Alexanderplatz - Hochburg der Gewalt

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Alexanderplatz - Hochburg der Gewalt
Datum: 14.10.2013, 11:18

, der in vieler Hinsicht bemerkenswert und leider typisch ist. Es war nicht möglich, den Artikel an Ort und Stelle zu kommentieren, weil der Kommentarbereich nach kürzester Zeit wieder geschlossen wurde.

„Welt“ berichtet von zwei  Gewalttaten, die am Wochenende am Alex stattfanden.

Einem Mann wurde der Schädel eingeschlagen, zwei wurden mit Messerstichen verletzt.

Ein Türsteher hatte einer Gruppe von sechs nicht näher bezeichneten jungen Männern den Eintritt in einen Tanzclub verweigert, worauf die brutal zuschlugen und zustachen.

Im Zweiten Fall kam ein gerieten ein Mann und eine wieder nicht näher bezeichnete Gruppe Jugendlicher aneinander. Der Mann soll die Jugendlichen mit einem Messer bedroht haben, worauf die eine Hetzjagd auf ihn veranstalteten, die für den Mann im Gleisbett der U-Bahn endete. Wie der Mann und die Jugendlichen „aneinander gerieten“, darüber werden die Leser im unklaren gelassen, selbstverständlich auch darüber, wer die jeweiligen Täter waren.

Es kommt eher selten vor, dass ein Einzelner mit einem Messer auf eine ganze Gruppe losgeht, nur um anschließend Fersengeld zu geben. Der wahrscheinlichere Fall ist, dass es sich um Selbstverteidigung gehandelt hat.

Zu diesem Schluss kamen auch alle vier Kommentatoren, die auf  „welt-online“ noch sichtbar sind. Ein Schelm, wer denkt, dass deshalb der Kommentarbereich überstürzt geschlossen wurde?

Interessant ist die Tendenz des Artikels, der zweierlei suggerieren soll: Erstens hat die Polizei ihre Präsenz am Alex erhöht, zweitens sei die Zahl der Strafanzeigen „deutlich“ zurückgegangen.

Wer sich jetzt beruhigt zurücklehnen möchte, dem sei ein Blick auf die Zahlen empfohlen, die sich immerhin auch im Artikel finden: Von Januar bis September diesen Jahres hätte es nur 3941 Strafanzeigen gegeben, 192 weniger als im Vorjahr.

Damit sich die Bürger bei dieser guten Nachricht noch sicherer fühlen, hätte die Polizei ihre Präsenz um sechs Beamte erhöht und zwar wochentags von 9.00 bis 22.00 Uhr. Einen hübschen Namen hat diese Beamtentruppe auch bekommen: „Direktionskommando“.

Die beschriebenen Gewalttaten fanden am Wochenende statt. Hier ist eine Erhöhung der Polizeipräsenz aber fraglich, denn die Beamten müssten anderswo abgezogen werden, zum Beispiel aus dem Prenzlauer Berg, wo sich in und um die Kulturbrauerei herum neuerdings Mord und Totschlag  häufen. Oder aus dem idyllischen Pankow, wo Kneipengänger in Gefahr laufen, dass ihnen die Ohren abgeschnitten werden.

Wenn  die Zahl 3941 kein Druckfehler der „Welt“ ist, bedeutet sie, dass jeden Tag am Alexanderplatz zwischen zehn und fünfzehn Strafanzeigen gestellt werden.

Das klingt nicht nach einem friedlichen Herzen der Stadt. Das erinnert eher an Chicago in der Zeit der Prohibition. Die Frage ist, wie lange die Berliner noch über die wahren Verhältnisse in ihrer Stadt im Unklaren gelassen werden sollen.

Sven von Storch

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