Vernunft und Glauben am Beispiel des "Mohammad-Problems"

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Dieser Artikel möchte die Nützlichkeit der historisch-kritischen Methode an einem Beispiel auch in Bezug auf den Islam beleuchten. In den (westlichen) Geschichtswissenschaften wie auch der (christlichen) Theologie wird diese Methode bei der Untersuchung historischer Texte aller Art angewandt. Sie ist, nach einem Wort des Philosophiehistorikers Kurt Flasch, die einzige Methode, die bei der genannten Untersuchung überhaupt ein interpersonal vermittelbares Wissen, das diesen Namen verdient, in diesen Wissenschaften produzieren kann.

Nun behaupten Muslime, der Islam sei die „rationalste“ und „perfekteste“ Religion. Solche apodiktischen Behauptungen sind immer riskant, weil sie einer Wunschvorstellung entsprechen und bei näherem Nachfragen in sich zusammenbrechen. Außerdem sind Religionen insgesamt nicht unbedingt Paradebeispiele für Rationalität, auch wenn viele Theologen oder Religionsphilosophen eine Verbindung von Rationalität und Glauben versucht haben. Religionskritik war deshalb einmal der vornehmste Ausgangspunkt der Aufklärung und führte zu einem Juden- und Christentum, die für moderne rationale Menschen denk- und lebbar geworden sind. Der Islam, d. h. die große Mehrheit der Muslime, weigert sich beharrlich, sich mit vermeintlich „Fremdem“ wie Religionskritik auseinanderzusetzen, weil das der „Perfektion“ des Islam schaden würde [1]. Er soll ein hermetisches System bleiben, das nicht hinterfragt wird, schon gar nicht von westlichen Wissenschaftlern. (Heute wird diese Haltung indirekt unter dem Vorwurf eines angeblichen „postkolonialen Hegemonialismus“ des Westens sogar an westlichen Universitäten unterstützt.) Man könnte außerdem der europäischen Aufklärung den Vorwurf eines areligiösen Rationalitätsbegriffs machen, doch scheint es mehr als dubios, von der Vorstellung einer universalen Vernunft abzugehen und partikulare Vernunftbegriffe einzuführen. Haben Muslime denn eine andere Rationalität als Atheisten, Christen oder Hindus? Es gibt mittlerweile eine große Zahl an gedruckten und im Netz publizierten seriösen Kritiken von offenkundigen Fehlern und Widersprüchen im Islam. Ich möchte hier nur ein Beispiel herausheben, weil es kein dogmatisch-theologisches Problem, sondern ein Widerspruch historischer Art ist.

Wie nämlich ist die Binnensicht der Muslime selbst auf ihren Propheten? Da gibt es eine auffällige Paradoxie, die ich das „Mohammad-Problem“ nennen möchte. Sie ist den Muslimen natürlich zwar auch aufgefallen, sie haben sie aber nie aufgehoben. Der Widerspruch besteht übrigens völlig unabhängig davon, ob man, wie gläubige Muslime sowieso, aber auch die aktuelle Mehrheit der Islamwissenschaftler und Historiker, von der geschichtlichen Existenz eines arabischen Propheten namens Mohammad ausgeht.

Einerseits sehen Muslime nämlich ihren Propheten als den besten Menschen, der je auf Erden gelebt hat. Zitat von Schwester Nasreen auf islam.de (nur ein Beispiel von Tausenden): „Die Rede ist von einem Menschen mit vorzüglichsten Charaktereigenschaften und ungewöhnlichen aber äußerst vorbildlichen Handlungsweisen. Die Ruhe und Geduld selbst. Gibt es in Ihrer Umgebung bzw. in ihrem Verwandten- und Familienkreis einen Menschen von dem sie so etwas behaupten können? Kennen Sie einen Menschen, der nie schimpft, schreit oder wütend wird..? Immer geduldig, liebevoll und ruhig bleibt..? Ich kenne einen Menschen. Die Rede ist von dem Propheten Mohammad - Friede und Segen auf ihm.“[2] Diese Auffassung beruht vor allem auf Teilen der sogenannten „authentischen“ mündlichen Überlieferungen, also den Hadithen [3]. In einem Video des bekannten Predigers Scheich Abil Al Awadi kann man die ethische, aber auch körperliche Perfektion des Propheten bis in seine Haar- und Gesichtsfarbe und seine Art zu gehen beschrieben hören [4].

Andererseits gibt es den Propheten Mohammad, wie er u. a. in der Sira, einer Art offizieller Biographie des Propheten von Ibn Isḥāq bzw. Ibn Hishām [5], geschrieben zweihundert Jahre nach seinem Tod, aber auch in einer Anzahl von Hadithen [6] geschildert wird. Ich möchte hier nicht wiederholen, was dort über ihn berichtet wird; es ist jedenfalls mit der obigen Beschreibung („...immer geduldig, liebevoll und ruhig...“) in keinster Weise vereinbar, wie auch jeder Muslim nach Lektüre der genannten Schriften ohne weiteres zugeben wird. Es gibt also ein Problem, das nach Auflösung drängt. Das wäre nun der Ansatz historisch-kritischer Forschung, denn wir haben es mit historischen Texten zu tun.

