Kunst im Knast

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Kunst im Knast
Datum: 19.06.2014, 11:23

 

In Zeiten sinkender Aufmerksamkeit für das Unrecht, das an Politischen Gefangenen des SED- Regimes begangen wurde, ist Kunst ein Mittel, Themen wieder in den Focus zu rücken. Zum Glück gibt es Künstler, wie Stefan Roloff, die bereit sind, notfalls gegen den Mainstream zu schwimmen, um auszudrücken, was ihnen wichtig ist.

Für alle, die sich für eine Aufklärung der Verbrechen der SED-Diktatur einsetzen, ist Roloff ein Glücksfall.

Stefan Roloffs Vater war als Angehöriger der Widerstandsgruppe Rote Kapelle 1942 von der Gestapo inhaftiert. Als Kind eines Überlebenden hat er sich  intensiv mit den beiden deutschen Diktaturen auseinandergesetzt. Er weist immer wieder darauf hin, dass in Deutschland lange Zeit die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus verweigert wurde, ein Muster, das sich nach dem Ende der zweiten deutschen Diktatur wiederholt hat.

Deshalb machte sich der Künstler daran, Verfolgte des SED-Regimes zu befragen. Er tat mehr als das. Er verwandelte diese Interviews in Kunst.  Das Ergebnis ist jetzt als permanente Ausstellung im ehemaligen Stasigefängnis Potsdam in der Lindenstraße zu sehen.

 

Roloff  projiziert die Videobilder von neun ehemals Inhaftierten als Silhouetten in die Zellen  49 - 59 der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt des Staatssicherheitsdienstes der DDR. Alter und Gesicht der Interviewten sind nicht zu erkennen. Ihre so erzeugte Anonymität entzieht den Zeitrahmen und konzentriert die Betrachter auf das Zuhören. Ein Auszug: „Gleißendes Licht empfängt mich. Die absolute Stille. Man sagt ja, wenn man so ins Licht kommt, ist das ein Nahtoderlebnis." Im Geiste entstehen Bilder, die Vorstellungen und Empfindungen intensivieren.

Stefan Roloffs setzt in seiner Arbeit, die auf seine Erfahrung als Maler zurückgeht, Videobilder wie Farbschichten aneinander und gibt wieder was Menschen über einen Zeitraum von 40 Jahren an diesem Ort widerfahren ist und hier eine zeitlose Aktualität erhält.

"Es entsteht ein Gefühl von Illegalität, die Menschen bleiben zeitlos. Ihre Anonymität macht sie austauschbar mit anderen, die nicht in der Lage sind, ihre traumatischen Erfahrungen zu vermitteln."

Roloff hat sich auch mit dem Einfluss, den eine Diktatur auf nachfolgende Generationen hat, auseinandergesetzt. Vor diesem Hintergrund entstand seine Videoprojektion "Die Kinder", eine Reflektion über das Erleben von Verhaftung und Haft in der DDR aus der Perspektive der Folgegeneration. Auch sie ist im „Lindenhotel“ zu sehen.

Die Gedenkstätte ist übrigens leicht zu finden. Sie befindet sich mitten in der Fußgängerzone der Potsdamer City, schon zu DDR-Zeiten „Broadway“ genannt.

Man kann sich hinterher in einem der netten Szenelokale in der Nähe erholen und darüber sinnieren, welch glückliche Wendung die Geschichte doch genommen hat.

Sven von Storch

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