gleich sind und in der es ein Paradies auf Erden gibt. Die Führer der Partei werden zu kultgleichen Gestalten.

Wenn man nach Beijing reist, wird man in Taxen kleine Medaillen mit dem Bild XI Jingpinigs sehen können, als ob er der Patron des Straßenverkehrs sei. Die Menschen hängen sich sein Bild in ihrem Heimen auf, er genießt einen Personenkult…Natürlich ist er kein Gott, aber ein Größenwahnsinniger, das ist er schon! Er hätte es sicher gerne, wenn das Volk ihn als Gott verstehen würde…denn dann würde das Volk ihm noch besser gehorchen.

Freie Welt: Haben Sie vielen Dank für das interessante Interview.

Steve Mosher: Es war mir eine Freude.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

... „Die Staatsideologie des Legalismus ist tiefer Bestandteil der chinesischen Seele – gepaart mit dem Konfuzianismus ergibt sich die perfekte totalitäre Staatsideologie mit marxistisch-leninistischen Zügen, meint der China-Experte.“ ...

Klar!!!

Entsprechen dienen diese marxistisch-leninistischen Züge scheinbar auch diesem Habeck und seinem Verein als Beispiel und Vorbild!!!
https://www.journalistenwatch.com/2019/06/18/demokratie-diktatur-systemwechsel/

Ist es etwa eine göttliche(?) Fügung, dass ich schon seit meiner Geburt in den Farben Rot und Grün Braun erkenne???

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