Ja, Gauck

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Ja, Gauck
Datum: 11.01.2012, 08:06

Hannes Stein hat die Frage aufgeworfen, ob Joachim Gauck wirklich geeignet sei, Bundespräsident zu werden, weil er die Beschäftigung von ehemaligen Stasioffizieren zur Erschließung des Stasiaktenbestands für notwendig gehalten hat. Ich wage es bis heute nicht zu beurteilen, ob die Akten ohne die Hilfe der Stasioffiziere genauso schnell erschlossen worden wären. Auf jeden Fall war es ein Fehler, ihre Anstellung in dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse umzuwandeln. Da war ich mit Jürgen Fuchs einer Meinung. Für mich ist aber entscheidend, dass ohne das Geschick und die Persönlichkeit Gaucks die Bemühungen, die Stasiunterlagenbehörde ganz schnell wieder dicht zu machen, erfolgreich gewesen wären. An der Spitze der Bewegung stand damals der Bundeskanzler Helmut Kohl, der verkündete, die Stasiakten am liebsten verbrennen zu wollen.
Meine Argumente für die Wahl von Joachim Gauck sind heute noch so aktuell, wie vor zwei Jahren:

Ein Kandidat der Bürger

Joachim Gauck wurde von Rot-grün aufgestellt, aber er ist der erste Bundespräsidentenkandidat der Bürger. Er hat bei seiner Nominierung sofort klar gemacht, dass er ein überparteilicher Kandidat sein will. Einer, der sich nicht in den engen Grenzen politischer Machtspielerei bewegt und sich auf keinerlei Kungeleien einlässt. Das kommt an beim Volk.
In unserem weitgehend mit dem eigenen Machterhalt beschäftigten Politestablishment wirkt Joachim Gauck wie eine frische Brise.
Noch nie hat es das gegeben: Bürger mischen sich im Netz und auf der Straße in die Bundespräsidentenwahl ein, wie es in einer lebendigen Demokratie sein sollte. Die Facebookgruppe zur Unterstützung von Gauck hat schon über 34000 Mitglieder. In allen Umfragen liegt er weit vor Wulff. Die Bundesversammlung täte gut daran, diese Stimmen ernst zu nehmen
Das Leitmotiv seiner Präsidentschaft wäre Freiheit. Freiheit sei wichtiger als Solidarität. Die Freiheit, die Gauck propagiert, nennt er eine Freiheit für Erwachsene, die gepaart ist mit Verantwortung. Verantwortung für andere zu übernehmen bedeutet für Gauck, ihnen leben zu helfen, sie zu befähigen, sich selbst zu versorgen, nicht, sich versorgen zu lassen. Er will keinen Fürsorgestaat, keine Bemutterung, sondern die Fähigkeit zur Selbstständigkeit. Eine solidarische Gesellschaft ist für ihn eine, die den Einzelnen ermächtigt, ein Bürger zu sein.
Das ist ein geradezu revolutionäres Bekenntnis in einer Parteienlandschaft, in der die politischen Akteure sich Kümmern zu übertreffen versuchen, indem sie Schutz vor den Ängsten zu bieten scheinen, die vorher selbst geschürt haben: die Angst vor der Erderwärmung, der Flugasche, dem Rinderwahn, der Schweinegrippe.
Joachim Gauck möchte einer Politik der Angst nicht folgen. Er setzt auf Ermutigung.
Er demonstriert, dass Unabhängigkeit und Freiheit möglich sind.
Mit Gauck würde der Geist der Revolution 1989 revitalisiert und fruchtbar gemacht. Genau, was ein mutlos und ratlos gewordenes Deutschland jetzt braucht.

Beitrag erschien zuerst auf achgut.com

Sven von Storch

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