Interview mit Bruno Bandulet

»Kampf gegen Bargeld ist sozialistisches Projekt«

Der Finanzexperte Bruno Bandulet rät vom unbaren Bezahlen ab – es ist zu unsicher. Und er sagt: Man sollte Widerstand gegen alle Versuche leisten, den Bargeldverkehr einzuschränken.

Foto: blu-news.org / flickr.com / CC BY-SA 2.0 (Ausschn., Bearb.))
Veröffentlicht:
von

FreieWelt.net: Immer wieder liest man davon, dass es Bestrebungen gibt, Bargeld abzuschaffen. Wie realistisch ist dieses Vorhaben?

Bruno Bandulet: Das ist von Land zu Land verschieden. Schweden ist nicht mehr weit entfernt von einer bargeldlosen Gesellschaft, dort kann man auch kleine Beträge oft nur noch mit der Karte bezahlen. Allerdings regt sich dort neuerdings auch Widerstand. In Frankreich sollen ab September nur noch Barzahlungen bis 1.000 Euro erlaubt sein. Deutschland ist noch nicht so weit, gerade deswegen muss rechtzeitig Widerstand geleistet werden. Generell sehe ich die Gefahr nicht so sehr in der kompletten Abschaffung des Bargeldes, sondern zunächst in der graduellen Einschränkung des Bargeldverkehrs.

FreieWelt.net: Wer hat ein größeres Interesse an der Abschaffung des Bargeldes: die Staaten oder die Banken – oder ein Dritter?

Bruno Bandulet: Angetrieben wird diese Entwicklung hauptsächlich von der Finanzindustrie. Zum einen ist die Vorhaltung von Bargeld ein Kostenfaktor für die Banken, zum anderen lässt sich mit Kreditkarten und anderen digitalen Systemen Geld verdienen. Das zahlt dann der Kunde. Für die Regierungen wiederum ist die Möglichkeit verlockend, die Bürger komplett kontrollieren zu können, sobald jede Ausgabe, die sie tätigen, dokumentiert ist.

FreieWelt.net: Unbares Bezahlen hat große Vorteile. Sollen wir wirklich darauf verzichten oder gibt es Gelegenheiten, bei denen wir von dieser Möglichkeit getrost Gebrauch machen können?

Bruno Bandulet: Wer bar zahlt, verteidigt seine Privatsphäre und seine Freiheit. Das sollten wir möglichst oft tun. Bei Auslandsreisen finde ich Kreditkarten hingegen sehr nützlich.

FreieWelt.net: Es fällt mir schwer auszumalen, was am unbaren Bezahlen so gefährlich sein könnte. Können Sie das an einem Beispiel anschaulich machen?

Bruno Bandulet: Wie Sie wissen, ist das Internet samt E-Mail-Verkehr nicht wirklich sicher – und das gilt auch für ein digitales Geldsystem. Es ist eine Einladung für Kriminelle. Wenn mir beim Stadtbummel oder auf einer Reise die Geldbörse gestohlen wird, kann der Verlust durch den Missbrauch der Kreditkarte sehr viel größer sein als der Verlust einiger Banknoten. Tatsächlich konzentriert sich die internationale Organisierte Kriminalität auf die Ausplünderung von Konten, nicht auf den Diebstahl von Bargeld. Ohne Zweifel ist Bargeld sicherer als Digitalgeld.

FreieWelt.net: Aber wir leben – wenn es nicht ganz schlecht läuft – nicht von der Hand in den Mund, sondern wir erwirtschaften mehr, als wir momentan ausgeben können. Deshalb müssen wir Geld zurücklegen. Sollten wir es sicherheitshalber zuhause unter der Matratze deponieren anstatt auf dem Konto zu belassen?

Bruno Bandulet: Normalerweise sollten wir das nicht tun. Wir müssen uns aber darüber im Klaren sein, dass Geld auf dem Konto nichts anderes darstellt als einen Kredit an die Bank. In einer Finanzkrise lacht Bargeld. Es handelt sich hier um zwei verschiedene Sorten von Geld. In einem bargeldlosen System kann ich mich vor einem »Bank Run« und damit vor einer Bankenpleite nicht mehr schützen, indem ich mein Geld vorsichtshalber abhebe. Das finden die Banken natürlich sehr sympathisch.

FreieWelt.net: Ist es überhaupt möglich, ganz auf Bargeld zu verzichten?

Bruno Bandulet: Möglich wäre es.

