Freie-Welt-Interview mit den Chile-Experten René Fuchslocher

Chile, ein Land mit großer Zukunft

Warum investieren immer mehr Deutsche in Chile? Was macht das Land wirtschaftlich so attraktiv? Die Freie Welt sprach mit dem Chile-Experten René Fuchslocher.

René Fuchslocher. Foto: Freie Welt
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Freie Welt: Herr Fuchslocher, es ist bekannt, dass viele Deutsche in Chile investieren oder dies planen, warum?

René Fuchslocher: Im Jahr 2012 erklärte das Forbes-Magazin Chile zum Land mit dem besten Geschäftsklima in Lateinamerika. Chiles freundliche Handelspolitik, wirtschaftliche und soziale Stabilität und eine Vielzahl von Freihandelsabkommen haben mehrere internationalen Unternehmen dazu gebracht, Büros in der Hauptstadt Santiago zu eröffnen. Chile dient als Tor nach Lateinamerika und von hier aus können ihre gesamte Geschäfte in Lateinamerika koordiniert werden.

Die chilenische Wirtschaft befindet sich auf einem ähnlichen Niveau mit den Industrieländern, mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 5% seit 1990, dem höchsten BIP pro Kopf in Lateinamerika und eine auszeichnende Klassifizierung ihrer Geschäftstransparenz. Daher ist Chile das Musterkind Südamerikas und gehört nicht mehr zu den klassischen Entwicklungsländern, sondern glänzt und überrascht. Chile ist auch nicht mehr nur ein Reiseziel, sondern auch für Investoren zu empfehlen.

Freie Welt: Wie ist das im internationalen Kontext relevant?

René Fuchslocher: Die ansteigende internationale Präsenz und ein stabiles Wirtschaftswachstum haben Chiles weltweite Anerkennung im Bergbau, Weinbau, in der Landwirtschaft und in der Fischerei (um nur einige zu nennen) erlangt. Chile war 2010 das erste südamerikanische Land, das Mitglied der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wurde, und liegt heute auf Platz 40 der am besten entwickelten Länder der Welt. Chile gilt aufgrund seiner hohen gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Stabilität auch als das sicherste Land Lateinamerikas.

Es kann nicht geleugnet werden, dass die letzten 35 Jahre für die Entwicklung Chiles entscheidend waren und dass sich Chile heute in Bezug auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Lateinamerika weiterentwickelt. Chile war zum Beispiel das erste Land der Welt, das ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union, den Vereinigten Staaten, Japan und China unterzeichnet hat. Heute hat Chile mehr bilaterale Handelsabkommen als jedes andere Land der Welt.

Freie Welt: Kann das auch für kleine Unternehmen, Einzelpersonen oder für diejenigen, die eine Testinvestition tätigen möchten, bedeutsam sein?

René Fuchslocher: Chile bietet im Vergleich zu anderen Ländern etliche Vorteile für ausländische Investoren, unabhängig von der Höhe der Investition. Einerseits ist das in diesem Land vorherrschende offene und liberale Wirtschaftssystem relativ frei von offiziellen Eingriffen. Andererseits hat die chilenische Gesetzgebung günstige Bedingungen für Investitionen geschaffen, beispielsweise ist der Erwerb von Immobilien oder die Gründung eines Unternehmens für Ausländer in Chile kein Problem, selbst mit einem Touristenvisum oder durch Vollmacht.

In einem neuen Bericht aus dem Jahr 2019, das Forbes Magazin hebt sogar Chile als die Nation hervor, in der es aufgrund seines hohen Lebensstandards sowie seines Wohlstands, seiner Sicherheit und seiner Stabilität leichter ist, sich für Auswanderer und Rentner niederzulassen: „Chile ist mit seinen modernen vierspurigen Autobahnen, zuverlässiger Kommunikation und hohem Lebensstandard einer der einfachsten Übergänge Lateinamerikas für amerikanische Auswanderer und Rentner. Wenn nicht ganz First World, ist es nicht weit weg. Das Land fühlt sich effizient, gut geführt und sicher. Versorgungsunternehmen wirken, Busse fahren pünktlich ab und Sie können unbesorgt durch die Straßen bummeln.“

Freie Welt: Sie kommen aus dem Süden Chiles. Was können Sie uns über die lokalen Beziehungen Chiles zu Deutschland erzählen?

René Fuchslocher: Wie vielleicht bekannt ist, gab es in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine große deutsche Auswanderungswelle, von der sich 20.000 im Süden Chiles niederließen. Alle mussten nach dem damaligen chilenischen Gesetz einen Beruf haben, so waren sie keine ungebildeten Bauern und konnten in einigen Generationen harter Arbeit ein riesiges Territorium erschließen. Seit der Zeit der spanischen Kolonie hat es jedoch einen unregelmäßigen Zustrom von privaten Einwanderern aus deutschsprachige Gebiete gegeben, wie Unternehmern, Fachleuten, Landwirten und Naturliebhabern, insbesondere in den Nachkriegsjahren und in den letzten fünf Jahren.

