Ideologische Dimension der Islamischen Republik rückt stärker ins Zentrum der Debatte

Mahdismus und Machtpolitik: Irans Endzeitdenken als geopolitisches Risiko

Die Tötung führender iranischer Entscheidungsträger hat nicht nur militärische, sondern auch weltanschauliche Fragen aufgeworfen. Im Mittelpunkt steht der schiitische Mahdismus – eine religiöse Erwartung, die politische Sprengkraft besitzt.

Bild: Irankrieg


Die jüngsten gemeinsamen Luftschläge der USA und Israels gegen führende Vertreter des iranischen Regimes markieren eine dramatische Eskalation im Nahen Osten. Doch jenseits der militärischen Dimension rückt eine tiefere, oft unterschätzte Frage in den Vordergrund: Welche Rolle spielt das religiös-eschatologische Selbstverständnis der Islamischen Republik in ihrem politischen Handeln?

Im Zentrum dieser Diskussion steht der Mahdismus – die Erwartung eines endzeitlichen Erlösers, des sogenannten Mahdi. Diese Vorstellung ist sowohl im sunnitischen als auch im schiitischen Islam verbreitet, nimmt jedoch im schiitischen „Zwölfer“-Islam, der Staatsdoktrin Irans, eine besonders ausgeprägte Form an.

Der verborgene Imam

Nach schiitischer Lehre endet die legitime Führungslinie der Muslime nicht mit dem Propheten Mohammed, sondern setzt sich in einer Reihe von Imamen fort, die als rechtmäßige und unfehlbare Ausleger des Glaubens gelten. Für die Zwölfer-Schiiten ist Muhammad ibn Hasan, der zwölfte Imam, der verheißene Mahdi. Er soll im 9. Jahrhundert in eine „Verborgenheit“ eingetreten sein und bis heute leben – verborgen, aber zur Wiederkehr bestimmt.

Diese Wiederkehr ist nicht nur spirituell gedacht. In bestimmten theologischen Strömungen wird sie mit einer weltgeschichtlichen Umwälzung verbunden, mit einem finalen Sieg über das Böse und der Durchsetzung islamischer Herrschaft.

Zwischen Theologie und Politik

Religiöse Endzeiterwartungen sind für sich genommen kein geopolitisches Programm. Problematisch wird es jedoch, wenn politische Akteure solche Vorstellungen aktiv in staatliches Handeln einfließen lassen. Kritiker argumentieren, dass Teile der iranischen Führung den Mahdismus nicht nur als Glaubensinhalt, sondern als Handlungsauftrag verstehen – als Verpflichtung, die historischen Voraussetzungen für eine apokalyptische Konfrontation zu schaffen.

In dieser Lesart erscheinen die USA und Israel als zentrale Gegner in einem kosmisch aufgeladenen Konflikt. Die Verbindung von theologischer Heilsgewissheit und militärischer Macht – insbesondere im Kontext von Nuklearambitionen – wirft daher sicherheitspolitische Fragen auf, die über klassische Machtlogik hinausgehen.

Gefährliche Mischung

Die eigentliche Herausforderung liegt nicht allein in religiösen Überzeugungen, sondern in ihrer politischen Instrumentalisierung. Wenn Endzeiterwartung und strategische Kalkulation ineinandergreifen, entsteht eine gefährliche Mischung: Rationales Abschreckungsdenken könnte an Grenzen stoßen, wenn Akteure sich als Vollstrecker einer transzendenten Mission verstehen.

Die jüngsten Ereignisse verdeutlichen, dass der Konflikt mit Iran nicht nur eine Frage von Territorium, Sanktionen oder regionaler Einflusszonen ist. Er berührt das Selbstverständnis eines Regimes, das religiöse Symbolik und geopolitische Ambition eng miteinander verknüpft.

Ob diese ideologische Dimension tatsächlich handlungsleitend ist oder vor allem mobilisierende Rhetorik bleibt, ist Gegenstand kontroverser Debatten. Klar ist jedoch: Wer die Dynamik im Nahen Osten verstehen will, darf die religiösen Narrative nicht als bloßen Hintergrundrauschen abtun.

Denn in einer Region, in der Geschichte und Heilserwartung oft miteinander verschmelzen, kann Theologie zur politischen Realität werden.

Sven von Storch

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Kommentare

Wahrheitsfinder

03.03.2026 | 10:12

Na ich würde sagen, was die Islamisten machen, ist sehr ähnliches, was die Katholiken im Mittelalter auch schon versucht und gemacht haben. Einen Gottesstaat auf Erden errichten und aufrechterhalten. Auch eben mit (eigener irdischer !) Gewalt. Sie wollen halt jetzt auch mal ran !?!
Den einzigsten markanten Unterschied den ich zwischen dem Islam und dem (alten) Katholizismus da sehe, ist, dass es im Islam nicht dieses “Zölibat“ für die geistlichen Führer da gibt !
Und Nächstenliebe, und Diakonie bzw. caritatives Engagement, wird im Islam in den Großfamilien/Clans gelebt, während diese Dinge im Christentum allgemein mehr so “kirchlich“ institutionalisiert sind.