FreieWelt.net: Gold wird immer wieder als Alternative zur Geldanlage genannt. Es gibt auch immer wieder Diskussion über Gold. Gibt es einen Zusammenhang zwischen diesen Diskussionen und den Bestrebungen, den Bargeldumlauf einzuschränken?

Bruno Bandulet: Den Zusammenhang kann es durchaus geben, auch wenn das vorerst nur ein Thema am Rande ist. Gold dient ja schon jetzt als Wertaufbewahrungsmittel, als Alternative zum ungedeckten Papiergeld und als Absicherung gegen die Kunstwährung Euro, von der niemand wissen kann, was sie in fünf oder zehn Jahren noch wert ist. Es ist auch vorstellbar, dass Gold irgendwann auch in Europa als privates Zahlungsmittel verwendet wird. In verschiedenen asiatischen Ländern ist das längst der Fall.

FreieWelt.net: Welche Möglichkeiten sehen Sie, sich politisch gegen Bestrebungen zu wehren, den Bargeldumlauf einzudämmen?

Bruno Bandulet: Es ist enorm wichtig, schon jetzt den Mund aufzumachen und Widerstand zu leisten. Mit dem Bargeld verteidigen wir unsere Privatsphäre und unsere Freiheit. Eine Welt ohne Bargeld befände sich auf dem Weg in die perfekte Diktatur. Gerade freiheitliche Parteien wie die AfD sollten Alarm schlagen. Und sie haben dabei einen mächtigen Verbündeten, nämlich die Deutsche Bundesbank. Erst Anfang Juni hat sie Einschränkungen beim Bargeld klipp und klar abgelehnt.

Die Bundesbank ist schließlich nicht nur in Sachen Euro eine der letzten seriösen Institutionen in Deutschland. Sie verdient jede Unterstützung. Der Kampf gegen das Bargeld ist ein sozialistisches Projekt, und ich sehe die Gefahr, dass die EU – auch sie ist im Grunde ein sozialistisches Projekt – irgendwann auf den Karren aufspringt. Sie wird dann, wie immer, scheibchenweise vorgehen. Bargeld ist, wie es so schön heißt, gemünzte Freiheit. Digitalgeld ist ein Instrument der Totalüberwachung.

FreieWelt.net: Vielen Dank für das Interview.

Buchveröffentlichungen von Bruno Bandulet: Vom Goldstandard zum Euro. Eine deutsche Geldgeschichte am Vorabend der dritten Währungsreform, Rottenburg 2012; Als Deutschland Großmacht war. Ein Bericht über das Kaiserreich, seine Feinde und die Entfesselung des Ersten Weltkrieges, Rottenburg 2014.

Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte
unterstützen Sie mit einer Spende unsere
unabhängige Berichterstattung.

Abonnieren Sie jetzt hier unseren Newsletter: Newsletter

Kommentare zum Artikel

Bitte beachten Sie beim Verfassen eines Kommentars die Regeln höflicher Kommunikation.

Gravatar: H.von Bugenhagen

Na iss denn dass
Das Bargeld soll abgeschafft werden weil Merkel wissen möchte wer zuhause noch einen Sparstrumpf hat .Und dann wird ihm das letzte Geld für die Migranten abgenommen.(Legt euer Bares in Gold oder Oldtimer oder Yacht an,dann können sie nicht an das Vermögen.
Sonst kommt die Sparer Steuer

Gravatar: H.von Bugenhagen

Eine Theoretische Frage die sich praktisch so nicht stellt ????

Es geht doch nur darum den Bürger zu schützen,wer zuhause Geld aufbewahrt kann ausgeraubt werden ohne das die Politik etwas von dem Geld hat.Außerdem könnte er ja mehr sparen wie nötig (sie möchten das das Geld in den Markt fließt).Und auf Digitalem Konto bekommt man ja noch die Kontoführung s Gebühren und die Negativ Zinsen als Belohnung für viel Sparer.
Bei Hacker Diebstahl stört es der Politik nicht von wem oder wie viel ,,Die Diebe müssen es ja auch ausgeben und es fließt in die Wirtschaft zum Wohl der Politiker.

Gravatar: H.von Bugenhagen

Wer will schon Bargeld wenn er Gold haben kann.

Gravatar: henry paul

alle Karten abgeschafft- sogar bei der Hausbank. Muss immer mein Kärtchen zeigen, wenn ich mein Monatsgeld komplett abhebe, obwohl man mich seit Jahren kennt.

