Berlin geht baden
Berlin geht baden
Datum: 01.03.2014, 17:51
Vergesst die Schildbürger! Berlin hat viel mehr zu bieten.
Da macht der ehemalige Kulturstaatsminister Schmitz erfolgreich seine von ihm selbst ins Werk gesetzte Entlassung rückgängig und bringt sich in den Genuss üppiger Ruhestandsgelder. Um die Gemüter zu beruhigen wird gestreut, er würde diese Bezüge spenden. Das muss man sich mal vorstellen: der Steuerhinterzieher fordert vom Steuerzahler finanzierte Ruhestandsgelder ein, um sie als milde Gabe verteilen zu können. Hört sich irre an, ist auch irre.
Übertroffen wird das nur vom Coup des Regierenden Bürgermeisters Wowereit, der nach einem Jahr den Posten des Aufsichtsratschefs des BER wieder eingenommen hat, von dem er wegen Unfähigkeit zurückgetreten war.
Prompt mussten die für den Sommer angekündigten Probeflüge abgesagt werden. Flughafenchef Mehdorn fühlt sich allein gelassen, ohne notwendige Unterstützung des Aufsichtsrats. Bei dieser Gelegenheit stellte sich heraus, dass es immer noch nicht gelungen ist, einen Fachmann zu finden, der die dringend benötigte Entrauchungsmatrix erstellen kann. Eine Ausschreibung blieb ohne Bewerbungen. Ohne eine Koordinierung der Brandschutzanlagen ist an eine Inbetriebnahme des Flughafens nicht zu denken.
Nicht nur der Flughafen scheint baden zu gehen, auch die Berliner sollen das bald können und das in unmittelbarer Nähe der Museumsinsel, des im Bau befindlichen Schlosses, des Berliner Domes.
Ein Verein will den Kanal am Lustgarten in ein großes Flussschwimmbad verwandeln. Das fehlt Berlin angeblich noch. Zwar gibt es so etwas schon an der Spree in Treptow, aber die Begeisterung für diese Schnapsidee ist so groß, dass die Initiatoren auf Lottomittel für eine „Machbarkeitsstudie“ hoffen können.
Schilda lässt grüßen. Es gibt etliche Schwimmhallen in Berlin, die wegen baulicher Mängel geschlossen werden mussten und in Gefahr sind, aufgegeben zu werden. Selbst in Pankow, wo die zu DDR-Zeiten gebaute „Volksschwimmhalle“ eine ideale Ergänzung zum größten Sommerbad der Stadt darstellt, gibt es keine Aussicht auf Wiederaufnahme des Schwimmbetriebes. Dabei ist der Bezirk der kinderreichste in Berlin und braucht dringend eine Halle für das Schulschwimmen.
Statt Geld in die Sanierung der maroden Schwimmhallen zu stecken, wird im Abgeordnetenhaus darüber nachgedacht, Spaßbäder zu bauen.
Ob das Baden im verdreckten Kanal Spaß machen wird?
Vorsorglich hat der Bezirk Mitte auf Antrag der Piraten beschlossen, das Areal mit einer Unisextoilette aufzuwerten, damit alle, die nicht wissen, ob sie Männlein oder Weiblein sind, beruhigt baden gehen können.
Erschien am 1. März in der Preußischen Allgemeinen Zeitung
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