Ukraine-Krieg: Verhandeln? – Ja! – – Aber!

Auf dem G-20 Gipfel hat der ukrainische Präsident Selenskyj seine Bereitschaft zu Verhandlungen erklärt. Allerdings unter Bedingungen.

Veröffentlicht:
von

Auf dem G-20 Gipfel hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Bereitschaft seiner Regierung erklärt, mit Russland wegen des Angriffskriegs gegen sein Land zu verhandeln. Worüber verhandelt werden könnte, das sagte er nicht. Aber Selenskyi stellte klar: »Ich möchte, dass dieser aggressive russische Krieg gerecht endet und auf Grundlage der Charta der Vereinten Nationen und des internationalen Rechts«. Für die Ukraine seien nach diesem Krieg »effektive Sicherheitsgarantien« notwendig.

Sofort entbrannte in Deutschland erneut eine Debatte darüber, ob die Ukraine alleine darüber entscheiden sollte, ob es zu Verhandlungen kommt oder nicht. Schließlich sind es die westlichen Staaten, allen voran die Vereinigten Staaten, die der Ukraine Waffen liefern und eine schneller als erwartet erfolgreiche Kriegsführung ermöglichen. Ob die ukrainischen Truppen mit den Beständen an russischen Waffen den Angriff der Russen ebenfalls hätten abwehren können, ist zumindest fraglich, bei der offenbar schlechten Verfassung der russischen Truppen aber wahrscheinlich.

Insbesondere in Deutschland meldeten sich jene zu Wort, die von der Ukraine Verhandlungen fordern; angeblich um weiteres Blutvergießen zu verhindern. Ob das so stimmt, darf man getrost offen lassen. In sehr viel mehr Fällen dürfte der blanke Antiamerikanismus überwiegen, der seit den 1968er Jahren in Deutschland immer neue Blüten treibt.

Hat die Ukraine ein Recht, Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten Putin zu verweigern? – Sicher hat die Ukraine das Recht darauf. Es ist schließlich ihr Land und es sind ihre Bürger, die für ihre Freiheit und den Bestand ihres Landes kämpfen, so wie jeder Patriot jedes Landes für sein Land kämpfen würde. Einem Polen muss man das nicht erklären. Und einem Balten ebenfalls nicht. Nur in Deutschland steht Patriotismus nicht so hoch im Kurs. Aber das ist ja nichts neues.

Trotzdem bleibt es wünschenswert, ein weiteres Blutvergießen zu stoppen. Nur eben nicht um jeden Preis. Also Verhandlungen ja, – – Aber!

Präsident Selenskyj hat das aber deutlich markiert. Russland hat seine Truppen von jedem Quadratmeter Boden der Ukraine abzuziehen. Also auch von der Krim. Die Märchenstunden russischer Nationalisten gehören der Vergangenheit an, dafür hat die Krim zu vielen Völkern gehört: Griechen, Tataren, Russen, Ukrainern. Die Liste ist lang.

Aber es gibt noch ein weiteres aber. Für Verhandlungen muss Kiew auch etwas bieten. Und das könnte das Versprechen sein, nach einem Rückzug der Russen nicht mit Militär in das geräumte Gebiet nachzustoßen. Die Region ab dem unteren Dnjepr bis zur russischen Grenze von 2014 bliebe während der Verhandlungen eine entmilitarisierte Zone, in der zur Sicherheit UNO-Truppen stationiert werden könnten.

Bei den Verhandlungen ginge es dann zuerst um die Rückkehr der vertriebenen Ukrainer. Anschließend könnten die Modalitäten für rechtsverbindliche Referenden ausgehandelt werden. Der Prozess wird Jahre in Anspruch nehmen, soviel ist sicher.

Aber – das dritte aber – vielleicht könnte die Zeit auf russischer Seite genutzt werden, um eine Regierung in den Kreml zu bringen, die endlich anerkennt, daß Russland keine Großmacht mehr ist. Ökonomisch ist das janusköpfige Gebilde ohnehin, wenn man die Größe des Landes beachtet, nie mehr gewesen als ein Zwerg. Militärisch hat es lediglich nach 1945 eine größere Rolle gespielt. Das Meiste war Wunsch. Russland würde geerdet.

(...)

Zugleich könnte die Ukraine ihren Platz in Europa bestimmen. Nach der erfolgreichen Abwehr der russischen Invasion darf Kiew anders auftreten, als so manch ein Bittsteller, der sich um Gelder aus Brüssel bemüht. Die EU würde bald merken, dass mit der Ukraine ein weiteres Land politisch nach Europa zurückkehrt, dessen Bürger mit der westlichen Politkamarilla und ihren dekadenten Auswüchsen so wenig zu tun haben wollen, wie die meisten Mitteleuropäer in Polen und Tschechien, in Ungarn und Slowenien, im Baltikum und auf dem Balkan. Die Tage von LGBT*-Aktivisten und Woke-Terroristen wären gezählt.

