Roland Klaus Börsenjournalist und AfD-Sprecher

Alternative zum Auswandern - Interview Roland Klaus (AfD)

Roland Klaus ist Finanzexperte und Medienprofi. Der stellvertretende Sprecher der AfD kann auf eine langjährige Erfahrung in der Börsenberichterstattung zurückgreifen, berichtete unter anderem für n-tv und N24 von der Frankfurter Börse. Im Interview mit FreieWelt.net offenbart der studierte Journalist und Volkswirtschaftler seine politische Motivation und schaut in eine mögliche Zukunft der AfD.

Foto: Roland Klaus
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Freiewelt.net: Aus welchen Gründen sind Sie der AfD beigetreten und waren Sie vorher schon einmal bei einer Partei aktiv?

Roland Klaus: Vor gut zwei Jahren, als ich mein Buch „Wirtschaftliche Selbstverteidigung“ schrieb, habe ich mich eingehend mit der Finanz- und Schuldenkrise beschäftigt. Dabei wurde mir klar, dass wir uns in einer Sackgasse befinden und die etablierten Parteien sogar noch aufs Gas treten, statt nach einer Möglichkeit zum Wenden zu suchen. Die demografische Situation ist für Deutschland eine große Bürde. Wenn wir jetzt noch zum Zahlmeister der Krisenländer werden, dann wird das zu einer Staatsverarmung führen und künftige Generationen massiv belasten. Ich dachte mit meiner Familie damals ans Auswandern – auch, weil ich im politischen Spektrum keinerlei ernstzunehmende Alternative sah. Das hat sich mit dem Auftauchen der Alternative für Deutschland geändert. Deswegen engagiere ich mich auch erstmals in einer Partei.

Freiewelt.net: Worum geht es in Ihrem Buch?

Roland Klaus: Im Prinzip ist es ein egoistischer Ratgeber darüber, wie man ganz persönlich das Beste aus dem Schlamassel der Finanzkrise und der Euro-Umverteilungspolitik machen kann. Das beginnt damit, die Risiken der neuen Zeit zu erkennen, geht über die Geldanlage und endet bei ganz grundsätzlichen Dingen wie dem richtigen Land zum Leben. In dem Buch findet sich eine Hitliste der Auswanderungsländer. Nicht danach sortiert, wo die Strände am schönsten sind – sondern danach, wo Politik, Demografie und Wirtschaft in den nächsten Jahren aller Voraussicht nach für eine stabile Zukunft und ein gutes Lebensumfeld sorgen werden.

Freiewelt.net: Wie lässt sich Ihre journalistische Arbeit mit der Tätigkeit für eine Partei vereinbaren?<

Roland Klaus: Kaum. Mein wichtigster Auftraggeber hat kurz nach meiner Wahl in den Bundesvorstand der AfD die Zusammenarbeit auf Eis gelegt. Gerade als Börsenreporter ist das Engagement in einer eurokritischen Partei natürlich schwierig. Letztlich werde ich mich wohl für das eine oder andere entscheiden müssen.

Freiewelt.net: Empfinden Sie Ihre berufliche Vergangenheit - sowohl als Journalist als auch als Volkswirtschaftler - von Vorteil für Ihre Arbeit bei der AfD? Und wenn ja, wie äußert sich das?

Roland Klaus: Ich sehe es als klaren Vorteil. Denn schließlich treten wir als junge Partei mit ziemlich komplizierten volkswirtschaftlichen Thesen an. Da kann es nicht schaden, wenn man in der Lage ist, komplexe Sachverhalte einfach und knapp zu erklären. Nichts anderes habe ich in den vergangenen Jahren als Börsenreporter gemacht. Ein Beispiel, das zeigt, dass die Medien viel Wert auf Kürze legen, ist die jüngste Aktion von CNN: Auf www.cnn15s.com wird den Parteien jeden Tag eine Frage gestellt, die in 15 Sekunden beantwortet werden muss – und keine Sekunde länger. Da kann es nicht schaden, wenn man gelernt hat, sich kurz zu fassen.

Freiewelt.net: Wie wird die AfD Ihrer Meinung nach in den Medien dargestellt und inwiefern stimmt diese Darstellung mit Ihrem Bild der Partei überein?

