Interview mit Steve Mosher / Teil 2

Die »Ostpolitik« des Vatikans mit China ist zum Scheitern verurteilt

Steve Mosher über das klägliche Abkommen mit China; das Versagen der Diplomaten; der möglichen Heiligsprechung eines China-Missionars und wie die katholische Kirche die Untergrundkirche in China verrät.

Foto: Don Elvir Tabaković, Can.Reg
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Steve Mosher ist Autor zahlreicher Bücher (auf Englisch), darunter: »Reise ins verbotene China«, »Hegemon: Chinas Plan Asien und die Welt zu regieren« und »der Tyrann Asiens«. Er war bei zahlreichen Fernsehsendungen zu Gast.

»Bully of Asia: Why China’s Dream is the new threat to world order« ist der jüngste Bestseller von China-Experten Steven Mosher. Als Präsident des Population Research Institutes ist er wegen seiner einmaligen Einblicke in die chinesische Kultur und Chinas politische Struktur in der angelsächsischen Welt führender Spezialist.

Freie Welt hatte zu dieser Gelegenheit die Chance, ein Interview mit ihm zu führen.

[Teil 1 des Interviews hier]

 

Freie Welt: Hat das Abkommen nicht schon eine Menge Kollateralschaden angerichtet?

Steve Mosher: Ja, das hat es, vor allem durch die Tatsache, dass es geheim ist. Die kommunistische Partei Chinas geht zu der Untergrundkirche in China und sagt den Katholiken: ‚der Papst hat gesagt, dass sie das oder jenes machen müssen‘. Die können sich die ‚Autorität‘ des Papstes borgen und die Untergrundchristen dazu drängen, sich bei der Regierung anzumelden und der Patriotischen Katholischen Organisation beizutreten. Dann werden sie dazu gezwungen, Gottesdienste nur an registrierten Orten zu feiern. Kirchen, die nicht registriert sind, werden abgerissen.

Kardinal Parolin hat mir dazu gesagt: ‚Es kümmert uns nicht, wenn die Bischöfe und Priester sich bei der Regierung anmelden müssen.‘ Aber was geschieht ist nicht nur eine Registrierung der Untergrundbischöfe und –Priester. Die kommunistische Partei Chinas zwingt sie dazu, der Patriotischen Organisation beizutreten. Dabei handelt es sich nicht um die Bischofskonferenz. Die Bischofskonferenz in China existiert nicht. Sie treffen sich nie, sie hat keine Autorität. Die Katholische Patriotische Bischofskonferenz besteht aus 250 Mitgliedern, Bischöfe, aber auch Ordensleute und Laien. Und sie versammeln sich nur auf Anfrage der kommunistischen Partei. Wenn sie sich treffen, nehmen mehr Regierungsabgesandte und Sicherheitspersonal daran teil als Katholiken. Man weiß doch, wie diese Dinge vonstattengehen. Die Treffen sind vorbereitet. Die Resultate sind vorgeschrieben. Darum ist die Katholische Patriotische Organisation im Schisma.

Der Vatikan ist darüber nicht glücklich, dass die Kommunistische Partei Bischöfe und Priester dazu zwingt der Patriotischen Organisation beizutreten. Aber er tut nichts. Wenn das Abkommen von der Partei vor den Katholiken in China willentlich fehlinterpretiert wird, dann muss der Vatikan ein Machtwort sprechen. Das ist der einzige Weg, die Situation zu verbessern. Die Menschen in China können sich nicht wehren. Was passiert, wenn man sich in China zur Wehr setzt? Man wird bestraft, man wird verhaftet. Der Vatikan hat die Verantwortung klarzustellen, was und was nicht im Abkommen steht. Mir wurde berichtete, dass der Grund der Geheimhaltung ist, das es einen Weg zur Normalisierung der diplomatischen Beziehungen beinhaltet. Das ist der Grund der Geheimhaltung. Aber durch die Geheimhaltung richtet das Abkommen großen Schaden an. Es ist offenkundig an der Zeit, transparent zu sein.

Freie Welt: Für einen Beobachter von außen scheint es, dass das Dokument hauptsächlich von Kardinal Parolin [dem Staatssekretär des Vatikans] als von Papst Franziskus durchgedrückt wird. Ihr Eindruck?

Steve Mosher: Mein Eindruck ist, dass Kardinal Parolin seit vielen, vielen Jahren in die Verhandlungen mit China verwickelt ist. Er hat das Modell der ‚Ostpolitik‘ angewandt, was Papst Benedikt em. ein Versagen nannte. Es war das Modell mit dem die Kirche mit den Kommunisten in Ungarn, Polen der Tschechischen Republik umgegangen ist, das dann auch auf China angewandt wurde. Also ja, ich denke das Abkommen war hauptsächlich ein Werk Kardinal Parolins als Staatssekretär.

