Interview mit Gloria von Thurn und Taxis

»Schockierend, dekadent und unmenschlich«

Freie Welt sprach mit Gloria Fürstin von Thurn und Taxis über die Belgischen Euthanasiegesetze, deren Folgen für Deutschland und die Rolle der Kirche im Lebensschutz.

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FreieWelt.net: Eure Durchlaucht, wie beurteilt Ihr die Entwicklungen in Belgien in Bezug auf Euthanasie?

Gloria von Thurn und Taxis: Dies ist eine ganz schreckliche Entwicklung. Hier gehen wir einer Kultur des Todes entgegen. Statt die Palliativmedizin zu verstärken und weiter zu entwickeln, werden die Alten und Kranken getötet. Das ist natürlich wesentlich billiger. Schockierend, dekadent und unmenschlich finde ich das.

FreieWelt.net: Könnt Ihr Euch eine ähnliche Entwicklung in Deutschland vorstellen?

Gloria von Thurn und Taxis: Hoffentlich nicht! Das wäre furchtbar, aber vorstellen kann ich es mir schon. Wenn man Ungeborene, unerwünschte Kinder töten darf, ist es bis zur Tötung unerwünschter Alter und Kranker nicht mehr weit.

FreieWelt.net: Sterbehilfe ist ein in Deutschland derzeit viel diskutiertes Thema, weshalb sollte man einem schwer leidenden Menschen den legalen Zugang verwehren?

Gloria von Thurn und Taxis: Unsere Aufgabe ist es, das Leid, die Schmerzen und die Einsamkeit der Alten und Kranken erträglich zu machen. Wenn wir diese Verantwortung nicht mehr wahrnehmen wollen, werden wir schön langsam zu gefährlichen Tieren. Dann zählt nur noch der Starke, Gesunde, der Reiche oder Schöne, jedenfalls zählt nur noch, wer etwas bringt. Wir haben die Möglichkeiten der Palliativmedizin noch gar nicht richtig ausgeschöpft, hier sind andere Länder schon viel weiter als Deutschland. Es muss niemand unter Schmerzen leiden, dagegen gibt es Medizin. Diese muss man nur verabreichen wollen! Das ist natürlich teuer. In einer Gesellschaft in der immer mehr Alte von immer weniger Jungen finanziert werden müssen, ist die Gefahr groß, dass der billigere Weg gewählt wird. Vor allem dann, wenn es keinen Glauben an Gott und den Menschen als Gottes Schöpfung mehr gibt. In so einem Umfeld ist der Weg zur Euthanasie vorprogrammiert.

FreieWelt.net: Wie beurteilt Ihr die Rolle der Kirche?

Gloria von Thurn und Taxis: Die Kirche muss auf diese Entwicklung deutlich reagieren und ihre warnende Stimme erheben. Sonst wird ihr zu einem späteren Zeitpunkt  der Vorwurf gemacht werden, nicht dringlich genug auf gesellschaftliche Missstände, Unordnung und Sünde hingewiesen zu haben. Heute wird die Rolle der Kirche im im Dritten Reich, durchaus sehr kritisch beurteilt. Dabei haben die Historiker nicht die wenigen heldenhaften Gegner des Dritten Reiches im Blick, sondern vor allem die Mitläufer.  Aus diesen Fehlern sollten wir lernen.

FreieWelt.net: Vielen Dank für das Interview.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Heiner E.

"Wenn man Ungeborene, unerwünschte Kinder töten darf, ist es bis zur Tötung unerwünschter Alter und Kranker nicht mehr weit."

Vielleicht hätte sie vorher versuchen sollen, die Frage (Euthanasie in Belgien) intellektuell-inhaltlich zu verstehen - dann hätte die Antwort irgendeinen Bezug zur Frage haben können. Thema verfehlt, setzen, sechs.

Ich hatte sie eigentlich gebildeter eingeschätzt.

Gravatar: Jens Zierold

Der erste Schritt zur Euthansie in Deutschland wurde mit der Präimplantationsdiagnostik bereits beschritten. Der Mensch erhebt sich zum Richter über "wertes oder unwertes" Leben. Das hatten wir schon mal in Deutschland.
Große Anerkennung für die klare Position!

Gravatar: luise

Ich gebe ihr Recht, dass Abtreibung eine Untat ist.
Aber wie will sie dagegen vorgehen?
In der EU ist es überall doch erlaubt, also müssten ihrer Hinsicht nach die anderen
Länder auch eine Risikozone für das Euthanasie-Gesetz sein,
oder sehe ich das falsch?
Dass wir uns dabei eine Kultur des Todes herbeischaffen,
könnte durchaus sein.
Denn man merke: Wenn hier schon bei den Jobcentern schlampig mit
Unterlagen der Arbeitslosen gearbeitet wird,
wird auch garantiert schlampig vorgegangen bei den Kranken und Alten.
Den "Unbrauchbaren".
Der Spar-Wahn im Bezug auf Pflegekräfte,Häuslicher Betreuung spricht ganze Bilder.
Aber tun wird man hierzulande sowieso nichts.
Wenn es in den EU-Ländern nunmal "cool "ist sich den "Unbrauchbaren" zu
entledigen,wird Deutschland sicher auch nicht ausgegrenzt werden wollen.
Man wird sowas gern einführen.
Müssen halt nur die richtigen Lobbyisten da sein.
Als alle "Sanktionen gegen Russland" geschrien haben,
war die Angie ja auch mit vorne dabei.
Was bleibt ihr da noch?Eine eigene Meinung
hat die Frau eh nicht.Zählt sowieso nur das Geld.
Ob dabei Familien,junge Leute,alte Leute,Behinderte,Arme usw.
zu Grunde gehen, hat die Politiker eh nie interessiert.
Da sieht man wie gleich wir am Ende sind.
Ändern, dass können wir nur selber.
Hören wir also auf uns auf solche dubiosen Gestalten
zu verlassen und machen unser eigenes Ding.
Die Demo in Stuttgard war ein gutes Beispiel dafür,
wie mans richtig macht.