Es gibt natürlich mehrere Möglichkeiten, auch anders mit der Paradoxie umzugehen. Manche islamischen Gelehrten lösen das Problem scheinbar dadurch, dass sie einen Teil der Sira als erfunden ablehnen. Doch welcher Teil sollte das sein? Interessanterweise sind das für die Gelehrten meist die Geschichten, die nicht in das Bild des geduldigen, liebevollen und ruhigen Propheten passen. Diese „Lösung“ ist einmal darum unbefriedigend, weil sie willkürlich ist. Dann wird die angebliche Authentizität von Geschichten zum Propheten mittels eines sog. „Isnads“ geprüft, also einer innerislamischen mündlichen Überliefererkette. Diese ist aber zum einen erst sehr lange Zeit nach den behaupteten Ereignissen zusammengestellt worden, was der Grundregel der Zeitgenossenschaft widerspricht, zum andern ist sie nicht überprüfbar, weil es von den behaupteten Überlieferern außerhalb muslimischer Quellen keinerlei Spuren gibt. So lautet eine alte Rechtsregel: ein Zeuge ist kein Zeuge. Mindestens zwei unabhängige Zeugen müssten also übereinstimmende Aussagen abgeben, um einem Bericht Glaubwürdigkeit zu verleihen. Dies sind nur zwei der vielen Einwände gegen das Verfahren. Man kann es also glauben oder nicht.

Eine andere Umgangsweise ist die Verdrängung. Nicht zu bestreiten ist nämlich, dass der Islam traditionell beide, eigentlich unvereinbare Sichtweisen miteinander verbindet. Zumal der Kriegsherr wird ja nicht etwa geleugnet, sondern voller Stolz angeführt. Aber auch die Behauptung, all seine Kriege seien von ihm nur zur Verteidigung der Gemeinde geführt worden, mildert nicht die Kluft zum Menschen, der „immer liebevoll“ gewesen sein soll. (Zumal er der Tradition nach in Briefen an den byzantinischen Kaiser und den persischen Großkönig sehr wohl Angriffskriege angedroht hat.) Stellen sich Muslime nicht die Frage, wie beide Sichtweisen zusammenpassen? Eine Erklärung könnte sein, dass die erste mehr im naiv-gläubigen privaten Rahmen gelehrt wird, während die zweite eher den theologisch Gebildeteren bekannt sein dürfte. Damit kommen sich die unterschiedlichen Sichtweisen bei einem einzelnen Gläubigen gedanklich nicht in die Quere. Auch diese geistige Trennung ist unbefriedigend, denn sie verdrängt nur das Problem.

Wie kann es also sein, dass zwei sich so sehr widersprechende Darstellungen des Propheten im Islam koexistieren? Für einen neutralen Historiker offenbart diese gespaltene Sicht auf den Propheten ganz offensichtlich, dass hier zwei alte Überlieferungen miteinander konkurrieren. Dazu passt das Verbot, Mohammad abzubilden, sowie der Vorwurf der Blasphemie bei von Muslimen als solche empfundenen Beleidigungen des Propheten. Denn zum Kriegsherrn, der laut der zweiten Traditionslinie immer besonders betont habe, nur ein Mensch zu sein, passt es nicht: Wie kann es nämlich Blasphemie sein, einen Menschen abzubilden oder zu beleidigen? Die Politikwissenschaftlerin Hirsi Ali kritisiert deshalb auch den ersten Überlieferungsstrang vom „besten Menschen, der je gelebt hat“, und dessen Sicht ja Bilderverbot und Überhöhung logischerweise nur entstammen können, er mache aus Mohammad so etwas wie einen „unfehlbaren Halbgott“ [7] (obwohl das bewusst sicher nicht der Fall ist).

Die historisch-kritische Methode kann den beschriebenen Widerspruch im Mohammad-Bild der Muslime auflösen [8]. Neuere Forschungen gehen davon aus, dass der Islam aus einer „muhammad“-Bewegung hervorging. Die erste Vorstellung von Mohammad als dem besten Menschen, der je auf Erden gelebt hat, entspricht nach diesen Forschungen Jesus Christus, der im siebten Jahrhundert von den unitarisch-christlichen Arabern als „muhammad“ und „abdallah“ bezeichnet wurde, übersetzt also als „Gepriesener“ und „Gottesknecht“, als jemand, der zwar nicht Gott ist, aber diesem doch in seiner menschlichen Perfektion ganz nahe steht und deshalb wie dieser weder abgebildet noch beleidigt werden darf. Unitarisch heißt, dass es nur einen einzigen nicht-trinitarischen Gott gibt, entspricht mithin genau der späteren islamischen Theologie. Bilderverbote gab es denn auch schon in diesem arabischen Christentum, aus dem der frühe Islam wohl hervorging. Im ersten Überlieferungsstrang lebt also die Jesus-Tradition eines ganz besonderen, perfekten Menschen weiter, der anders als “normale“ Menschen behandelt werden muss.

