Prof. Dr. Thodoros Katsanevas Volkswirt und Gründer der eurokritischen Partei Drachme-Fünf-Sterne

„Griechen sollten AfD wählen!“

Veröffentlicht:
von

Theodoros Katsanevas, Professor für Volkswirtschaft an der University of Piraeus, gründete mit der Partei Drachme-Fünf-Sterne ein griechisches Pendant zur AfD. Im Interview mit Freiewelt.net erläutert er die Forderungen seiner Partei: Rückkehr zur Drachme und die Auflösung des Euro-Währungsgebiets.

Freiewelt.net: Sie schlagen einen Austritt bestimmter, vornehmlich südeuropäischer Staaten aus dem Euro vor. Warum?

Katsanevas: Griechenland, Italien, Portugal, Irland, und zuletzt Zypern sind die ersten Staaten, in denen der Euro zur Katastrophe geführt hat. Seit dem 2. Weltkrieg haben wir mit unseren eigenen Währungen niemals ein solches Desaster erlebt wie heute mit dem als paradiesisch angepriesenen Euro! Daher sollten wir uns besser früher als später aus dem Währungsverbund lösen. Die Kombination aus Euro, Sparpolitik und einem Geldsystem, das einen Kasinokapitalismus befördernt, gefährdet ganz Europa – einschließlich Deutschland. Man sollte das Euroexperiment begraben.

Freiewelt.net: Bundeskanzlerin Angela Merkel behauptet: „Wenn der Euro scheitert, scheitert Europa.“ Machen Sie sich Sorgen, dass eine Auflösung der Eurozone die Beziehungen der europäischen Staaten belasten könnte?

Katsanevas: Im Gegenteil! Ohne den Euro wird es sehr viel leichter fallen, zu dem Werten zurückzukehren, auf denen die Europäische Union fußt: Solidarität, Freundschaft, Annäherung und Frieden. Der Euro brachte Europa Armut und Zwietracht. Dies ist nicht das Europa, das die Gründer der EU errichten wollten. Der Euro selbst belastet den Frieden in Europa.

Freiewelt.net: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Ihrer Partei und der italienischen Fünf-Sterne-Bewegung um Beppe Grillo?

Katsanevas: Grillos Erfolg zeigt die Enttäuschung der Italiener über ihre korrumpierte politische Klasse. Diese hat ihnen einen extremen Sparkurs aufgebürdet. Man muss respektieren, dass 25 Prozent aller Italiener dieser eurokritischen Partei ihre Stimme gegeben haben. Die fünf Sterne meiner Partei stehen für unsere fünf Grundsätze: Aufhebung des Memorandums (Vereinbarung zwischen Griechenland und dem Internationalen Währungsfonds, Anm. d. Red.), Rückkehr zur Drachme, echtes Wachstum in einem schlanken Staat, nationale Würde und soziale Gerechtigkeit. Drachme-Fünf-Sterne arbeitet mit allen nicht-extremistischen Parteien Europas zusammen, die sich für eine Rückkehr zu nationalen Währungen einsetzen.

Freiewelt.net: Wie viel Zuspruch erfahren Sie von Seiten der griechischen Bevölkerung?

Katsanevas: Als sich unsere Partei im Mai diesen Jahres gründete, befürworteten Umfragen zufolge mehr als die Hälfte aller Griechen einen Austritt aus dem Euro. Wir fordern eine Volksabstimmung zu dieser Frage, gegen die sich unsere Regierung sperrt. Auch von den eurofreundlichen Medien gibt es keine Unterstützung. Unsere Partei hat sich gerade erst gegründet. Seither erleben wir Feindseligkeit oder werden totgeschwiegen. Uns geht es ähnlich wie der AfD in Deutschland – nur schlimmer. Doch gute Argumente setzen sich letztlich durch.

Freiewelt.net: Da Sie sie ansprechen: Wie bewerten Sie die AfD, die in mancher Hinsicht das deutsche Pendant zu ihrer Partei ist?

Katsanevas: Der Erfolg der AfD ist eine tolle Nachricht für Deutschland, für Griechenland und ganz Europa. Wir hoffen, dass sie nach ihrem Einzug in den Bundestag erfolgreich gegen den Euro streiten wird, um weiteren Schaden von Europa und auch Deutschland abzuwenden. Zum Wohle Griechenlands, Deutschlands und Europas bitten wir alle Deutsch-Griechen inständig, der Alternative für Deutschland ihre Stimme zu geben.

Freiewelt.net: Wir danken Ihnen herzlich für das Gespräch.

Hier finden Sie das Interview auf Englisch.

Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte
unterstützen Sie mit einer Spende unsere
unabhängige Berichterstattung.

Abonnieren Sie jetzt hier unseren Newsletter: Newsletter

Kommentare zum Artikel

Bitte beachten Sie beim Verfassen eines Kommentars die Regeln höflicher Kommunikation.

Gravatar: Gernot Riebe senior

Volkswirtschaftsprofessort Theodoros Katsanevas will auch die Drachme, die Lira und die D-Mark zurück haben. Also ganz allgemein "zurück zu nationalen Währungen"!. Wieder ein Fachmann mehr, von dem die "Alternative für Deutschland" /AfD unterstützt wird.
"Unsere" jetzigen Politiker sind betriebsblind und wollen angeblich nur das Beste für das deutsche Volk. Statt dessen richten sie Deutschland zugrunde, und ich frage mich, wem sie denn
in Wahrheit den Treue-Eid geschworen haben u. welchen fremden und finsteren Mächten sie sich verpflichtet haben? Sie scheinen mit dem Teufel im Bunde zu sein, mit wenigen Ausnahmen.
Sie scheinen allein dem schnöden Mammon zu dienen und wollen mit aller Gewalt an der Selbstbedienungs-Futterkrippe bleiben zu wollen und dazu gehört inzwischen auch die EU.

Gravatar: Matzner Mario

endlich rührt sich was bei völkern in europa....sie werden wach und die politiker immer blöder...jeder der an dem desaster verantwortlich ist sollte voll zur kasse gebeten werden damit sie sehen was für einen bullshitt sie angerichtet haben..banken ..politiker...industrie..usw..
wir lassen uns diesen irrsinn nicht mehr gefallen ...merkel und schäuble sind so verblendet..weg damit...aber schnell...

Gravatar: Michail voultsidis

Ich freue mich sehr, dass immer mehr Bürger in Deutschland sich nicht belügen lassen von ihren Politikern und auch, dass sie merken, dass nicht das griechische Volk an dieser Krise Schuld hat, sondern ganz andere Mächte. Als gebürtiger Grieche hier in Deutschland wünsche ich mir von Herzen, dass Europa wieder das wird was es war und wir glücklich und vereint zusammen leben können. Der Euro hat Europa ruiniert und ist dabei alle Völker zu verfeinden. Ich möchte hier niemandem sagen was er wählen soll, nur möchte ich alle deutschen Bürger bitten die Augen zu öffnen und viele Dinge zu hinterfragen und nicht einfach Medienmüll zu Glauben. Öffnet eure Augen und prangert die Fehler an die in unserem System existieren und beschuldigt nicht Völker für diesen Zustand, sondern die wahren Schuldigen.

Gravatar: Harald Schmidt

Herr Prof. Katsanevas ist seriöser Wirtschaftswissenschaftler und hat Mut. Das verbindet ihn zwangsläufig mit den Zielen der Alternative für Deutschland

Schreiben Sie einen Kommentar


(erforderlich)

Zum Anfang