Gravatar: Danton

"Eure Durchlaucht"
Wenn ich das lese wird mir schlecht.
Und in Folge der Pluralis Majestatis
Ich dachte wirklich, dass wir die Zeit der Unterwürfigkeit hinter uns gelassen haben - wie man sich täuschen kann... Das ist so als hätte jemand gesagt:"Die Pest wütet wieder in Europa!"
Ich bin entsetzt und muss jetzt wohl erstmal einen Whisky trinken.........

Gravatar: Lucia Mühlbauer

Sehr verehrte Fürstin von Thurn und Taxis,

so sehe ich es auch.

Als ich dies das erste mal hörte sagte ich:

"Dr. Mengele lässt grüßen"........

Gravatar: Lisje Türelüre aus der Klappergasse

Das Belgien, das ich kenne - ich habe Verwandtschaft dort - ist traditionell katholisch und lehnt diese Gesetze vermutlich genauso ab wie die Besucher dieses Forums.
Die Gesetze, um die es hier geht, werfen eher ein Licht auf die Gesellschaft eines europäischen Staates, in dem schon längst eine Clique Parlament und Regierung usurpiert und sich wie ein Fettauge von der Gesellschaft abgehoben hat.

Gravatar: Volker Leisten

Voll daneben. Setzen „sechs“
Das Interview mit Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, geb. Gräfin von Schönburg-Glauchau kann getrost als neuer Fehlversuch gewertet werden, sich als gesellschaftspolitische Instanz in Deutschland zu profilieren – dieses Mal zum Thema Sterbehilfe.

-Die Beurteilung der aktuellen Gesetzgebung in Belgien zur Sterbehilfe für Minderjährige ist unsachlich, polemisch und damit höchst unqualifiziert. Durchlaucht hätte sich besser vorher einmal mit den Durchführungsbestimmungen des Gesetzes und all ihren Sorgfaltskriterien vertraut gemacht. Niemand in Deutschland strebt darüber hinaus ähnliche Regelungen an. Schon das Patientenverfügungsgesetz von 2009 schreibt in Deutschland Volljährigkeit vor.

- Wer die Menschlichkeit als Argument bemüht, sollte dies ehrlich und konstruktiv tun. Das gebetsmühlenhafte Reklamieren der Defizite im Pflege – und Palliativalltag wird langsam unerträglich. Die Palliativmedizin mit all ihren guten Merkmalen hat leider nur eine begrenzte Reichweite, ist noch lange nicht für jeden verfügbar und wird zudem von vielen abgelehnt.
Eine palliative Behandlung im Endstadium des Lebens muss nach Beratung über Alternativen selbstbestimmt gewählt werden können und darf nicht angeordnet werden.

- Mit dem Wort „Euthanasie“ im Sinne des Dritten Reiches zu argumentieren, ist ebenso in gleichem Maße überholt wie unqualifiziert. Jeder weiß inzwischen, dass dieses Wort in zynischer Weise entgegen seiner wirklichen Bedeutung von den Nazis benutzt worden ist, um kriminelle Handlungen zu rechtfertigen. Bei allem Respekt vor der Haltung ihrer Familie im Nationalsozialismus sollte Durchlaucht hier verantwortungs-bewusster und weniger populistisch mit ihren Argumenten umgehen.





- Niemand hat etwas dagegen, wenn die Kirchen ihre Stimme erheben und sich konstruktiv an der Diskussion über „Sterbehilfe in Deutschland“ beteiligen. Durchlaucht und die Kirchen sollten jedoch nicht vergessen, dass wir in einer säkularisierten Demokratie leben. Sie können für sich und bedingt auch für ihre Mitglieder sprechen, aber keinen Alleinvertretungsanspruch stellen.

- Wir wünschen uns in Deutschland eine offene, ehrliche und konstruktive Diskussion. Die Sorgen und Ängste Schwerstkranker und Sterbender müssen dabei erste Priorität haben. Pseudo-fundamentalistisches Geplapper hilft keinen Schritt weiter.

- Das Deutsche Grundgesetz in Artikel 1 und 2 bietet eine vernünftige Ausgangsbasis für eine weitere gesetzliche Regelung der Vorsorgemöglichkeiten am Lebensende. Ihrer Durchlaucht wünschen wir mehr Sach – und Detailkenntnis im Umgang mit dieser Thematik. Nachhilfe in Form von Dialog und Gedankenaustausch ist jederzeit möglich.


Volker Leisten
DGHS – Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben
Mitglied des Präsidiums

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