Die zweite Traditionslinie entstammt wohl der imperialistischen abbasidischen Kalifatsadministration, die aus dem vorgefundenen, noch nicht fixierten nicht-trinitarischen Glauben eine arabische Reichsideologie geformt hat, die alle religiösen Strömungen des damaligen Nahen Ostens versöhnen und allen Reichsangehörigen klare Handlungsrichtlinien vermitteln sollte, um sie besser beherrschen zu können. Sie schuf daher mit einem kompletten arabischen Reichsgründungsmythos auch das Bild eines kriegerischen arabischen Propheten, der den Titel „muhammad“ als Eigenname erhielt, den es vorher offensichtlich nicht gab (wie z. B. beim ersten römischen Kaiser der Ehrentitel „Augustus“ , „der Erhabene“, zum Namen wurde). Aus dieser Zeit stammen die erwähnten biographischen Schriften, die den Zweck hatten, die „Anlässe der Offenbarung“ (asbāb an-nuzūl) des Koran, der wohl schon vorlag, zu konkretisieren, wozu sich ein Prophet besonders eignete. Damit war die eigentliche islamische Religion als politisch-religiöses Sozial-, Rechts- und Herrschaftssystem geboren. Beide Überlieferungsstränge sind in der Folgezeit, je nach Auffassung, in der Figur eines Propheten Mohammad verschmolzen oder der geschichtlichen Person übergestülpt worden, ohne dass ihre Widersprüche beseitigt worden wären.

Die mangelnde Auseinandersetzung der Muslime mit diesem offenkundigen Widerspruch in ihrem Mohammad-Bild zeigt, wie schwierig die Loslösung von niemals hinterfragten Traditionen ist, auf denen die Behauptung von der „perfekten“ Religion beruht. Darauf angesprochen, reagieren Muslime meist unwillig und meinen, man solle sie mit „unseren Methoden“ in Ruhe lassen, womit der wissenschaftlichen Vernunft eine Absage erteilt wird, oder sie sagen, sie seien nur einfache Gläubige, die nicht verwirrt werden wollen, was einem Denkverbot gleichkommt. Beide Reaktionen widersprechen der Behauptung von der „rationalsten“ Religion. Da aber auch behauptet wird, die islamische Offenbarung sei im vollen Lichte der Geschichte erfolgt, muss eine Überprüfung mit allgemein anerkannten Methoden historischer Forschung möglich sein. Womit denn sonst? Die islamische Theologie jedenfalls hat dieses Paradoxon über 1000 Jahre lang nicht befriedigend aufgehoben. Es sind die Muslime, die bis auf weiteres mit dem beschriebenen Widerspruch zu Vernunft und Perfektion leben müssen.

[1] Z. B.: „Und hütet euch vor Erneuerung (Veränderungen des Islam), denn jede Erneuerung ist eine Ketzerei, und jede Ketzerei ist eine Irreführung, und jede Irreführung leitet zum Höllenfeuer“ (aus der Hadithsammlung des Abū Dāwūd) oder prägnanter: „Derjenige, der in unsere Sache (den Islam) etwas Fremdes einführt, wird zurückgewiesen“ und „Die Schlechtesten aller Dinge sind Neuerungen, die in die Religion eingeführt werden“ (aus der Hadithsammlung des Al-Buẖārī).

[2] muhammad.islam.de/11466.php.

[3] Zum Beispiel Al-Buẖārī: Die Sammlung der Hadithe. Reclam, 2010. Es gibt aber auch noch andere Hadith-Sammlungen wie die von Abū Dāwūd, die von Muslimen für authentisch gehalten werden und im Internet einsehbar sind.

[4] www.youtube.com/watch.

[5] Ibn Ishâq: Das Leben des Propheten: As-sîratu n-nabawiyya. Spohr, 2014.

[6] Zum Beispiel www.hadithcollection.com/abudawud/265-Abu%20Dawud%20Book%2033.%20Prescribed%20Punishments/18279-abu-dawud-book-033-hadith-number-4348.html.

[7] Ayaan Hirsi Ali: Reformiert Euch!: Warum der Islam sich ändern muss. Albrecht Knaus Verlag, 2015.

[8] Siehe u. a. sämtliche Publikationen der Gruppe Inârah beim Hans Schiler-Verlag seit 2007.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Walter Schreiber

@ Dr. Tan
DieserText könne einer Verfahrensanweisung für Boko Haram und IS- Terroristen entstammen.

Der Islam behauptet, der Koran sei Mohammed über den Erzengel Gabriel eingegeben worden, der Koran sei das unmittelbare Wort Gottes. Als Analphabet konnte er den auf ein Seidentuch geschriebenen Text nicht lesen, worauf der Erzengel ihm nicht ganz gewaltfrei das Lesen beigebracht haben soll. Möglicherweise war der Erzengel so gnädig, ihm auch noch das Schreiben beizubringen. Wunder gab es schon immer.

Die Schriften des AT nehmen nicht für sich in Anspruch, dass es um das unmittelbare Wort Gottes handelt. Es ist die jeweilige Interpretation des Autors und keine Verfahrensanweisung für menschliches Handeln.

Mohammed ist wie die Propheten des AT ein beliebiger Prophet, der auf seinen Reisen vom Judentum und Christentum gehört hat und sich ein eigenes Bild daraus gebastelt hat. Dass er angeblich als Waise von einem christlichen Mönch erzogen wurde und seine Ehefrau Christin gewesen sein soll, klingt plausibel, kann aber Legende sein.

Wenn Mohammed Vorbild für alle Moslem sein soll, dann darf ein gläubiger Moslem sich so verhalten, wie Mohammed sich in der Medinazeit verhalten hat. Er darf rauben, Beute machen und töten. IS und Boko Haram finden im Koran passende Suren. Man findet auch solche, die das verdammen, jeder kann sich das für ihn passende heraus suchen. Ob Allah das bei seinem perfekten Buch übersehen hat?

