Kahlschlag bei Mercedes

Autokonzern leitet Abfindungswelle ein

Der Stuttgarter Autobauer setzt auf eine weitere Runde freiwilliger Trennungen. Per E-Mail erfuhren die Beschäftigten in Deutschland am Mittwoch, dass im Dezember ein neues Abfindungsprogramm anlaufen soll. Nur wenige Monate nach dem Auslaufen der ersten Phase steht damit erneut Geld gegen den Abschied im Raum.

Kahlschlag bei Mercedes


Das Angebot gilt erneut für die indirekten Bereiche, also Verwaltung, Entwicklung und IT, nicht für die Menschen am Band. Tarifbeschäftigte und in Teilen auch Führungskräfte sollen individuelle Offerten erhalten. Beide Seiten müssen zustimmen, Mitarbeiter wie Unternehmen. Was nach Fairness klingt, gibt dem Konzern zugleich die Möglichkeit, gezielt jene zu halten, deren Weggang unerwünscht wäre, und andere gehen zu lassen.

Die erste Phase lief von April 2025 bis März 2026. Rund 5500 Beschäftigte verließen den Konzern auf diesem Weg, obwohl das Programm etwa 40.000 Angestellten offenstand. In Einzelfällen flossen bis zu 500.000 Euro. Die Resonanz blieb hinter den Erwartungen zurück, was die neuerliche Auflage erklärt.

Wenn der Gewinn schrumpft und der wichtigste Markt bröckelt

Die Zahlen unterstreichen den Druck. Nach einem Rückgang um 28,4 Prozent im Jahr 2024 halbierte sich der Konzerngewinn 2025 nahezu, von 10,4 auf 5,3 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal 2026 legte er zwar erstmals seit längerem wieder zu, um 13,5 Prozent auf rund 1,09 Milliarden Euro. Das schwache Chinageschäft belastete die Pkw-Sparte dennoch weiter.

Chinesische Hersteller drängen mit günstigen Elektroautos nach Europa. Ausgerechnet in China, wo deutsche Luxuswagen lange hohe Margen brachten, lässt die Nachfrage nach. Für den Standort Stuttgart ist das eine doppelte Belastung.

Sparprogramme, die vor allem Deutschland treffen

Seit Anfang 2025 läuft weltweit das Programm Next Level Performance. Bis 2027 sollen damit rund fünf Milliarden Euro eingespart werden, in der Produktion, beim Material und beim Personal. Im Juni kam die Produktivitätsoffensive hinzu, die vor allem die Kosten in Deutschland senken soll. Dazu gehört die Forderung nach einer 38-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. Produktionsvorstand Michael Schiebe soll mit der Schließung zweier deutscher Werke gedroht haben, falls die Kosten nicht sinken. Die IG Metall antwortete mit Protesten.

Warum Abfindungen den Kündigungsschutz umgehen

In Deutschland beschäftigt Mercedes rund 108.000 Menschen. Betriebsbedingte Kündigungen sind durch eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2034 ausgeschlossen. Der Konzern setzt deshalb auf freiwillige Abgänge und verlagert Produktion ins günstigere Ausland. In Kecskemét in Ungarn wurde gerade das größte europäische Werk ausgebaut.

Hohe Energiepreise, Bürokratie sowie Steuern und Abgaben machen die Fertigung hierzulande aus Sicht vieler Industrievertreter immer weniger rentabel. Die Große Koalition unter Friedrich Merz hatte eine Wirtschaftswende angekündigt. Wenn ein Konzern wie Mercedes Stellen in Deutschland abbaut und gleichzeitig Werke im Ausland erweitert, spricht das nicht dafür, dass diese Wende bereits greift.

Ungewissheit statt klarer Perspektive

Für viele Angestellte in Sindelfingen, Untertürkheim und an anderen Standorten beginnt eine Phase der Unsicherheit. Nehmen sie das Angebot an und gehen, oder bleiben sie und setzen auf bessere Zeiten? Die Stimmung in der Belegschaft gilt ohnehin als angespannt.

Sven von Storch

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Kommentare

Totales Versagen und Unfähigkeit von der Führungsetage, Mal sehen ab wann Mercedes anfängt Seifenkisten zu bauen, die Wirtschaft zeigt jetzt was diese infantile Politik anrichtet.

Ekkehardt Fritz Beyer

02.10.2026 | 11:38

... „Was nach Fairness klingt, gibt dem Konzern zugleich die Möglichkeit, gezielt jene zu halten, deren Weggang unerwünscht wäre, und andere gehen zu lassen.“ ...

Ja mei: Wie wusste Karl Friedrich von Weizäcker schon anno 83?

... „Das System, welches für diese Verbrechen verantwortlich ist, heißt "unkontrollierter Kapitalismus"!!!!!!! 

https://www.gp-metallum.de/podcast/Weizsaecker_Der_bedrohte_Frieden_-_heute.pdf 

Wolfgang Lammert

02.10.2026 | 12:30

Dies ist eine Folge der DEINDUSTRIALISIERUNGSPOLITIK  der CDU, SPD und GRÜNEN. Die Wirtschaftspolitik dieser Parteien führt dazu, dass Deutschland nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Leider hoffen viele auf die GRÜNEN, die aber nur die obere Mittelschicht oder Oberschicht  vertritt. In meinen Augen tragen die Mehrheit der Wähler die Schuld für diese Entwicklung. Dies wird erst Enden, wenn wir 8 - 10 Millionen Arbeitslose haben. Dies werden wir in 2 Jahren haben und dann "brennt die Hütte".....

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