Volksvertreter durch Los statt Wahl

Repräsentative Demokratie wird heutzutage fast ausschließlich als Demokratie mit der Wahl von Volksvertretern verstanden. Auch wenn es zahlreiche unterschiedliche Wahlverfahren gibt, sind Wahlen keineswegs das einzige demokratische Verfahren zur Bestimmung von Volksvertretern. Schon im antiken Athen, welches häufig als Wiege der Demokratie bezeichnet wird, wurden zahlreiche Staatsämter und -gremien durch Los statt Wahl besetzt.

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Die ausgelosten Volksvertreter sind zumindest im statistischen Sinne repräsentativer für das vertretene Volk als gewählte Politprofis. Deshalb ist das formale Bildungsniveau zufällig ausgewählter Bürger niedriger, doch die moralische Integrität vermutlich höher als bei Parteipolitikern, bei denen adverse Selektion stattfindet, weil gerade problematische Personen von sich aus in bezahlte politische Positionen drängen.

Meine Kollegen Bruno S. Frey und Margit Osterloh haben sich für die „Aleatorische Demokratie“ ausgesprochen, worunter sie das Auslosen bzw. Auswürfeln der Regierenden verstehen. Das Prinzip hat durchaus Vorteile, allerdings würde ich es gerade nicht auf die Exekutive anwenden (wie auch im antiken Athen die wichtigsten Exekutivämter gewählt statt zugelost wurden), sondern die Legislative, während es aktuell im unteren Bereich der Judikative, bei Schöffen, tatsächlich angewandt wird. Damit wäre echte Gewaltenteilung möglich, selbst wenn allein das Volk der Souverän ist, da es sich jeweils um demokratische, aber höchst unterschiedliche Verfahren handelt. Man könnte also bei grundlegender Änderung des Grundgesetzes oder Verabschiedung einer neuen deutschen Verfassung das Parlament (oder zumindest eine relevante Parlamentskammer) durch Los besetzen, während die Exekutive oder ein Exekutivrat (einschließlich Opposition) vom Volk gewählt würde. Auch dabei gäbe es etliche Ausgestaltungsmöglichkeiten, auf die ich demnächst eingehe.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: huscholz

Es geht darum, die Ichvertreter durch Volksvertreter zu ersetzen. Über abgeordnetenwatch.de kann den aktuell Gewählten nachträglich auf den Zahn gefühlt werden, was leider viel zu wenig geschieht. Aber immerhin lässt sich die Spreu vom Weizen trennen. Soweit zum Nachträglich. Der Artikel regt an, über das Finden der Kandidaten nachzudenken. Ein Losverfahren geht m. E. gar nicht. Ein vorher Testen zum Finden geht auch nicht, es gibt ja noch kein Verhalten als Gewählte(r). Also müssen Kriterien her. Soweit zum Vorher. Aber dann geht es weiter. Angenommen es gibt die Kriterien samt Treffern, dann soll es ja nicht umsonst sein, also ist die nächste Frage, wie der Auswahl zur erfolgverspechenden Aufstellung zu verhelfen. Ich greife das auf wasistdasproblem.com auf.

Gravatar: Marco Nennhaus

@Zicky / ein Leser

teilweise Zustimmung.

Es wäre eine erhebliche Verbesserung des Zustandes, wenn nur wertschöpfend arbeitende Menschen wählen dürften, und zwar mit einer Stimmgewichtung, die ihrer zu zahlenden Steuer und der Anzahl der "ehelichen, deutschen Kinder" entspräche.
Den "Kinderfaktor" würde ich bei Alleinerziehenden streichen.
Dennoch, ob per Wahl oder Los; ab dem Parlament ginge es weiterhin "demokratisch" ab, und das hat den entscheidenden Nachteil, daß keiner für seine Fehlentscheidungen in Haftung genommen wird.
Und deshalb lehne ich die Demokratie komplett ab. Stattdessen folgendes:
Wer bei Polizei oder Militär die höhere Laufbahn einschlägt, lernt, was Verantwortung bedeutet, von der Pieke auf. Warum nicht die Ranghöchsten in eine "sixtinische Kapelle" einsperren, und den Hauptverantwortlichen für das ganze Land bestimmen lassen?
Dieser träfe dann, falls überhaupt Notwendig, eigenverantwortliche Entscheidungen (zum Wohle von Volk und Vaterland, etwas anderes käme diesem (Maskulinum!) gar nicht in den Sinn!