Die "Güte und menschliche Vollkommenhe" Mohammeds zeigt sich in der Zeit in Medina, als er Karawanen überfiel und den Kaufleuten die Sorge um ihr Vermögen abnahm. Die waren danach eine Art HANS IM GLÜCK, wenn sie lebend davon gekommen sind.

Der Koran erkennt Jesus als hervorragenden Menschen an und wenn ich die Sure richtig interpretiere, auch die Jungfräzlichkeit Mariens. Mohammed wurde durch Geschlechtsverkehr zwischen seinen Eltern gezeugt. Auch darum kann Mohammed Jesus nicht gleichgestellt sein und weil Mohammed Blut vergossen hat.

Der Koran der Zeit vor Medina zeigt Mohammed in der Minderheit, als toleranten Mensch mit Güte. In der Medinazeit, als er Macht besaß war er Machtpolitiker, Kriegsherr (Warlord) und Rassist. Seine Abneigung gegen die gebildeten Medina-Juden, die den Analphabeten lächerlich fanden, dürfte auf gekränkter Eitelkeit beruhen,.

Von der geistigen Kultur des Judentums ist der Islam weit entfernt: Der hohe Anteil jüdischer Nobelpreisträger und der verschwindend geringe Anteil moslemischer wird daran liegen, dass der Talmud zum Denken und Reflektieren auffordert, die Scharia dagegen eigenständiges Denken verbietet.

Gravatar: Aventinus

Es geht um den Islam. Ich wollte nur deutlich machen, dass Sie die historisch-kritische Methode nicht gegen den Islam anwenden können, sie aber bezüglich des Christentums ablehnen können, wenn das Ergebnis Ihnen nicht passt.

Mir ist das Christentum auf jeden Fall sehr viel sympathischer als der Islam. Christen wenden nämlich keine Gewalt mehr gegen Ungläubige an oder befürworten diese. Leider kann man das aber von vielen Muslimen nicht sagen.

Gravatar: Adorján Kovács

@Aventinus
Na ja, was Sie da sagen, sind "Glaubensgeheimnisse". Diese sind per defintionem nicht "vernünftig". Aber zum einen war nicht das Christentum mein Thema, sondern der Islam, zum anderen geht es mir nicht um Glaubensgeheimnisse (das wäre z. B. der Engel Gabriel, der Mohammad eine Offenbarung überbringt), sondern um historische Tatsachen. Beispiel: Gab es Mekka im 7. Jahrhundert überhaupt? Wenn nein, wie kommt das mit den überlieferten Geschichten zusammen? Wenn nicht einmal das Beiwerk stimmt, verlieren auch die "Glaubensgeheimnisse" ihre Glaubwürdigkeit.
Wenn jemand Atheist ist, erübrigen sich diese Diskussionen natürlich. Aber die große Mehrheit der Menschheit ist eben nicht atheistisch, deshalb hat das alles auch Relevanz.

Gravatar: Thomas Rießler

Bei den Ergebnissen der zeitgenössischen historisch-kritischen Methode der Bibelauslegung gibt es aus meiner Sicht, wie auch in vielen anderen Bereichen, einen ganz banalen Hintergrund, der unabhängig von Sachargumenten deren Verteidigung dient: Wer möchte denn heutzutage schon als „unaufgeklärt“ gelten? So steht zum Beispiel in Wikipedia: „Bis in die Zeit der Aufklärung galt Mose als historische Person und Verfasser der Bücher des Pentateuch [...] sowie des Psalms 90. Diese Auffassung ist in der biblischen Wissenschaft weitgehend aufgegeben.“.

Eigentlich müsste ich es ja inzwischen besser wissen, aber letztlich stehe ich doch immer wieder staunend vor solchen Phänomenen, dass Ereignisse, die früher mal allgemein als historisch angesehen wurden, inzwischen von manchen Gruppen ganz anders wahrgenommen werden. So halte ich es zum Beispiel für naheliegend, dass die Anschläge vom 11. September von muslimischen Terroristen verübt wurden. Dass die Attentate mittels Flugzeugen begangen wurden, war sogar im Fernsehen zu sehen. Trotzdem gibt es im Nachhinein Leute, die eine ganz andere Version als die eigentlich naheliegende verkünden. In den Augen dieser Leute waren es die Amerikaner selbst, welche die Anschläge verübt haben. Ich interpretierte dies so, dass sich die Amerikaner viele Feinde gemacht haben, die ihnen reflexartig oder aus Kalkül die Schuld für alles Mögliche in die Schuhe schieben wollen und so ist es eben wie so oft, dass wer einen Grund finden will, etwas nicht zu glauben, auch immer einen Grund finden wird. Übertragen auf die Situation der Bibelforscher kann man also formulieren: Wenn man mit der vorgefassten Meinung an die biblischen Schriften herangeht, dass es sich hierbei teilweise um Legenden handelt, ist die Mahnung Jesu Christi angebracht: „Wenn ihr aber den Schriften Mose nicht glaubt, wie könnt ihr dann meinen Worten glauben?“