Wie man sieht, entscheidet sich an der Front zwischen ukrainischen und russischen Truppen mehr als die Zukunft der Ukraine und Russlands.

[zum vollständigen Artikel]

[zum Weiterlesen: Siege und Niederlagen]

Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.

Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte
unterstützen Sie mit einer Spende unsere
unabhängige Berichterstattung.

Abonnieren Sie jetzt hier unseren Newsletter: Newsletter

Kommentare zum Artikel

Bitte beachten Sie beim Verfassen eines Kommentars die Regeln höflicher Kommunikation.

Gravatar: Nordmann

Hajo, vom 15.11.22 18.o9
Sie sprechen mir aus der Seele.

Gravatar: Wolfgang Hebold

Werter Herr Hajo,

in Ihrer Liste vermeintlicher Erfolge Russlands fehlt der Preis, den das Land für diese übrigens auch in Russland sehr umstrittene Strategie gezahlt hat. Die USA haben ihre Kriege sehr viel effektiver gewonnen, obwohl auch sie überfallen wurden.

Weiter vergessen Sie die Reihe der Kriege, die Russland verloren hat: Krim-Krieg, Krieg gegen Japan und nicht zuletzt der Erste Weltkrieg. In dessen Vorfeld wurde ja auch der Begriff der russischen Walze geprägt. Bis sie in den Sümpfen von Tannenberg versank.

Ich kann da insgesamt keine so großen Erfolge erkennen. Eher stimme ich Helmut Schmidt zu, der einmal sagte: Russland sei Obervolta mit Atomraketen.

Grüße,

Wolfgang Hebold

Gravatar: Hajo

@ Wolfgang Hebold

Werter Herr Hebold,

ihren Einwand möchte ich gerne noch aufgreifen und folgendes erwiedern.

Ein Rückzug kann durch zwei Ereignisse erfolgen. Da ist zum ersten die voraussschauende Niederlage zu sehen oder der strategische Rückzug um falsche Entscheidungen zu korrigieren, was aber dann nicht heißen soll, der Kriegsschauplatz zu verlassen und den Schwanz einzuziehen, sondern getreu dem Motto, überleben wird der, der sich in die bessere Position begibt und das will man vermutlich von russischer Seite anstreben und eine alte Taktik von ihnen ist.

Dazu gibt es zwei berühmte Beispiele aus der Vergangenheit, wie die Russen verfahren, wenn Not an Mann ist. So stand Napoleon in Moskau keinem Feind gegenüber, wo die Russen ihn durch Nichtanwesenheit auflaufen ließen und sie erst zum Trommelfeuer bei seinem Rückzug ansetzten und ihn schwerst geschädigt haben und diese Niederlage hat ihn am Ende Kopf und Kragen gekostet, was einem Herrn Selensky am Ende auch passieren könnte.

Der zweite Fall war das Unternehmen Barbarossa der Reichswehr unter Hitler, die ebenfalls durch die Weite und das Wetter gestoppt wurden und die Einkesselung bei Stalingrad hat ihnen dann den Rest gegeben und als sie dann durch Ausfall der Nachlieferungen schwer beschädigt wurden, sind die Russen über sie erst richtig hergefallen und das gleiche könnte sich nach alter Manier in der Ukraine abspielen, denn die Russen werden ihr Land nicht aufgeben, vorher sind wir alle zusammen tot.

Deshalb auch meine Annahme von der Walze, wenn man sie aus der Vergangenheit heraus genau beobachtet hat und daraus die richtigen Schlüsse zieht, denn Wunschdenken ist ein schlechter Berater, die Taktik zu erkennnen ist weit wichtiger, denn die sind nicht in die Ukraine einmarschiert um zu verlieren, sie haben vielleicht anfangs falsch gehandelt, weil schlecht beraten, aber dazu gibt es ja die Möglichkeit der Korrektur und das meine ich damit, wenn man solche Gegner objektiv in ihrem Handeln beurteilen will.

Gravatar: Hans-Peter Klein

Unvorhergesehener Kollateralschaden. Da von der Ukraine verursacht nicht weiter schlimm.
MfG, HPK

Gravatar: Angermann

Werter Hajo, lassen Sie sich nicht durch ideologisch verpeilte Flachdenkerkommentare beeinflussen. Denn Sie haben ganz recht!

Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

… „Auf dem G-20 Gipfel hat der ukrainische Präsident Selenskyj seine Bereitschaft zu Verhandlungen erklärt. Allerdings unter Bedingungen.“ …

Wobei diese Bedingungen scheinbar aus Washington diktiert werden
https://www.cicero.de/aussenpolitik/drohender-stellvertreterkrieg-russland-ukraine-usa-anatol-lieven
und Kiew zunächst versuchen muss, eigene Gräueltaten vor westlichen Medien zu verstecken?
https://test.rtde.website/international/131481-liveticker-ukraine-krieg-lvr-kiewer/

Sollte man deshalb nicht verstehen, dass Russland entsprechende Vorbedingungen ablehnt?
https://test.rtde.website/international/154348-russisches-aussenministerium-keine-friedensverhandlungen-mit/

Was diesem Selenskiy aber völlig gegen den Strich geht, weil er nun Black Rock als Regierungsberater hat
https://test.rtde.website/wirtschaft/154323-blackrock-wird-offizieller-regierungsberater-ukraine/
und die Ukraine eine ähnlich ´liebenswerte Demokratie` ist wie „Taiwan“???
https://www.focus.de/politik/ausland/gastbeitrag-gabor-steingart-krieg-um-taiwan-waere-fataler-als-ukraine-5-ideen-wie-eskalation-sich-vermeiden-laesst_id_127318528.html

Gravatar: Sam Lowry

2 Raketen in Polen eingeschlagen. Die Kacke ist jetzt richtig am Dampfen.

Und Trampolinchen hat ihren Sermon dazu auch schon in Twitter geschmiert.

So geht Außenpolitik heute? Unfassbar... Anfang vom Ende?

Gravatar: Werner Hill

Vieles in Ihrem Beitrag sehe ich ganz ähnlich wie Sie (mal abgesehen von der Rückgabe der Krim).

Zum "überwiegenden blanken Antiamerikanismus" möchte ich aber kurz meinen persönlichen Gesinnungswandel erläutern: bis zu Gorbatschow sah ich in den Russen die Bösen und in den USA unsere Freunde. Mit der Wiedervereinigung wurden mir die Russen symphatischer und ich begann, am Wohlwollen der anderen Siegermächte (denen das gar nicht gefiel) zu zweifeln. Auch haderte ich mit den von den USA angezettelten Kriegen. Wütend war ich dann über die unverschämte Einmischung der USA bezüglich Nordstream2. Mit der völlig einseitigen Berichterstattung zum Ukrainekrieg und der Friedensverhinderungs- und Sanktionspolitik des "Westens" wurden mir die USA immer unsymphatischer. Und seit der schändlichen Zerstörung der für Deutschland so wichtigen Pipelines ist mir ein ehrlicher "Angriffs"-Krieger lieber als die menschenverachtenden und verlogenen Weltmachtgeier in den USA.

Mag sein, daß es nur mir so geht - aber unbegründet ist dieser Antiamerikanismus sicher nicht und er wird noch zunehmen ...

Gravatar: Nordmann

Weg zum Frieden?

Dreht Selenski und der Ukraine den Geldhahn zu.
Keine Unterstützung. Keine Waffen für die Ukraine!

Dafür Aufarbeitung der letzten 8 Jahre.
Also die Zeit der Verbrechen gegen russischsprachige Bürger nach dem Maida-Putsch, die in den Mainstream-Medien diskret verschwiegen wird.
Dann erscheint ein genaueres Bild.

Gravatar: Wolfgang Hebold

Werter Hajo,

in einer Hinsicht sind Sie beeindruckend: Auch im 9. Monat des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine und einem halben Dutzend Niederlagen und Blamagen reden Sie noch immer von der "Walze der Russen" wie anno dazumal Ludendorff und Hindenburg.

Mal sehen, wer eher aufwacht: Sie oder die EU, wenn sie merkt, wen sie sich mit der Ukraine heranzieht. Denn soviel ist sicher: Migranten aus dem Morgenland nimmt die Ukraine nicht auf. Und christlich ist das Land tiefer, als Sie es sich vorstellen können.

MfG,

Wolfgang Hebold

Gravatar: Hajo

Wer gerne politische Märchen der Neuzeit lesen möchte, muß sich nur der der zehn größten Medien bedienen, die alles schön aufbereitet in einfacher Form und mit viel Hetze gegen Rußland garniert und daß sich mittlerweile auch noch die kleineren Blätter daran beteiligen, die sich eigentlich der Opposition verschrieben haben ist schon etwas gewöhnungsbedürftig und zeugt nicht gerade von innerer Haltung, sieht eher nach Bedürftigkeit aus, was der Sache aber nicht dienlich ist.

Die Walze der Russen wird noch kommen und das dumme Geschwätz vom Sturz Putins ist auch so eine Sache und man sollte nicht vergessen, daß sich die russische Bevölkerung schon im Klaren ist, was da gegen sie läuft, während sich die westliche Bevölkerung im Gegensatz dazu eben nicht im Klaren ist, was noch in den nächsten Monaten kommen wird.

Wenn der kleine rote Knülch auch eine Drohung nach der anderen gegenüber Rußland ausstoßen muß. so ist das seine Sache, besser wäre es gewesen, dem "besten Freund" die Freundschaft zu kündigen, wenn der selbstherrlich und ohne Gefühle deutsches Eigentum in die Luft sprengen läßt und dieser Held steht ganz bedeppert daneben und erwiedert keinen Ton, als Zeichen der Unterwerfung und sowas steht uns vor, wo man nur noch das Grausen kriegen kann, welche unfähigen Typen unser Land regieren.

Schreiben Sie einen Kommentar


(erforderlich)

Zum Anfang