Der Tod einer ganz besonderen Frau

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Der Tod einer ganz besonderen Frau
Datum: 06.08.2014, 12:07

 

Am vergangenen Dienstag ist in Berlin die Schriftstellerin Elfriede Brüning mit 103 Jahren gestorben.

Bis zuletzt lebte die eigenwillige Frau in ihrer Wohnung, lackierte sich sorgfältig die Fingernägel und achtete darauf, dass die Farben ihrer Kleidung mit ihrem Teint harmonierten.

Sie war eine Altersschönheit, eine interessante Gesprächspartnerin und in jeder Hinsicht bemerkenswert.

Kommunistin, Raucherin, Autofahrerin bis zum 98. Lebensjahr, wohl letzte Augenzeugin der Bücherverbrennung in Berlin und im 102. Lebensjahr noch couragiert genug, vor einem antikommunistischen Publikum aufzutreten.

Diesen Auftritt, den ich die Ehre hatte, zu moderieren, fand in der Gedenkbibliothek zu Ehren der Opfer des Stalinismus im Berliner Nikolaiviertel statt. Das Buch, aus dem Brüning las, gab es nicht mehr, oder, besser gesagt, noch nicht wieder.

Es handelte sich um Erlebnisberichte von Kommunistinnen, die in den stalinistischen Lagern der Eishölle Workutas eingesperrt waren. Brüning arbeitete in den letzten DDR-Jahren daran. An eine Veröffentlichung war erst nach 1989 zu denken. Aber als das Buch im Frühjahr 1990 auf den Markt kommen sollte, interessierte sich gerade niemand für Druckerzeugnisse der Noch- DDR.

Dabei handelte sich es um eines der eindrucksvollsten Zeugnisse aus der düstersten Zeit des realen Kommunismus.

Brüning, aufgewachsen in einem kommunistischen Arbeiterhaushalt, in dem oft Geldmangel herrschte, den Kindern aber die bestmögliche Ausbildung ermöglicht wurde, begann schon als Teenager zu schreiben. Mit achtzehn Jahren gelang es ihr, sich auf nicht ganz legalem Wege, für eine Publikation im „Berliner Tageblatt“ zu empfehlen, wo sie dann neben Thomas Mann erschien.

Brüning trat 1930 in die KPD ein und wurde bald Mitglied im „Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller“, wo sie zum ersten mal heftig kritisiert wurde, weil sie „nur die Sonntage des Lebens“ beschreibe und darüber den Alltag vernachlässige.

Im Dritten Reich wurde sie von einem Gestapospitzel als Bundmitglied denunziert und kam ins Gefängnis. Dort schrieb sie unter den Augen der Gestapo einen Roman, in dessen Mittelpunkt eine Frau steht, die trotz Heirat und Kind ihren Beruf nicht aufgeben will, was dem Frauenbild der Nazis widersprach.

Auch in der DDR, an deren Aufbau sich Brüning begeistert beteiligte, lag sie nicht selten neben der Parteilinie. Ihre Erzählung „Septemberreise“ erschien mit einer Verspätung von acht Jahren, obwohl Brüning 1966 längst eine gestandene Erfolgsautorin war. 
Ihr Buch „Kinder ohne Eltern“, das die sozialen Probleme schildert, die offiziell verschwiegen wurden, erschien nur in einer Auflage von 5000 Stück, obwohl es bereits 17000 Vorbestellungen gab.

Am Ende ihres Lebens sah Brüning ihr Schweigen zu vielen Missständen in der DDR kritisch, wie den Hausarrest des Kommunisten Havemann, einer der bekanntesten Dissidenten im Arbeiter-, und Bauernstaat.

Brüning blieb dennoch überzeugt, dass die DDR trotz aller Mängel der bessere deutsche Staat war, sie fühlte sich fremd im wiedervereinigten Deutschland.

Sie war aber frei von jeder Larmoyanz und wenn man auf ihrer Homepage ihre Leseproben studiert, weiß man, dass sie mit dem, was sie kritisiert,  nicht so falsch liegt.

Ihre Lebensbilanz: die große Liebe blieb ihr versagt, aber dafür hatte sie das Wertvollste: „eine Arbeit, die Befriedigung gibt. Sie kann beglückender sein als die Liebe, ist beständiger als die Leidenschaft und niemals so quälend wie die Eifersucht. Das ist die Erfahrung meines Lebens…“

Sven von Storch

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