Gravatar: Aventinus

Sehr geehrter Herr Kovács,

ich kann wirklich nichts Vernünftiges am christlichen Glauben finden.
1. Ein Gott soll vor 2000 Jahren mit einer jungen Jüdin sich selbst als Mensch gezeugt haben. Dabei soll es zu keinem Geschlechtsverkehr gekommen sein. Alles lief auf rein geistiger Ebene ab. So etwas zu glauben, halten Sie für vernünftig?
2. Als Mensch namens Jesus wanderte dieser Gott predigend durch Palästina und bewirkte viele Wunder. Er wandelte über das Wasser eines Sees, verwandelte Wasser in Wein, erweckte einen Toten wieder zum Leben usw. So etwas zu glauben, halten Sie für vernünftig?
3. Er ließ sich auf brutale Art und Weise von den Römern hinrichten, damit er den Menschen verzeihen konnte, dass das erste Menschenpaar verbotenerweise vom Baum der Erkenntnis gegessen hatte. So etwas zu glauben, halten Sie für vernünftig?
4. Am 3. Tag nach seiner Hinrichtung stand dieser Mensch-Gott dann wieder von den Toten auf. Er zeigte sich vielen Menschen, ohne dass die damaligen Behörden etwas von dieser Sensation mitbekamen, um dann nach einigen Wochen körperlich (!) in den Himmel aufzufahren. So etwas zu glauben, halten Sie für vernünftig?

Mit so einem Glauben werden doch alle als gesichert geltenden Erkenntnisse von Biologie, Physik, Chemie und Medizin mit Füßen getreten. Und das nur, weil diese Geschichten in einem 2000 Jahre alten "heiligen Buch" stehen, von dem man nicht einmal genau die Verfasser kennt! Das ist alles andere als vernünftig!

Dass Prof. Flasch so offen seinen Unglauben bezüglich des Christentums äußern darf, liegt doch nicht an der Duldsamkeit und dem Verständnis der christlichen Autoritäten für den "mit dem Glauben ringenden Menschen". Als das Christentum noch weltliche Macht besaß, hätte Prof. Flasch sehr schnell wie Giordano Bruno eine Lebendfeuerbestattung 1. Klasse erhalten. Damals gab es Christen, die gegenüber Ungläubigen genauso gewaltbereit waren, wie es der IS heute ist.

Dass es das bei uns nicht mehr gibt, haben wir der Tatsache zu verdanken, dass sich mit der Aufklärung die Vernunft gegen die Kirchen durchgesetzt hat.

Gravatar: Alexander Scheiner, Israel

@Dr. Tan, besten Dank für Ihre aufklärenden Worte. Ich bin nicht überrascht, dass Sie unsere Thora so gut kennen, ganz besonders die Stellen, die nicht in unsere heutige Kultur passen. Aber, erstens wurden im von Ihnen zitierten Vorfall weder Frauen noch Kinder getötet oder geschändet. Das steht auch in unserem Talmud. Die ganze Welt sieht zu, was heute, im Jahr 2015, Standard Prozedur bei Ihren Freunden vom IS ist. Zweitens, das Judentum hat sich angepasst und ist aufgeklärt. Wir haben Kultur, wir gestalten Kultur und halten uns an Menschenrechte, Demokratie und Liberalismus.

Der Islam hat all dies verpasst und kennt nur die Gebräuche von Wüstennomaden aus dem 7. Jahrhundert.

Abschliessend, ich kenne der Erzengel Gabriel persönlich. Er hat mir versichert, dass er sich nicht an die angeblich diktierten Texte erinnert und er war auch nie in dieser Gegend.

Gravatar: Dr. Tan

@Alexander Scheiner, Israel
"Rüstet unter euch Leute zum Kampf gegen die Midianiter, die die Rache des HERRN an den Midianitern vollstrecken ..." Und sie zogen aus zum Kampf gegen die Midianiter, wie der HERR es Mose geboten hatte, und töteten alles, was männlich war ... Und die Israeliten nahmen gefangen die Frauen der Midianiter und ihre Kinder; all ihr Vieh, alle ihre Habe und alle ihre Güter raubten sie und verbrannten mit Feuer alle ihre Städte, wo sie wohnten, und alle ihre Zeltdörfer ...
Und Mose wurde zornig über die Hauptleute des Heeres ... und sprach zu ihnen: "Warum habt ihr alle Frauen leben lassen? ... So tötet nun alles, was männlich ist unter den Kindern, und alle Frauen, die nicht mehr Jungfrauen sind; aber alle Mädchen, die unberührt sind, die lasst für euch [für Sex bzw. für Sklavendienste] leben." (4. Mose 31, 3.7.9-10.14-15.17-18)Man schärt die Anzahl der Ermordeten auf 100.000.Mose war ein Abschlachter, ein Vorbild für Juden.Der Staat Israel nimmt ihn heute noch ihn als Vorbild mit seinen Handlungen.Ein Massenmörder, der Mose oder doch JAHWE laut AT.Oder lügt hier das AT?

Gravatar: Adorján Kovacs

Nur dieses noch mit Dank für die ausführlichen Kommentare: Irgendwo steht, dass die Theologie der Feind des Glaubens ist. Da ist was dran. Ich weiß auch nicht, ob diese historische Methode unbedingt eine theologische sein muss. Benedikt XVI. hat in seinem Jesus-Buch ja durchaus Zweifel an der überbordenden historischen Kritik innerhalb der Theologie geäußert, was ihm auch entsprechenden Tadel eingebracht hat.
Aber im historischen Kontext, und um den geht es mir, muss m. E. ganz klar erlaubt sein, Ereignisse, die sich nachgewiesenermaßen so nicht abgespielt haben können wie traditionell behauptet, auf einen historischen Kern zu reduzieren oder als heilsgeschichtliche Legenden zu bezeichnen.

