Sächsische Kultur und Lebensart
Sächsische Kultur und Lebensart
Datum: 11.07.2013, 10:19
Gerade ging die Meldung über den Ticker, dass die diesjährigen Hochwasserschäden in Sachsen so schlimm seien, wie nie zuvor. Dabei hatte sich das Land gerade vom „Jahrhunderthochwasser“ 2003 erholt, wenn auch nicht alle Schäden beseitigt waren.
Und nun ein neuer Rückschlag für das Land, das sich von allen neuen Bundesländern am Besten entwickelt hat.
Gleich nach dem Mauerfall setzten die Dresdener einen weltweit beachteten Akzent, indem sie den Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Frauenkirche beschlossen. Während die Berliner in zwanzig Jahren den Wiederaufbau ihres Stadtschlosses mehr zerredeten als beförderten, so dass bei der Grundsteinlegung das bürgerschaftliche Engagement stark gelitten hatte, packten die Dresdener tatkräftig an.
Nicht nur die Frauenkirche erstrahlt heute im alten Glanz, auch der Neumarkt rings um die Kirche ist wie Phönix aus der Asche gestiegen. Damit ist Dresden dem alten Elbflorenz schon wieder so ähnlich geworden, dass es Touristen aus aller Welt anzieht.
Auch Leipzig lockt Besucher, nicht nur während der Messe, die sich erfolgreich gegen die Konkurrenz aus den Alten Ländern behauptet hat. Die prachtvollen Innenhöfe und Passagen haben das DDR Russgrau abgelegt und bieten in einer Vielzahl von Geschäften alles, was das Herz begehrt. Selbstbewusst weißt die Stadt an verschiedenen Stellen, der Nikolaikirche, dem Markt, der Runden Ecke, am Gewandhaus, auf ihre führende Rolle während der Friedlichen Revolution hin. Von der Nikolaikirche ging am 9. September 1989 die erste Montagsdemonstration aus, der hunderte in vielen Städten folgten und die das DDR-Regime zum Einsturz brachten.
Weniger bekannt ist die Sächsische Küche. Dabei hat Sachsen in dieser Hinsicht viel zu bieten. Ohne die Sachsen gäbe es keine Teebeutel, keine Katzenzungen, keine Milchschokolade, keine Kaffeefilter, Bierdeckel und deutsches Pilsener. Selbst im Weinbau hat sich Sachsen eine Eigenart bewahrt: nur hier gibt es den Goldriesling. Wer Kalbsbraten in Goldriesling probieren will, muss nach Dresden oder Meißen fahren.
Sächsische Küche und Lebensart bekannter zu machen, hat sich Thomas Schaufuß vorgenommen. Schaufuß ist Koch, Sommelier, Eispâtissier, Hobbyfotograf und exzellenter Kenner der sächsischen Geschichte, Kultur und Wissenschaft. Das alles und seine Liebe zu Sachsen flossen in sein neues Buch „Sächsische Tischkultur und Lebensart“ ein.
Heraus gekommen ist ein Band, der in vieler Hinsicht ein Genuss ist. Für das Auge, wegen der vielen wunderschönen Fotos. Für die Bildung, denn man erfährt viel über die Tischsitten und die Kochkunst in den Häusern Luther, Cranach und am Hofe August des Starken. Man weiß am Ende mehr über die Dresdener Und die Leipziger Kaffeehauskultur und man ist begierig, das Buch aus der Hand zu legen um die köstlichen Rezepte nachzukochen, die einem schon beim Lesen das Wasser im Munde zusammenlaufen ließen. Übertrieben? Keineswegs.
Nehmen wir Äpfel im Mäntelchen (Anno 1890):
Vier Äpfel schälen und in 1 cm dicke Scheiben schneiden. Mit 2 EL Zucker und 1TL Zimt vermengen, ruhen lassen.
Einen Eierkuchenteig aus 150ml Milch, 100gr Mehl, 1Msp Backpulver, 2 Eier, 1 Prise Salz, 1Msp. Zitronenschale, 1 Päckchen Vanillezucker, 2 El Zucker und etwas Apfelweinbrand rühren, die Apfelscheiben darin wenden und in Rapsöl goldgelb ausbacken. Zum Schluss 200gr frische Erdbeeren mit 2El Puderzucker pürieren und über die Apfelscheiben geben.
Wer das probiert hat, will mehr von der Sächsischen Küche wissen. Dann sollte man sich Schaufuß´ Buch besorgen, oder gleich nach Sachsen fahren.
Eierschecke , Himbeerkuchen, Sächsische Warmbiersuppe und Forellenwelten schmecken nun mal am besten am Ufer der Elbe. Und ganz nebenbei leistet man mit einem Besuch die beste Hilfe für die Überwindung der Hochwasserschäden!
Thomas Schaufuß: „Sächsische Tischkultur und Lebensart“ Dresden Leipzig, 2013
Beitrag erschien zuerst auf: achgut.com
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