Nicht in meinem Namen!
Nicht in meinem Namen!
Datum: 23.12.2014, 22:37
Eigentlich wollte ich mich schon in den Weihnachtsfrieden tief in die Provinz zurückziehen, wohin ich schon zu DDR- Zeiten vor den Zumutungen des Regimes geflüchtet bin.
Dann erreichte mich ein Anruf. Ich sollte zu einer „Erklärung“ von 50 DDR- Bürgerrechtlern gegen Pegida Stellung nehmen. Erklärung ist nicht das richtige Wort für das Geschwurbel, das ein paar links- oder ultralinksaußen- Mitstreiter der DDR- Opposition ausgekotzt (ihre Wortwahl!) haben.
Es ist eine Art Hass- Rap auf das Volk, das schon 1989 nicht so wollte, wie die Möchtegern- Retter des Sozialismus, die scheiterten, weil mit der überwältigenden Mehrheit de Demonstranten keine neuen Experimente zu machen waren.
Jetzt kommt die Retourkutsche nach dem Motto: Ihr habt den 89er Versuch „einer alternativen Demokratie“ dem „System“ geopfert. Spätestens an dieser Stelle hätten wenigstens die Redakteure von nicht linksradikalen Zeitungen stutzig werden müssen.
Mehr noch bei der ebenso kruden wie törichten „Kapitalismus“- Kritik.
Der Kapitalismus wäre für die Flüchtlingsströme verantwortlich. Dabei kommt die Masse der Flüchtlinge aus Ländern, die dem Kapitalismus kaum ferner sein können, wie Eritrea, das bis vor kurzem noch von einem kommunistischen Regime beherrscht war.
Aber es scheint kein Unsinn groß genug sein zu können, um nicht gedruckt zu werden, wenn er nur einen Anti- Pegida- Stempel trägt.
Peinlich, dass die weit über sechzig Jahre alten Verfasser sich einer Sprache bedienen, die so frühpubertär klingt, dass einem unwillkürlich Heinrich Heine einfällt, der in seinem „Wintermärchen“ seufzt: „Die Alten sind kindisch geworden, die meisten“.
Noch peinlicher: Dieses kindische Polit- Gestammel wird nun nicht nur von der TAZ, die es bestellt hat, oder von der linksradikalen „Jungen Welt“ verbreitet, sondern auch von den Qualitätsmedien, und das auch noch im Namen der „DDR- Bürgerrechtler“.
Nicht in meinem Namen! Wenn das die Bürgerrechtler sind, will ich keine mehr sein!
Einer der Verfasser, Reinhard Schult war es, der, wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht, mit dem damaligen PDS- Vorsitzenden Gregor Gysi als Anwalt vor das Bundesverfassungsgericht gezogen ist, um für die Bundestagswahl 1990 zwei getrennte Wahlgebiete durchzusetzen, offiziell, um dem Neuen Forum und den neu gegründeten Bürgerrechtsparteien eine Chance zu geben. Das eigentliche Ergebnis war aber, dass die PDS die Chance bekam, als Gruppe in den ersten gemeinsamen Bundestag einzuziehen und damit ihr Überleben zu sichern.
Bernd Gerke war als einer der einflussreichsten Köpfe der Grünen Liga, einer späten Gründung, für die Spaltung der Ökologiebewegung mitverantwortlich, als sich seine Organisation einer gemeinsamen Parteigründung verweigerte. Noch Fragen?
Ach, ihr vereinigten Linken, die ihr ins gleiche Horn blast wie das Politik- Establishment:
Wählt euch, um es mit Brecht zu sagen, doch ein anderes Volk und verschont uns mit euren Tiraden! Fröhliche Weihnachten!
Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.
Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.


Add new comment