Roland Klaus: Das hängt sehr vom einzelnen Medium ab. Viele sehen uns durchaus differenziert oder sogar mit unverhohlener Sympathie. Andere stecken uns in die rechte oder nationalistische Ecke. Und wieder andere Medien haben immer noch nicht verstanden, worum es uns geht. Aus meiner Sicht sind wir die einzige politische Kraft, die über den Tellerrand hinausschaut. Denn die Dinge, die wir anprangern, werden sich erst über einen längeren Zeitraum negativ für unser Land auswirken. Allerdings wird es schon bald zu spät sein, noch etwas daran zu ändern. Das hebt uns meines Erachtens von den anderen Parteien ab, wo der Fokus auf den kurzfristigen Wahlerfolg und bestenfalls auf die nächste Legislaturperiode ausgerichtet ist.

Freiewelt.net: Was sind Ihre persönlichen Ziele für die Bundestagswahl 2013 und die Zukunft der AfD?

Roland Klaus: Natürlich der Einzug in den Bundestag, das ist doch klar. Vier weitere Jahre Euro-Transferunion würden Deutschland sehr stark schaden, ohne dass es den Menschen in den Krisenstaaten helfen würde. Zwar werden wir vermutlich erst mal in der Opposition starten. Aber wir werden ein Stachel im Fleisch der etablierten Parteien sein und daran arbeiten, dass sich der Wind in der Bevölkerung dreht. Das könnte schon bald geschehen, nämlich wenn im nächsten Jahr weitere Transfergelder für Griechenland, Portugal oder Spanien fällig werden. Dann werden wir lautstark aufzeigen, dass es auch Alternativen gibt. Und wie schnell unsere Bundeskanzlerin ihre Meinung ändern kann, wenn Sie Gegenwind bekommt, hat sie ja bei der Energiewende gezeigt.

Das Interview führte Sandra Redlich

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Gernot Riebe senior

In der Kürze, wenn dies möglich ist, liegt die Würze. Da stimme ich Herrn Roland Klaus zu.
Bezüglich der Situation der AfD sage ich, daß die AfD nach besten Kräften von Funk, Fernsehen und fast allen Medien und sogar den Tageszeitungen totgeschwiegen wird. Offensichtlich sind sie von den Altparteien und ihren Seilschaften, die bis in die katholische Kiche reichen (Siehe Erzbischof Zollitsch), "beeinflußt". - Nur mühsam und mit viel Vorbehalt geben sie inzwischen zu, daß die "Alternative für Deutschland"/AfD sogar "schon" bei 4% in der Wählergunst liegen könnte.
Und ganz Mutige, wie Manfred Güllner von Forsa, sprechen sogar von einer "hohen Dunkelziffer" und daß die Altparteien die "Gefahr", die von der AfD ausgeht, unterschätzen.

Tatsache ist jedoch, daß es ein "Wahlometer" gibt, daß aus meiner Sicht allein kompetent und glaubwürdig ist, weil es stündlich die Situation neu berechnet und jederzeit abgerufen werden kann. Da sieht die Lage heute früh um 7.00 Uhr, also am 11.9.2013, wie folgt aus:

1. CDU/CSU 36%, 2. SPD 21%, 3. Grüne 11,6%, 4. "Alternative für Deutschland"/AfD 10,9%,
5. Linke 6,8%, 6. FDP 4,3%, 7. Piraten 3,8%. - Und es ist anzumerken, daß die CSU wohl nicht über 5% kommen wird, angesichts der zahlreichen Justizskandale in Bayern mit Rechtsbeugungen, siehe Gustl Mollath oder NSU, sodaß jetzt schon von den 36% deren 5%
abgezogen werden müssen. D.h. es wird eng für die Angela Merkel, wenn die Wahlergebnisse nicht gefälscht werden und dafür gibt es aus der Vergangenheit immerhin doch einige negative Beispiele, auch aus DDR-Zeiten oder der CSU. Im übrigen ist Wahlbetrug auch rein rechnerisch nachweisbar, gottseidank.

Gravatar: Klimax

Es mag sein, daß die AfD in den Bundestag kommt. Zu wünschen wäre das sicher. An 4 weitere Jahre Euro-Transferunion für Deutschland wird das aber gar nichts ändern; denn um hier ein Ende herbeizuführen, benötigte man eine absolute Mehrheit. Davon ist die AfD weit entfernt.

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