Er benimmt sich damit wie ein normaler Diplomat. Diplomaten scheinen oft der Meinung zu sein, Verhandlungen seien erfolgreich mit dem Unterschreiben eines Dokumentes, Fotos und einem Händedrück abgeschlossen. Nur Unternehmer verstehen, dass die Verhandlung eines Vertrags nicht mit dem Unterschreiben aufhört. Bei Nichteinhaltung des Vertrages, dann müssen Strafklauseln eingefügt werden, es muss Konsequenzen geben. Wenn der Vertrag falsch interpretiert und missbraucht wird, dann muss man ihn zurückziehen und korrigieren. Ich denke, der Vatikan sieht in der Unterzeichnung eines Abkommens mit China überhaupt einen diplomatischen Coup – auch wenn es dabei um ein schlechtes Abkommen geht.

Freie Welt: Was wäre die richtige Strategie mit China umzugehen?

Steve Mosher: Ich denke, der Vatikan muss mit dem Rest der Welt kritisieren, was sich in China zuträgt: Menschenrechtsverletzungen. Es fehlt da zunächst einmal an Gewissensfreiheit. Der einzige wirksame Weg, Beijing unter Druck zu setzen – wie es in den 1980er Jahren der Fall war, ist die öffentliche Kritik des Regimes. Interne Kritiker können bestraft werden, Kritiker von außen werden sehr ernst genommen, weil das Regime das Gesicht verliert. Ich denke, der Vatikan muss offen darlegen, was das Abkommen beinhaltet und die Kirche muss dann, mit allen Mitteln die ihr zur Verfügung stehen, durchgreifen, um die Situation zu verbessern. Allem voran mit Gebet.

Freie Welt: Sie haben den Fall der Heiligsprechung eines jesuitischen Missionars gesprochen, Matteo Ricci. Er war der erste Missionar in China und ein Jesuit. Was hat es damit auf sich?

Steve Mosher: Es wird sehr interessant sein, abzuwarten, ob Matteo Ricci wirklich heiliggesprochen wird. Die Chinesische Kommunistische Partei hat sehr erbost reagiert, als 2010 110 chinesische Märtyrer zur Ehre der Altäre erhoben wurden. Die chinesischen Märtyrer wurden während dem Boxer Aufstand von den Kommunisten in den 30er und 40er Jahren getötet. Dies Kommunisten in China waren sehr erzürnt als diese Leute – die sie als Reaktionäre und fremde Einwanderer und Spione einstuften – durch die katholische Kirche geehrt wurden.

Bei Matteo Ricci ist etwas interessant: sein Grab befindet sich inmitten der größten kommunistischen Parteischule in der Innenstad von Beijing – ich bin dort gewesen. Das Gebäude gehörte früher der katholischen Kirche und wurde von den Kommunisten geraubt. Sie haben dort die wichtigste Parteischule angesiedelt. Aber sie haben das Grab Matteo Riccis – das während der Revolution entweiht wurde – dort belassen. Werden sie glücklich sein, einen katholischen Heiligen inmitten der Kommunistischen Parteischule in Beijing zu haben? Ich denke, es wäre ein weiterer Schritt, China zu öffnen – es wäre wunderbar, die Chinesen auf diese Art zu evangelisieren.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Thomas Waibel

Die Stärkung der regimehörige "Patriotische Kirche Chinas" und die Schwächung der christlichen Opposition ist von dem "christlichen" Marxisten Bergoglio gewollt.

Dazu paßt sein Verschweigen der Christenverfolgung in China, die dazu führt, daß Tausende Christen sich unter unmenschlichen Haftbedingungen in Gefängnissen und Arbeitslagern befinden.

Diese prokommunistische Politik von Bergoglio zeigt, daß meinen Entscheidung vor vielen Jahren aus seiner "Kirche" ausgetreten zu sein, richtig war.

Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

„Die »Ostpolitik« des Vatikans mit China ist zum Scheitern verurteilt“ ...

Aus Trotz, weil es der Xi Jinping vermied, bei seinem Besuch in Rom einen „Teufel“ https://www.kath.net/news/65249
zu besuchen???
https://weltkirche.katholisch.de/Aktuelles/20190318_Chinas_Pr%C3%A4sident_In_Rom__nur_nicht_zum_Papst

Dabei handelt es sich bei den Chinesen doch um ein „großes Volk“, welches der Franzi (als Teufel?)
scheinbar ganz besonders liebt!!!
https://www.welt.de/politik/ausland/article125976806/Es-ist-ein-grosses-Volk-das-ich-liebe.html

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