Steven Mosher zum China-Vatikan Abkommen

Der Vatikan kann nicht mit Xi Jingping paktieren, der sich als »Gott-Kaiser« versteht

China bewegt sich immer schneller auf eine totalitäre High-Tech-Diktatur hin. DNA-Archive, Überwachungskameras überall und Unterdrückung Andersgesinnter sind bereits Realität: mit der Technik können alle zu jeder Zeit überwacht werden.

Foto: Don Elvir Tabaković, Can.Reg
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»Bully of Asia: Why China’s Dream is the new threat to world order« ist der jüngste Bestseller von China-Experten Steven Mosher. Als Präsident des Population Research Institutes ist er wegen seiner einmaligen Einblicke in die chinesische Kultur und Chinas politische Struktur in der angelsächsischen Welt führender Spezialist.

1979 wurde Mosher als erster amerikanischer Forschungsstudent nach der Revolution nach China gelassen, um Nachforschungen anzustellen. Auf Anfrage Präsident Jimmy Carters wurde ihm durch Deng Xiaoping Zugang nach China gewährt. Wegen seiner Forschungen und Veröffentlichungen – wie beispielsweise über Zwangsabtreibungen – wurde er aus der Stanford University entlassen, ein cause célèbre der damaligen akademischen Welt.

Mosher ist Konvertit zum Katholizismus und heute überzeugter Lebensschützer. Vom 16. – 18. Mai wurde er nach Rom geladen, um beim »Rome Life Forum« über die Lage Chinas vorzutragen.

Freie Welt hatte zu dieser Gelegenheit die Chance, ein Interview mit ihm zu führen.

Mosher ist Autor zahlreicher Bücher (auf Englisch), darunter: »Reise ins verbotene China«, »Hegemon: Chinas Plan Asien und die Welt zu regieren« und »der Tyrann Asiens«. Er war bei zahlreichen Fernsehsendungen zu Gast.

[Das Interview wird in drei Teilen veröffentlicht]

Teil 1:

***

Freie Welt: Was war ihre erste Reaktion auf das neue Abkommen zwischen China und dem Vatikan [Freie Welt berichtete]?

Steve Mosher: Meine erste Reaktion war Fassungslosigkeit über die Naivität des Vatikans, zu diesem Zeitpunkt mit der Chinesischen Kommunistischen Partei ein Abkommen abzuschließen. Vielleicht wäre ein solches in den 1980er oder 90er Jahren möglich gewesen, das der Kirche in China und ihrer Beziehung zum Rest der Welt Normalisierung ermöglicht hätte. Aber seit der Machtübernahme Xi Jingpings hat sich China in eine tyrannische und totalitäre Richtung bewegt.

Freie Welt: Tyrannisch – ist das nicht übertrieben?

Steve Mosher: Ich habe diese Worte in vollem Bewusstsein gewählt. Zunächst einmal ist Xi ein Tyrann auf persönliche Anweisung des Vorsitzenden Maos – er ist eine diktatorische Persönlichkeit. Er besteht darauf, alles zu kontrollieren, nicht nur die Regierung, sondern auch die Armee und die Partei. Sein Ziel ist es, eine Reihe von Komitees einzusetzen, die alle ihm persönlich zu melden haben. In diesem Sinne ist er ein Mono-Monarch.

Er setzt alles daran, der mächtigste Führer seit Mao Zedong zu werden, vielleicht sogar noch mächtiger als Mao. Totalitär weil er sich, samt des ganzen Landes, in Richtung einer High-Tech-digitalen Diktatur bewegt. In der ganzen Weltgeschichte gibt es nichts Vergleichbares.

Stellen sie sich es einmal vor: China baut eine landesweites DNA-Archiv auf, indem nicht nur Fingerabdrücke, sondern sogar DNA Problem jeder einzelnen chinesischen Person gesammelt werden. Stellen sie sich einmal vor, dass China mehr Überwachungskameras als jedes andere Land der Welt hat. Man denke auch daran, dass jedes elektronische Gerät zum Überwachungsgerät umfunktioniert wird, und dass es keine Privatsphärenschutz in China gibt. Wir sind mit einer High-Tech digitalen Diktatur konfrontiert, die 24 Stunden Überwachung durchführt – so etwas haben wir in der Weltgeschichte noch nicht gesehen.

Freie Welt: Also ist vor allem der technologische Fortschritt Ursache des umgreifenden Totalitarismus in China?

Steve Mosher: Der Regierungsvorsitzende hat bereits in der Vergangenheit angestrebt, eine totalitäre Regierung durchzusetzen, aber es konnte praktisch einfach nicht durchgesetzt werden. Nicht alle können zu jeder Zeit überwacht werden.

Aber heute mit den großen gespeicherten Datenmengen, mit künstlicher Intelligenz, IT-Technik und Algorithmen, die von Menschenhand programmiert, aber dann durch Maschinen perfektioniert werden, ist es tatsächlich möglich, alle zu jeder Zeit zu überwachen. Und das ist eine wahrlich beängstigende Tatsache für jeden, der Angst um Freiheit und Menschenrechte hat.

Freie Welt: Was denken Sie über die Kirchenexperten, die sich viel von diesem neuen Abkommen versprechen?

Steve Mosher: Ich denke, dass die Kirche drei Dinge erreichen wollte: zunächst ist es sehr deutlich, dass Papst Franziskus nach China reisen will. Als er über den chinesischen Luftraum geflogen war, hat er den Chinesen eine besondere Botschaft geschickt. Als Xi Jingping vor kurzem in Rom war, hat der Vatikan ihn eingeladen, dem Papst in einem Treffen zu begegnen. Dem Papst geht es darum, nach China reisen zu können.