Gravatar: Adorján Kovacs

Sehr geehrter Dr. Tan,
Sie machen gleich mehrere Fehler.
1. Der Artikel befasst sich mit Widersprüchen bei Mohammad. Also bleiben Sie bitte beim Thema und weichen Sie nicht auf Jesus, Evangelien etc aus.
2. Die Hadithe sind „sahih“ und natürlich bindend. Das wissen Sie auch.
3. Im Koran kommt der Name „Mohammad“ nur 4 x vor und man weiß aus Kontext und Grammatik heraus nicht, ob damit ein Prophet gemeint ist. Der Koran ist auch kein Geschichtsbuch.
4. Die von Ihnen so überaus genau (!!) aufgezählten Eigenschaften Mohammads, übrigens eines Menschen aus dem 7. Jahrhundert: Woher wissen Sie das? Aus dem Koran sicher nicht (siehe Nr. 3). Und damit fängt das Problem an. Denn alle Nachrichten über den frühen Islam sind mindestens zwei Jahrhunderte später entstanden und damit historisch wertlos.
Was Sie da aufzählen, ist reine Legendenerzählung, solange Sie keine harten zeitgenössischen Quellen nennen. Was in bestimmten Corpora Scriptorum christlich-orientalischer Autoren steht, muss ebenfalls historisch-kritisch untersucht werden, denn die Überlieferungsgeschichte ist oft verwickelt und nachträgliche Einfügungen sind häufig. Sicher ist, dass kein christlich-orientalischer, aber auch kein sonstiger zeitgenössischer Autor etwa ein Jahrhundert lang irgend etwas von Mohammad oder einer islamischen Eroberung weiss. Daraus schließt der neutrale Historiker, dass es anders gewesen sein muss als traditionell berichtet.
Fangen Sie doch mit einer gewissenhaften und objektiven Forschung an!

Gravatar: Alexander Scheiner, Israel

Für mich ist er der Verantwortliche für die Abschlachtung von mehr als tausend Juden in Medina und die Versklavung der hinterbliebenen Frauen und Kinder.

Und das hat ihm der Erzengel Gabriel aus unserer Thora anbefohlen?

Gravatar: Thomas Rießler

Die traditionelle Sichtweise auf diese Besonderheit des fünften Buchs Mose (dass die fünf Bücher Mose nahezu komplett von Mose stammen und lediglich der Schluss des fünften Buches, der den Tod Mose beschreibt, durch seinem Nachfolger Josua ergänzt wurde) scheint Ihnen wohl zu banal, um glaubwürdig zu sein. Mir dagegen erscheint Ihre Beobachtung, die natürlich schon seit langer Zeit den Rabbinern bekannt war, zu dürftig zu sein, um deshalb die Autorenschaft des Mose insgesamt anzuzweifeln und seine Person ins Reich der Legenden zu verweisen. Aber insgesamt ist eine solche Vorgehensweise in der Tat typisch für diese Art von Wissenschaft.
Noch krasser finde ich jedoch andere Vorstellungen aus der Ecke der historisch-kritischen Theologen, die darauf hinauslaufen, dass es keine Prophetie geben kann. So wird zum Beispiel nicht geglaubt, dass Jesus Christus die Prophezeiung über die Zerstörung des Jerusalemer Tempels ausgesprochen hat und dass deshalb zum Beispiel das Markus-Evangelium von einem Autor mit viel Phantasie nach dem Jahr 70 geschrieben worden sein muss, weil dieses Evangelium die Tempelzerstörung erwähnt. Manche moderne Theologen können aufgrund solcher Pseudowissenschaft nicht mal mehr das apostolische Glaubensbekenntnis guten Gewissens sprechen.
Aus Gründen wie diesen habe ich die historisch-kritische Forschung als Mogelpackung abgehakt und sehe sie nur noch aus dem Blickwinkel der Nützlichkeit für den Staat. Theologiestudenten sollten sich dessen bewusst sein.

Gravatar: Dr. Tan

„Sein Charakter war der Koran“. Er war ein lebender Koran. Er hat den Menschen in allen Lebensbereichen anfangs als Hirte und später als charismatischer Anführer eines Staatswesens persönlich gezeigt, wie man ein gottgefälliges Leben führen sollte. Er war für Menschen aus allen sozialen Schichten ein Vorbild. Sein Handeln orientierte sich stets an der Lebenswirklichkeit und hatte deshalb für jedermann einen Vorbildcharakter. Stets wählte er den Weg der Mitte und nahm Abstand von Extremitäten.

Sogar seine Feinde waren von seinen charakterlichen Eigenschaften stark beeindruckt. Er zeigte allen gegenüber Wertschätzung und behandelte jeden entsprechend den Fähigkeiten. Er hat niemanden beleidigt oder in Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung getrieben. Er suchte zu keiner Zeit nach persönlicher Vergeltung, obwohl er die Möglichkeit dazu hatte.
„Die Menschen sind so gleich wie die Zähne eines Kammes"Sein berühmter Spruch.