Bislang wird in bestimmten Kreisen noch Deutsch im Süden Chiles gesprochen, und es gibt mehrere deutsch-chilenische Institutionen wie Sozial-, Frauen- Gesang- und Sportvereine; Schulen (Deutsch wird derzeit von über 24.000 Schülern und Studenten als Fremdsprache gelernt), Kirchen, Krankenhäuser, Feuerwehrkompanien, Studentenverbindungen, unter anderen. Einige Touristen im Süden Chiles erinnern sich an den Süden Deutschlands für die fruchtbare und grüne Kulturlandschaft mit den Milchvieh und ihren Bergen, welche verschneiten Kegel sich in grünblauen Seen spiegeln. Anders als im Norden spart die Natur hier keine Niederschläge, die für das Wachstum üppiger Wälder notwendig sind, die immer noch einen großen Teil dieses Gebiets bedecken.

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René Fuchslocher wuchs in Osorno auf, wo er auch die Deutsche Schule besuchte. Anschließend studierte er an der Universidad Católica de Chile Jura und machte sein Magister in Steuerecht an der Universidad Adolfo Ibáñez. Seit zwölf Jahren wohnt er in Puerto Montt, wo er mit seinen Geschäftspartnern die Kanzlei Fuchslocher, Bogdanic & Asociados und die Immobilienentwicklungsgesellschaft Agrícola Alpina gegründet hat. Dazu ist der 41-Jährige Mitglied in verschiedenen Institutionen der deutsch-chilenischen Gemeinschaft und Vorstandmitglied des Deutschen Vereins zu Puerto Montt sowie von Agrollanquihue A.G. (Verband der Landwirte der Provinz Llanquihue). René Fuchslocher ist mit Ana María Rojas verheiratet, das Paar hat mit Emilia (11) und René (9) zwei Kinder.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

... „Chile, ein Land mit großer Zukunft“ ...

Tatsächlich?

Weil auch dort US-amerikanische Einflüsse und Hörigkeit operieren?

„Der Außenminister Bachelets (Anm.: Heraldo Muñoz) und der Außenminister der seit wenigen Monaten amtierenden Regierung Piñera (Anm.: der ehemalige Kommunist und DDR-Exilant Roberto Ampuero) verhalten sich vollkommen unterwürfig gegenüber dem State Department“ ...
https://www.nachdenkseiten.de/wp-print.php?p=44225

Gravatar: Peter Hansen

Herr Beyer, überprüfen Sie Ihre Quellen genauer. Herr Cárdenas ist kein "renommierter Medienwissenschaftler", tatsächlich ist er in Chile kaum bekannt und er ist nur ein linker Journalist, der seinen Posten bei der Radio Universidad de Chile wegen Arbeitsmissbrauchs seinen Mitarbeitern aufgeben musste.

Gravatar: Stalin

Herr Beyer, und wem sind Sie unterwürfig ? Stalin, Lennin, Merkel, Soros, Obama ?

Gravatar: Karl Brenner

Wirtschaftliche Öffnung und eine Abschottung gegen Kulturfremde und Sozialstaatsinvasoren scheinen zum Erfolg zu führen.

Gravatar: Theo

18:26.

Noch 5 Stunden und 34 Min. Dann ist dieser sogenannte "Frauentag" vorbei.

Frauentag fühlt sich an wie - gleichzeitig -:
- pubertierende 15-jährige Tochter vor ihrem ersten Date,
- Beförderung einer weiblich Vorgesetzten, die mangels intellektuellen Unterbau und wegen ihres physischem Oberbau von der Natur vernachlässigt worden ist und
- zwölfstündigem Dauerregen.

"Man" ist einfach dankbar, wenn diese Neuerung zwischenmenschlichen Daseins vorbei ist.

Gravatar: Gerstenmeyer

Chile ist ein Erfolgsland. Aber nur solange, solange der Indio und der Latino da nicht sagen, wo's lang geht.
Ich sage immer: Demokratie ja - aber mit Augenmaß. Wir sehen ja auf Kuba, in Venezuela, in Afrika und bei den Mohammedanern, was passiert, wenn wir da nicht aufpassen und die Kontrolle verlieren.

Gravatar: francomacorisano

Lateinamerika ist eine der wichtigsten und interessantesten Wirtschaftsregionen der Welt. Chile ist da ganz vorne dabei. Und in Südamerika gibt es fast keine Moslems... :)

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