Menschen- Mauer- Mythen

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Menschen- Mauer- Mythen
Datum: 06.08.2014, 16:12

 

Im Jahr 25 nach dem Fall der Mauer ist erstaunlich wenig von den wahrlich umwälzenden Ereignissen 1989 die Rede.

Das liegt sicher nicht daran, dass schon alles gesagt wurde. Im Gegenteil, es ist immer noch viel zu wenig bekannt, was sich damals wirklich geschah.

Einer der besten Beiträge zum Jahrestag , der mir bisher unter die Augen gekommen ist, stammt von einem Österreicher, Ewald König, der seit 1985 als Korrespondent der „Presse“ in Deutschland lebt, bis heute, wenn auch inzwischen als Herausgeber und Chefredakteur des europäischen Online-Mediums EurActiv.

König war wohl der einzige Journalist, der sowohl in der BRD, als auch in der DDR akkreditiert war.

Seine Sicht auf die Entwicklung hin zur deutschen Einheit ist kenntnisreich, humorvoll und überraschend.

Wussten Sie, dass Ungarn bereits 1987 beschlossen hat, den maroden elektrischen Grenzzaun nicht mehr zu erneuern, die DDR- Regierung also zwei Jahre auf einem Pulverfass saß, offenbar ohne es zu ahnen?

Wussten Sie, dass  die versprochene Produktion von 300.000 zusätzlichen Hosen und die angekündigte schrittweise Einführung betrieblicher Eigenverantwortung die DDR- Bürger nur noch kalt ließ?

Dass die DDR in den letzten Jahren einen Bevölkerungsverlust verzeichnete, wie früher zu Pestzeiten? Dass die ersten innerdeutschen Direktflüge von Frankfurt/ Main nach Leipzig über die Tschechoslowakei erfolgen mussten, weil die Luftkorridore allein den Alliierten vorbehalten waren? Dass die Leipziger Straße in den siebziger Jahren als Stadtautobahn gebaut wurde, obwohl sie an der Mauer abrupt endete? Warum die Hochhäuser auf der Südseite der Leipziger im Volksmund Springerdecker genannt wurden?

 

Wenn nicht, nehmen Sie das Buch von König in die Hand und lassen Sie sich auf amüsante Weise belehren.

König liefert daneben jede Menge spannendes Hintergrundwissen.

Einer seiner Nachbarn in der Leipziger Straße war ein gewisser Younes, offiziell Syrier oder Jordanier, je nachdem, welchen Pass er gerade benutzte, eigentlich aber Palästinenser und Waffen-, und Devisenschieber für die SED, später die PDS.

Zwischen dem 28.5. und dem 6.6.1990 gingen 136,4 Millionen DDR-Mark aus dem SED-Vermögen an Younes, angeblich eine Spende an die von Younes kurz vorher gegründete „Islamische Religionsgemeinschaft e.V.“, die hauptsächlich aus Mitgliedern der eigenen Verwandtschaft und seines persönlichen Umfelds bestand.

Die wichtigste Rolle bei dieser Zuwendung an den Younes- Clan spielte PDS-Chef Gregor Gysi, der im Wahlkampf 2009 „Reichtum für alle“ plakatieren ließ.

Später bekam Younes noch drei Darlehen über insgesamt 52 Millionen zu märchenhaften Bedingungen und einen Scheck über 9,4 Millionen für Auslandsreisen von PDS-Funktionären, die noch nicht einmal geplant waren.

Younes Firma im Internationalen Handelszentrum in der Friedrichstraße, hieß „Gulf International“. Einer seiner Handelspartner war die „Bin Laden Organisation, Costruction & General Trading“, die mutmaßlich dem Vater von Osama bin Laden gehörte.

Zum Schluss noch ein Schmankerl aus dem Buch: Zu den unausrottbaren Mythen um den Mauerfall gehört, dass der italienische Journalist Ricardo Ehrmann bei der historischen Pressekonferenz von Günter Schabowski die entscheidende Frage, die dann binnen weniger Stunden die Mauer zum Einsturz brachte, gestellt hatte.

Jahre später wurde Ehrmann dafür sogar das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Wie es wirklich war, wer tatsächlich die entscheidende Frage stellte, können Sie bei König  nachlesen und danach jedes Wiedervereinigungsquiz gewinnen.

Leider wird sein Buch nicht ausreichen, diesen und andere Mythen zu Fall zu bringen. Aber die historische Wahrheit zu kennen, ist am Ende mehr wert.

Sven von Storch

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