Der Prophet Mohammed war in seinen Tugenden und guten moralischen Eigenschaften völlig ausgeglichen. Er war überall dort mutig, wo es angebracht war, während er unter den Menschen sanft, verzeihend und bescheiden auftrat. Er war ausgesprochen würdevoll, aber auch ein sehr liebenswürdiger Mensch. Niemand war großzügiger als er. Aber er war auch sparsam und verurteilte Verschwendungssucht. Kurzum: In seiner Person spiegelte sich ein perfektes Gleichgewicht aller Tugenden und guten Eigenschaften.

Sag: Ein jeder handelt nach seiner Weise (Art) Charakter.17-84.
Also,jede ist für sich zuständig .

68.4. Und gewiß, du verfügst doch über einen vortrefflichen Charakter.(Und du bist für wahr von edler Natur.)

Alles was dagegen spricht ist damit hinfällig.Ob es in Buchari oder woanders steht.
Denn Herr Prof auf Grund von Haditen kann man keinen Glauben ausüben,also sie sind nicht bindend,hier gilt nur was der Koran sagt.
Ihre Forderung,mann müsste den Islam historisch-kritisch erforschen,bitte das tut seit 1400 Jahren die Wissenschaft.Oder haben Sie andere Bücher-Quellen von denen die Islam-Welt nicht wüsste?
Ibn Ishak hat vieles geschrieben,wobei er keine Quellen nachweisen konnte.Der Koran und der Islam gilt als vollkommen,denn Ich habe heute euren Glauben für euch vollendet und habe Meine Gnade an euch erfüllt, und es ist Mein Wille, daß der Islam euer Glaube ist..Also lügt Allah hier,wenn Menschen wie Frau Hirsi meinen,der Islam gehört reformiert,also Allah hat ihn nicht vervollständigt,da fehlt was oder mehrere?Es ist nur der Hass was diese Frau von sich gibt.Nur Hass..Lügen-Unruhestiftung..
Wie die Frau Hirsi,die Reformen im Islam fordert,sie meint damit,macht den Islam sowie Christum. Reformen bedeuten bestehendes zu ändern,das macht der Islam aber nicht mit.Hat auch nicht nötig.Frau Hirsi, Ihren Hass behalten sie für sich ..


Obwohl zur gleichen Zeit zu Jesus lebten haben etliche römische Historiker-Schreiber kein Wort über Jesus geschrieben.
Dann könnte man auch behaupten,Jesus hat nie existiert.
Apion-Martial-Seneca-Petronius-Juvenal-Quintilian jusw..Kein Wort über Jesus.
Der berühmter jüdische Histroriker aus Alexandria Philo und Josephus verloren kein Wort über Jesus.
Merkwürdig ist es,dass die Markus-Bibel als älteste Bibel gilt obwohl diese ca 70-80 Jahre nach Christus verfasst wurde.
Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium darin wird erzählt,das bei dem Krieg im Jahre 629 nah Jerusalem hat Mohammed nicht teilgenommen.Ein Abgesandter des Königs - Herakleios (lateinisch Flavius Heraclius)sendete eine Nachricht " Mohammed und seine Araber kommen.Mohammed lebt oder meinte der Abgesandter,den Jesus damit?Sie machen sich alles zu einfach Herr Prof.Bitte mehr um Objektivität Herr Prof.

Gravatar: Adorján Kovács

@Aventinus
Vielen Dank! Ich habe Herrn Prof. Flasch einmal nach einem Vortrag zu dem Thema seines Buchs gefragt, ob der Titel denn so stimmen würde: Denn die Zweifel an der Stimmigkeit, die er äußerte, betreffen alle Religionen, nicht nur das Christentum. Der Titel müsste also korrekterweise lauten: „Warum ich Agnostiker bin“. Er antwortete, dass er nur als ehemaliger Christ reden könnte. Ich meine, dass er sich das zu einfach macht, denn nun kann sein Buch als Beleg für eine Vernunftwidrigkeit (ausgerechnet!) des Christentums genommen werden, die ja nun wirklich jede andere Religion noch viel mehr hat. Aber es ehrt das Christentum, dass es einem mit dem Glauben ringenden Menschen ganz offensichtlich soviel Freiheit zu denken läßt. Schauen Sie einmal zum Vergleich, wieviele islamische Theologen zu einer solchen Weite des Denkens kommen. Und vergessen Sie bitte das große Wort Gómez Dávilas nicht, der vom Katholiken als einem „bezwungenen Ungläubigen“ sprach, dem alle Argumente der Atheisten bekannt sind, da sie ihm letztlich die Grundlage seines Glaubens liefern.

Gravatar: Aventinus

Ich finde es interessant, dass Sie gleich zu Beginn auf Kurt Flasch hinweisen. Er ist der bedeutendste deutsche Historiker bezüglich der mittelalterlichen Philosophie. Mittelalterliche Philosophie aber ist untrennbar mit der Theologie verbunden.

Kurt Flasch hat das Christentum mit Hilfe der historisch-kritischen Methode untersucht und kommt zum Schluss, dass er selbst kein Christ ist. Und das obwohl er, wie er ausdrücklich betont, von kirchlicher Seite nur Gutes erfahren hat.

