Die zweitschönste Folge der Friedlichen Revolution
Die zweitschönste Folge der Friedlichen Revolution
Datum: 06.04.2014, 22:29
Einen passenderen, vor allem schöneren Ort für die erste Lesung meines neuen Buches, „Tagebuch der Friedlichen Revolution“ hätte ich mir nicht aussuchen können.
Das Günderodehaus in Oberwesel hoch über dem Rhein, mit dem Siebenjungfrauenblick, gäbe es ohne den Mauerfall nicht.
Am 9. November war der Regisseur Reitz, bekannt durch seine Heimat- Filme zufällig zu Dreharbeiten in Berlin. Er wies seinen Kameramann an, die Freudenszenen auf den Straßen zu filmen. Kurz darauf entstand die Idee zum Film Heimat 3.
Es sollte eine Ost-West- Geschichte werden und ihr Mittelpunkt ein altes, verfallenes Fachwerkhaus, das westdeutsche Liebende erwarben und von ostdeutschen Handwerkern zu neuem Leben erwecken ließen.
Nachdem lange kein passendes Haus gefunden werden konnte, entschlossen sich Edgar Reitz und sein Co-Autor Thomas Brussig, ein in Seibersbach abgebautes Fachwerkhaus aus dem Jahre 1780 an dieser besonderen Stelle für die Dreharbeiten wieder aufzubauen. Im selben Jahr, in dem das Haus erbaut worden war, wurde die Dichterin Karoline von Günderode geboren, die sich mit sechsundzwanzig Jahren in Winkel am Rhein erdolchte.
Vielleicht war das der Grund, warum Edgar Reitz die Legende spann, in diesem Haus hätte die Günderode gelebt. Es sollte sich zeigen, dass gute Legenden stärker als die Wirklichkeit werden.
Wer heute das Haus zum ersten mal sieht, wobei jedem ob der überragenden Aussicht auf das Weltkulturerbe Mittelrheintal der Atem stockt, glaubt sofort, dass Günderode hier gewesen sein muss.
Der Eindruck wird noch verstärkt durch die wunderbare Atmosphäre, die durch Originaltapeten, Möbel aus der Romantikzeit und passenden Gemälden erzeugt wird.
Ergänzt wird das ganze mit Set-Fotos von Heimat 3 und einigen Kostümen und Requisiten aus dem Film.
Gastronomin Petra Litz, die Haus und Hof liebevoll in Szene setzt und eine hervorragende Küche bietet, erinnert mit ihrer schlanken, emergischen Gestalt, den braunen Haaren und den feinen Zügen selbst etwas an Günderode, wenn die älter geworden wäre. Damit ist die Magie perfekt.
Wer es heute sieht hat das Gefühl, das Haus müsste schon immer an diesem Ort gestanden haben. Ein unerwartetes Wunder, wie die deutsche Einheit.
Der Ort ist ein Muss, nicht nur für Edgar- Reitz- Fans und Rheinwanderer, sondern für alle, die Deutschland von seiner schönsten Seite genießen möchten. Wer unter der Kastanie vor dem Haus, in deren Schatten man den besten Blick auf das Tal hat, noch ein Gedicht von Günderode liest, der wird dem Zauber des Ortes vollständig erliegen und immer wiederkommen wollen.
"Das geliebte, süße Leben, Dieses Nehmen und dies Geben, Wort und Sinn und Blick, Dieses Suchen und dies Finden Dieses Denken und Empfinden Giebt kein Gott zurück." (Schreibweise Günderode)
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