Jäger und Gejagte
Jäger und Gejagte
Datum: 18.02.2014, 09:34
Nein, es geht nicht um Sebastian Edathy oder den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und seinen wegen Steuerhinterziehung zurückgetretenen Kulturstaatssekretär Schmitz.
Ohnehin war die Reaktion der Hauptstadtmedien nur kurz. Wowereit, der seit 2012 von der Steuerhinterziehung wusste, beschloss, offenbar erfolgreich, die Sache einfach auszusitzen.
Der „kultivierte Kenner“, wie Schmitz beschönigend bezeichnet wurde, hat tatsächlich viel dafür getan, dass Berlin seinen Ruf als Heimstatt von Kunst und Kultur ausbauen konnte.
Unter anderem gelang es, eine sensationelle Ausstellung ins Alte Museum zu holen, die vorher in Amerika und in Paris zu sehen war.
Es handelt sich um ein ungewöhnlich gut erhaltenes römisches Mosaik, das neben anderen 1996 in der kleinen israelischen Stadt Lod, dem antiken Lydda, nur einen Meter unter der Erdoberfläche bei Straßenbeauarbeiten entdeckt wurde.
Das jüdische Lydda wurde im Jahre 66 von römischen Truppen während des Jüdischen Krieges zerstört und anschließend als römische Siedlung wieder aufgebaut. Die entdeckten Mosaiken stammen aus einer römischen Villa, die um 300 gebaut wurde. Sie zeugen davon, wie schnell die Stadt wirtschaftlich prosperierte und welch hohen kulturellen Stellenwert sie besaß, bis sie nach der arabischen Eroberung 636 verschwand und der Vergessenheit anheim fiel.
Israel, das die besten Archäologen der Welt besitzt und sorgsam mit seinen Funden umgeht, hat weder Kosten noch Mühe gescheut, um die gefundenen Mosaiken würdig zu präsentieren. In Lod wird für sie ein eigenes Museum gebaut. Bis es fertig ist, wird das besterhaltene Mosaik auf Weltreise geschickt.
Was nun in Berlin zu sehen ist, raubt den Betrachtern den Atem. Das 7,2 x 4 große Mosaik zeigt eine beträchtliche Anzahl zahmer und wilder Tiere, darunter auch heute ausgestorbene Arten. Neben einer putzigen Entenfamilie, geht es bei den Wildarten um Fressen und Gefressenwerden. Einem Steinbock sitzt ein Leopard auf dem Hinterteil, ein Hirsch ist unter einem Löwen zusammengebrochen. Eine Makrele schwimmt in das geöffnete Maul eine Delphins, ein Hase wird beim Mümmeln schon vom Fuchs beschlichen. Menschen kann man nur vermuten, auf zwei römischen Schiffen, die sich im Fischgetümmel befinden.
Aber auch von den Menschen gibt es Spuren. Im Nebenraum werden die Entdeckungsgeschichte und die Bergung der Mosaiken auf Video gezeigt. Sie wurden auf einem Betonteppich verlegt. An der Wand hängen ein paar Bruchstücke mit Abdrücken von Sandalen und Händen derjenigen, die nicht abwarten konnten, bis der Beton ausgehärtet war. Die menschliche Natur ist sich gleich geblieben!
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