Dazu hat er folgendes Buch veröffentlicht:
Flasch, Kurt: Warum ich kein Christ bin, C. H. Beck, München 2013
Ein Buch, das wirklich lesenswert ist!

Gravatar: Adorján Kovács

Die Israelis kennen ihre Nachbarn besser als die Europäer ihre neuen Mitbewohner. Da haben Sie ohne Zweifel recht. Die Ahnungslosigkeit in Bezug auf den Islam ist hierzulande atemberaubend.
Die Reformfähigkeit des Islam ist bei Berücksichtigung der unter Anmerkung [1] getroffenen Aussagen, die religiös übrigens bindend sind, äußerst gering einzustufen. Darin liegt ja auch eine gewisse Faszination für einfachere Gemüter, die einen sicheren Halt suchen und wenig denken wollen. Ich gehe davon aus, dass wir Menschen nicht im Glauben, sondern im Zweifel vereint sind. Daher werden Dinge, die eindeutig falsch sind, ihre Wirkung auf Menschen langfristig nicht verfehlen. Darauf muss man bauen. Auch kleine Schritte sind wichtig.

Gravatar: Adorján Kovács

Vielen Dank für Ihren Kommentar. Zu Ihrem ersten Einwand bzgl. der historisch-kritischen Methode darf ich ein berühmtes Beispiel bringen: Im 5. Buch Moses wird über seinen Tod berichtet. 3000 Jahre hat niemand bemerkt, dass er eben darum nicht der Autor des Buches sein kann wie bis dahin postuliert. Also muss die Entstehung des Buches historisch eine andere als traditionell behauptet sein. Es gibt viele solcher Beispiele, die auch umgekehrt traditionelle Sichtweisen historisch bekräftigen; so die Untersuchung der Paulusbriefe, die z. B. bei 1 Kor 15, 3b-5 zum Nachweis führte, dass hier schon ca. 20 Jahre nach der Kreuzigung Jesu Christi eine urchristliche Glaubensformel vorliegt, die praktisch zum Ereignis selbst führt. Das ist schon auch ein sehr starkes Glaubensargument. Ähnliches gibt es im Islam nicht, obwohl ständig das Gegenteil behauptet wird: Von den angeblichen Ereignissen im 7. Jahrhundert, auf denen der Islam angeblich beruht, fehlt jede historische Spur, alles wird aus viel später entstandenen Schriften zurückprojiziert. Das stellt natürlich Fragen nach der Wahrheit und Legitimität.
Zu Ihrem Verdacht, mit der historisch-kritischen Methode würde nur versucht, die Kirche dem säkularen Staat anzupassen, kann ich die Lektüre von Martin Rhonheimers Untersuchung zu „Christentum und säkularer Staat“ empfehlen, die das Problem sehr differenziert angeht. Ich weiß, worauf Sie hinauswollen. Aber es ist nicht so, dass man mit der historisch-kritischen Methode echte Glaubensinhalte ruinieren kann. So wird nie jemand „beweisen“ können, ob Gott unitarisch (Islam) oder trinitarisch (Christentum) ist. Das muss man glauben oder eben nicht. Aber wenn es bestimmte Personen und Ereignisse nie gegeben hat, die für eine Religion konstitutiv sind, wird man als Glaubender sehr wohl fragen dürfen, ob man seinen Glauben noch darauf stützen darf.

Gravatar: Alexander Scheiner, Israel

Schöne Worte aus angeblich schönen Zeiten. Wenn ich die Medienberichte lese, dann sieht es anders aus. Überall dort wo Muslime sind fliesst Blut. Die Muslims werden ihren Anspruch als perfekteste Religion unbedingt und mit allen Mitteln durchsetzen. Auch mit den Schlächtereien der IS, der BDS-Bewegung der palästinensischen Araber, mit Geschichtsklitterei. Wer nicht mitmachen will und sich nicht unterwirft, Islam heisst bekanntlich Unterwerfung, der wird getötet.

Kritik am Islam ist Selbstmord. Ein Muslim der den Islam kritisiert hat sein Leben verwirkt. Basta.

Als Jude darf ich alles in meiner Religion hinterfragen, sogar anzweifeln und ablehnen. Ich werde dafür nicht bestraft, also keine Auspeitschung, Steinigung, Erhängen oder Köpfen. Ich könnte mich sogar taufen lassen, Kardinal werden und Schweinsrippchen essen. Niemand wird mich deshalb umbringen.

Zu befürchten ermordet zu werden nur aus dem einen Grund, weil ich Jude bin. In Frankreich, Belgien und in der Schweiz wurden Juden allein deshalb von Muslimen ermordet.

Gravatar: Thomas Rießler

Welche unverzichtbaren Erkenntnisse hat denn Ihrer Meinung nach die historisch-kritische Methode der Bibelforschung beschert? Mir fällt dazu nichts ein. Ganz im Gegenteil muss ich immer wieder über den Stuss staunen, der von den Universitätstheologen produziert wird. Das ist ja fast schon so schlimm wie bei den Gender Studies.
Historisch-kritische Theologie ist aus meiner Sicht fachlich nicht ernstzunehmen, weil sie letztlich nur politisch motiviert ist, um den Absolutheitsanspruch des Christentums zu verwerfen und das Christentum kompatibel mit dem säkularen Staatswesen zu machen. Kein Wunder, dass dies nun auch beim Islam versucht wird.

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