Die Anlagen in Hull gehören zu den effizientesten ihrer Art weltweit und erzeugen das Material mit etwa der Hälfte des CO2-Fußabdrucks vergleichbarer US-Produktion. Erst im vergangenen Jahr flossen 40 Millionen Dollar in die Umstellung auf Wasserstoff, wodurch der Erdgasverbrauch um ein Drittel sank. Zwei der drei Werke waren 2020 im Rahmen eines Fünf-Milliarden-Dollar-Geschäfts von BP übernommen worden; seither gab es in Europa keinen weiteren Hersteller im industriellen Maßstab für eine der drei Chemikalien. Die Kapazitäten liegen bei 480.000 Tonnen Essigsäure, 150.000 Tonnen Essigsäureanhydrid und 250.000 Tonnen Ethylacetat jährlich. Rund 300 Beschäftigte sind betroffen.
Dennoch reichen diese Vorteile nicht aus. Ineos-CEO Jim Ratcliffe spricht von „lächerlich hohen“ Gaspreisen, die den Betrieb zu teuer machen. Wörtlich sagte er: „Ich bin sicher, dass es den Leuten schwer fällt zu glauben, dass wir gezwungen sind, einige der effizientesten Anlagen in Europa zu verdrängen, aber mit den Gaspreisen, die jetzt 12 Mal so hoch sind wie in den USA und das 8-fache von China, können wir einfach nicht konkurrieren.“ Der europäische Erdgaspreis hat sich seit Jahresbeginn nahezu verdreifacht. Unter diesen Bedingungen lässt sich der Betrieb nicht aufrechterhalten, auch wenn die technische Ausstattung auf dem neuesten Stand ist.
Irre Klimavorgaben und Energiekrise: Schließungswelle über Ländergrenzen hinweg
Die Entscheidung steht nicht allein. Zuvor wurden bereits eine Ethanolanlage in Schottland stillgelegt, eine Chlormethananlage in Frankreich und Standorte in Spanien in den Leerlauf versetzt sowie die Schließung von Chlor-Alkali- und Allylproduktion in Deutschland sowie einer Polystyrolanlage in Frankreich angekündigt. In Großbritannien, wo die Preise wegen der starken Abhängigkeit von importiertem Gas stärker gestiegen sind als andernorts, hatte im Vorjahr auch ein großer Ethylen-Cracker den Betrieb eingestellt.
Der Betreiber betont, die Produktion in Europa und Großbritannien weiterführen zu wollen und prüft den Import von Flüssigerdgas aus den Vereinigten Staaten. Solange jedoch die Unterschiede bei Energiekosten, Kohlenstoffabgaben und Importen aus Drittländern bestehen bleiben, wandern Fertigung, Investitionen und Arbeitsplätze in Regionen mit niedrigeren Betriebskosten ab. Das betrifft nicht nur ein einzelnes Unternehmen, sondern die industrielle Basis insgesamt.
Deindustrialisierung hat ganz Europa erfasst
Der britische Chemieverband beschreibt die Lage als symptomatisch für Probleme, die die Branche seit Jahren belasten: Energiekosten, die nicht wettbewerbsfähig sind, staatliche Vorgaben zur Kohlenstoffminderung, die in konkurrierenden Ländern fehlen, sowie Importe aus Drittländern einschließlich China, die zum Teil als Dumping wahrgenommen werden.
In Deutschland trafen Schließungen unter anderem BASF, Dow, Evonik und Solvay. Bei Evonik entfallen zwei Drittel der zuvor angekündigten 3200 Stellenstreichungen auf Deutschland; Wachstumschancen sieht das Unternehmen eher in den USA und Asien. Der Verband der Chemischen Industrie hält weitere Werksschließungen für möglich, solange die Nachfrage schwach bleibt und Europa einen deutlichen Kostennachteil gegenüber anderen Regionen behält. Die Energiekosten wirken dabei oft als letzter ausschlaggebender Faktor für Unternehmen, die bereits mit schwacher Nachfrage und starkem Wettbewerb konfrontiert sind.


Kommentare
Umverteilung
Ich würde sagen, man könnte ja in der Ukraine die Produktion verlagern, die Abzocke geht ja
ungefiltert dahin.
Ja und die CO2 Abgaben helfen Deutschland die Welt retten, und darüber hinaus ermöglicht in der Ukraine weiter mit Krieg die Umwelt zu vernichten.
Ich bin erstaunt, wie schlau manche Deutsche sind.
... „Irre Klimavorgaben und…
... „Irre Klimavorgaben und Energiekrise: Schließungswelle über Ländergrenzen hinweg“ ...
Wen wundert da noch der "Brexit nach Asien"??? https://eu.36kr.com/de/p/3847101914024197
Sehe ich auch so!
Die Zukunft liegt bei den Brics! Man investiere wie die Großen!
Und es wird weiter so gehen!
Und es wird weiter so gehen!
Die globalistischen…
Die globalistischen Kriegstreiber in den USA haben eben ihren europäischen Polit- und Medienmarionetten unmißverständlich klargemacht, daß der Verzicht auf russisches Gas alternativlos ist.
Wäre es nicht so, könnte Europa florieren und es ginge uns allen sehr viel besser.
Aber die medial aufgeklärte Mehrheit der Wähler in Europa hat eben erkannt, wie gefährlich Russland ist, verzichtet auf Wohlstand, und wählt weiter die Diener unserer "Freunde" im Westen.
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