Hallo Wahrheitsfinder. Ihr Wissen zum Katholizismus basiert, angesichts ihrer Irrtümer, eher auf oberflächlich wahrgenommener Berichterstattung bzw. dürftigen Betrachtungen. Der Katholizismus bzw. hat nie die Errichtung eines 'Gottesstaates' angestrebt. Der Islam hingegen schon. Nicht nur der Iran ist hier abschreckendes Beispiel. Die Verfolgung Andersdenkender in der Türkei, Syrien, Libanon, aber auch Indonesien seien hier beispielhaft genannt. Afghanistan, Somalia, Jemen und Pakistan sind da sicherlich auch mindestens ein mahnendes Beispiel für die Verfolgung von Christen und anderer Nicht-Muslime. Oft ist das Streben nach einem Kalifat unverkennbar. Dies ist das Gegenteil der Erkenntnis moderner Staatsführung, die die Trennung von Staat und Religion zur Grundlage hat. Und barmherzig sind Clans mitnichten. Die Probleme weltweit, jedoch leider auch zunehmend in Deutschland, die Islamisten und Clans verursachen, werden immer drängender. Nicht zuletzt sind Clan-Kriege ein Aspekt dieser gravierenden Mängel. 

Der Sohn Gottes, Jesus Christus, gab der Welt vor über 2000 Jahren bereits zu verstehen, dass es ohne ihn keine Wahrheit gibt. Falls Sie die Wahrheit finden wollen.

@Deutschland,
“Der Katholizismus bzw. hat nie die Errichtung eines 'Gottesstaates' angestrebt.“

Doch !
Der Vatikan IST ein Staat - ein quasi Gottesstaat.
Wikipedia:
Die Vatikanstadt (amtlich in Deutschland und der Schweiz Staat Vatikanstadt, in Österreich Staat der Vatikanstadt, italienisch Stato della Città del Vaticano (IPA ['staːto della tʃitˈta del vatiˈkaːno]), lateinisch Status Civitatis Vaticanae) ist sowohl nach Fläche als auch nach Bevölkerungszahl der kleinste allgemein anerkannte Staat der Erde und der einzige mit Latein als Amtssprache.
Zitat Ende.

Und der Papst nennt sich sogar “Stellvertreter Christi“ und wird als unfehlbar bezeichnet !
“Adventisten“ (evtl. googeln) z. B. sagen daher, damit bezeichnet der Papst sich selber als Anti-Christ (im Sinne von “anstatt“). Weil, der Stellvertreter Christi ist der Heilige Geist (nach Bibel, Johannes 15; 26), den JEDER gläubige und geistlich wiedergeborene Mensch bekommt, bekommen hat (im Sinne von Bibel, Johannes 3; 3-8).
Trotzdem kann sich so ein Christ weiterhin nicht als unfehlbar bezeichnen, und ist vor allen Dingen auch kein “Stellvertreter“ !
Gesamtgesehen ist dieses so bezeichnete Amt des Papstes daher also in sich schon eine Gotteslästerung. Schwiiiierich !

Und dieser Gottesstaat Vatikanstadt stand im Mittealter zudem sogar ÜBER alle anderen (“weltlichen“) Staaten. Der Vatikan hat Könige ernannt und gegebenenfalls auch wieder abgesetzt !
Und im Umgang mit Ungläubigen stand der Vatikan (kath. Kirche) dem heutigen Islam im Iran nichts nach. Die Stichworte sind da: Kreuzzüge, heilige Inquisition, hochnotpeinliche Befragung, Hexenverbrennungen, usw..
Tja, beim drangsalieren ungläubiger Menschen waren die damals auch schon sehr “kreativ“.
Und die Kerker im Mittelalter standen einem Iranischen Gefängnis heute, auch nichts nach - glaub ich.

Die “Französische Revolution“ hat dem dann ein Ende bereitet. Seitdem sind dem Vatikan “die Zähne gezogen“.

Und heute ??
Die katholische Kirche (die Priester) für alles außer Hetero-Sex unter Erwachsenen (immer noch), und Impfen ist Nächstenliebe ("Null-Covid") !

Übrigens - die Islamischen Völker (zumindest die Taliban) waren interessanterweise immun gegen Corona-Viren !
Als die noch mitten in dieser “Corona-Zeit“ von ihren Bergen herab und heraus kamen, als die US-Armee abgezogen ist, hat keiner von denen eine Gesichtswindel getragen. Auch nicht die ganze Zeit danach. Corona-Spritzen haben sie sich auch nicht geben lassen. Allah war wohl in besonderer Weise mit ihnen !?!? 🤔
Aber jetzt nicht mehr. Jetzt werden dem Islam wohl möglicherweise auch “die Zähne gezogen“ - durch die USA und Israel.

Und die Wahrheit finden ?!?
Hab´ ich schon - in der Bibel, Johannes 14; 6 ! 😊
 

Daran denke ich auch. Islam und Judentum sind nahezu identisch, aber während der Islam gewaltsam nach Weltherrschaft strebt, gehen die Zionisten heimlich daran, in jedem Staat der Welt Lobbyorganisationen schachtelartig zu bilden. Die sprach gerade Tucker Carlson an. Ich hoffe, daß die Amis endlich merken, wer sie beherrscht.

Koh 3,1-2.11: „Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen.......  So auch die Kriege mit ihren Königen und ihre Religionen !

Doch der Sohn Gottes ist nur einer zwar in anderen Religionen als Prophet anerkannt ,doch der Weg der Wahrheit lässt sich nur über Ihn finden : Johannes 14 :6  Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.

ICH WOLLTE ES NICHT GLAUBEN, ABER ES HAT SCHON BEGONNEN…                                                          https://youtu.be/XmaFiJIEvrQ?si=OGrnMZ0yUdi_HU87

Der Katholizismus wollte seit ihrem Bestehen die Weltherrschaft und hat sie durch die Dummheit ihrer Gläubigen auch schon fast erreicht. 

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