Die Vereinigung Deutschlands ist geglückt
Die Vereinigung Deutschlands ist geglückt
Datum: 27.09.2010, 11:38
Am Vorabend der Vereinigung machen die Medien noch einmal mobil, um auf die „Defizite“ der Vereinigung hinzuweisen. Besonders ärgerlich ist, wenn solche Desinformationen mit unseren Gebühren bezahlt werden. So strahlte das ZDF gestern Abend einen anklagenden Beitrag „Ganz draußen! Die Politik vergisst den Osten“ aus, der so hanebüchen war, dass er nicht unkommentiert bleiben kann. Der Osten glänzt, mussten selbst die ZDF-Moderatoren einräumen, dank der inzwischen über 2 Billionen Aufbauhilfe, die aus den Alten Ländern in die Neuen geflossen sind. So mussten sich die kritikwütigen Reporter in die tiefste ostdeutsche Provinz begeben, um doch noch einen irgendwie kritischen Beitrag fabrizieren zu können. Sie fuhren ausgerechnet nach Guben, in der DDR Wilhelm-Pieck-Stadt genannt und von einem kleinen Ackerbürgerstädtchen zur ersten „sozialistischen Stadt“ aufgeblasen. Mit künstlicher Industrie und Plattenbausiedlungen auf der grünen Wiese. Nach dem Mauerfall erwies sich das Unternehmen endgültig als Luftblase. Die Menschen verließen massenhaft die unwirtliche Kunststadt in der Mitte von Nirgendwo. Guben wurde wieder das, was es in vorsozialistischen Zeiten war, ein verschlafenes Nest. Aber besser: die Altstadt ist sorgfältig restauriert und aufgewertet durch Brunnen und Grünanlagen. Wo vor zwanzig Jahren noch ein tristes Plattenbausilo stand, befindet sich jetzt ein mit allen Raffinessen moderner Landschaftsarchitektur gestalteter Park. Die Eingangsszene des Beitrages wirkt deshalb grotesk. Ein pensionierter Lehrer spaziert durch die neu angelegte Idylle und beklagt den Wegzug seiner Schüler . Aus dem Off wird das mit einem Lamento über das Verschwinden der Platte unterlegt. Nun haben sich die verantwortlichen Politiker dank reichlicher Fördergelder für die aufwändige Sanierung der sozialistischen Bausünden gesorgt, weil der Ostmensch angeblich nichts so sehr geliebt habe, wie seine Plattenbauwohnung. Nun folgt das Erstaunen darüber, dass der Ossi , wie man vorher hätte wissen können, auch die restaurierte Platte nicht mag und lieber dort hin geht, wo es lebendige Orte gibt. Ein kritischer Beitrag hätte die Frage aufwerfen müssen, wieso jahrelang Fördergelder in die Sanierung von Wohnungen, die kaum jemand will, gesteckt wurden , die jetzt mit weiteren Fördergeldern abgerissen werden. Statt dessen wird der vernünftige Entschluss angeprangert, endlich keine Fördergelder mehr in aussichtslose Projekte zu versenken. Wenn es nach dem einfältigen Weltbild des ZDF geht, ist Politik nur gut, wenn sie Steuergelder ohne Sinn und Verstand verbrennt. Zum Schluss wird noch die Ruine einer Tuchfabrik vorgeführt, die in goldenen DDR-Zeiten mit 800 beschäftigten Stoffe produzierte, die keiner tragen wollte. Das sollte als „Beweis“ für die angebliche Deindustriealisierung des Ostens dienen. Kein Wort davon, dass die Tuchfabrik schon zu DDR-Zeiten nicht konkurrenzfähig gewesen wäre, hätte sie für einen offenen Markt produziert. Zum Schluss bekommt der Beitrag ungewollt satirische Qualitäten, als ausgerechnet die Präparationswerkstatt des Leichenfledderers von Hagen als gelungene Maßnahme für die Schaffung von Arbeitsplätzen vorgeführt wird. Der alte Lehrer darf an den präparierten Leichen vorbei schlendern und ein trauriges Gesicht machen. Vielleicht hat er just beschlossen, seinen Körper nach seinem Ableben von Hagen zu vermachen, damit die letzte Hoffnung des ZDF nicht stirbt? Was den Osten betrifft, ist der Sender auf beiden Augen blind.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 27.09.2010 auf der "Achse des Guten".
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