Die Energiewende holt uns ein

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Die Energiewende holt uns ein
Datum: 21.12.2011, 13:30

Letzte Woche in Berlin: Stromausfall bei der S-Bahn. Stundenlang müssen die Menschen in den Zügen auf freier Strecke verharren, nichts ging mehr. Ich hatte Glück, konnte auf U-, und Straßenbahn ausweichen und kam nur etwas verspätet zur Arbeit.
Anfang der Woche in Erfurt. Nach fünfstündiger Fahrt komme ich auf dem Hauptbahnhof an. Mein Ziel ist nur noch 55 Fahrtminuten entfernt. Der Anschlusszug soll in einer Viertelstunde fahren. Beim Aussteigen treffe ich einen Freund meines Sohnes, der mit meinem Zug weiterfahren will. Ich wünsche ihm Glück. Er hat es. Der Zug, dem ich soeben entstiegen bin, verlässt als letzter den Bahnhof. Danach geht nichts mehr.
Stromausfall am Stellwerk. Wir werden eine halbe Stunde vertröstet, dann hießt es, alle Reisenden Richtung Norden sollten mit dem Bus zum Nordbahnhof fahren. Dort würden noch Züge verkehren.
Als wir auf dem öden Bahnhof ankommen, ist weit und breit kein Zug zu sehen. Der einzige Bahnangestellte in seinem Häuschen tröstet uns durch das offene Fenster: bald kämen wieder Züge an. Er wüsste zwar noch nicht, ob wir dann auch mitfahren dürften, aber er hoffe es für uns.
Manchmal hilft das Prinzip Hoffnung. Eine Stunde später können wir fahren. Eine Mitreisende erzählt mir, dies sei schon der dritte Stromausfall, den sie innerhalb von zehn Tagen auf dieser Strecke erlebt habe. Nanu? Strom kommt doch aus der Steckdose und dass dies mal nicht der Fall sein könnte, gehört bisher nicht zu unserer Lebenserfahrung. Nur Ältere, die den DDR-Katastrophenwinter 78/79 miterlebt haben, erinnern sich an ähnliche Vorfälle.
Im ganzen Land fällt neuerdings immer wieder der Strom aus, bisher lokal begrenzt. In den Zeitungen steht dann, über die Ursache könne nichts gesagt werden. Wenn der Strom wieder da ist, fragt auch kaum jemand nach.
Wer sich dennoch fragt, was hier vor sich geht, stößt bald darauf, dass es jede Menge Warnungen gab, dass sich die Blitzabschaltung mehrer Atomkraftwerke negativ auf die Netzsicherheit auswirken wird. Diese Warnungen wurden ignoriert. Der massive Ausbau von „Erneuerbaren“ in den letzten Jahren hat das Netz, auch als noch alle Atomkraftwerke in der Lage waren, die Grundlast zu sichern und die von den „Erneuerbaren“ verursachten Schwankungen auszugleichen, an den Rand seiner Belastungsfähigkeit gebracht. Trotzdem wird weiter ausgebaut, was die Subventionen hergeben, ohne Rücksicht auf das überlastete Netz.
Die Regierung hat bisher Glück gehabt. Der Winter war mild, die deutschen Ingenieure tun das , was sie zu DDR-Zeiten schon getan haben: sie arbeiten bis zur Erschöpfung, um trotz der sich durch politische Willkür verschlechternden Bedingungen in der Stromversorgung, der Bevölkerung das Schlimmste zu ersparen. Noch. Wehe, wenn die Ingenieure sich dem stillen Streik der Berliner S-Bahnfahrer anschließen und sich massenweise krank melden, weil sie das Elend nicht länger ertragen wollen!
Wenn sich eine Ministerpräsidentin wie Hannelore Kraft in einem Interview gedrängt sieht zu behaupten, die Politik habe für Netzsicherheit zu sorgen, weiß man, wie groß das Desaster ist. Netzsicherheit stand bisher auf keiner politischen Agenda, sie war selbstverständlich.
Wenn die „Energiewende“ erst mal richtig in Schwung kommt, werden wir erleben, wie es sich anfühlt, im Winter in einer kalten Wohnung zu sitzen, weil die Heizung bei Stromausfall versagt. Beim Heulen und Zähneklappern können wir uns damit trösten, dass Merkel, Röttgen und Co. dafür gesorgt haben, dass bei ihnen kein Licht ausgeht. Dass ihnen ein Licht aufgehen könnte, damit ist leider nicht zu rechnen.

Beitrag erschien zuerst auf achgut.com

Sven von Storch

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