Was die Wahl in Katalonien mit dem Euro zu tun hat

Für viele Politiker scheint das einzig adäquate Mittel gegen die Krise ein „Mehr an Europa“ zu sein. In ihrem kaum zu bremsenden Harmonisierungswahn übersehen sie aber die Sehnsucht der Bürger nach mehr Eigenständigkeit.

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Seltsam! Da behaupten unsere Euroretter, dass ein „Zuwenig an Europa“ die Ursache für die Eurokrise sei und verschreiben uns deshalb ein „Mehr an Europa“. Zentralismus, Harmonisierung und Schuldensolidarität seien angesagt; Subsidiarität, Wettbewerb und Eigenverantwortung wären abzumelden.

 

 

Gestern stimmten die Katalanen für ein „Weniger an Spanien“. Sie wollen mehr Eigenständigkeit für Katalonien, die meisten von ihnen sogar die völlige Unabhängigkeit von Spanien. Ähnliches kannten die Spanier schon aus dem Baskenland. Dass die Gewaltbereiten unter den Basken heute friedfertig sind, heißt noch lange nicht, dass die Mehrheit mit ihrer Lage im zentralistischen Spanien zufrieden ist. Das Gegenteil ist der Fall.

 

 

Demnächst wird eine große Anzahl von Schotten in einem Referendum bekunden, „raus aus dem Vereinigten Königreich“ zu wollen. Neuerdings demonstrieren auch immer mehr Korsen für ein „Los von Frankreich“. Dass viele Flamen und Wallonen sich in einem gemeinsamen Belgien immer noch nicht wohlfühlen, wissen wir schon lange.

Kein Wunder, dass auch außerhalb der Eurozone die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger keine Lust verspürt, sich in einem Euro-Zentralstaat wiederzufinden. Und natürlich weinen weder Tschechen noch Slowaken ihrem alten Bundestaat eine Träne nach, von den Bürgern und Bürgerinnen der untergegangenen UDSSR und von Jugoslawien ganz zu schweigen. Auch im fernen Quebec haben sich die Wähler und Wählerinnen vor kurzem für eine Präsidentschaftskandidaten ausgesprochen, die ihnen mehr Unabhängigkeit vom kanadischen Bundestaat versprochen hat.

 

 

Es ist nur natürlich, dass sich Menschen bei zunehmender Globalisierung und immer schnellerem technischem Fortschritt nach Ankern, nach Boden unter den Füßen und nach nationaler, regionaler und lokaler Identität sehnen.

Für unsere Europapolitiker sollte das heißen: Sie müssen sich weniger mit ihren Visionen („Vaterland Europa“) als mit denen der Bürgerinnen und Bürger beschäftigen und sich für ein „Europa der Regionen und der Vaterländer“ einsetzen. Es ist schon grotesk, wenn deutsche Politiker einerseits die kommunale Identität durch neue Autokennzeichen fördern, andererseits nichts dabei finden, diese Identität durch nicht zu bremsenden europäischen Harmonisierungswahn zu zerstören.

Leser von „Henkel trocken“ wissen, welche verheerende Auswirkungen der Euro auf die Wirtschaft in der Eurozone und auf das gedeihliche Zusammenleben in Europa hat. Die Ergebnisse der Wahlen von Katalonien erinnern daran, dass eine zentralistische und auf Harmonisierung ausgerichtete Politik von den Bürgerinnen und Bürgern Europas zunehmend als menschfeindlich empfunden wird. Diese Politik beschädigt die kulturelle Vielfalt auf dem Kontinent und zerstört damit das Wesen Europas!

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