Es hat mich noch nie behindert, immer mit Bargeld zu bezahlen - als ich noch Karten hatte ( beruflich bedingt), sind mir des öfteren die Zahlungen verweigert worden trotz hohem Limit und mehr als einmal bin ich bei Zahlungen betrogen worden.

Gravatar: Inge Ziemke

Schon meine Großmutter (1867-1946) sagte:

Wer Geld ausgibt und nicht Rechnung führt, verarmt ohne das er es spürt.

Gravatar: A Riesener

Toll verstehe die Leute nicht die mit Karte oder Handy zahlt.
es müsste doch klar sein das dann die Banken und Sparkassen wissen das man um 9 Uhr 33 bei Aldi war.So lassen sich doch prima Bewegungsprofiele und konsumverhalten jedes einzelnen verfolgen.dann halten diese Arschlöcher auch noch den Verkehr auf weil sie ihre PIN nicht richtig in den Schädel bekommen.Habe ich auch schon mal beim Tanken an der kasse erlebt das ein Kunde vor mir nicht zahlen konnte weil alle seine (10 Karten)nicht funktioniert haben . Darauf habe ich im gesagt Bargeld lacht.Man hat der ein mieses Gesicht gezogen der Depp.schlussendlich hatte ernoch Bargeld in der Tasche und hat dann Bezahlt.

Gravatar: Ralle

@Gerd Müller

Im Zweifelsfall ist es dann die "Regierung" die Ihr Konto räumt.

"Sind die alle schon so verdummt oder nur uninteressiert, oder glauben die diesen Lobbypolitikern einfach alles blind ?"

Lethargie, Deutschland ist lethargisch.

Gravatar: Kleiber

Selbstverständlich ist das ein sozialistisches Projekt, Herr Hambsch. Sozialismus heißt immer Ausweitung der staatlichen Macht und Einschränkung der Freiheit, egal, ob Nationalsozialismus oder Bolschewismus oder (noch) Sozialismus light, wie in Westeuropa. Die Banken können nur im Rahmen staatlicher Vorgaben handeln (siehe Teilverstaatlichung der Commerzbank oder Abschaffung des Bankgeheimnisses). Über die EZB wird die Bankenpolitik gesteuert. Und die EZB ist eine staatliche Zentralbank. Darüber hinaus finden ständig personelle Rochaden zwischen den Vorständen der Banken und der Politik statt. Und das wichtigste: Wir haben ein STAATLICHES GELDMONOPOL !!! Wer das Geld druckt, kontrolliert auch die Wirtschaft, die Banken sowieso. Und darum gehen große Banken auch nicht pleite, denn der Staat braucht sie, um Schulden machen zu können. Und die Banken benötigen die Gunst der Politik, um an der Gelddruckerei aus dem Nichts ebenfalls zu verdienen und Geschäfte zu machen. Von den "Landesbanken" will ich gar nicht erst reden. Das ist perverser Lobbyismus. Und der funktioniert ausschließlich dort, wo der Staat lenkt und kontrolliert. Und jeder Lobbyist braucht einen (sozialistischen) Staat. Na klar stellen sich die Politiker hin und schieben alles den bösen Banken und Kapitalisten in die Schuhe und lügen dabei, daß sich die Balken biegen. Hätte ich an ihrer Stelle auch so gemacht.

Gravatar: Reiner Schöne

Eine Bargeldabschaffung ist eine kostenlose Totalüberwachung des Bürgers. Hier muss etwas dagegen unternommen werden.

Gravatar: frohgemut hambsch

die forderung nach einer bargeldlosen gesellschaft hat mit dem sozialismus nichts gemein,schliesslich kommt der vorschlag ja nicht von linken politikern sonden von bankleuten,es ist vielmehr der versuch eine überwachungswelt zu intallieren-es wird für den staat einfach sein menschen die sich kritisch äussern mundtot zu machen,man muss nur die jeweilige bank unter druck setzen damit sie das konto sperrt-auch ist es möglich das man sein konto der jeweiligen finanziele lage anpasst,aber zumindest für die geheimdienste dürfte eine sperrung oder erhöhung des kontos keine schwierigkeit sein-es sollte einen menschen selbst überlassen sein ob er bargeldlos zahlen will oder nicht,auch ist es dann möglich das verschwinden von kreditkarten mit bargeld zu überbrücken-

Schreiben Sie einen Kommentar


(erforderlich)

Zum Anfang