Eine bösartige Polemik
Eine bösartige Polemik
Datum: 18.02.2016, 10:57
„Schlagt sie tot, das Weltgericht, fragt euch nach den Gründen nicht“. Nach diesem Motto von Kleist verfährt Herr Lahayne mit meinem Text. Nach seinen Gründen frage ich nicht. Ich stelle nur fest, dass er mich ausschließlich für Dinge angreift, die ich nicht gesagt habe, sondern er mir unterstellt. Leider ist dies inzwischen der übliche Stil in Helldeutschland. Es ist auch leider die alltägliche dummdreiste Arroganz , ausgerechnet mir zu unterstellen, ich hätte so etwas, wie „die Balten sollen sich nicht so haben“, auch nur gedacht. Ein Blick ins Archiv hätte genügt, um herauszufinden, dass ich zu den ganz Wenigen gehöre, die nie aufgehört haben, sich für die Aufarbeitung der kommunistischen Verbrechen, auch in den baltischen Staaten und der Ukraine, einzusetzen.Meine Texte sprechen da für mich.
Weiter würde man feststellen, dass ich Putin schon kritisiert habe, als man ihm in Deutschland noch zu Füssen lag. Ich habe auch nie, wie ein Kanzler und die ihm zugeneigten Politiker und Journalisten behauptet, er sei ein lupenreiner Demokrat.
Allerdings bin ich der Meinung, dass ein gemeinsames Haus Europa, wie es von Kohl und Gorbatschow gewünscht wurde, der wirksamste Schutz für die baltischen Staaten vor befürchteten russischen Expansionsgelüsten gewesen wäre. Der Westen hat da schreckliche Fehler gemacht, ob aus Arroganz oder Unfähigkeit ist unerheblich.
Der Westen hat nicht, wie ein amerikanischer Politikberater verkündet hat, 1989 gesiegt, er wurde von der Friedlichen Revolution überrascht. Es waren die Menschen im ehemaligen Ostblock , die allein und ohne Hilfe ihr Joch abgeschüttelt haben. Zum Glück hat der Westen die Entwicklung nicht mitbekommen,denn hätte er mitgemischt, muss man befürchten, wäre die Friedliche Revolution nicht so friedlich geblieben.
Sich hinterher als Sieger zu gerieren war nicht nur unangebracht, es hat der Entwicklung nicht gut getan. Statt in einer friedlicheren Welt haben wir in heute neue globale Bedrohungen. ein Teil davon ist hausgemacht. Als ich in den Bundestag einzog, 1990 habe ich noch die Mitglieder der Fraktion der Grünen erlebt, die bei Gaddafi im Zelt gesessen und ihm gehuldigt haben. Als wir neu hinzugekommenen Bürgerrechtler das nicht so optimal fanden, wurden wir freundlich für zu naiv erklärt, die große weite Welt verstehen zu können. Ein paar Jahre später war Gaddafi ein Diktator, der keinesfalls mehr geduldet werden konnte. Das Resultat ist, dass aus Libyen eine IS- Startrampe für die Eroberung des Westens wurde.
Heute ist Saudi- Arabien, der Weltmeister im Hinrichten von Regimekritikern ein enger Verbündeter des Westens. Es wird sogar ein ehemaliger Bundespräsident zum Antichambrieren nach Riad geschickt. Oder nehmen wir Rezep Erdogan, der die Kurden bombardieren lässt, die gegen den IS kämpfen und statt der EU nun der letzte Rettungsanker für unsere Kanzlerin aus ihrer selbstverschuldeten Flüchtlingsmisere sein soll.
Wo ist die kraftvolle Stimme von Lahayne&Co, die diese Tyrannen für ihre Menschenrechtsverletzungen kritisieren? Lieber wird mir vom hohen moralischen Ross herab unterstellt, ich wollte Diktatoren schalten und walten lassen, nur weil ich darauf hingewiesen habe, dass die mittelasiatischen Staaten dank einer konsequenten Anti- Islamisierungspolitik noch als eine Art Schutzwall für den Westen wirken. Es ist die Bundesregierung, die mit Usbekistans Diktator sich ins Einvernehmen setzt, um die Militärbase der Bundeswehr beibehalten zu können. Dafür schweigt sie dröhnend zu der ökologischen und humanitären Katastrophe im Aralgebiet, obwohl sie über die Zustände dort durch ein eigenes wissenschaftliches Gutachten unterrichtet ist. In meinen Berichten dagegen habe ich auf diesen von der Welt vergessenen Skandal aufmerksam gemacht. Das stand auch auf der freien welt.
Herr Lahayne tut so, als wäre der Westens bestens mit den Verhältnissen in der ehemaligen SU vertraut und Aufklärungsarbeit zu leisten, wäre so etwas wie Eulen nach Athen tragen. Wirklich? Es dauerte Monate, ehe in der Ukraine- Berichterstattung in unseren Medien der Holodomor
auftauchte- und das nur am Rande. Der Westen hat eine lange, unselige Tradition, den Stalinischen Hungerterror, der immerhin zwischen 6 und 10 Millionen Tote kostete, zu leugnen, zu vergessen, zu relativieren, zu beschweigen. Wo bleibt da die von Lahayne wie ein Morgenstern geschwungene Moral? Lahyne scheint es politisch unkorrekt zu finden, über historische Fakten der Geschichte des von Stalin zusammengeschweißten Kunstgebildes zu schreiben. Was will sie uns damit sagen, fragt er rhetorisch. Nichts, ich wollte informieren, über eine Geschichte, die weitgehend unbekannt ist. Danach soll sich jeder sein eigenes Urteil bilden.
Ich gebe keine Ratschläge und ziehe es vor, Fakten zu liefern, statt zu moralisieren. Aber wenn meine Meinung gewünscht ist, bitte: Ich habe die Ukraine mehrfach bereist und schon lange vor dem Bürgerkrieg ein zutiefst gespaltenes Land erlebt und das auch so beschrieben, auch auf der freien welt. Ich glaube nicht, dass ein Zusammenwachsen durch einen Bürgerkrieg befördert wird.Wie viele Opfer ist die territoriale Integrität eines Landes wert? Tausende , Zehntausende, Hunderttausende, oder mehr? Was ist am gegenwärtigen Zustand so erstrebenswert, dass er einem gemeinsamen Haus Europa á la Kohl und Gorbatschow vorzuziehen wäre? Wieso schüre ich Ängste, wenn ich diese Vorstellung für richtiger und zukunftsträchtiger halte, als Bürgerkriege zu befördern? Und ja, ich halte den Islamismus für die entscheidende, potentiell tödliche Bedrohung für die westliche Zivilisation. diese Bedrohung endlich zu erkennen und sich ihr entgegenzustellen, halte ich für die wichtigste Aufgabe. Der Westen hat sich im Zweiten Weltkrieg mit Stalin verbündet, um Hitler zu bekämpfen. Warum soll es dann undenkbar sein, mit Putin gegen die gemeinsame Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus vorzugehen?
Ich habe in der DDR- Opposition gelernt, gegen jede Form der Diktatur zu kämpfen, aber auch, ohne Feindbilder auszukommen. Fakten zur Kenntnis nehmen, genau zu analysieren und sich nach der Realität, statt nach ideologischer Vorgaben zu richten, ist allemal zielführender, als die Moralkeule zu schwingen. Vielleicht sehen das die Lahaynes eines Tages ja auch so.
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