Wunderbare Claudia Kleinert

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Gibt es womöglich einen klitzekleinen Grund für ein paar Cent TV-Gebühren? Der hieße dann Claudia Kleinert. (Nein, nicht Claudia Kemfert! Das ist die als „Energieexpertin“ businesskostümierte EEG-Werbefigur mit der schwarzgeränderten Schlaufraubrille.) Claudia Kleinert, Jahrgang 1969, sehr groß, sehr lange blonde Haare, sagt das Wetter im Ersten an. Der altbackene Begriff Wetterfee verbietet sich bei ihr. Die Dame ist eine angenehm robuste Erscheinung. Meist trägt sie tolle Klamotten, die ihr auf den Leib geschneidert sind. Es handelt sich bei dieser Claudia um ein richtiges – excuse my language - Weib. Nicht um eines dieser Björk’schen Mischwesen, die auf Zeitschriftencovers in inniger Einfalt aufscheinen, um zum Beispiel für „Die Kraft der Meditation“ zu werben. Und die sich im Restaurant vielleicht nie hundertpro entscheiden können, welche Klotür für sie infrage kommt.

Wenn Claudia Kleinert das Wetter bringt, laufen meine Frau aus dem Arbeitszimmer und ich aus der Küche. Um gemeinsam ihre neuesten Fummel zu bestaunen. So schön kann öffentlich-rechtliches Fernsehen sein.

Claudia Kleinert kann auch prima moderieren, zum Beispiel Unternehmensveranstaltungen, Talkrunden, Tagungen, Preisverleihungen.  Was außerdem für sie spricht: obschon sie ursprünglich aus dem ehemaligen Jörg-Kachelmann-Stall „Meteomedia“ kommt, ist sie weit davon entfernt, die von Kachelmann in die Wetterpräsentation eingebrachte Unsitte des ausufernd-hektischen Herumkasperns vor der Wetterkarte nachzuäffen. Geschweige denn mit fahrigen Bewegungen, sich clownesk krümmend und in der Hüfte verdrehend, über die Karte zu wischen, wie es der mit ihr im Wechsel das ARD-Wetter ansagende Sven Plöger tut. Anders als dieser traurige Wetterfrosch, der sich gern zum Klimaretterprinzen aufbläst, würde unsere Claudia sich auch niemals als Kassandra für die nächsten hundert Klimajahre gerieren. Sie weiß ja: selbst das bisschen Wetter lässt sich allenfalls für drei, vier Tage einigermaßen seriös voraussagen.

Kurz, Claudia Kleinert ist ein Lichtblick in der Tristesse der Fernsehfrauenkränzchen (Will! Illner! Maischberger!) und gehört deshalb auf einen besseren Sendeplatz. Würde man die moralinübersäuerte, schlupfliderige Gestalt des Frank Plasberg durch die schöne, vital blinkende Claudia ersetzen, man hätte auf einen Schlag zwei gute Dinge vollbracht.

Wie? Was heißt hier „aber bringt die auch inhaltlich was?“ Bitte mal erinnern: Die Talkshownervensäge Sabine Christiansen war vor ihrer (zum Glück längst beendeten) TV-Karriere - na was? Richtig, Saftschubserin bei der Lufthansa! Und was ein Fernsehoberstudienrat wie Plasberg „inhaltlich“ mit Hilfe seiner Fragekärtchen und der Zuschauerreaktionsmaus Brigitte Büscher auf die Reihe bringt, das zaubert eine gestandene Wetterfrau wie die Claudia ganz allein aus der Lameng.

Ihre Talkshow müsste heißen: „Scharf aber mehr“. Ich wäre Stammseher.

Beitrag erschien zuerst auf: achgut.com

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