Doppeltagebuch 1989_ 2009 20. September
Doppeltagebuch 1989_ 2009 20. September
Datum: 21.09.2009, 08:52
Während die DDR-Regierung ungeachtet des Aufruhrs im Inneren „Ehrenbanner“ an die „besten Kollektive im Wettbewerb zum 40. Jahrestag der DDR“ verteilt, entstehen täglich neue Initiativen, um die starre Gesellschaft aufzuweichen. Nachdem vor zwei Tagen bereits Magdeburg dem Leipziger Vorbild gefolgt ist und ein „Friedensgebet“ eingeführt hat, folgt Nordhausen. Damit hat die oppositionelle Bewegung endgültig die Provinz erfasst. In Weimar veröffentlichen 66 Bürger eine Entschließung, in der die Opposition zum einheitlichen Handeln aufgefordert wird. Dieser Appell verhallt leider ungehört.
Das Koalitionspoker in Thüringen geht weiter. Nun wollen auch die Grünen dabei sein. Der Vater der grünen Landesvorsitzenden Astrid Rothe- Beinlich, Aribert Rothe, hat seinerzeit als Bürgerrechtler dazu beigetragen, das SED-Regime zu stürzen. Seine Tochter will nun der umbenannten SED helfen, wieder an die Macht zu kommen. Dabei werden die abenteuerlichsten Konstruktionen ins Spiel gebracht. Wenn der Linke Ramelow schon nicht selbst Ministerpräsident werden kann, beharrt seine Partei aber auf ihrem Vorschlagsrecht. Dabei wird die Allzweckwaffe Gesine Schwan in Stellung gebracht, die anscheinend nichts dagegen hätte, von SED-Gnaden wenigstens Ministerpräsidentin zu werden. Ein so unwürdiges Postengeschacher, bevor die eigentlichen Verhandlungen überhaupt begonnen haben, hat es wohl noch nie gegeben. Der Osten weicht die bewährte bundesdeutsche Demokratie auf. Das begann 1994 in Sachsen-Anhalt, als die SED schon wieder am Katzentisch der Macht Platz nehmen durfte und erreicht seinen vorläufigen Höhepunkt in Thüringen. Man muss befürchten, dass sich diese Erosion nach der Bundestagswahl fortsetzt, wenn sich eine rechnerische Mehrheit dafür findet mit der umbenannten SED ein Regierungsbündnis einzugehen.
Der Beitrag erschien zuerst bei Vera-Lengsfeld.de
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