Zweitens will der Papst ein Schisma zwischen der Weltkirche und der katholischen Kirche in China vermeiden. Das hat mir schon vor einem Jahr Kardinal Parolin bestätigt. Er erklärte, dass sie an einem Abkommen arbeiten, das einem Schisma vorzuziehen sei. Aber natürlich fand das Schisma bereits statt, im Jahre 1957 nämlich, als die Patriotische Vereinigung der katholischen Kirche gegründet wurde. Es wird von den Mitgliedern erwartet, erst China loyal gegenüber zu sein, und dann der Kirche. Das war schon immer so. Es handelt sich um eine schismatische Organisation. Das ist also das zweite Ziel: die unrechtmäßigen Bischöfe Chinas zu legitimieren und zu vermeiden, weitere unrechtmäßige Weihen zu haben. Sie haben gehofft, einen Prozess einzuführen, durch den China und der Vatikan Bischöfe ernennen kann – auch das ist ein Problem.

Drittens wollte der Vatikan die diplomatischen Beziehungen zu China normalisieren. Und scheinbarer Teil der Abmachungen sind effektive Schritte, diese Beziehungen zu normalisieren. Das ist was sie wollen: einen Papstbesuch, eine Regulierung der Bischofsweihen und erneute diplomatische Beziehungen.

Freie Welt: Sind diese Erwartungen realistisch ihrer Meinung nach?

Steve Mosher: Ich denke nicht, dass es zu einem Papstbesuch kommen wird, denn das würde Xi Jingping dazu zwingen, einer religiösen Führungspersönlichkeit eine Plattform zu bieten, den er nicht nur als fremde Religion anerkennt, sondern auch als Religion, die mit seiner eigenen weltlichen Religion konkurriert. Seine eigene weltliche Religion ist die Anbetung Chinas und der führenden Amtsträger der kommunistischen Partei Chinas: seine eigenen Position als Gott-Kaiser Chinas.

Ich denke schon, dass China sehr gerne die diplomatischen Beziehungen mit dem Vatikan normalisieren würde, denn das würde die Zahl der Staaten mindern, die Taiwan anerkennen. Wegen politischem Kalkül würde China einlenken. Das kann sich schon ergeben. Aber ein Papstbesuch scheint wirklich unwahrscheinlich und da die Ernennung von Bischöfen durch die kommunistische Partei stattfindet, und dem Papst nur Vetorecht – und ein beschränktes dazu – eingeräumt werden soll, scheint es mir, dass der Hauptanteil der Macht in den Händen der chinesischen kommunistischen Partei bleiben wird.

Sie müssen sich vorstellen, wie es vonstattengehen würde: Die Kirche hat das »Vietnam-Modell« vorgeschlagen. Was ist das Vietnam-Model?

Der Vatikan hatte damals ein Abkommen mit Hanoi geschlossen, dass Zusammenarbeit garantierte. Die kommunistische Regierung und der Vatikan wählen drei Kandidaten aus, die von beiden Seiten anerkannt werden. Der Vatikan wählt von diesen dreien einen aus, der zum Bischof wird. Dieses Modell erhält die Autorität des Papstes auf sehr klare Weise.

China hat dieses Model abgelehnt. China will die Kandidaten demokratisch wählen [lacht] und dann soll der Papst in der Lage sein, einen zu genehmigen. Aber der Papst wird nur einen gewissen Zeitraum – einen Monat oder zwei – Zeit haben, und er kann nicht unbegrenzt warten. Wenn er ein Veto gibt, dann wird die Regierung einen anderen auswählen. Dieser Prozess wird aber nicht auf unbestimmte Zeit fortgesetzt werden können.

Der Papst wird also de facto ein begrenztes Veto-Recht haben. Es scheint mir, dass dieses Abkommen auch so formuliert werden kann: die kommunistische Partei schlägt vor, der Papst kann ein oder zweimal von seinem Veto-Recht Gebrauch machen, dann aber, bekommt die Partei den Bischof, den sie will. Es kann sich natürlich um einen guten Bischof handeln, aber daran habe ich meine Zweifel.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Thomas Waibel

Das Abkommen des Vatikans mit den chinesischen Kommunisten, das die regimehörige "Patriotische Kirche Chinas" auf Kosten der Christen des Widerstands begünstigt, war nicht naiv, sondern ganz im Sinne der pro kommunistischen Politik des "christlichen" Marxisten Bergoglio.

Als Bergoglio die kommunistische Terrororganisation FARC, die fast den ganzen Kokainhandel in Kolumbien kontrolliert, unterstützte, wußte er sehr wohl was er tat.

Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

„China bewegt sich immer schneller auf eine totalitäre High-Tech-Diktatur hin.“ ...

Schloss der Franzi - zu Besuch beim Drachen - nicht besonders auch deshalb einen „Pakt mit Teufel“?

„Chinas Katholiken schockiert über Papst“!!!
https://www.morgenpost.de/politik/article213892767/Pakt-mit-Teufel-Chinas-Katholiken-schockiert-ueber-Papst.html

Ganz besonders bestürzt sind sie sicherlich auch darüber, dass er sich selbst als „Teufel“ outete!!!
https://www.youtube.com/watch?v=5JTnJL-jCW0

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