Gravatar: Einzelk@mpfer

Diese Gedankengänge sind mir nicht unbekannt, und ich denke, dass die dargestellte Auswahl eines repräsentativen politisches Kontrollsystem eine Parteiendiktatur der diätensüchtigen Minderleister, wie wir das seit Jahren erleben müssen, beenden könnte.

Gravatar: RA Martin Schmid

Verfassungswidriger geht es kaum noch.
Scherzposting?

Gravatar: Markus Evers

Ich bin für Personenwahlrecht. Pro Wahlkreis, jeder mit etwa 100.000 Einwohnern, stellen sich etwa ein halbes Dutzend Kandidaten zur Wahl. Ohne irgendeine hinderliche Parteienzugehörigkeit. Wer von diesen sich dann dem Wahlvolk am überzeugendsten darstellt (und nach der Wahl auch seine Ziele erreichen kann) und gewählt wird, kommt in den Bundestag. Ich denke mir, dass damit dem Geklüngel schon deutliche Schranken gesetzt werden.

Gravatar: Ein Leser

Warum nicht die Stimmen wichten - entsprechend der Steuerzahlung?

Gravatar: Zicky

Auch sollte Beamten und Politikern das Wahlrecht entzogen werden. Es ist doch klar dass diese Klientel nicht die Hand abwählt, die sie füttert. Beamten sind sichere Wählerstimmen.
Es ist nur fair dass ausschließlich nur die wählen dürfen, die nicht von diesem Selbstbedienungsladen abhängig sind. Gleichzeitig sollte man der Nachhaltigkeit wegen, denen mehr Stimmen geben, die Kinder großziehen und damit zum Erhalt des Staates beitragen. Diese Kinder sind diejenigen die für unseren Schuldenberg aufkommen müssen. Sie sollten die Möglichkeit bekommen, auch schon durch ihre Eltern frühzeitig mehr Gewicht im politischen Prozess zu haben. Sie sind diejenigen die zur Zeit skrupellos durch Lobbypolitiker missbraucht werden.

Intersessant dazu:
https://www.youtube.com/watch?v=S2QwhM0K_fo

Gravatar: karlheinz gampe

Auslosung auf Zeit wie weiland in Athen ist besser, denn für Lobbyisten wird es schwieriger Politiker zu schmieren ! Lobbyisten hätten es mit immer neuen Leuten zu tun und nicht mit Unfähigen, die im Parteiapparat über lange Zeit aufgestiegen sind. Ein unbekannter, aufrechter Kopf könnte jederzeit den Schmierlapp in den Knast stecken, der ihn schmieren will. Parteispenden interessieren den Gelosten auch nicht. ( Bsp. FDP (Hotelsteuer), CDU Kohls schwarze Kassen oder CDU Freimaurer Schäubles Schwarzgeld)) Lernen von den Athener Ur-Demokraten !

Gravatar: Karl Brenner

Finde ich gut.
Sehr fortschrittliche Gedanken.
Wenn es zum Patt kommt, soll das Los entscheiden.
Wie bei der vor-vorherigen Wahl in NRW. Dort konnten sich SPD und CDU nicht einigen, wer den Ministerpräsident stellen soll. Man hätte einfach das Los entscheiden sollen. So bekam man zunächst Rot-Grün mit Tolerierung durch die Linken und dann in folge bei der nächsten Wahl Rot-Grün mit den bekannten und voraussehbaren Ergebnissen für das Land NRW.

Ich würde sogar soweit gehen, einen Schwellwert zu definieren, mit welchem eine Partei gewinnen muß.
Denn wenn es um die letzten paar Prozente geht, sind die Parteien bereit, den letzten Funken an Anstand abzugeben, um die Wahl in aller Peinlichkeit zu gewinnen (siehe Diskreditierung der AfD)

Der Staat sollte Ordnung bedeuteten.

Die Un-Ordnung ist der Freund derjenigen Herren, welche ihre Interessen aus dem Hintergrund einfließen lassen.

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